Xiaomi Mi Band 3 im Test: Viele Funktionen, kleiner Preis | Handy.de
Hardware

Xiaomi Mi Band 3 im Test: Viele Funktionen, kleiner Preis

Halbsmarter Fitness-Tracker wurde weiterentwickelt

Das Xiaomi Mi Band 3 ist der Beweis, dass ein guter Fitness-Tracker auch (sehr) günstig sein kann: Die Chinesen machen Firmen wie Fitbit, Withings und Garmin einiges vor. Im Test überzeugt das Armband mit einem großen Funktionsumfang und einem ausdauernden Akku.

Neue Funktionen für die Smartwatch

Seit 2014 ist Xiaomi ein Geheimtipp auf dem Markt der Fitness-Tracker. Für 15 Euro präsentierte die Firma damals ein sehr einfaches Gadget: In einem Armband wurde eine kleine Kapsel eingearbeitet, die mit drei LEDs das tägliche Schrittziel und ein paar Benachrichtigungen anzeigen konnte. Aus dem unscheinbaren Zubehör wurde einer der größten Verkaufsschlager des sechstgrößten Handy-Herstellers der Welt. Nach dem noch erfolgreicheren Mi Band 2 präsentierte Xiaomi unlängst den wieder einmal besseren Sukzessor.

Schon lange waren die verschiedenen Mi Band-Versionen ein Geheimtipp für Gadget-Fans. Für unter 30 Euro gab es eine der besten Uhren auf dem Markt. Mit dem Mi Band 3 ist jetzt der Nachfolger offiziell.

Technisch gesehen lassen sich die Verbesserungen in einem Satz zusammenfassen. Die neue Version bietet einen etwas größeren einfarbigen OLED-Screen, der Akku wurde um etwa 50 Prozent vergrößert und das Display unterstützt nun Touch-Eingabe. Aber vor allem an der Software-Front arbeitete Xiaomi stark.

Das Mi Band 3 ist der erste Fitness-Tracker der Firma, der auch zum Handy kommunizieren kann. Die Vorgänger hörten lediglich auf das Smartphone und konnten Nutzereingaben nicht zurück an das Handy übertragen. Mit dem dritten Armband ändert sich das: Das Armband ist in der Lage, Anrufe entgegen zu nehmen, die Du dann am Handy führen kannst. Zusätzlich hast Du die Möglichkeit, Dein per Bluetooth verbundenes Smartphone über das Armband klingeln zu lassen. So findest Du es einfach wieder, solltest Du es verlegt haben.

Mi Band 3: Wetter, Puls und Benachrichtigungen

Quelle: Mika Baumeister / handy.de
Das Display des Mi Band 3 ist groß genug, um detaillierte Informationen zu liefern.

Insgesamt ist das Mi Band 3 recht clever: Es zeigt das Wetter für den aktuellen und die nächsten zwei Tage direkt auf dem kleinen OLED-Display an. Ein Blick auf die Wetter-App am Smartphone entfällt. Obwohl die Firma Xiaomi hauptsächlich chinesische Kunden bedient, sind Wetterdaten für Deutschland verfügbar.

Die Xiaomi-Fitnesstracker haben schon seit Version 1.1 (Mi Band 1s) einen Pulsmesser auf der Unterseite verbaut, der mit grünen LEDs den Blutfluss durch Adern und Arterien analysiert. Die Technik ist bis heute identisch geblieben und funktioniert recht genau.

Endlich da: Notifications

Quelle: Mika Baumeister / handy.de
Der Herzfrequenzmesser funktioniert recht zuverlässig.

Neu ist das detaillierte Aufzeichnen des Pulses über den ganzen Tag: Vorherige Tracker überprüften den Puls regelmäßig, um abzugleichen, ob der Träger noch schläft oder schon aufgestanden ist. In den Einstellungen lässt sich angeben, wie oft der Puls gemessen werden soll: Minutiös, alle zehn Minuten oder stündlich. Die erhobenen Daten sind in der App Mi Fit anschaulich aufbereitet und geben tatsächlich Aufschluss über den Tagesverlauf. Durch die Verwendung der Funktion sinkt die Akkulaufzeit allerdings merklich, vor allem im kleinstmöglichen Intervall.

Schon der Vorgänger des Mi Band 3 konnte über einen kleinen Workaround Benachrichtigungen auf dem kleinen Display anzeigen. Das funktionierte eher schlecht als recht. Daran war vor allem das kleine Display schuld, das für längere Texte absolut ungeeignet war. Die aktuelle Version unterstützt auch offiziell die Anzeige von Notifications. Beim neuen Modell klappt das Lesen deutlich besser, ist aber immer noch nichts für Menschen mit einer Sehschwäche. Nur fitte Augen können die kleinen Schriftzeichen vernünftig ablesen. Zusätzlich stören Symbole, die mit einem Fragezeichen versehen sind. Das Armband kann gewisse Buchstaben noch nicht interpretieren und zeigt stattdessen das Fragezeichen als Fehlercode. Dazu gleich mehr.

Menüführung: Navigation einfacher denn je

Das Mi Band 3 unterstützt drei verschiedene „Watch Faces“: Zwei Designs zeigen Uhrzeit und Datum im klassischen und futuristischen Look, das dritte zeigt noch die absolvierten Schritte an. Natürlich präsentiert der Fitnesstracker neben den Schritten auch die gelaufenen Kilometer und verbrannten Kalorien. Diese „normalen“ Funktionen dürfen bei einem Armband natürlich nicht fehlen.

Die Navigation des Mi Band 3 ist recht einfach. Ein Knopfdruck wie bei Version 2 des Trackers reicht nicht aus, dafür gibt es nun einfache Wischgesten. Vom „Homescreen“ mit der Zeitanzeige kannst Du nach oben oder unten wischen, um in die zusätzlichen Menüs zu gelangen. Die Menüs lassen sich anschließend durch ein Wischen nach links durchsuchen. Möchtest Du einen Menüpunkt auswählen (etwa die Stoppuhr), muss dein Finger rund eine Sekunde auf dem Touchscreen der smarten Uhr verbleiben. Anschließend startet der Timer, bis er durch den gleichen Druck wieder deaktiviert wurde.

Wasserdicht, aber…

Unter Wasser lässt sich das Display übrigens nicht bedienen: Solltest Du mit der Uhr schwimmen wollen, muss der Timer vor dem Sprung in das Wasser aktiviert sein. Beim Duschen sollte das Armband idealerweise abgenommen werden: Zwar ist es wasserdicht, aber das Mi Band erkennt jeden Tropfen als Interaktion. Diese Fremdeingaben beanspruchen den Prozessor und verkürzen die Akkulaufzeit.

Quelle: Mika Baumeister / handy.de
Ablesbarkeit in der Sonne: Könnte besser sein.

Im Sonnenlicht lässt sich das Display nur ablesen, wenn Du mit Deiner Hand für ein wenig Schatten sorgst. Schon das Mi Band 2 hatte mit zu hellen Umgebungen zu kämpfen, bei dem Nachfolger ist das nicht anders. Das ist der größte Kompromiss, den Xiaomi treffen musste: Wahlweise ein helleres Display oder die lange Akkulaufzeit beibehalten. Durch die Rundung des Displayglases spiegelt die aktuelle Version leider mehr: Irgendwo wird immer eine Lichtquelle reflektiert, da das ganze Glas gerundet ist. Die flache Scheibe des Mi Band 2 bot hier Vorteile.

Mi Fit-App: Zahlreiche Funktionen für Sportler

Ebenfalls seit 2014 wird die Mi Fit-App entwickelt. Was anfangs wie ein Studentenprojekt ein paar chinesischer Entwickler wirkte, mauserte sich mit den Updates der letzten zwei Jahre zu einem gut brauchbaren Programm. Die App wird benötigt, um das Mi Band 3 mit dem Handy zu koppeln und die aktuelle Uhrzeit zu übermitteln. Zusätzlich lassen sich Firmware-Updates über die Anwendung durchführen.

Auf der Übersichts-Seite kannst Du Dir einen Gesamteindruck zu Deiner Fitness ansehen: Die Anwendung präsentiert übersichtlich die bereits aktivierten Schritte, den Schlaf der letzten Nacht und die vergangenen Sportaktivitäten. Hinter jedem Element liegen weitere Informationen, die grafisch schick aufbereitet mehr Informationen zur Verfügung stellen.

Mi Fit
Mi Fit

Viele Anpassungsmöglichkeiten

Unter dem Tab „Aktivitäten“ kannst Du das Mi Band 3 für eine Sport-Session vorbereiten: Sobald die Programme Gehen, Joggen, Fahrradfahren und Laufband konfiguriert sind, wird Dein Puls kontinuierlich gemessen. Das hilft bei der anschließenden Analyse der Leistung. Die direkte Einordnung des Pulses in den aerobischen, anaerobischen oder Vo2 Max-Bereich ist zwar je nach Nutzer nicht sonderlich genau, für eine grundsätzliche Einordnung aber brauchbar.

Der Reiter „Profil“ bietet die Einstellungsmöglichkeiten für das Mi Band 3: Hier lassen sich Sonderfunktionen aktivieren. Das verbundene Handy lässt sich beispielsweise direkt entsperren, sobald das smarte Armband in der Nähe liegt. Alarme, eingehende Anrufe und Benachrichtigungen lassen sich gut konfigurieren. Auch die Reihenfolge der auf dem Mi Band angezeigten Menüs ist anpassbar. Zusätzlich können hier manuelll Software-Updates für das Armband durchgeführt werden.

Sprache auf Englisch ändern

Bisher ist das Xiaomi Mi Band 3 nicht in das Englische (geschweige denn ins Deutsche) übersetzt. Einige Schriftzeichen sind in traditionellem Mandarin, was bei der Bedienung etwas stört. Allerdings lässt sich das Mi Band schon jetzt einfach bedienen – auch, wenn im Wetter-Menü der Wochentag für die westliche Bevölkerung nicht verständlich ist.

Die englische Sprache sollte mit einem Software-Update in den nächsten Wochen auch offiziell installierbar sein. Bis das passiert, gibt es einen kleinen Workaround. Es gibt eine inoffizielle Android-App, die eine Übersetzung ins Englische mitbringt. Wir möchten darauf hinweisen, dass verfälschte Software unter Umständen Schadprogramme enthalten könnte – deswegen installiere das Programm bitte nur, wenn Dir die Konsequenzen bewusst sind. So kannst Du die App installieren:

  • Entkoppele in der originalen Mi Fit-App das Mi Band (Profil -> Mi Band 3 -> ganz unten: Bindung aufheben)
  • Deinstalliere die originalle Mi Fit-App von Deinem Handy
  • Lade die Mi Band-Anwendung bei Mega herunter
  • Installiere die Anwendung über den Dateimanager (Du musst unter Umständen die Installation von Fremdanwendungen in den Einstellungen aktivieren)
  • Melde Dich mit Deinem Mi-Account an
  • Kopple das Band erneut
  • Das Update auf die englische Firmware startet automatisch

Spezifikationen in der Übersicht

Mi Band 3
Maße 17,9 x 46,9 x 12 Millimeter
Gewicht 20 Gramm
Display 0,78 Zoll, 128×80 Pixel, einfarbiges OLED
Akku 110 mAh, Akkulaufzeit bis 25 Tage
Sensoren Pulsmesser, Gyroskop, Beschleunigungssensor
Konnektivität Bluetooth 4.2
IP-Klassifizierung IP68: 50 Meter Wasser, Staubgeschützt
Armband Thermoplastisches Elastomer

Mi Band 2 vs. Mi Band 3

Mit dem Verkaufsstart des Mi Band 3 endet die lange Ära des Mi Band 2. Das sorgt unter anderem für Vergünstigungen, was Version 2 des Gadgets interessant hält. Ab etwa 20 Euro gibt es das ältere Band aus Deutschland, zum Teil liegen Import-Geräte bei 15 Euro.

Das größere Display ist tatsächlich ein Pluspunkt für das neue Produkt. Es wuchs zwar nur um 0,3 Zoll, dennoch ist der OLED-Screen im direkten Vergleich deutlich größer. Auch die zusätzlichen Funktionen, wie die Anzeige des Wetters, erwiesen sich im Test als praktisch. Die dauerhafte Pulsmessung erlaubt sogar ein so genaues Tracking, dass der Puls-Verlauf als Indiz beim Kardiologen genutzt werden könnte.

Die Preisdifferenz zwischen Mi Band 2 und 3 liegt derzeit (Juni 2018) bei rund zehn bis 15 Euro. Damit ist noch ein klarer Unterschied zu spüren. Reichen Dir gelegentliches Puls-Tracking, eine simple App-Benachrichtigung mit kleinen Icons und eine sehr einfache Menüführung, ist das Mi Band 2 ohne Kompromisse zu empfehlen.

Das Mi Band 3 trägt etwas mehr auf: In Summe ist der Fitness-Tracker etwas größer geworden. Das runde Display spiegelt mehr und lässt sich durch Ersatz-Armbänder modisch nicht so gut verbergen wie beim Vorgänger. Es gibt jedoch ein riesiges Plus an Funktionen, weswegen für Sportler und Fans günstiger „Smartwatches“ eigentlich kein Weg am Mi Band 3 vorbei geht.

Fazit: Mi Band 3 überzeugt auf voller Linie

In wenigen Wochen wird das Armband von Xiaomi uneingeschränkt empfehlbar sein. Die chinesische Sprache wird zeitnah per Patch auf Englisch umstellbar sein. Außerdem wird der Preis noch ein gutes Stück sinken. Einzelhändler verlangten am ersten Verkaufstag mehr als 40 Euro für das Armband. Inzwischen liegt der Preis bei rund 30 Euro. Sobald das Mi Band 3 für 25 Euro den Besitzer wechselt, ist der Kauf ein No-Brainer.

Mi Band 3

Bis auf die Mankos der fehlenden Lokalisierung und dem für Xiaomi-Verhältnisse recht hohen Preis können wir am Mi Band 3 auf technischer Ebene fast keine Kritik äußern. Andere Hersteller wie Fitbit bieten mit ihren Trackern weniger, verlangen aber den doppelten Preis. Hier ist Xiaomi besser aufgestellt.

Das Mi Band 3 wird in den kommenden Monaten definitiv zu einem Verkaufsschlager werden. Nicht nur in China, sondern auch hier in Deutschland. Schon die Vorgänger ließen sich aufgrund des niedrigen Preises in großen Stückzahlen kaufen und sind weltweit beliebt. Bei Version 3 des smarten Gadgets wird es nicht anders laufen.

Xiaomi MI Band 3 in Deutschland kaufen

Da Xiaomi offiziell noch keine Produkte in der EU verkauft, muss das Mi Band 3 von Händlern oder Dir nach Deutschland importiert werden. Auf Amazon und eBay gibt es derzeit zwar einige Angebote. Allerdings sind die Preise vergleichsweise hoch. Am günstigsten ist derzeit ein direkter Import aus China, etwa von Gearbest. Der Versand ist kostenlos und dauert rund zwei bis drei Wochen. Allerdings kommt hier im Zweifelsfalle ein Besuch beim Zollamt dazu, welches sich über 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer freut.

Nur minimal teurer ist der Shop TradingShenzhen. Die Firma ist sowohl in China als auch Deutschland ansässig. TradingShenzhen importiert manche Chargen des Mi Band 3 direkt nach Deutschland, sodass die Versandzeit bei wenigen Tagen liegt und kein Zoll bedacht werden muss. Zusätzlich gibt es allerdings auf alle Produkte eine einjährige Garantie für den Fall eines Defektes. Das smarte Gadget ist hier für 31 Euro verfügbar.

Hinweis: Für den Test wurde uns das Xiaomi Mi Band 3 von dem Online-Shop TradingShenzhen zur Verfügung gestellt.