Virenscanner für Handys: So sinnvoll sind sie wirklich | handy.de
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Virenscanner für Handys: So sinnvoll sind sie wirklich

Erhöhte Sicherheit oder trügerische Versprechen?

Immer mehr Büro-Aufgaben, immer mehr Überweisungen, immer mehr Einkäufe werden über das Smartphone abgewickelt. Und das, obwohl Google fast monatlich mindestens zwei Dutzend Sicherheitslücken entdeckt. Zwar werden die Systemfehler auch verbessert. Trotzdem laufen Datendiebe hier häufig offene Türen ein. Kann ein Virenscanner für Handys helfen? Jein, zumindest zum Teil. Wir erklären, wie Du einen Antivirenscanner sinnvoll einsetzen kannst und was wirklich hilft.

Viren sind eigentlich kein Riesen-Problem

Zuerst einmal sei gesagt: Nur sehr wenige Anwendungen in offiziellen Portalen sind wirklich bösartig. Die Chance, dass Du eine dieser Apps installierst, ist verschwindend gering. Sowohl Google, als auch Apple prüfen die Anwendungen sowohl maschinell, als auch händisch auf Code, der nicht in Applikationen gehört.

Und auch, wenn es wieder heißt, dass eine halbe Million Geräte infiziert sind: Alleine im Jahr 2017 wurden weltweit 1,47 Milliarden Smartphones verkauft, derzeit werden mehr als zwei Milliarden Handys pro Tag genutzt. 0,0025 Prozent aller heute genutzten Telefone wären infiziert – das ist statistisch irrelevant. Natürlich stellen Viren für diesen Teil der Nutzerschaft trotzdem ein großes Problem dar. Deswegen ist ein Schutz vor Schadsoftware trotzdem sinnig und richtig.

Spionage-Apps und Phishing gefährlicher

Ein Virenbefall ist sowohl bei iOS, als auch bei Android sehr selten. Das sogenannte Phishing ist viel gefährlicher: Hier versucht ein Angreifer, sich als vertrauenswürdige Person oder Firma auszugeben. So möchte er versuchen, Dir Geld aus der Tasche zu ziehen. Gibst Du in einem falschen Kontaktformular etwa Deine Kontodaten an (oder gar ein Passwort oder PIN-Nummer), ist Dein Konto später um einige Euro leichter. In den meisten Fällen wird das Kreditinstitut die Buchung nicht zurückziehen können und Du siehst Dein Geld nie wieder. Deswegen: Immer aufpassen, wer Deine Daten erhält – selbst wenn es wie eine offizielle Mail oder Webseite aussieht.

Du solltest auch beim Surfen im Netz vorsichtig sein: Sogenannte Adware verbirgt sich hinter im ersten Blick normal aussehender Werbung. Durch ein paar falsche Klicks fängst Du dir schnell einen Schädling ein, der dich einiges kosten könnte. Hier empfiehlt sich entweder eine größere Aufmerksamkeit oder die Installation eines Tools, das solche gefährlichen Anzeigen herausfiltert.

Gefährliche Überwachungs-Apps

Es gibt aber auch Apps, die per se nicht unbedingt in die Kategorie „Virus“ fallen. Eine thailändische Firma bietet zum Beispiel eine 150 Euro teure App an, die auf Handys vom Partner oder einer verdächtigen Person installiert werden kann. Nach der Installation fällt es dem Nutzer nicht auf, dass irgendetwas anders ist als sonst. Aber: Die Person, die die App vorsätzlich installiert hat, kann Nachrichten, Bilder und Standort lückenlos überprüfen. Legal ist das nicht. Aber: Auch Antivirus-Apps bringen hier nicht immer was.

HackerangriffQuelle: © makistock - stock.adobe.com

Seit den NSA-Leaks von Edward Snowden wissen wir auch, dass Geheimdienste vieler Länder spezielle Software einsetzen, um die Smartphones von Zielpersonen anzuzapfen. Dagegen sind Virenscanner für Handys komplett nutzlos. Geheimdienste nutzen Softwarelücken aus, von denen Antivirus-Hersteller gar nichts wissen. So kann auch keine Gegenmaßnahme eingeleitet werden.

Google Play Protect: Virenscanner für Handys mit Android

Google Play ProtectQuelle: Mika Baumeister / handy.de
Google Play Protect

Seit Mitte letzten Jahres ist der Virenschutz bei Android-Smartphones Chefsache. Ab dann wurde mit neuen Versionen des Google Play Stores nämlich die Funktion „Google Play Protect“  automatisch auf mehr als einer Milliarde Smartphones installiert.

Google Play Protect soll Virenscanner für Handys komplett ersetzen und völlig ausreichen, um das Smartphone frei von Viren zu halten. Microsoft verfolgte mit dem Windows Defender bei Windows 10 das gleiche Prinzip und war ausgesprochen erfolgreich. Infektionen gingen durch die „Zwangsbeglückung“ zurück – trotz Kritikern, die das Ende der Privatsphäre herauf beschworen.

Die Anwendung läuft automatisch im Hintergrund, Du brauchst also nicht einen Finger rühren, um die Sicherheit des Handys zu überprüfen. Eigentlich scannt Play Protect nur die installierten Anwendungen: Sollten Programme auf Deinem Smartphone sein, die dort nicht hin gehören, wirst Du alarmiert. Auch bei abweichenden Dateigrößen schlägt der Alarm an. Du kannst schnell Gegenmaßnahmen treffen, bevor persönliche Daten abhanden kommen. Zur Überprüfung nutzt Google angeblich sogar künstliche Intelligenz.

Malwarebytes: Sicheres Surfen und App-Blocking

Eine der wohl umfangreichsten Virenscanner für Handys mit Android ist Malwarebytes. Hinter der App steckt ein großes Team an Entwicklern, Hackern und Experten, die Viren aufspüren, analysieren und neutralisieren. Auch für Windows-PCs ist diese Software sehr populär.

Ähnlich wie Google Play Protect kann Malwarebytes erkennen, welche Apps nicht auf das Smartphone gehören. Du bekommst in Echtzeit Informationen über Bedrohungen. Aber Malwarebytes bietet noch mehr Möglichkeiten: Mit vollem Zugriff auf Benachrichtigungen und Nachrichten kann die App Links überprüfen, noch bevor Du sie geöffnet hast. Solltest Du also von jemandem auf eine Webseite geleitet werden, die Dich betrügen will, greift Malwarebytes ein.

Zusätzlich überprüft die App die Sicherheitseinstellungen des Android-Systems und informiert Dich, sollte eine datenschutztechnisch bedenkliche Option angewählt sein. Dadurch bekommt Google zum Beispiel weniger Infos, die der Konzern für optimierte Werbung nutzt.

Auch möglich ist die Fernsteuerung Deines Handys: Sollte es entwendet worden sein, lässt sich per SMS die aktuelle Position herausfinden. Das können andere Apps aber besser. Wurde Dein Smartphone geklaut, helfen Dir eher andere Tipps beim Wiederfinden.

iPhone: Keine Virenscanner nötig – und möglich

Solltest Du Besitzer eines iPhones sein, ist die Chance auf einen Virenbefall derzeit ungemein kleiner. Das liegt an dem komplett geschlossenen Ansatz von iOS. Kein Kunde kann von einer anderen Quelle außer dem App-Store Programme beziehen. Das größte Sicherheitsrisiko, welches Android hat, bietet sich bei Apple-Telefonen also gar nicht erst.

iOS arbeitet mit einer Art Schubladen-Prinzip: Jede Anwendung besitzt eine Schublade und wird in diesem abgeschlossenen Bereich ausgeführt. Apps können nicht in andere Schubladen wechseln. Auch Virenscanner dürften also nicht in eine andere Schublade springen, um den Inhalt zu kontrollieren. Das würde das komplette Sicherheitskonzept zerstören.

Keine Virenscanner im Apple App Store

Zusätzlich geht Apple seit 2015 vehement gegen Virenscanner im Store vor: Da der Konzern genau weiß, dass diese Anwendungen im geschlossenen System nichts anrichten oder überprüfen können, wurden sie gesperrt. Es heißt, sie wogen Kunden nur in falscher Sicherheit, ohne einen wirklichen Effekt zu besitzen.

Das soll nicht heißen, dass iOS ein unknackbares System ist. Bekommen Hacker es hin, iPhones zu infizieren, können Virenschutz-Hersteller durch den Ausschluss aus dem Appstore aber rein gar nichts machen. Apple muss dann so schnell wie möglich reagieren. Niemand sonst hat Zugriff auf den Quellcode und kann Änderungen vornehmen.

Früher war die Aussage, dass iOS völlig sicher sei, noch falscher. Sogenannte Jailbreaks erlaubten es, Anwendungen aus fremden Appstores zu installieren. Programme wie Cydia brachten gefälschte Software auf viele iPhones.

Aber auch als iPhone-Nutzer bist Du vor Phishing nicht sicher. Schließlich gibst letzten Endes Du sensible Daten heraus, nicht irgendwelche Software. Hier musst Du – genauso wie bei Android auch – immer ein wenig aufpassen. Zwar bietet Apple im Safari-Browser eine Warnung vor betrügerischen Webseiten an. Da die Lebenszeit solcher Seiten aber sehr kurz ist und sich die URLs häufig ändern, ist dieser Schutz häufig wirkungslos.

Dein Gehirn ist der beste Virenschutz

Auch wenn Virenscanner für Handys zum Teil Erfolge bringen, ist der beste Schutz vor böser Software immer noch Dein Gehirn. Mit einen paar kleinen Tipps und logischem Menschenverstand bleibt Dein Smartphone frei von Viren, Phishing-Attacken und weiteren Bedrohungen.

  • Mann mit HandyQuelle: ©goodluz - stock.adobe.com
    Installiere nie Apps aus fremden Quellen. Am besten lädst Du nur Anwendungen aus den offiziellen App-Stores von Apple und Google. Beide Firmen kontrollieren im Vorfeld, ob sich schädlicher Code in Anwendungen versteckt.  Ohne Überprüfung können Dritte bösartige Software in Apps schleusen.
  • Pass‘ auf beim Surfen. Niemand wird Dir eins von 999 iPhones schenken, kein nigerianischer Prinz würde 200 Milliarden Dollar über Dich transferieren. Nach dem Klick auf eine solche Anzeige bist Du aber nicht reicher, sondern darfst Dein Smartphone wegen Schädlingsbefall neu aufsetzen.
  • Wenn Dir etwas verkehrt vorkommt, ist es das meistens auch. Sehr schlecht übersetzte Texte und zweifelhafte Angebote gehören dazu.
  • Installiere aktuelle Updates. Unter den Einstellungen kannst Du überprüfen, ob es neue Software für Dein iOS- oder Android-Smartphone gibt. Meistens wirst Du keinen Unterschied zur vorherigen Software-Version erkennen. Allerdings verändert sich im Hintergrund immer sehr viel und aktuelle Malware kann besser erkannt und geblockt werden.
  • Erlaube unbekannten Anwendungen nur nach ausführlicher Prüfung den Zugriff auf den Speicher des Smartphones. Du solltest nur wirklich vertrauenswürdigen Apps Daten weitergeben.
  • Installiere nur vertrauenswürdige Virenscanner für Handys. Es gibt schwarze Schafe, die die vielen Berechtigungen für böse Zwecke ausnutzen.
Quelle Statista