StreamOn verboten: Das ändert die Telekom jetzt | Tarifnews
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StreamOn verboten: Das ändert die Telekom jetzt

Das Angebot steht nicht im Einklang mit dem Grundsatz der Netzneutralität

Das hat sich die Deutsche Telekom sicherlich anders vorgestellt: StreamOn, der exklusive Zusatzservice mit mehr Datenvolumen für bestimmte Plattformen, ist nicht legal. Deswegen muss der Dienst nun verändert werden. Alle Infos zur Situation.

Schon seit Beginn des Zusatzdienstes StreamOn kämpfen Netzaktivisten gegen die Telekom. Klar, für den Nutzer ist es schön und gut, kostenlos auf Video-Plattformen streamen zu können oder ohne Angst ums Volumen Insta-Fotos zu betrachten. Allerdings gilt in Deutschland der Grundsatz der Netzneutralität. Anbieter dürfen die Daten von bestimmten Webseiten nicht priorisieren, um eine Zweiklassengesellschaft im Internet zu vermeiden. Hiergegen verstößt die Telekom. Dazu kommt: Die Telekom entscheidet selbstständig, welche Seiten von StreamOn profitieren. So ist beispielsweise YouTube im Video-Paket enthalten, Vimeo allerdings nicht. Nun heißt es endgültig: In der jetzigen Form ist StreamOn nicht mit deutschem Recht vereinbar.

Update vom 02. August

Telekom-Kompromiss: Jetzt auch StreamOn im Ausland

Wir erinnern uns: Die Telekom hatte die Wahl zwischen dem Deaktivieren von StreamOn und der Erweiterung des Angebotes, sodass die Bundesnetzagentur keinen Verstoß mehr gegen die Netzneutralität feststellt. Nun gibt es eine Rückmeldung von der Telekom: Zukünftig wird StreamOn noch mehr Funktionsumfang bieten, um wieder erlaubt zu sein. Die Telekom-Pressestelle teilt mit:

Die Telekom wird ihr beliebtes StreamOn-Angebot den Vorgaben der Bundesnetzagentur anpassen. Bereits in der kommenden Woche wird die Bandbreitenoptimierung aufgehoben. Von Anfang September an wird das StreamOn-Angebot auch innerhalb der EU-Länder für unsere mehr als zwei Millionen Kunden nutzbar sein. Wir haben von Anfang an betont, dass wir StreamOn weiter anbieten werden und dass es nicht zu Preiserhöhungen für die StreamOn-Optionen kommen wird.

Das heißt konkret: StreamOn funktioniert schon bald auch im Ausland, ohne auf das Datenlimit achten zu müssen. Du kannst also für fünf Euro Aufpreis im Monat auch in Frankreich, Spanien oder Portugal so viel Youtube schauen, wie Du möchtest, sollte die entpsrechende StreamOn-Option gebucht sein. In Sachen Bandbreitenoptimierung gibt es auch Neuerungen: Videostreams werden in Zukunft nicht mehr absichtlich gedrosselt, sodass zukünftig auch hochauflösende Inhalte geschaut werden können, ohne dass die Telekom drosselt.

Originalmeldung vom 15. Juli

StreamOn illegal: Das sagt das Verwaltungsgericht

Zur Begründung führte der 13. Senat aus, der Grundsatz der Netzneutralität verpflichte die Anbieter von Internetzugangsdiensten zur Gleichbehandlung allen Datenverkehrs. Hiergegen werde verstoßen, wenn die Übertragungsgeschwindigkeit für Videostreaming gegenüber anderen Diensten oder Anwendungen gezielt gedrosselt werde. Da der Grundsatz der Neutralität ein grundlegendes Funktionsprinzip des Internets zugunsten sämtlicher Nutzer schütze, sei es auch unerheblich, ob der Kunde mit der Buchung von „StreamOn“ in die Drosselung eingewilligt habe. Außerdem sei es nach europäischen Roaming-Regeln verboten, für Roaming-Dienste im europäischen Ausland ein zusätzliches Entgelt gegenüber dem inländischen Endkundenpreis zu verlangen. Die Antragstellerin verletze dieses Verbot, soweit sie den Datenverkehr für Audio- und Videostreaming bei Nutzung im europäischen Ausland abweichend zu einer Nutzung im Inland auf das Inklusivdatenvolumen anrechne. Für den Kunden bestehe damit bei Nutzung im europäischen Ausland ein ungünstigerer Entgeltmechanismus. Da die Entscheidung der Bundesnetzagentur aus diesen Gründen voraussichtlich rechtmäßig sei, könne sie auch bereits vor einer endgültigen Entscheidung im Hauptsacheverfahren vollzogen werden.

Der Beschluss ist unanfechtbar.

– Aktenzeichen: 13 B 1734/18 (I. Instanz: VG Köln – 1 L 253/18) – 

Das sollte die Telekom an StreamOn ändern

Die wichtige Frage ist doch eigentlich: Warum gibt es denn überhaupt StreamOn? Weil Datentarife in Deutschland unglaublich teuer sind. Anstatt der kostenlosen Dreingaben, die zweckgebunden an einzelne Seiten gebunden sind, könnte man das zusätzliche Datenvolumen auch einfach in den (bereits vergleichsweise teuren) Verträgen der Telekom integrieren – schon wären die Tarife deutlich wettbewerbsfähiger und könnten im direkten Vergleich mehr überzeugen.

Nach Informationen der Telekom läuft StreamOn kurzfristig weiter wie bisher. Der Anbieter möchte StreamOn weiterhin anbieten, muss mit der oben zitierten Entscheidung allerdings einige Änderungen am Konzept vornehmen. Etwa die Verfügbarkeit im EU-Ausland oder bei der Auswahl der in den Paketen inklusiven Internetseiten.