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Datenschutz-Streit: WhatsApp-Gründer verlässt Facebook

Jan Koum teilt Facebooks Vorstellungen zu WhatsApp nicht

WhatsApp-Gründer Jan Koum hat sich dazu entschlossen, Facebook und damit auch seinen Messenger WhatsApp hinter sich zu lassen. 2014 verkaufte er sein Start-Up an den Social Media-Giganten Facebook. Datenschutz-Streitigkeiten könnten für Koums Austritt verantwortlich sein.

Streitigkeiten mit Facebook: Jan Koum zieht weiter

Jan Koum, Mitbegründer und CEO von WhatsApp, verlässt sein Unternehmen. Das hat er in einem Facebook-Post öffentlich bestätigt. Schuld daran sollen wohl Streitigkeiten mit dem Mutterkonzern Facebook sein. Wie die Washington Post berichtet, haben interne Quellen Details zur Diskussion um die Datenschutz-Strategie für WhatsApp durchsickern lassen. Demnach liegt der Knackpunkt bei Facebooks Plänen im Umgang mit persönlichen Daten und der Entschärfung der Verschlüsselung.

Auch erst kürzlich wurde mit einem WhatsApp-Update die Funktion zum Wiederherstellen älterer Medien für Android eingeführt, auch wenn diese nicht mehr auf dem Handy des Absenders gespeichert waren. Diese werden von nun an länger auf den WhatsApp-Servern gespeichert. Zudem kam das Update ohne Ankündigung, was aus Perspektive von Datenschützern recht fraglich ist.

https://handy.de/magazin/whatsapp-update-daten-download-dsgvo/#mit_neuem_feature_geloumlschte_bilder_wiederherstellen

Werbeanzeigen auf WhatsApp: Nicht nach Vorstellung der Gründer

Als die beiden WhatsApp-Gründer Jan Koum und Brian Acton 2014 ihr Start-Up für 19 Milliarden Dollar an Facebook verkauften, versprachen sie den Nutzern jedoch ihre Datenschutz-Absichten. Die Unabhängigkeit und der Schutz der Nutzerdaten sollten stets bewahrt werden. Aus dieser Versprechung heraus ging 2016 die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hervor. Diese stört der Washington Post zufolge besonders die Facebook-Manager, da diese Art der Verschlüsselung eine Auswertung der Nachrichteninhalte unmöglich macht und so keine gezielte Werbung geschaltet werden kann. Das soll zu den Streitigkeiten unter den WhatsApp-Gründern mit dem Mutterkonzern geführt haben. Ferner will Facebook die Tools von WhatsApp zukünftig einfacher für Unternehmen gestalten. Dafür muss die Verschlüsselung jedoch gelockert werden.

Facebook-Datenskandal hinterlässt Spuren

Darüber hinaus eckten die WhatsApp-Gründer Koum und Acton mit Facebook bei der Integrierung eines mobilen Zahlungssystems in WhatsApp im indischen Raum an. Grundsätzlich waren Facebook-Manager seit der Akquisition von WhatsApp daran interessiert mit der Messenger-App mehr Umsatz zu generieren. Brian Acton hat das Unternehmen bereits im November verlassen und war Befürworter der Aktion #DeleteFacebook, die sich nach dem Datenschutzskandal von Facebook durch Cambridge Analytica formte.

Trotzdem soll Jan Koum seinen Entschluss jedoch vor dem Datenschutzskandal gefasst haben. Die werbebasierten Vorstellungen seitens Facebook entsprechen nicht seinen Vorstellungen für den WhatsApp-Messenger. „Es ist Zeit für mich, weiterzuziehen“, schreibt Koum in seinem Facebook-Post.

It's been almost a decade since Brian and I started WhatsApp, and it's been an amazing journey with some of the best…

Gepostet von Jan Koum am Montag, 30. April 2018

Auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kommentiert darunter und verspricht, dass die für Koum wichtigsten Werte WhatsApps stets im Vordergrund stehen sollen. Im Hinblick darauf, dass Koum mit seiner Position als CEO von WhatsApp auch seinen Platz als Verwaltungsrat-Mitglied bei Facebook aufgibt, lässt jedoch anderes vermuten. Dennoch will er WhatsApp von außen beobachten. Aber von nun an widmet er sich lieber luftgekühlten Porsches und Ultimate Frisbee.

Quelle Golem