Wiko View 2 Pro im Test: Viel Display zum kleinen Preis | handy.de

Wiko View 2 Pro im Test: Viel Display zum kleinen Preis

Premium-Feeling zum Mittelklasse-Preis

Zum Mobile World Congress stellte Wiko insgesamt acht neue Handys vor – eines davon das Wiko View 2 Pro. Es überzeugt mit der Optik eines High-End-Smartphones, bietet eine Dualkamera und kommt mit Notch daher – trotzdem ist der Preis relativ gering. Was der Franzose wirklich kann, liest Du hier im Test.

Optik und Haptik: Wertig, aber rutschig

Der Hersteller Wiko kommt aus Frankreich – das präsentiert die Firma auch auf der Rückseite des Handys, die, wie der Rest des Gerätes, sehr hochwertig verarbeitet ist. Es gibt keine Fertigungsungenauigkeiten, keine Kanten und ein fieses Knarzen wirst Du bei der Benutzung des Handys auch nicht feststellen müssen.

Die Rückseite aus Glas ist sehr edel.

Sowohl Vorder- als auch Rückseite des Smartphones bestehen komplett aus Glas. Auf der Front findet sich hinter fast jeder Stelle des Glases das große Display. Es ist an den Seiten und am oberen Ende fast randlos, nur die Frontkamera sticht mittig hervor. Die Rückseite besteht aus speziell beschichtetem Glas, das besondere Reflektionen erlaubt – ganz ähnlich zum Twilight-Effekt beim Huawei P20 Pro. Der Effekt sieht vor allem in schattigen Lichtverhältnissen gut aus und ist interessanter als eine schnöde einfarbige Plastik- oder Aluminiumrückseite. Unser Testgerät hat die Farbe Anthrazit, als zweite Option gibt es ein goldenes Modell.

Fingerabdrücke werden vom Wiko View 2 Pro magisch angezogen. Dieses Problem hat aber jedes Handy mit Glasrückseite

Einerseits sieht das Glas für ein Mittelklasse-Smartphone verdammt gut aus – andererseits hat das auch zwei Nebenwirkungen: Das Gerät ist relativ rutschig und muss desöfteren nachgegriffen werden, damit es nicht aus der Hand fällt. Sind Deine Finger generell etwas griffiger, passiert das nicht. Allerdings gibt es dann ein Fingerabdruck-Kunstwerk auf der Rückseite. Glücklicherweise reicht es, das Glas mit Stoff abzuwischen. Danach sieht das Glas so aus wie vorher.

Der Rahmen besteht aus gebürstetem Aluminium. Er fühlt sich stabil an und ist dunkel gehalten. An den Seiten zum Display und der Rückseite ist die Kante angeschliffen, sodass die silberne Grundfarbe des Aluminiums einen Kontrast setzt.

Maße und Anschlüsse

Das Smartphone wiegt 164 Gramm. Damit gehört es nicht zu den Leichtgewichten, ist aber noch nicht zu schwer. Zum Vergleich: Das iPhone X ist etwas kleiner und wiegt dennoch stolze zehn Gramm mehr. Die Ausmaße von 153 x 72,6 x 8,3 mm sind für die gebotene Displaydiagonale gut.

Auf der Unterseite findet sich der Micro-USB-Anschluss, ein Lautsprecher und ein Mikrofon.

Das Wiko View 2 kommt mit einem Klinkenanschluss auf der Oberseite daher. Du kannst also wie gewohnt Kopfhörer anschließen. Solltest Du vorher ein Handy mit Micro-USB-Anschluss besessen haben, musst Du dich auch hier nicht umgewöhnen: Wiko verbaut statt dem eigentlich inzwischen geläufigen USB Typ-C-Anschluss noch eine Micro-USB-Buchse, die dann auch noch um 180 Grad verdreht eingesetzt ist. Schade, denn der USB Typ-C-Anschluss hat sich mittlerweile auch in der Mittelklasse sehr etabliert. Als Wiko View 2 Pro-Nutzer muss man also weiter genau hinsehen, wie das Kabel richtig herum eingeführt wird.

Das Fingerabdruck-Lesegerät ist mittig auf der Rückseite platziert worden. Der Sensor liegt etwas höher, sodass kleinere Hände vor der Bedienung des runden Pads unter Umständen umgreifen müssen. Leider ist das Lesegerät nicht besonders schnell und genau: Immer wieder muss der Finger erneut aufgelegt werden. Nach fünf fehlgeschlagenen Versuchen wartet dann die PIN-Eingabe. Das passiert leider viel zu häufig.

Display: Preis-Leistung grandios

Der Kaufgrund für das Wiko View 2 Pro schlechthin wird das Display sein. In der Preisklasse des Handys hat kaum ein Gerät so einen großen Screen. Dieser misst von Ecke zu Ecke 6,0 Zoll. Das Displayverhältnis liegt bei 19:9, damit schließt sich Wiko den großen Vorbildern an. Das neue Seitenverhältnis sorgt für ein besseres Haltegefühl, während das Display trotzdem vergleichsweise groß ist.

Das View 2 Pro verbaut einen LCD-Bildschirm, um den Preis günstig zu halten. Darunter leidet der Kontrast, der Betrachtungswinkel und die Farbwiedergabe. Das Display ist eher in der Mittelklasse einzuordnen. Vor allem bei der Anzeige von Benachrichtigungen in einer Art Always-On-Display fällt das auf: Der eigentlich schwarze Hintergrund schimmert und erscheint grau. OLED-Bildschirme kommen mit solchen Kontrasten besser zurecht, weil die einzelnen Pixel beleuchtet werden. Bei der normalen LCD-Technik, die auch beim Wiko zum Einsatz kommt, wird der ganze Screen hintergrundbeleuchtet.

OLED, IPS, Retina: So unterscheiden sich die Displayarten

Die Auflösung des Displays liegt bei 1.528 x 720 Pixeln – für die Preisklasse ist das noch gerade eben vertretbar. Vergleichbare Handys verbauen inzwischen Full-HD-Panels, also mit einer Auflösung von mindestens 1.920 x 1.080 Pixeln. Negativ fällt die geringe Pixelanzahl aber kaum auf. Aus der normalen Betrachtungsentfernung sind keine einzelne Bildpunkte zu erkennen.

Einen kleinen Knackpunkt gibt es bei der Auflösung dann aber doch: Video-Anwendungen wie YouTube erlauben kein Streaming von Full-HD-Videos, maximal kommen 720p an. An sich wäre das kein Problem, hätte die YouTube-App nicht eine Skalierungsanpassung auf das neue, breitere Bildschirmformat. Dadurch wird näher an das Video heran gezoomt und es bildet sich bei qualitativ nicht so hochwertigen Videos ein Pixelbrei.

Notch: Nicht breit, aber tief

Das Wiko View 2 Pro gehört zu den günstigsten Smartphones mit einer sogenannten Notch. Die Aussparung bzw. Kerbe im Display beheimatet die Frontkamera. Somit kannst Du ganz normale Selfies aufnehmen.

Allerdings fällt die Notch auch negativ auf: Im Vergleich zur Konkurrenz ist die Notch zwar recht schmal. Es ist nur eine Kamera eingebaut, kein Entfernungsmesser, Helligkeitssensor oder Lautsprecher. Aber: Wiko hat sich dafür entschieden, einen sehr tiefen breiten schwarzen Rand um die Linse zu platzieren. Dadurch geht die Notch sehr tief, was manche Apps nicht besonders schön erscheinen lässt.

Leistung: Flüssige Mittelklasse

Im Wiko View 2 Pro steckt ein Rechenkern von Qualcomm. Der Snapdragon 450 bietet acht Kerne. Vier davon kümmern sich um Hintergrundaufgaben, die restlichen vier sind für Spiele und anspruchsvolle Anwendungen zuständig. Der Ende 2017 vorgestellte Prozessor rechnet mit bis zu 1,8 Gigahertz und bietet einen Adreno 506-Grafikchip, der selbst mit aktuellen Spielen klar kommt. Durch das aktuelle Fertigungsverfahren und deutlich kleinere Transistoren soll der Prozessor im Vergleich zum Snapdragon 435 rund vier Stunden mehr Akkulaufzeit bieten. Der 435-Chip kommt im Wiko View 2 zum Einsatz.

Dem Prozessor stehen vier Gigabyte RAM zur Seite, um genügend Anwendungen im Hintergrund laufen lassen zu können. Apps lassen sich im Multitasking-Menü in der Regel direkt wieder öffnen, nur bei großen Spielen ist ein Neustart der App nötig.

Tatsächlich hat der Snapdragon 450 keine Probleme, selbst aktuelle 3D-Spiele anständig zu beschleunigen. Auf dem Handy läuft beispielsweise Playerunknowns Battlegrounds in den niedrigsten Einstellungen mit rund 30 Bildern pro Sekunde. Ältere Titel wie Temple Run stellen keine Probleme dar, das Spiel läuft im Vollbild-Modus (die Notch wird auch vom Spiel genutzt) mit flüssigen 60 Bildern pro Sekunde.

Wiko View 2 Pro: Benchmarks

AnTuTu-Score des View 2 Pro.

In normalen Benchmarks kann das Wiko View 2 Pro ausreichende Ergebnisse erzielen und ungefähr auf Augenhöhe mit dem Moto G6. Es wird deutlich, dass der Prozessor vor allem auf geringeren Energieverbrauch getrimmt wurde. Und, wie gerade schon geschildert: Spiele laufen trotzdem flüssig.

  • AnTuTu-Benchmark: 70.322 Punkte
  • Geekbench 4 Single-Core: 769
  • Geekbench 4 Multi-Core: 3869

Speicher: Genug Platz für Apps

Das Wiko View  2 Pro ist standardmäßig mit einem Flash-Speicher ausgestattet, der 64 Gigabyte fasst. Direkt nach dem Start des Handys stehen Dir rund 55 Gigabyte zur Verfügung. Der Rest wird für das Betriebssystem und die Formatierung des Flash-Speichers benötigt.

Dir reichen 55 Gigabyte nicht? Kein Problem, der SIM-Kartenslot kann anstelle einer zweiten SIM-Karte auch eine Micro-SD-Karte fassen. Diese darf bis zu 128 GB groß sein.

Sensoren: Fingerabdruck klappt (theoretisch)

Das Wiko View 2 Pro hat aufgrund der großen Bildschirmdiagonale keinen Fingerabdruckscanner mehr auf der Vorderseite. Stattdessen landete der Sensor mittig auf der Rückseite. Die Positionierung ist gut, vielleicht hätte der ungefähr ein Zentimeter große Kreis etwas weiter unten verbaut werden können.

Der Fingerabdrucksensor des Wiko View 2 Pro ist etwas träge.

Die Reaktionszeit des Fingerprint-Sensors lässt jedoch Platz für Wünsche: Während viele High-End-Smartphones innerhalb eines Sekundenbruchteils den Fingerabdruck analysieren und das Handy entsperren, braucht das View 2 Pro dafür eine klar merkliche Reaktionszeit. Unter 0,3 Sekunden ließ sich das Wiko nicht einmal entsperren. Und nein, weder waren die Fingerkuppen nass noch anderweitig verklebt und somit unlesbar.

Zusätzlich dazu erkennt das Wiko häufig Finger einfach nicht. Teils ist das Problem so groß, dass fünf Anmeldeversuche fehlschlagen. Daraufhin lässt sich das Gerät nur per Code reaktivieren. Vor allem bei häufiger Nutzung stört die Ungenauigkeit sehr.

Das Gerät lässt sich mit der normalen Android-Gesichtserkennung entsperren. Diese ist jedoch wegen eines fehlenden Infrarot-Lichtes nachts nicht nutzbar. Außerdem lässt sich die „Face Unlock“-Funktion bei Android-Smartphones durchaus durch ein einfaches Foto austricksen. Dies gelang uns z.B. schon mit dem Huawei P20 Pro und dem P20.

Huawei P20 Pro: Gesichtserkennung lässt sich mit Foto überlisten

Telefonie: Laut, aber undefiniert

Das Wiko View 2 Pro hat zwei Lautsprecher: Einer befindet sich an der Ohrmuschel und ein weiterer am unteren Ende neben dem Micro-USB-Port. Beide Lautsprecher sind vergleichsweise laut. Aber: Es fehlt an Brillanz. Obwohl alle Telefonate mit der Sprachverbesserung HD Voice geführt wurden, blieben Stimmdetails aus.

Störgeräusche konnte das Wiko recht gut filtern. Ein im Hintergrund laufender Ventilator wurde kaum erfasst, sodass der Gesprächspartner das gesprochene Wort gut verstehen konnte. Auch bei der Freisprech-Funktion funktionierte die Filterung gut: Es entstand kein Hall und das Gespräch konnte ohne Probleme geführt werden.

Wiko verbaut – wie in der Mittelklasse üblich – auch noch eine Kopfhörer-Buchse. Die Qualität der Musik ist per Kopfhörer gut. Der Stereo-Effekt kommt gut zur Geltung und ein Grundrauschen lässt sich selbst an einer externen Anlage nicht feststellen.

Internet: Fix unterwegs dank LTE

Der neue Prozessor bringt Funktionen in das Wiko, die in der Mittelklasse bisher kaum vertreten sind: Der LTE-Speed wurde auf bis zu 300 Megabit pro Sekunde im Download erhöht, 150 Mbit/s können hochgeladen werden. Viele Geräte in der gleichen Preisspanne sind durch ein älteres Modem nicht nur langsamer, sondern bei der Kommunikation mit dem Funkmasten auch weniger effizient.

Wiko als französischer Hersteller bietet die Kommunikation über alle in Europa genutzten Funkbänder. Smartphones aus China verzichten häufig auf das LTE-Band 20, weil es im asiatischen Raum nicht genutzt wird. In Deutschland ist Band 20 aber die wichtigste LTE-Frequenz. Deswegen ist es schön, dass Wiko sich für die entsprechende Frequenz entschieden hat. Du solltest mit dem View 2 Pro also an fast jeder Ecke LTE empfangen können – zumindest wenn dies Deine Netzabdeckung vom Mobilfunkanbieter zulässt.

Das Smartphone verbindet sich flott mit dem Mobilfunknetz, nach einem Neustart steht der Datentransfer innerhalb weniger Sekunden. Auch der Transport in der Hosentasche ist kein Problem: Die Antennen liegen so, dass auch beim halb verdeckten Handy alle Funkwellen versendet und empfangen werden können.

Doppelte SIM-Karten

Du kannst mit dem Wiko View 2 Pro zwei SIM-Karten nutzen: Beide SIMs müssen im Nano-Formfaktor zugeschnitten sein. Für die Karten lassen sich spezielle Funktionen zuweisen: Jeweils eine der zwei Karten kann im Internet surfen, telefonieren und SMS versenden. Möchtest Du eine Micro-SD-Karte nutzen, fällt einer der beiden Slots weg.

Welche SIM-Karte benötige ich für mein Handy?

WLAN: 5 GHz fehlt

Schade eigentlich: Nutzt Du zuhause ein 5 GHz-WLAN, wird das Wiko sich damit nicht verbinden können. Das Handy findet nur drahtlose Netzwerke auf der normalen 2,4 GHz-Frequenz. Im Alltag ist das meist nicht schlimm, weil die meisten WLAN-Router sowohl mit 2,4 als auch 5 Gigahertz senden. Trotzdem wäre eine Verbindung mit den neueren Funknetzen schön gewesen.

Ganz schnelle Verbindungen schafft das Wiko im WLAN nicht: In einem WLAN-Netz mit 150 Megabit Down- und 20 Megabit Upstream erreicht das Wiko lediglich 20 Megabit im Download und 4 Megabit im Upload. Ein Surface Pro 4 und ein Xiaomi Mi 5 schaffen aus der gleichen Entfernung 45 Megabit Down- und 6 Megabit Upload.

Software: Aktuelles Android, einige Sonderfunktionen

Das Wiko View 2 Pro wird mit Android 8.0 ausgeliefert. Bisher (Juni 2018) gibt es noch keine neueren Updates, für Android 8.1 gibt es noch keinen Update-Termin. Trotzdem kommen schon fleißig Sicherheitsupdates auf das Smartphone, die neuesten Virendefinitionen sind monatlich als Over The Air-Update installierbar.

Als Custom ROM kommt eine Lösung zum Einsatz, die allerdings keinen klingenden Eigennamen trägt. Das Stock-Android wurde optisch an ein paar Stellen verändert. Vor allem bei der Notch fällt das auf: Die Benachrichtigungsleiste wurde speziell auf die tiefe Notch angepasst. Auch hier gibt es noch keine Updates.

Für die Nutzer des Wiko View 2 Pro gibt es Sonderfunktionen, die die Bedienung etwas erleichtern. Das Display kann durch ein Doppeltippen zum Leben erweckt werden. So musst Du nicht immer den Ein-Aus-Knopf drücken oder das Handy sogar anheben, um das Fingerabdruck-Lesegerät zu betätigen. Außerdem kannst Du die Notch durch einen kleinen versteckten Button in der Navigationsleiste aktivieren oder deaktivieren. In den meisten Anwendungen sieht der aktive Modus am besten aus, manche nicht angepasste Apps sollten aber im deaktivierten Zustand starten.

Das Handy ist komplett frei von sogenannter Bloatware: Es gibt keine Apps, die vom Hersteller ohne Grund installiert wurden. Neben den Google-Anwendungen findet sich nur die App „WiLine“ auf dem Telefon. Diese wird benötigt, um spezielle Hüllen zur Annahme von Telefonaten zu konfigurieren.

Kamera: Zweite Linse für Kunst-Bokeh

Das Wiko View 2 kommt mit zwei Kameras auf der Rückseite daher. Einer der Sensoren löst mit 16 Megapixeln auf, über die zweite Kamera gibt Wiko keine Details. Die Hauptlinse bietet einen normalen Sichtwinkel, Kamera Nummer zwei bietet eine Fisheye-Ansicht. Das Bild wird deutlich breiter, es lässt sich mehr Umgebung einfangen.

Die Panoramas des Wiko View 2 Pro sind recht gut. Über dem Hochhaus rechts schwebt noch ein Heißluftballon, der nur durch Zoom sichtbar ist.

Die 16 Megapixel aufnehmende Hauptkamera produziert ordentliche Ergebnisse, vor allem in sonnigen Verhältnissen. Bei schattigen Situationen oder der Abendstunde kommt der Sensor aber schnell an seine Grenzen. Das Bild wird sehr verwaschen und dunkle Konturen werden schnell zum Einheitsbrei. Für die Preisklasse ist das Ergebnis ohne die künstliche Unschärfe in Ordnung – zu dem Thema aber später mehr.

 

Die Weitwinkel-Kamera mit einem 120°-Sichtfeld bleibt rätselhaft. Wiko veröffentlicht im offiziellen Datenblatt keine Details zum Sensor. Die Ergebnisse sprechen aber für sich: Scheint die Sonne nicht, sind die Fotos eher mittelmäßig. In normaler Wohnungsbeleuchtung ist die Kamera nicht mehr nutzbar, zu groß ist das produzierte Bildrauschen, zu verschwommen Konturen und Kontraste finden sich kaum. Im Portrait-Modus werden die Daten dieses Sensors genutzt, um künstliche Effekte auf das Bild zu legen. Hierfür erfüllt die zweite Kamera ihren Zweck.

Beide Kameras bieten keine optische Bildstabilisierung. Allerdings wird im Videomodus eine elektronische Stabilisierung aktiviert, die richtig gut funktioniert. Selbst stärkere Erschütterungen sind durch die Software fast komplett ausgeglichen. Fotos profitieren bei längeren Belichtungszeiten auch von der Stabilisierung.

Du kannst die Kamera wahlweise über die Lautstärke-Tasten, das Display oder den Fingerprint-Reader auslösen. Letztere Funktion ist vor allem bei Hochkant-Aufnahmen Fluch und Segen zugleich: Oft wird der Sensor aus Versehen berührt, was zu einer Fotoaufnahme führt. Andererseits: Erinnerst Du Dich an die Funktion, ist sie richtig nützlich.

Unschärfe-Funktion verbessert die Kamera

Wie eigentlich jedes Handy mit Dual-Kamera beherrscht auch das Wiko die Funktion, künstliche Unschärfe in die Bilder hinein zu rechnen. Der Effekt klappt überraschend gut: Portraits sehen aus wie von einer professionellen Kamera angefertigt, die Schnittkanten sind klar und gut. Einzelne Haarsträhnen verschwinden zwar ab und zu, Brillen sind aber im Großteil der Fotos vom View 2 Pro intakt und nicht verschwommen, wie es beim Samsung Galaxy S9 des Öfteren passiert.

Smartphones mit Dual-Kamera: Das sind die Unterschiede

Während die normale Kamera kaum Besonderheiten bietet, sticht die Bokeh-Funktion hervor. Die künstliche Unschärfe lässt Bilder sehr professionell wirken, obwohl beide Kameras als allein stehende Einheit nur normale Schnappschüsse produzieren.

Selfie-Cam: Beauty-Modus und Unschärfe an Bord

Die Frontkamera löst ebenso wie die Hauptkamera mit 16 Megapixeln auf. Auch dieser Sensor hat seine Probleme mit schwachen Lichtverhältnissen. Das Bildrauschen wird recht schnell sichtbar. Durch einen festen Fokus muss die Kamera nicht mehr fokussieren, trotzdem ist alles ab einer Distanz von etwa 30 Zentimetern scharf. Gruppenfotos sind also immer scharf.

Zusätzlich gibt es einen Beauty-Modus, der Falten und Pickel geschickt versteckt. Je nach Deinen persönlichen Präferenzen kannst Du die Stärke des Effektes in Stufen anpassen. Zusätzlich lässt sich auch hier der künstliche Bokeh-Effekt aktivieren: Hier wird versucht, aus den Daten einer einzelnen Linse ein 3D-Tiefenmodell zu erstellen. Das klappt nicht so gut wie bei der Dual-Kamera, die Ergebnisse sind dennoch ansehnlich.

Akku: 3.000 lang haltende Milliamperestunden

Dank des neuen Prozessors läuft das Wiko View 2 Pro überraschend lange. Der 3.000 mAh fassende Lithium-Ionen-Akku ist nicht austauschbar, da sich das Handy nicht ohne spezielles Werkzeug öffnen lässt. Aber: Bei der Akkulaufzeit sollte das auch erst einmal nicht nötig sein.

Du kannst das Smartphone am schnellsten per Quick Charge 3.0 laden. Das Smartphone ist aus dem völlig entladenen Zustand innerhalb von etwa zwei Stunden wieder aufgefüllt. An einem langsameren 2 Ampere USB-Netzteil benötigt das Smartphone etwa zweieinhalb Stunden.

Die Ergebnisse im Akkutest

Der Akkustand des Wiko nach Intensivtest und Standby.

In unserem Akkutest wird jedes getestetes Handy acht Stunden intensiv getestet, anschließend bleibt das Gerät 16 Stunden im Standby. Nach der Benutzung verblieb der Akku bei 39 Prozent – das ist im guten Akku-Mittelfeld.

Nach dem Intensiv-Test hatte das Smartphone noch etwa 55 Prozent. Das halbstündige Video-Streaming benötigte nur rund 5 Prozent der Energie, das Spiel Playerunknowns Battlegrounds beanspruchte in 30 Minuten Laufzeit im Gegensatz dazu ganze 13 Prozent.

Normales Web-Surfing und Messaging sind während des Testzeitraums für rund zehn Prozent des Energieverbrauchs verantwortlich. Die Audiowiedergabe forderte den Akku gar nicht heraus. Die Kamera benötigt ebenfalls fast keinen Strom, da es keine mechanische Linsen-Stabilisierung gibt. Der größte Verbraucher war in den meisten Tests der Bildschirm. Die große Displaydiagonale möchte beleuchtet werden – das kostet verhältnismäßig viel Energie.

Im Standby-Modus zeigt sich das Wiko View 2 Pro genügsam. Angeschaltet, mit SIM-Karte, aktiviertem WLAN und Bluetooth sank der Akkustand über die Nacht auf 43 Prozent.

Mit speziellen Stromsparmodi und Einstellungen könntest Du die Laufzeit des Handys noch verbessern. Dadurch sinkt aber die Performance weiter.

Wiko View 2 Pro: Technische Daten

Wiko View 2 Pro
Display6,0 Zoll, LED-Panel, mit Notch
Auflösung1.528×720 Pixel
ProzessorQualcomm Snapdragon 450, 8x 1,8 GHz
RAM4 GB
Speicher64 GB, erweiterbar mit Micro-SD um 128 GB
KameraDual, 16 MP f/1.75, Zweitkamera: Weitwinkel 120°
Frontkamera16 MP, f/2.0
Akku3.000 mAh, nicht wechselbar
SoftwareAndroid 8.0
IP-ZertifizierungKeine
EntsperrmethodenFingerabdruck, PIN, Passwort, Android-Gesichtserkennung
Maße & Gewicht153 x 72 x 8,3 mm, 164 Gramm
FarbenAnthrazit, Gold
UVP299,00 Euro
MarktstartJuni 2018

Fazit: Wiko View 2 Pro im Test

Wiko View 2 Pro TestsiegelDas Wiko View 2 Pro ist ein gut ausbalanciertes Mittelklasse-Smartphone. Optisch erinnert es an teure High-End-Geräte, das Glas auf der Rückseite überzeugt bei der Betrachtung. Unter der Haube werden aber schnell die Kompromisse klar, die Wiko für das Handy eingehen musste.

Das Display macht bei der Videowiedergabe Spaß, besonders kontrastreich ist die verbaute LCD-Technik aber nicht. Die Notch findet sich sonst eigentlich nur bei teureren Smartphones. Ganz persönlich betrachtet: Uns gefällt der zusätzliche Platz auf dem Bildschirm. Trotzdem nimmt die Kamera noch ein bisschen zu viel Platz ein. Ein Kompromiss, der aber vor allem beim Wiko View 2 (ohne Pro) völlig hinnehmbar ist.

Das Wiko View Pro überzeugt im Test.

Die Hauptkamera und die künstlichen Bildverbesserungen können bei guten Lichtverhältnissen überzeugen. Nicht so toll präsentiert sich die Weitwinkel-Kamera, die eigentlich nicht mehr als ein Gimmick ist.

Der Akku in Verbindung mit dem neuen Prozessor bietet klare Vorteile: Trotz der mittelmäßigen Akku-Kapazität hält das Smartphone recht lange durch. Der Prozessor rechnet für jede Aufgabe des Alltags schnell genug, selbst Gaming-Sessions mit anspruchsvollen Spielen sind möglich.

Auch die Konkurrenz bietet für das gleiche Geld nicht mehr. Deswegen können wir das Wiko View 2 Pro empfehlen. Vor allem der große Bildschirm im Verhältnis zur Body-Größe überzeugt. Das Handy wird in den nächsten Jahren mit Updates versorgt und wird dank des sparsamen Prozessors selbst Vielnutzern gefallen.

Alternativen im Überblick

Das Wiko View 2 Pro ist nicht das einzige Smartphone, welches im Preissegment bei 300 Euro angeboten wird.

Der chinesische Hersteller Huawei hat gleich zwei Angebote, die für Dich interessant sein könnten. Zum einen gibt es das Huawei P20 lite: Das ist die abgespeckte Version des derzeitigen Top-Smartphones P20 Pro. Das P20 lite bekommt eine sehr gute Foto-App gesponsert. Die doppelte Kamera löst mit 16 respektive 2 Megapixeln aus. Der Akku hält ähnlich lang wie beim Wiko View 2 Pro. Eine kleine Notch, die zwar etwas breiter ist, dafür aber weniger in das Display herein ragt, ist auch an Bord. Bei Online-Händlern ist das Handy für ungefähr 300 Euro verfügbar.

Aus dem gleichen Haus stammt das Huawei Mate 10 lite: Das Smartphone ist durch sein Alter inzwischen im Preis gesunken. 64 GB Speicher, ein schärfer auflösender Screen (ohne Notch) und eine 18 Megapixel starke Kamera machen das Gerät interessant. Online ist es für rund 230 Euro erhältlich.

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Wiko View 2 oder Wiko View 2 Pro?

Aber auch die Entscheidung zwischen den beiden angebotenen Versionen des View 2 fällt nicht unbedingt einfach. Optisch unterscheiden sich die zwei Varianten des View 2 überhaupt nicht. Doch unter der Haube gibt es kleine Änderungen, die die Entscheidungsfindung etwas beeinflussen. So bietet das View 2 lediglich eine Kamera, somit sind die Fotos mit künstlicher Unschärfe nicht so hochqualitativ. Zusätzlich gibt es nur drei GB RAM und 32 GB Festspeicher. Als Prozessor kommt der Vorgänger des Snapdragon 450 zum Einsatz, der mehr Energie für weniger Leistung benötigt.

Prinzipiell lässt sich die Entscheidung zwischen den beiden Handys auf zwei Sätze herunter brechen: Möchtest Du hauptsächlich einen großen Bildschirm für wenig Geld haben, solltest Du dir das Wiko View 2 genauer ansehen.

Sollen auch Fotos ordentlich sein und das eine oder andere Spiel flüssig laufen, solltest Du das View 2 Pro favorisieren.

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