Vivo Nex Ultimate im Test: Die Zukunft erreicht Europa | handy.de
Testbericht

Vivo Nex Ultimate im Test: Die Zukunft erreicht Europa

Das futuristische Handy, über das alle sprechen

„Was für ein Knochen!“ – Unsere erste Reaktion auf das riesige China-Handy namens Vivo Nex Ultimate, über das momentan die ganze Branche schreibt. Der China-Importeur Tradingshenzen hat uns das futurisitische China-Handy zum Test zur Verfügung gestellt. Das High-End-Smartphone überrascht nicht nur mit einem unglaublich großen 6,59-Zoll-Display, sondern kommt gänzlich ohne Notch daher. Wo sich Selfie-Kamera und Ohrmuschel befinden und welche Überraschungen wir mit dem Vivo Nex Ultimate noch erlebt haben, verrät der ausführliche Test.

Design: Das Vivo Nex Ultimate will um jeden Preis auffallen

Es ist das wohl ungewöhnlichste Smartphone, das wir je in der Hand hatten. Das Vivo Nex Ultimate kommt mit einem riesigen 6,59 Zoll Display daher. Das ist zunächst heutzutage nichts Besonderes mehr. Doch mit Blick auf den oberen Rand des rahmenlosen Geräts fällt direkt die fehlende Notch ins Auge, die 2018 zum guten Ton beim Smartphone-Design zu gehören scheint. Bis auf wenige Ausnahmen aus dem Hause Samsung, Sony und Co. findet man die Notch in vielen High-End-Geräten. Doch das Vivo Nex Ultimate kommt ohne Notch und beherbergt auch sonst nichts an der üppigen Front – außer dem Display-Panel. Wo eigentlich Selfie-Kamera, Sensoren und Telefonhörer verbaut sind, glänzt das China-Handy mit einem Hauch von Nichts. Genau an dieser Stelle kommt das futuristische Design des Smartphones zum Vorschein, denn die wichtigen Bauteile befinden sich zwar nicht an gewohnter Stelle, wurden aber anderweitig untergebracht.

So ist die Frontkamera oben in das Gehäuse eingelassen und fährt bei Aktivierung mechanisch nach oben. Dank piezoelektrischem Prinzip unter dem Display gelangen zudem Schallwellen beim Telefonieren in den Gehörgang – der Grund, warum man mit dem Vivo Nex Ultimate trotz scheinbar fehlendem Telefonlautsprecher telefonieren kann. Ein weiteres Must-Have von Smartphones ist wohl mittlerweile der Fingerabdrucksensor. Doch dieser zeigt sich bei dem großen China-Handy weder an der Front noch auf der Rückseite. Stattdessen hat der indische Handyhersteller den Fingerabdrucksensor unter das Display-Glas gesetzt. Das Prinzip ist durchaus nicht neu: Auch Huawei hat einen unsichtbaren Fingerabdrucksensor in das Luxus-Smartphone Huawei Mate RS verbaut. So viel zu den Besonderheiten im Design.

Nichts für Einhand-Bediener

Die Verarbeitung des Flaggschiffes ist sauber. Und auch auf der Rückseite gibt es einiges zu entdecken. Hier greift der Hersteller zu Glas, das leicht gebogen in einen Aluminium-Rahmen mündet. Das Schwarz schimmert im Sonnenlicht in Regenbogenfarben – gerade so, dass man es bemerkt, aber ziemlich diskret und lange nicht so kunterbunt wie beispielsweise beim Huawei P20 Pro mit Twilight-Farbverlauf. An der Unterkante sitzen der SIM-Karten-Schlitten sowie ein Lautsprecher und der USB-Typ-C-Port. In Sachen Tastern werden beide Seiten bedient. Zum einen befindet sich ein Button auf der rechten Seite, mit dem das chinesische Pendant zu Google Lens oder Bixby namens Jovi innerhalb der Kamera-App gestartet wird.

Vivo Nex Ultimate im Test Quelle: Julia Froolyks / handy.de

Zum Anderen befinden sich die Lautstärkewippe sowie der Power-Button an der rechten Seite des Handys. Oberhalb finden Kabelfreunde eine 3,5-mm-Klinkenbuchse sowie ein Mikrofon und die Frontkamera. Generell macht das Vivo Nex Ultimate einen sehr hochwertigen Eindruck. Die Größe und das Gewicht erschlagen zunächst – knapp 200 Gramm bringt das Handy auf die Waage. Das macht sich bei längerem Ansehen von YouTube-Videos auch bemerkbar. Dennoch fühlt sich das Handy wahrlich hochwertig und edel an. Es liegt sicher in der Hand und ist dank länglichem Format auch weitestgehend gut zu bedienen – mit beiden Händen.

Eins steht auf jeden Fall fest: Das Vivo Nex Ultimate will auffallen. Mit seinem futuristischen Design zeiht es in der Öffentlichkeit Blicke an. Das Smartphone darf unbedingt als Phabelt betitelt werden. Die Verarbeitung ist makellos und die Kombination der Materialien gelungen. Design-technisch ist das China-Handy eine echte Offenbarung.

Das Display: Scharf, schärfer, sAMOLED

Das Display-Panel des Vivo Nex Ultimate ist ein Hingucker sondergleichen. Beim Verwenden fällt schnell auf, wie angenehm es ist, ein Handy ohne Notch zu bedienen. Das Streamen von Videos oder Zocken macht richtig Spaß auf so einem großen Bildschirm. Das 6,59-Zoll-Display bietet eine Auflösung von 2.316 x 1.080 Pixel, was in Worten Full HD+ entspricht. Dank sAMOLED-Technologie liegen die Bildschirminhalte sehr dicht unter dem Glas und wirken somit richtig kontrastreich und scharf, obwohl es mit 390 ppi keine futuristische Pixeldichte bietet. Einzig die Helligkeit des Vivo Nex Ultimate könnte höher sein. Bei direkter Sonneneinstrahlung überzeugt das Handy nicht so sehr wie beispielsweise das Honor 10.

Das China-Handy begeistert mit einer Always-On-Funktion, die Uhrzeit, Benachrichtigungen, Akkustand, Wetter und viele andere Informationen anzeigen kann. Die Bedienung des Handys läuft flüssig und fühlt sich gut an. Das Display macht als Eyecatcher einen richtig guten Job und kann technisch auf jeden Fall in der Oberklasse mitspielen.

sAMOLED, Full-HD+ und Always-On: Wenn ein Handy die Marketing-Spreche „Rahmenloses Design“ verdient hat, dann das Vivo Nex Ultimate. Keine Notch, keine breiten Balken, nichts, das ablenken könnte. Das macht richtig Freude – wenn man gerne mit zwei Händen bedient.

Technische Ausstattung: von allem viel

Klotzen statt kleckern ist das Motto unseres Review-Samples des Vivo Nex Ultimate. Denn großzügige 8 GB RAM und ein interner Speicher von 256 GB kommen zum Einsatz. Eine gute Arbeitsgrundlage für den leistungsstarken Snapdragon 845 von Qualcomm, der auf acht Kernen mit einer maximalen Taktrate von bis 2,8 GHz werkelt. Der High-End-Prozessor, der im Dezember 2017 vorgestellt wurde, hat vielen Smartphones in diesem Jahr die KI-Fähigkeit beschert. So beispielsweise den aktuellen Samsung-Flaggschiffen um die Galaxy-S9-Reihe und auch der Xperia-XZ2-Reihe. Bemerkbar macht sich der Snapdragon 845 mit seinen smarten Funktionen auch im Vivo Nex Ultimate. Vor allem die Kamera-App sei hier erwähnt, die einen „chinesischen Bixby“ und Szenenerkennung bietet. Mehr dazu im Kamera-Teil.

Die technischen Daten im Überblick

Vivo Nex Ultimate
Display 6,59 Zoll Super AMOLED-Display / Always-On-Display
Auflösung 2.316 x 1.080 Pixel
Prozessor Qualcomm Snapdragon 845 (Bis 2,8 GHz) + Adreno 630 GPU
RAM 4 GB / 8 GB
Speicher 128 GB / 256 GB (nicht erweiterbar)
Kamera

Frontkamera

Dual-Kamera mit 12 Megapixel f/1.8-Blende + 5 MP mit AI-Funktionen

8 Megapixel, ausfahrbar

Akku 3.900 mAh, kein kabelloses Laden möglich
Software Funtouch OS 4.0 basierend auf Android 8.1 Oreo
IP-Zertifizierung Nein
Entsperrmethoden Fingerabdruck-Scanner im Display-Glas, Muster, Passwort, PIN
Maße & Gewicht 162 x 77 x 8 mm (H x B x T) – 199 Gramm
Farben Schwarz, Rot
UVP 667 Euro (4 GB + 128 GB) / 687 Euro (8 GB + 256 GB)
Marktstart Juni 2018

Während des Tests machte das technische Setup eine gute Figur. Ob beim Surfen oder beim Zocken des grafisch liebreizenden Hearthstone – die 8 GB Arbeitsspeicher konnten jeglichen Prozess locker verarbeiten. Auch schnelle App-Wechsel verlaufen stets flüssig und ohne Ruckler.

Das Vivo Nex Ultimate im Benchmarktest

Im Benchmarktest zeigt sich der Snapdragon 845 im Vivo Nex Ultimate in ebenso ordentlicher Manier und erreicht im Benchmarktest von Geekbench (Version 4.2.3) 2.454 Punkte im Single-Core und 9.020 Punkte im Multi-Score. Damit spielt das Vivo Nex Ultimate oben im High-End-Bereich mit und muss sich vor dem OnePlus 6 (2.423 Single-Core-Score / 8.909 Multi-Core-Score) oder dem Xiaomi Mi 8 (2.382 Single-Core-Score / 8.671 Multi-Core-Score) und HTC U12+ (2.396 im Single-Core-Score / 8.674 Multi-Core-Score) nicht verstecken. Im Benchmarktest von AnTuTu zeigt sich das große China-Flaggschiff ebenfalls von seiner besten Seite. Hier erreicht das Handy eine Gesamtpunktzahl von 292.249 und schlägt damit unter anderem das Samsung Galaxy S9+, das Huawei P20 Pro. Es erzielt im AnTuTu-Benchmarktest den höchsten Wert, den wir je getestet haben.

AnTuTu

Geekbench

Vivo Nex Ultimate

292.249

Single-Core: 2.454

Multi-Core: 9.020

Huawei P20 Pro

211.099

Single-Core: 1.918

Multi-Core: 6.835

Samsung Galaxy S9+

239.138

Single-Core: 3.747

Multi-Core: 8.868

Sony Xperia XZ2

263.381

Single-Core: 2.416

Multi-Core: 8.363

Ausstattung: Dual-SIM ohne Speichererweiterung

Die Basis-Version des Vivo Nex Ultimate kommt mit 128 GB internem Speicher, der sich nicht erweitern lässt. Die größere und teure Version bietet hier zwar mit einem internen Speicher von 256 GB mehr, lässt sich jedoch auch nicht erweitern. Dafür spendiert Vivo dem Nex Ultimate einen Dual-SIM-Slot, mit dem zwei Nano-SIM-Karten zeitgleich betrieben werden können. Das Phablet kommt außerdem mit einem 3,5-mm-Klinkenanschluss. Leider besitzt es keine IP-Zertifizierung und ist somit nicht gegen Wasser oder Staub geschützt.

Wie die trockenen Benchmark-Werte und der Alltagstest zeigen: Das Vivo Nex Ultimate ist ein wahrer Kraftprotz, mit dem das Surfen, Zocken und Stöbern in sozialen Netzwerken richtig viel Spaß machen. Der Snapdragon 845 ist ein aktueller KI-Prozessor, der das Handy zu Höchstleistungen hievt. Wichtig: Weder beim Benchmark-Test noch beim Zocken konnten wir eine Wärmeentwicklung feststellen.  

Vivo Nex Ultimate im Test Quelle: Julia Froolyks / handy.de

Telefon und Internet

Bei einem High-End-Smartphone wie dem Vivo Nex Ultimate ist diese Passage wohl von besonders großer Bedeutung. Denn den allermeisten sogenannten China-Handys – also Smartphones, die nicht für den europäischen Markt konzipiert wurden – fehlen die wichtigen Frequenzbänder zum schnellen Surfen im mobilen Netz. Das Phablet punktet jedoch auch in dieser Disziplin. Bereits beim Einlegen einer SIM-Karte zeigt das Handy am oberen rechten Rand an, mit welchen Geschwindigkeiten gesurft wird. Das wichtige LTE-Band 20 unterstützt das Smartphone, somit ist es auch in Europa für schnelles mobiles Surfen im 4G-Netz ausgelegt. Des Weiteren sind alle anderen notwendigen Frequenzbänder an Bord, die global für eine ordentliche Datenübertragung sorgen. Vivo listet folgende Bänder auf seiner Webseite auf:

  • GSM: B2/B3/B5/B8/BC0/BC1/BC10
  • WCDMA: B1/B2/B4/B5/B8/B34/B39/BC0/BC1/BC10
  • 4G LTE (FDD: )B1/B2/B3/B4/B5/B7/B8/B12/B17/B18/B19/B20/B25/B26/B28A/B28B
  • LTE (TDD): B34/B38/B39/B40/B41(2355-2655MHz)

In Sachen WLAN bietet das Vivo Nex Ultimate mit IEEE 802.11 a/b/g/n/ac ebenfalls den hierzulande gewohnten Standard. In der Praxis bewähren sich die Angaben. Im geschlossenen WLAN wie auch in öffentlichen Hotspots surfen wir mit dem China-Handy flüssig und schnell. Ebenso verhält sich die Datenübertragung im mobilen Netzwerk.

Telefonieren mit Hindernissen

So rasant das Vivo Nex Ultimate sich im Übertragen von Daten verhält, so enttäuschend war der Telefon-Test. Zum einen ist während eines Gesprächs der fehlende klassische Telefon-Lautsprecher bemerkbar. Denn der Gesprächspartner klingt sehr blechern und entfernt. Zwar ist das Gesprochene verständlich, die Klang-Qualität lässt aber deutlich zu wünschen übrig. Ebenso ergeht es dem Gesprächspartner: Umgebungsgeräusche filtert das Mikro des Vivo Nex Ultimate nicht raus, im Gegenteil. Es scheint so als würden Geräusche wie das Klappern von Geschirr oder schließen von Schubladen noch verstärkt werden – sehr unangenehm, vor allem für Menschen mit sensiblem Gehör.

Toll! Obwohl das Smartphone nur über Umwege in Europa erhältlich ist, verbaut der Hersteller die wichtigen Frequenzbänder zum Surfen im Netz. Die miserable Gesprächsqualität lässt sich leider nicht schönreden – dem futuristische Piezo-Lautsprecher unter dem Display fehlt merklich die physische Membran. Das Mikro verstärkt störende Hintergrundgeräusche enorm.  

Software und Multimedia: Im Herzen Android, optisch iOS

Dass die chinesischen Smartphone-Hersteller sich gerne mal an der Mainstream-Konkurrenz

bedienen, ist allseits bekannt. Optisch wie auch software-seitig finden sich auf dem chinesischen Markt zahlreiche iPhone-Klone, die den originalgeräten aus Cupertino zum Verwechseln ähnlich sind und oft nur beim zweiten Blick als Klon zu erkennen sind. Vivo bedient sich beim Nex Ultimate nicht ganz so dreist an den Innovationen von Apple. Dafür ist das vorinstallierte Funtouch OS 4.0 allerdings sehr auffällig an der Schlichtheit von iOS orientiert. Gleichzeitig wird jedoch deutlich, dass das System auf Android 8.1 basiert. Gelingt Vivo also die perfekte Mischung aus Android-Vielfalt und iOS-Schlichtheit? Fast. Denn an vielen Stellen ist das System einfach nicht ins Englische oder Deutsche übersetzt worden. So sind nahezu alle vorinstallierten Apps in chinesischer Sprache und auch die vorinstallierte Tastatur ist darauf ausgelegt und schlägt hier und da chinesische Zeichen vor.

Gesteuert wird per Wischer

Das System sieht allerdings sehr hübsch aus und bietet auch viele Möglichkeiten, die man von Android-Handys gewohnt ist. Wiedererkennen kann man das Google-System allerdings kaum. Vor allem mit Blick auf die optische Aufmachung der „Einstellungen“ wird klar, dass Vivo sich hier sehr

stark an iOS orientiert hat. Dabei ist die Aufmachung nicht nur kopiert, sondern ausgereift, und wie bereits erwähnt: Hinter der Schlichtheit von Funtouch OS verstecken sich alle gewohnten Personalisierungsmöglichkeiten von Android 8.1. Sehr gut gelungen ist zudem die Bedienung des Handys über Wischgesten. Wie man es bereits vom iPhone X kennt, befindet sich am unteren Bildschirmrand ein Balken, über den gesteuert werden kann.

Vivo hat den Balken allerdings in drei Teile zerlegt und so führt jeder Wischer über einen der drei Balken eine andere Aktion aus. Bei einem Wischer von ganz rechts nach oben öffnet sich die gelungene Steuer-Zentrale, die bei Android durch einen Wischer von oben nach unten geöffnet wird. Hier sind zuletzt geöffnete Apps einsehbar und es lassen sich Einstellungen wie WLAN, Flugmodus, Lautstärke, Bildschirmhelligkeit und Co. zügig einstellen. Der mittlere Balken führt zu jeder Zeit zurück auf den Home Screen, der rechte Steuerbalken kann ganz nach Gusto innerhalb der Einstellungen mit einer Funktion belegt werden.

Play Store und Co.: Manche Apps nicht für Funtouch OS ausgelegt

Bei der Einrichtung des Handys stießen wir auf einige Probleme, die wir von unserem Testablauf so gar nicht gewohnt waren. Mit ein wenig Recherche und Android-Know-How waren diese aber schnell ausgemerzt. So haben wir den Google Play Store erst nach der Installation über eine apk nutzen können, um sämtliche Benchmark- und Test-Apps herunterzuladen. Auf der Webseite schreibt der Hersteller, dass sämtliche Google-Dienste bereits an Bord seien. Da wir ein Testgerät bekommen haben, das vorher schon in Nutzung war, sind die Dienste wohl abhandengekommen. Nahezu alle Apps lassen sich aus dem Play Store auf dem Vivo Nex Ultimate installieren.

Bei Blizzards Strategie-Kartenspiel Hearthstone haben wir jedoch eine zu kleine Skalierung als störend empfunden. Karten waren kaum lesbar, Button konnten nicht gut gedrückt werden. Das liegt daran, dass Vivo die Oberfläche stark angepasst hat und Blizzard seine Apps nicht auf ein so exotisches Display-Format, wie es das Nex Ultimate mitbringt, angepasst.

Quelle: Julia Froolyks / handy.de

Manche Apps konnten wir auch im Play Store nicht installieren. Beispielsweise den 3D-Test von AnTuTu konnten wir nur mit Umgehung des Play Stores als apk-Datei installieren. Das birgt natürlich einige Sicherheitsrisiken, da die apk-Dateien deutlich leichter Viren und Malware auf das Telefon schleusen könnten als die weitestgehend regulierten Apps im Play Store.

Auf dem Vivo Nex Ultimate gibt es eine ganze Menge zu entdecken! Wer erst mal den Google Play Store installiert hat, kann seine Must-Have-Apps installieren. Zur Not auch als apk außerhalb des Play Stores. Die vorinstallierten chinesischen Apps lassen sich deinstallieren. Die Aufmachung von Funtouch OS 4.0 ist gelungen und kommt sogar in einer sehr guten deutschen Übersetzung daher. Leider sind manche Apps nicht für das China-Handy optimiert – somit geht Potenzial verloren.

Sensoren und Schnittstellen

Wir haben uns über AnTuTu die Liste der integrierten Sensoren des Vivo Nex Ultimate genau angesehen. Der Screenshot ist sehr lang geworden – glücklicherweise unterstützt die Oberfläche die Erstellung solcher langen Bildschirmfotos. Denn nicht nur der Fingerabdrucksensor ist gut unter dem Display-Glas versteckt. Es kommen auch zahlreiche andere Messinstrumente zum Einsatz:

  • Beschleunigungssensor
  • Temperatursensor
  • Rotationssensor
  • Geometrischer Sensor
  • Schwerkraftsensor
  • Gyroskop
  • Helligkeitssensor
  • Beschleunigungssensor
  • Magnetfeldsensor
  • Abstandssensor
  • Schrittzähler

Während diese Sensoren eher im Hintergrund agieren und vom Nutzer nicht aktiv benutzt werden, legen wir den Fokus auf die futuristische Entsperrmethode: Den In-Screen-Fingerabdrucksensor.

Entsperren auf dem Display-Glas mit Hindernissen

Die Einrichtung des versteckten Fingerabdrucksensors ist denkbar einfach und unterscheidet sich nicht von den gängigen sichtbaren Sensoren. Die bevorzugte Fingerkuppe muss mehrmals auf das Display gedrückt werden, bis alle Merkmale des Abdrucks erfasst wurden. Dafür erscheint innerhalb der Einrichtung ein kleines leuchtendes Feld auf dem Display, damit der Nutzer erkennt, wo der Finger zu platzieren ist. Das leuchtende Feld erscheint nach der Einrichtung auch auf dem Display, und zwar immer dann, wenn der Fingerabdruck zum Entsperren erforderlich ist.

Vivo Nex Ultimate im Test Quelle: Julia Froolyks / handy.de

Zunächst ist die Entsperrung gewöhnungsbedürftig. Der Sensor reagiert sehr sehr langsam, weshalb ein wenig Übung und Geduld gefragt sind. Im Test funktioniert das Erkennen des Fingerabdrucks nur mit ganz sauberen, fettfreien Fingerkuppen bei jedem Versuch. Alle anderen Versuche scheitern vier von fünf Mal. Das ist wirklich schade.

Auch hier lässt Vivo Potenzial liegen und verbaut eine unausgereifte Zukunftstechnologie. Positiv ist aber, dass der Hersteller sich überhaupt traut, das zu tun, während andere Smartphone-Vorreiter sich jahrelang vor dem Einsatz neuer Technologien scheuen und jährlich sehr ähnliche Geräte vorstellen.

Die Kamera: Starke Performance mit AI-Funktionen

Auf der Rückseite des Vivo Nex Ultimate kommt eine Dual-Kamera mit 12 + 5 Megapixeln zum

Einsatz. Auf dem Datenblatt macht sich besonders die vierachsige optische Bildstabilisierung sehr gut. Ebenso die f/1.8-Blende katapultiert die Kamera in den Oberklasse-Bereich. Wie bereits erwähnt, sorgt zudem der Snapdragon 845 für die KI-fähigkeit der Dual-Kamera. Leider kommt das Google-Lens-Pendant ausschließlich in Chinesisch und ist hierzulande nicht zu gebrauchen. Dafür funktioniert es immerhin einwandfrei – vielleicht liefert der Hersteller auch aufgrund der hohen Nachfrage hier in Europa noch via Software-Update nach.

Die Ergebnisse der Kamera sind beeindruckend. Das Vivo Nex Ultimate bietet zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten und Modi. Beispielsweise einen Pro-Modus, Panorama oder AI-Filter. Zudem können Aufnahmen in HDR erstellt werden und eine Porträt-Funktion bringt das Handy ebenfalls mit. Der Bokeh-Effekt wirkt auf den Ergebnissen sehr gut und sauber – so manches Android-Smartphone könnte sich davon eine Scheibe abschneiden. Auch bei Dämmerung oder schlechten Lichtverhältnissen können sich die Ergebnisse durchaus sehen lassen. Während der Kontrast der Fotos gestochen scharf rüberkommt, sind die Farben etwas zu intensiv berechnet. Aber auch hier haben wir schon eine krassere Farbintensität erlebt, beispielsweise bei der Dual-Kamera des Honor 10.

Quelle: Julia Froolyks / handy.de

Beam me up, Scotty: Die verrückte Frontkamera

Ein absolutes Highlight ist die 8-Megapixel-Frontkamera des Vivo Nex Ultimate. Die Linse hat der Hersteller auf einem kleinen Podest innerhalb des Gehäuses verschwinden lassen. Ein Motor fährt sie bei Bedarf heraus. Dabei lassen sich drei unterschiedliche Geräusche für diesen Vorgang innerhalb der Kamera-App einstellen. Doch auch ohne softwareseitige klangliche Unterstützung hört sich das Motorengeräusch schon ziemlich cool und sehr nerdy an.

Vivo Nex Ultimate im Test Quelle: Julia Froolyks / handy.de

Die Ergebnisse der Frontkamera sind in Ordnung. Wer die Selfie-Kamera korrekt einstellt, erhält Fotos, bei denen nicht das ganze Gesicht wie glattgebügelt erscheint. Doch es scheint, als sei die Kamera-Software eher auf das Gegenteil ausgelegt: Mit vielen Einstellungsmöglichkeiten kann das Gesicht noch nach Belieben verschlankt, die Augen vergrößert und die Nase verkleinert werden – genau so mag es der chinesische Markt ja. Während des Tests kamen wir ins Staunen, denn die virtuelle Schönheits-OP hat das Vivo Nex Ultimate perfektioniert. Die Frontkamera ist eine sehr lustige Spielerei und macht wirklich Spaß. Echte Studio-Bilder sind aber leider nicht möglich. Zu erwähnen sei auf jeden Fall noch der sehr gute Sicherheitsaspekt: Sollte eine App unbemerkt die Frontkamera aktivieren wollen, würden Nutzer das durch das Herausfahren sofort bemerken.

Die Dual-Kamera des Vivo Nex Ultimate gefiel uns im Test sehr gut. Der Bokeh-Effekt ist sauber und sieht sehr professionell aus und auch bei schlechten Lichtbedingungen kommt es erst spät zum Bildrauschen. Die Frontkamera ist ein Highlight in Sachen Spielerei und Sicherheit. Aber einen echten Foto-Mehrwert bringt sie nicht.

Akku: Kleine Schummelei in Sachen Kapazität

Der Akkutest des Vivo Nex Ultimate verlief unauffällig. Standardisiert durchlief das Gerät den achtstündigen Intensiv-Test, der zu je 30 Minuten folgende Disziplinen umfasst:

  • Telefonieren
  • Surfen im Chrome-Browser
  • Surfen in sozialen Netzwerken
  • Streamen von Musik innerhalb der Radio.de-App
  • Streamen von HD-Videos auf YouTube
  • Fotografieren
  • Spielen eines 3D-Games (in diesem Fall Hearthstone)

Always-On lässt sich regulieren

Beim Kontrollieren der Akku-Kapazität innerhalb der Einstellungen-App fiel zunächst auf, dass Vivo hier anscheinend im Datenblatt 100 mAh unter den Tisch fallen lässt. Sprich: Das Nex Ultimate verfügt laut Angaben im Gerät über eine Akku-Kapazität von 3.900 mAh. Im Datenblatt

schreibt Vivo jedoch 4.000 mAh. Nichtsdestotrotz zeigt sich das Smartphone mit einer durchschnittlichen Ausdauer. Nach einer Nutzungsdauer von acht Stunden inkl. Aktivierung von WLAN und mit aktivierter SIM-Karte zeigte das Handy eine solide Restladung von 60 Prozent an. Darauf folgte die 16-stündige Standby-Phase, in der das Smartphone zwar unberührt blieb, alle Verbindungsmöglichkeiten und Benachrichtigungen jedoch aktiviert blieben. Auch das Always-On-Display zeigte bis 00:00 Uhr Uhrzeit, Wetter-Infos und Akku-Stand an.

Das zog merklich am Akku: Nach einer gesamten Nutzungsdauer von 24 Stunden zeigte das Vivo Nex Ultimate eine Restladung von 48 Prozent an und verlor damit in 16 Stunden Standby-Zeit stolze zwölf Prozent. Die Funktion trägt den liebevoll übersetzten Namen „Immer-an-Uhr“ und lässt sich in den Einstellungen abschalten. Auch ein Zeitraum für das Feature lässt sich hier einstellen. Voreingestellt ist 08:00 Uhr bis 00:00 Uhr.

Leider verfügt Funtouch OS nicht über detaillierte Akku-Informationen, weshalb wir an dieser Stelle auf Beleg-Screenshots verzichten müssen.

Die maximale Kapazität von 3.900 mAh klingt zunächst nicht nach viel! Doch aufgrund der High-End-Komponenten, die viel Strom verbrauchen, darunter das riesige Display, weist das Vivo Nex Ultimate ein richtig gutes Energie-Management auf. Die Ausdauer ist zufriedenstellend. Wer noch mehr rausholen will, sollte auf die Always-On-Funktion verzichten.

Fazit – Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein: Jein

Das Vivo Nex Ultimate ist ein richtig tolles High-End-Smartphone, keine Frage. Das Funtouch OS 4.0, basierend auf Android 8.1 und mit Sicherheitspatch aus Juni, ist sehr ausgeklügelt aufbereitet und sogar in sehr gutes Deutsch übersetzt. Hier und da wird dennoch deutlich, dass das Smartphone für den chinesischen Markt konzipiert wurde. Viele vorinstallierte Apps sind darauf ausgelegt, ebenso der smarte Assistent Jovi, dem Vivo eine eigene Taste spendiert hat. Für das Gerät spricht das futuristische hochwertige Design. Smartphone-Fans werden sich sofort in das Gerät verlieben. Die Dual-Kamera liefert richtig gut ab und das Display lädt zum stundenlangen Ansehen ein.

Leider ist die Gesprächsqualität beim Telefonieren ein absolutes No-Go. Allein beim Gedanken an wichtige Business-Calls macht sich ein Gefühl von Fremdschämen breit. Zudem lassen sich viele Apps nur über Umwege installieren für jemanden, der sich das Handy bei Tradingshenzen bestellt, ist das aber sicherlich kein Hindernis. Otto-Normal-Verbraucher werden daran jedoch verzweifeln. Der Preis von 667 Euro bzw. 687 Euro Euro ist zwar gerechtfertigt und im Vergleich zu aktuellen Flaggschiffen auch deutlich günstiger. Der Mangel in der Gesprächsqualität und der eher unausgereifte Fingerabdrucksensor sind allerdings ein sehr großes Argument gegen die Anschaffung.

Alternativen

So richtig vergleichbar ist das Vivo Nex Ultimate nicht. Rein aus technischem Aspekt lohnt sich der Blick auf das Honor 10, das vor allem durch sein Design ein echter Eyecatcher ist. Das Display kommt zwar „nur“ auf 5,84 Zoll, dafür löst es ebenso kristallklar auf wie das sAMOLED-Display des Vivo Nex Ultimate. Der Kirin 970 von HiSilicon leistet in dem günstigen Flaggschiff ebenfalls gute Arbeit, wie der Test eindrücklich belegt:

Das Honor 10 ist da. Es besticht auch durch eine smarte Dual-Kamera und natürlich ein aufregendes Design. Wir haben das Honor 10 ausführlich getestet und verraten, warum das Smartphone unbedingt Geduld erfordert, bis es zum perfekten Handy wird.

Wer ansonsten bewusst auf der Suche nach einem Import-Gerät ist, sollte sich im Portfolio von Xiaomi umsehen. So bietet beispielsweise das Xiaomi Mi 8 ebenfalls einen Fingerabdrucksensor unter dem Display und eine Dual-Kamera auf der Rückseite. Das Xiaomi Mi 8 kostet dabei nur knapp 200 Euro.

In Shenzhen wurde heute offiziell das Xiaomi Mi 8, das High-End-Smartphone des chinesischen Herstellers, vorgestellt. Es bietet einen schnellen Prozessor, einmalige Funktionen und ist nicht besonders teuer.