Sony Xperia XZ2 im Test: So leistungsstark und hübsch kann Sony sein
Testbericht

Sony Xperia XZ2 im Test: So leistungsstark und hübsch kann Sony sein

Neues Glas-Design hat aber auch seine Tücken

Kamera: Bei guten Lichtverhältnissen ideal

Sony-Kenner treffen bei der Kamera des Xperia XZ2 auf eine bekannte Ausstattung. Gegenüber dem XZ Premium wurde die Motion-Eye-Kamera kaum verändert. Es gibt einen einzelnen Sensor, der Fotos mit bis zu 19 Megapixel macht, eine f/2.0-Blende und einen Dual-LED-Blitz. Auch die für Sony typische separate Kamera-Taste ist wieder mit an Bord, mit der sich die Kamera per Knopfdruck starten und auch auslösen lässt. Im Prinzip keine schlechte Ausstattung, die im Ergebnis aber nicht so ganz überzeugen kann. Im Vergleich zu den Vorgänger-Modellen ist die Fotoqualität beim Xperia XZ2 zwar etwas besser geworden. Mit anderen Top-Smartphones wie dem Samsung Galaxy S9+ oder dem Huawei P20 Pro kann die Sony-Kamera im Test aber nicht mithalten. Probleme gibt es vor allem bei wenig Licht.

Die Kamera des XZ2 eine Schönwetter-Kamera zu nennen, klingt etwas hart. Aber am Ende bleibt eben dieser Eindruck. Bei Sonnenschein im Tageslicht lassen sich wirklich gute Fotos machen. Sie sind scharf und zeigen natürliche Farben. Strukturen und Details fängt die Linse gut ein, was die Bilder lebendig werden lässt. Ein optischer Bildstabilisator fehlt. Die Stabilisierung erfolgt nur elektronisch und somit nicht auf ganz so gutem Niveau.

Auch das Zoomen ist schwierig. Während Aufnahmen aus normaler Entfernung scharf und kontrastreich werden, verlieren die Aufnahmen beim Hereinzoomen deutlich an Qualität. Details verschwinden und auch Farb- und Lichtabstufen sind nicht mehr so gut zu erkennen.

Aufnahmen bei Nacht

Aufnahmen bei Nacht schafft die Kamera des Sony Xperia XZ2 nicht mit dem gewünschten Ergebnis. Die f/2.0-Blende schafft es nicht, genügend Licht für ein schönes Ergebnis einzufangen. Die Kamera kommt mit unterschiedlich beleuchteten Bereichen nicht zurecht. Vor allem Lichter verschwimmen daher zu einem Pixelbrei, Details werden verschluckt.

Nachtaufnahme mit dem XZ2Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
Aufnahme bei Nacht: Lichter und Details verschwimmen.

Wer nun in der Kamera-App nach Hilfe sucht – beispielsweise in Form eines Nachtmodus – der wird enttäuscht. Die App zeigt sich beinahe spartanisch. Es gibt immerhin einen über den manuellen Modus erreichbaren Profi-Modus, über den sich Einstellungen wie die Belichtungsdauer, der ISO und der Weißabgleich vornehmen lassen. Auch einen Panorama-Modus und Erweiterungen wie Bokeh, AR-Effekt und Kreativer Effekt hat Sony der Kamera spendiert. Vor allem der Bokeh-Effekt hat uns dabei enttäuscht. Da das Sony-Smartphone keine Dual-Kamera hat, erfolgt die Bearbeitung hier nur über die Software. Wenn überhaupt. Im Test wurden uns im Bokeh-Modus nahezu bei jeder Aufnahme angezeigt, dass das Unscharf stellen des Hintergrundes nicht möglich ist. Das nervt und macht die Anwendung wenig attraktiv.

Videos in 4K und mit HDR

Ein Highlight beim Sony Xperia XZ2 ist die Aufnahme von 4K-Videos im HDR-Modus sowie die Aufnahme von Full-HD-Videos in Super-Slow-Motion mit 960 Bildern pro Sekunde. Für die Zeitlupenvideos wäre eine automatische Bewegungserkennung hilfreich, die das Xperia XZ2 aber leider nicht bietet. Auslösen musst Du daher manuell, wodurch es schwierig wird, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen.

Die Frontkamera

Für Selfies bringt das Xperia XZ2 eine Frontkamera mit knappen 5 Megapixel mit. Die Belichtung in dunkler Umgebung erfolgt über den Display-Blitz. Prinzipiell können wir bei der Frontkamera ein ähnliches Fazit ziehen wie bei der Hauptkamera. Bei ausreichend Licht gehen die Aufnahmen in Ordnung. Allerdings fokussiert sich die Kamera vor allem auf die Gesichter im Vordergrund. Motive und Gegenstände im Hintergrund werden hingegen sehr pixelig angezeigt. Mithilfe der Frontkamera lassen sich auch 3D-Selfies oder andere Objekte in 3D aufnehmen. Der Vorgang ist allerdings recht mühselig und klappt zudem nicht immer, wie wir bereits beim Test des Sony Xperia XZ2 Compact feststellen mussten.

So ganz überzeugt uns die Kamera des Xperia XZ2 im Test nicht. Sie macht sehr gute Bilder bei Tageslicht, kommt bei Dunkelheit aber nicht an die Bildergebnisse heran, die die Konkurrenz erzielt. Statt in einen optischen Bildstabilisator und eine größere Blende hat Sony vor allem in Software investiert. Dazu gehören auch der 3D-Scanner und der Bokeh-Effekt, die beide recht schwierig anzuwenden sind und nicht immer so funktionieren wie sie sollen. Das frustriert und macht wenig Lust auf mehr.

Akku mit gutem Energiemanagement

Das Sony Xperia XZ2 besitzt einen fest eingebauten Akku mit einer Kapazität von 3.180 mAh. Damit bewegt sich die Leistung auf dem Papier zwischen dem Samsung Galaxy S9 mit seinem 3.000-mAh-Akku und dem Huawei P20 mit seiner 3.400-mAh-Batterie. Aufladen lässt sich der Akku beim Sony Xperia XZ2 über den USB-C-Port dank Quick Charge 3.0 besonders schnell. Auch das Laden per Induktion ohne Kabel ist möglich. Dafür benötigst Du allerdings eine Qi-Ladestation, die nicht Teil des Lieferumfangs ist. Sony selbst bietet ein entsprechendes Modell an, das genau auf die Wölbung der Geräte-Rückseite ausgelegt ist. Das ist auch nötig, da das Xperia XZ2 von anderen, flachen Ladematten nur allzu schnell herunterutscht.

Um einen besseren Überblick darüber zu bekommen, welche Leistung der Akku im Alltag bietet, durchlaufen die Testgeräte einen speziellen Akkutest. Dieser dauert insgesamt 24 Stunden, in denen wir eine durchschnittliche Nutzung simulieren. Während dieser Zeit sind Push-Benachrichtigungen aktiviert und das Display auf automatische Helligkeit eingestellt. Auch die Verbindungen über WLAN und Mobilfunk bleiben aktiv. Acht Stunden lang nutzen wir das zuvor auf 100 Prozent geladene Smartphone wie gewohnt. In dieser Zeit surfen wir jeweils 30 Minuten lang über den vorinstallierten Chrome-Browser im Internet, nutzen soziale Netzwerke wie Facebook, schauen Videos in hochauflösender Qualität und hören 30 Minuten lang Musik. Danach folgt eine ebenfalls halbstündige Spiele-Session, in diesem Fall eine Runde Mario Run, sowie eine Foto-Session mit der Kamera. Im Anschluss ruht das Smartphone 16 Stunden im Standby.

Ergebnisse des Akku-Test

Während des Spielens und der Nutzung der Kamera verlor der Akku des Sony Xperia XZ2 die meiste Leistung. Jeweils 11 Prozent an Kapazität ging zurück. Mit 10 Prozent Akkuverlust folgt das Video-Streamen über YouTube. Bei allen drei Anwendungen wurde das Smartphone etwas warm, eine deutliche Hitze entwickelte sich aber nicht. Das Abspielen von Musik und die Nutzung der Facebook-App belastete den Akku des Xperia XZ2 mit 9 Prozent bzw. 8 Prozent mehr als gewohnt. Beim Surfen im Internet (Minus 6 Prozent) und beim Telefonieren (Minus 5 Prozent) war die Beanspruchung im Vergleich zu den anderen Anwendungen hingegen geringer. Insgesamt kamen wir nach der achstündigen Intensiv-Nutzung auf eine Akkuladung von 36 Prozent. Das ist ein mittelmäßiger Wert. Zum Vergleich: Das Huawei P20 Pro hatte nach dieser Zeit noch 46 Prozent Ladung übrig.

Der Akkutest nach 8 Stunden. Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
Leistung des Akkus bei Intensiv-Nutzung.

In den folgenden 16 Stunden Standby bei eingeschalteten Funkverbindungen ist die Akkuladung nochmals um 8 Prozent auf insgesamt 28 Prozent gefallen. Mit diesem Akkustand verlässt das Sony Xperia XZ2 unseren Akkutest. Es schneidet somit nur geringfügig schlechter ab als das Huawei P20 Pro, bei dem 29 Prozent übrig geblieben sind, das aber auch eine höhere Ausgangs-Kapazität hat.

Akkutest nach 24 StundenQuelle: Rita Deutschbein / handy.de
Die Leistung der Batterie nach 24 Stunden.

Das Energiemanagement des Sony Xperia XZ2 ist gut. Obwohl der Akku mit 3.180 mAh nicht groß ausfällt, waren am Ende einer achtstündigen Intensiv-Nutzung gefolgt von 16 Stunden Standby noch 28 Prozent Ladung übrig. Das Xperia XZ2 schafft es somit gut durch den Tag und sollte bei geringerer Nutzung sogar knapp zwei Tage durchhalten.