Samsung Galaxy S10+ im Test: Das S steht wieder für Spitze | handy.de
Testbericht

Samsung Galaxy S10+ im Test: Das S steht wieder für Spitze

Triple-Kamera, Keramik-Rückseite und Ultraschall-Fingerabdrucksensor im Check

Das Falt-Smartphone Galaxy Fold war zwar Samsungs Star auf dem Handy-Mekka MWC 2019. Es erscheint aber erst im Sommer und ist zu einem Preis von 2.000 Euro für die wenigsten Handy-Fans erschwinglich. Mindestens bis zu diesem Zeitpunkt bleibt das in Kürze erhältliche Galaxy S10+ das Top-Gerät Samsungs. Das startet für einen realistischeren, wenn auch immer noch irre hohen Preis ab 1.250 Euro in den Markt. Damit weckt es Erwartungen. Doch zumindest auf dem Papier liefert Samsung mächtig ab: Triple-Kamera hinten, Dual-Kamera vorne, Fingerabdrucksensor im Display und kabelloses Aufladen anderer Geräte. Während eines Hands-On mit Vergleich der drei Galaxy-S10-Varianten hat uns das Plus-Modell schon einmal sehr gefallen. Wie schneidet nun das Galaxy S10+ im Test ab?

Design: Fast nur Diamant ist robuster

Den beim Galaxy S8+ und S9+ eingeschlagenen Design-Trend setzt Samsung auch beim Galaxy S10+ fort. Das langgezogene Display rutscht beim neuesten Modell noch weiter an den oberen und unteren Rand, der jeweils noch schmaler ausfällt als bisher. Die seitlichen Ränder sind wegen der gebogenen Display-Kanten sowieso nicht mehr zu sehen. Dieses Dual-Edge-Design bringt funktional nichts, sieht aber futuristisch und todschick aus.

Auffälligster Unterschied vorne: Die frontale Dual-Kamera verschiebt Samsung vom oberen Balken in ein per Laser ins Display geschnittene Loch. Dieses fällt zunächst gar nicht auf, weil es im dunkel auslaufenden Farbverlauf von Samsungs Standard-Hintergründen dezent zurücktritt. Beim Bedienen von Menüs und Apps fällt es stärker in den Blick, stört aber nicht.

Hinten ist die Kamera mit ihren drei Objektiven das einzige Gestaltungselement. Ihre Metalleinfassung ragt minimal aus dem Gehäuse heraus und kann damit empfindliche Tischoberflächen zerkratzen. Vorder- und Rückseite münden mit fühlbarer Kante in einen chromierten Aluminium-Rahmen.

Das Frontglas und der Metallrahmen sind so robust bzw. kratzanfällig wie bei allen anderen hochwertigen Smartphones auch. Dagegen bei der Rückseite des Galaxy S10+ setzt Samsung erstmals auf ein besonders widerstandsfähiges Material: Keramik. Damit ist kein dekoratives Porzellan gemeint, sondern ein Hochleistungswerkstoff, der unter anderem besonders resistent gegen Kratzer ist. Auf der sogenannten Mohs-Skala sind nur wenige Minerale härter, unter anderem Diamant.

Tatsächlich konnten wir mit einem Schlüssel keinen Kratzer in die Keramik-Rückseite des Galaxy S10+ im Test ritzen. Das ist vorteilhaft für den Transport in einer Tasche. Vorne und an den Seiten kann ein zusätzlicher Schutz durch eine Hülle und Folie aber nicht schaden. An den optischen und haptischen Eigenschaften ändert der Einsatz von Keramik außerdem nichts. Die Rückseite ist deshalb genauso rutschig und anfällig für sichtbare Fingerabdrücke wie eine aus Glas.

Einhändige Bedienung schwierig

Selbst ohne Hülle ist die hierzulande in Weiß oder Schwarz verfügbare Keramik-Variante des Galaxy S10+ ein echter Brummer. Rund 200 Gramm wiegt sie, und damit etwa 25 Gramm mehr als die nur im Ausland vertriebene Version mit Glasrückseite. Selbst für ein Gerät mit 6,4-Zoll-Display ist dies ein relativ hohes Gewicht.

Die Maße des Galaxy S10+ sind im Vergleich zum S8+ und S9+ trotz des größeren Displays hingegen nicht gewachsen, sondern sogar minimal geschrumpft. Das ist aus Ingenieurssicht respektabel, doch eine einhändige Bedienung bleibt bei so einem großen Gerät trotzdem schwierig. Dazu trägt auch ein für unseren Geschmack viel zu hoch platzierter Power-Button bei.

Die Bixby-Taste empfinden wir dagegen nicht mehr als überflüssig und störend, weil sich Samsungs Sprachassistenz endlich auf deutsch verwenden lässt. Nutzt Du ihn nicht, kannst Du außerdem erstmals die Bixby-Taste anderweitig belegen.

Display: Dieses Handy leuchtet heller als viele Fernseher

Mit riesigen 6,4 Zoll bietet das sogenannte Infinity-O-Display des Galaxy S10+ im Test die bisher größte Bildschirmfläche in Samsungs S-Klasse. Freunde großer Screens erhalten so viel Fläche bisher nur im Galaxy Note 9. Im Vergleich zum S8+ und S9+ ist die Auflösung nur entsprechend des etwas längeren Displays gewachsen, entspricht mit 1.440 x 3.040 Bildpunkten also dem Standard namens Wide QHD+. Voreingestellt ist allerdings das niedrigere Full-HD+.

Bei WQHD+ beträgt die Pixeldichte 522 ppi, bei FHD+ noch 395 ppi – beides ist äußerst scharf! Im Alltag fällt der Unterschied kaum auf, außerdem zerren weniger zu beleuchtende Pixel nicht so stark am Akku. Dagegen für grafisch aufwendige Spiele, Virtual-Reality-Anwendungen und zum Betrachten von Fotos ist wiederum die höhere Auflösung von Vorteil. Die Farben wirken, typisch für ein Super-AMOLED-Display, sehr knallig – und das schon in der „natürlichen“ Bildeinstellung, in der „lebendigen“ noch umso mehr.

Galaxy S10+ im Test VideooptimierungQuelle: Berti Kolbow-Lehradt / handy.de
Wenn Du eine App fürs Video-Streaming öffnest, wird Dir angeboten, die Farben dafür zu optimieren. Das ist aber gar nicht nötig. Die Helligkeit und Farbbrillanz des Galaxy S10+ ist auch so schon herausragend.

Beeindruckt sind wir von der außergewöhnlichen Spitzenhelligkeit des Displays. Mit bis zu 1.200 Nits leuchten die Bildpunkte. Weil sich das Display des Galaxy S10+ selbst draußen noch prima ablesen lässt, wertet die immens hohe Spitzenhelligkeit auch den Alltagseinsatz erheblich auf.

Mit dieser Spitzenhelligkeit erfüllt das Gerät den Standard von HDR10+, der bislang sehr teuren aktuellen Fernsehern vorbehalten war. So ergibt HDR auf dem Smartphone endlich Sinn und macht richtig Spaß! Denn dadurch kommen in düster gehaltenen Filmen auf Netflix und Amazon Prime Video helle Akzente viel besser zur Geltung. Außerdem ist in dunklen Bereichen mehr Struktur zu erkennen. Eine zusätzliche Einstellung zur Videooptimierung soll in Netflix und anderen Apps abermals die Schatten aufhellen und die Farben lebendiger abstimmen. Einen nennenswerten Unterschied können wir beim Galaxy S10+ im Test aber nicht erkennen.

Neue Display-Höhe wird nicht ausgenutzt, Kamera-Loch kein Problem

Schade, dass die beiden großen Anbieter für Video-Streaming die neue Display-Höhe des Galaxy S10+ noch nicht ausnutzen. Dagegen in YouTube können wir mit der Fingerzangen-Geste das Bild so vergrößern, dass es den ganzen Bildschirm füllt.

An das Kamera-Loch im Display gewöhnen wir uns schnell, weil dort in der Regel Apps keine relevanten Bildinhalte platzieren. Beim optischen Störfall der „Miles & More“-App der Lufthansa handelt es sich offenbar um einen Einzelfall.

Leistung: Galaxy S10+ im Test bisher schnellstes Smartphone überhaupt

Was das Arbeitstempo betrifft, setzt sich das Galaxy S10+ im Test an die Spitze aller unser bisherigen Prüfergebnisse. Sowohl in Geekbench, Antutu als auch in 3DMark schlägt das Samsung-Gerät zum Test-Auftakt der diesjährigen Saison für Oberklasse-Modelle alles, was wir bisher in der Redaktion hatten. Kein Wunder: Schließlich verbaut Samsung mit dem Exynos 9820 einen Prozessor der neuen Generation und stattet den Arbeitsspeicher unseres Test-Exemplars mit satten 8 GB LPDDR4X-RAM aus.

Unser Praxiseindruck bestätigt die nüchternen Zahlen. Grafisch aufwendige Games wie PUBG Mobile zaubert das Galaxy S10+ im Test mit maximalen Details butterweich aufs Display. Selbst einen Prüfstein wie Ark: Survival Evolved besteht Samsungs Top-Modell mit Bravour. Obwohl wir Auflösung und Grafikdetails auf Anschlag drehen, bleibt das Bild flüssig. Bisherige Handys bringt Ark dagegen mal mehr, mal weniger ins Stolpern. Nur der Vollständigkeit halber erwähnen wir noch, dass der normale Alltagseinsatz für die Rechenhardware des Galaxy S10+ im Test keine Herausforderung darstellt.

An die Speichergrenze stoßen wir dabei nicht annähernd. 512 GB zählt unser Exemplar des Galaxy S10+ im Test. Alternativ verkauft Samsung auch Modelle mit 128 oder 1.024 GB Nutzerdaten-Speicher. Zusätzlich lässt sich jedes Modell mit einer Micro-SD-Karte bestücken, die bis zu 512 GB fassen kann. Derart viel Platz bietet so mancher Computer nicht.

Galaxy S10+ im Test: Die Ausstattung im Überblick

Samsung Galaxy S10+
Display 6,3 Zoll Dynamic AMOLED
19:9-Format, HDR10+
Auflösung 1.440 x 3.040 Pixel (WQHD+),
522 ppi
Prozessor und GPU Exynos 9820,
Octa-Core;
2,7 GHz + 2,3 GHZ + 1,9 GHz
RAM 8 GB / 12 GB
Speicher 512 GB / 1 TB
erweiterbar per Micro-SD;
Hybrid-Slot bei Dual-SIM
Kamera Triple-Kamera

12 MP Weitwinkel, variable Blende (f/1.5 – f/2.4)

16 MP Ultra-Weitwinkel, f/2.2

12 MP Tele, f/2.4

bis 10-fach digitaler Zoom

bis 2-fach optischer Zoom

4K-Video

Frontkamera Loch-Kamera mit Dual-Sensor
10 MP, f/1.9 + 8 MP4K-Video
Aufnahme-Modi Auto, Pro, Panorama,
Live-Fokus,
Lebensmittel, AR-Emoji,
Hyperlapse, Super Slow-Mo
Akku 4.100 mAh
USB Typ C, Fast Charging, kabellos ladbar,
Wireless PowerShare, Dual Charging
Software Android 9 Pie / Samsung One UI 1.1
IP-Zertifizierung IP68
Entsperrmethoden Ultraschall-Fingerabdruckscanner (In-Display), Gesichtserkennung, Muster, Passwort, PIN
Maße & Gewicht 157,6 x 74,1 x 7,8 mm
175 Gramm / 198 Gramm (Keramik-Variante)
Farben Ceramic White, Ceramic Black
UVP 1.249 Euro (8 GB / 512 GB)
1.599 Euro (12 GB / 1 TB)
Marktstart März 2019

Telefonie und Internet: Nichts für die Telefonkonferenz!

Das Galaxy S10+ akzeptiert zwei SIM-Karten, wobei sich die zweite allerdings den Schacht mit der Micro-SD-Karte teilt. Entweder zweiter Tarif oder mehr Speicher – diese Entscheidung musst Du treffen. Die Gesprächsqualität beim Telefonieren erweist sich beim Galaxy S10+ im Test nicht als kristallklar, sondern minimal dumpf, geht aber insgesamt in Ordnung. In den Keller sackt sie allerdings beim Einsatz der Freisprechanlage. Zwar können wir unseren Gesprächspartner gut verstehen, er aber uns nicht. Das gilt bei einer Distanz von 10 Zentimetern genauso wie bei einer von 40 Zentimetern. Offenbar verarbeitet das Mikro die Signale in diesem Modus zu leise. Als Freisprecheinrichtung für die Telefonkonferenz können wir das Gerät also nicht empfehlen.

Was den Internet-Betrieb betrifft, zeigt sich Samsung ganz modern. Das Galaxy S10+ unterstützt nämlich den neuen Standard Wi-Fi 6 (812.11ax). Dieser soll Daten beispielsweise in überfüllten Netzwerken wie auf Messen oder Flughäfen stabiler übertragen. Außerdem ermöglicht Wi-Fi 6 deutlich mehr Geschwindigkeit. Stichwort: Gigabit-Internet. Dies lohnt sich jedoch nur dann, wenn Du wirklich bereits zu den noch wenigen Haushalten gehörst, die über einen Gigabit-Anschluss verfügen. Testen konnten wir den neuen WLAN-Standard mangels passenden Routers noch nicht. Erst wenige Modelle unterstützen ihn.

Software: Alles einfacher mit One UI und Bixby auf Deutsch?

Einhändige Bedienung nur bei Samsung-Apps

Das Software-Grundgerüst für Samsungs aktuelle Gerätereihe ist Android 9 Pie. Über Googles Betriebssystem stülpt Samsung eine stark überarbeitete eigene Oberfläche. Statt Samsung Experience heißt sie jetzt Samsung One UI. Mit ihr verfolgt der Hersteller den Ansatz, alle wichtigen Bedienelemente in den unteren zwei Dritteln des Displays zu platzieren, weil letztlich nur dieser Bereich bei einhändiger Bedienung bequem per Daumen erreichbar ist. So begrüßenswert dies auch ist, wirkt es sich doch nur auf die System-Oberfläche und Samsung-eigene Apps wie den Browser aus. Wer stattdessen Chrome und WhatsApp nutzt, hat nichts davon. Ferner hat Samsung die Optik überarbeitet und verwendet nun runde Icons im flachen Design.

Das Kamera-Loch im Display hat Samsung in One UI natürlich auch berücksichtigt und dort keine Bedienelemente vorgesehen. Auch in anderen Apps haben wir trotz etlicher Stichproben kein Problem beobachtet. Bisher nutzen die meisten Apps diesen Bereich aber nicht und platzieren dort einfach einen schwarzen oder farbigen Balken.

Prima für die Handy-Spätschicht: One UI und alle Samsung-Apps lassen sich in einen Nachtmodus mit schwarzem Hintergrund schalten. Das entlastet die Augen in dunkler Umgebung und stört den Bettnachbarn weniger.

Bixby mit Wissenslücken, aber praktischen Routinen

Neben Google Assistant ist auch Samsungs eigene Sprachassistenz Bixby im System integriert. Endlich ist sie auch auf Deutsch verfügbar. Ihr Sprachverständnis bewerten wir als gut. Nervig finden wir nur, dass wir nach dem Signalwort „Hi Bixby“ eine Sekunde pausieren müssen, bevor wir weiterreden, weil Bixby sonst die ersten Wörter der Aufforderung verschluckt.

Bixby kommt auf Deutsch mit vielen einfachen Anfragen klar, wie etwa die nach der Wettervorhersage oder dem aktuellen Kinoprogramm. In anderen Fällen antwortet Bixby nicht so pfiffig wie der Google Assistant. Auf die Frage nach der Entfernung zwischen Hannover und Düsseldorf liefert Google konkrete Angaben zur Distanz und Fahrtzeit, während Bixby uns auf Routenplaner im Web verweist.

Ein anderes Negativ-Beispiel. Mit Bixby ist es möglich, eine WhatsApp-Nachricht zu diktieren. Aber dafür müssen wir zunächst darum bitten, WhatsApp zu öffnen. Im Unterschied dazu können wir dem Google Assistant gleich die Ziel-App, den gewünschten Kontakt und den jeweiligen Text diktieren, ohne die App zuvor separat aufzurufen.

Insofern ist Bixby keine schlechte digitale Assistenz, aber eine, die den Rückstand gegenüber anderen Alternativen aufholen muss.

Als deutlich nützlicher erweisen sich beim Galaxy S10+ im Test die Bixby Routinen. Sie funktionieren ähnlich wie Siri Kurzbefehle bei Apple, lassen sich aber deutlich intuitiver erstellen. Bei Bixby Routinen handelt es sich um simple Logikketten nach dem „Wenn dies, dann das“-Prinzip wie es der Dienst IFTTT vormacht. Beispielsweise können wir eine „Gute Nacht“-Routine festlegen, bei der Bixby ab einer bestimmten Uhrzeit den „Nicht stören“-Modus, den Blaufilter und unsere liebste Lese-App aktiviert. Auf diese Weise lassen sich viele Handgriffe sparen.

Sensoren: Fingerabdruck per Ultraschall

Nach Huawei im Mate 20 Pro und OnePlus im 6T platziert mit Samsung ein weiterer großer Hersteller einen Fingerabdrucksensor unter dem Display-Deckglas eines Mainstream-Smartphones. Im Kinn der Vorderseite ist ja kein Platz mehr dafür. Außerdem bleibt das Rückseitendesign des Galaxy S10+ auf diese Weise schön „clean“.

Im Unterschied zu Huawei und OnePlus verwendet Samsung aber Ultraschall als Scan-Technologie. Statt eines zweidimensionalen erstellt der Sensor dadurch ein räumliches Bild von dem Rillenprofil der Fingerkuppe. Dadurch werden noch mehr individuelle Merkmale registriert, was für einen erhöhten Schutz sorgen soll.

In puncto Bedienung finden wir Samsungs Variante gewöhnungsbedürftig. Wir brauchen etwas Gespür um die richtige Stelle und den richtigen Druckpunkt zu finden. Zudem dauert der Entsperrprozess minimal länger als bei einem iPhone 8 mit klassischem Sensor im Home-Button. Dafür erweist sich der Fingerabdruckscanner beim Galaxy S10+ im Test als deutlich toleranter gegenüber Umwelteinflüssen. Selbst bei feuchten oder eingecremten Fingern funktioniert das Entsperren bei vielen Versuchen auf Anhieb.

Samsung Galaxy S10+ im Test Fingerabdrucksensor im DisplayQuelle: Berti Kolbow-Lehradt / handy.de
Samsung bringt in der S10-Reihe erstmals einen Fingerabdrucksensor unter das Deckglas des Display. Er entsperrt minimal langsamer als wir es gewohnt sind, akzeptiert aber auch feuchte und eingecremte Finger.

Einen Iris-Scanner hat Samsung in der S10-Reihe zwar gestrichen, doch der Gesichtsscan bleibt an Bord. Er entsperrt schneller als der Fingerabdruckscanner, ist aber als hauptsächliche Entsperrmethode nicht zu empfehlen, weil er zu unsicher ist, wie selbst Samsung einräumt. Obwohl mit der dualen Frontkamera ein 3D-Scan hardwareseitig möglich wäre, belässt es der Hersteller bei einer zweidimensionalen Aufnahme. Dadurch lässt sich das Gerät leicht täuschen. Tatsächlich genügte ein Selfie von uns auf einem Tablet, um den Gesichtsscanner zu überlisten und das Galaxy S10+ im Test zu entsperren.

Kamera: Bildqualität auf Top-Niveau

Erste echte Triple-Kamera

Nach einer Hauptkamera im S8+ und zwei im S9+ legt Samsung noch eine Schippe drauf und packt nun eine Triple-Kamera auf die Rückseite des Galaxy S10+. Dabei kombiniert Samsung eine Standardweitwinkel-Brennweite (26 mm gemäß KB-Standard, F1.5-F2.4, 12 MP), eine Ultraweitwinkel-Brennweite (13 mm, F2.2, 16 MP) und eine Normal- bis leichte Tele-Brennweite (52 mm, F2.4, 12 MP). Anders als beim Galaxy A7 (2018) handelt es sich also um eine „echte“ Triple-Kamera, bei der sich alle drei Brennweiten direkt fürs Fotografieren verwenden lassen. Sie deckt quasi einen vierfachen optischen Zoom ab und erweitert die Einsatzmöglichkeiten damit erheblich.

Leider lassen sich die Tele- und Ultraweitwinkel-Kamera nicht im Pro-Modus verwenden. Raw-Aufnahmen mit diesen Brennweiten sind also nicht möglich. Selbst im Porträtmodus ist das Tele-Objektiv nicht anwählbar, obwohl dieser Bildwinkel Gesichtern besser schmeichelt. Positiv: Die Tele-Linse kann auch auf sehr kurzer Entfernung scharfstellen und ermöglicht damit bildfüllende Nahaufnahmen kleiner Objekte. Schwierig zu handhaben sind Aufnahmen mit dem Ultraweitwinkel-Objektiv, weil es gerade Linien stark verzerrt, was sich auch per Korrekturfunktion in der Kamera-Software nicht ausreichend beheben lässt.

Galaxy S10+ im Test Ultraweitwinkel-TestfotoQuelle: Berti Kolbow-Lehradt / handy.de
Zum Vergleich: Das Ernst-August-Denkmal in Hannover mit dem Ultraweitwinkel aufgenommen…

Galaxy S10+ im Test Standardweitwinkel-TestfotoQuelle: Berti Kolbow-Lehradt / handy.de
….dann Wechsel zur Brennweite des Standardweitwinkel-Objektivs im Samsung Galaxy S10+…

Galaxy S10+ im Test Tele-TestfotoQuelle: Berti Kolbow-Lehradt / handy.de
…und schließlich eine Aufnahme mit der Zweifach-Vergrößerung des Tele-Objektivs.

Ungeachtet dessen liefert das rückseitige Kamera-Trio eine technisch ausgezeichnete Bildqualität ab. Die positive Bewertung von DxOMark Mobile können wir im Test bestätigen. Selbst in Hochkontrastsituationen gelingt der Kamera-Software eine ausgewogene Belichtung. Zudem gefällt die natürliche Farbwiedergabe, insbesondere die von Hauttönen. Feine Strukturen stellt das Galaxy S10+ im Test mit viel Durchzeichnung dar, auch wenn das Gerät einige Details wegbügelt, um das Rauschen zu reduzieren.

Künstliche Intelligenz für bessere Bilder

Erstmals verwendet Samsung einen separaten Chip für Künstliche Intelligenz (NPU), der eine Auswahl von Motiven besser belichten soll. Die KI-Fotografie für die Szenenerkennung ist immer scharfgeschaltet, was nur anhand eines kleinen Icons in der oberen rechte Bildecke erkennbar ist. Trotzdem hält sie sich dezent zurück und erledigt weitestgehend unbemerkt ihren Job. Auf Wunsch lässt die Szenenerkennung sich abschalten. Weil wir die Farbwiedergabe aber – anders als bei Honor und Huawei – nicht übertrieben finden, sehen wir dazu keinen Anlass.

Eine weitere Aufgabe des NPU-Chips sind Vorschläge für bessere Bildkompositionen. Dazu blendet die Kamera-Software einen Punkt ein, auf den Nutzer das Bild verschwenken sollen, um beispielsweise die ästhetisch vorteilhafte Drittel-Regel einzuhalten. Die Vorschläge sind in der Regel sinnvoll und können Einsteigern zu ansehnlichen Bildern verhelfen.

Frontale Dual-Kamera für Selfies mit kreativem Bokeh

Nicht nur auf der Rückseite rüstet Samsung auf, auch vorne kommt eine zusätzliche Kamera ins Spiel. Real einsetzbar ist aber nur eine Aufnahmeeinheit, nämlich eine Weitwinkel-Kamera (25 mm, F1.9, 10 MP). Dagegen ist die zweite Optik ausschließlich für Abstandsinformationen zuständig und soll dabei helfen, ein stimmigeres Bokeh zu berechnen. Trotzdem erscheint es in der Kamera-App so, als könnten Nutzer zwischen zwei Brennweiten für Solo- und Gruppen-Porträts wählen. Tatsächlich handelt es sich bei der Option mit dem kleineren Bildwinkel nur um einen verringerten Bildausschnitt der 25-mm-Kamera mit entsprechend geringerer Auflösung. Ein rein digitaler Zoom, also.

Samsung Galaxy S10+ im Test Dual-Kamera FrontQuelle: Berti Kolbow-Lehradt / handy.de
Im Galaxy S10+ verbaut Samsung erstmals eine Dual-Kamera auf der Vorderseite.

Die Bildqualität stufen wir auf einem Level mit der Rückkamera ein. Belichtung, Farb- und Detailwiedergabe erfüllen nämlich sehr hohe Smartphone-Maßstäbe. Auf Top-Niveau sehen wir auch die Gesichtserkennung und Bokeh-Berechnung. Der Look der künstlerischen Hintergrundunschärfe lässt sich beim Galaxy S10+ im Test auf vier Arten variieren, was für mehr kreative Freiheit sorgt und einem Porträt mitunter den letzten Schliff verleihen kann.

Ebenfalls aufgemotzt hat Samsung den Bereich der AR-Emojis. Nun lassen sich die 3D-Avatare in Echtzeit auf reale Körper montieren. Die Mimik-Erkennung hat Samsung im Vergleich zum S9+ im Test deutlich verbessert. Demgegenüber ist der Look der Avatare Samsung für unseren Geschmack etwas zu sehr ins Kindliche gerutscht.

Sound: Lautsprecher und EarBuds können sich hören lassen

In der Sound-Abteilung ist das Samsung Galaxy S10+ im Test ein echter Hit. Obwohl der Hersteller etwa anders als LG beim V40 in Sachen Klang-Features überhaupt nicht auf die Pauke haut, hinterlassen die Lautsprecher einen sehr guten Eindruck. Neben dem Schallwandler hinter dem Lochgitter auf der unteren Seite kommt dabei auch der Telefon-Lautsprecher im oberen schmalen Rand zwischen Rahmen und Display zum Einsatz. Das sorgt für einen Stereo-Klang. Und weil Dolby Atmos standardmäßig aktiviert ist, simulieren die Schallwandler eine schön breite Klangkulisse. Der Bass drückt kraftvoller als bei vielen anderen Smartphone-Lautsprechern.

Wer den Klang lieber näher am Ohr bevorzugt, kann zu Kopfhörern mit Kabelfernbedienung greifen, die Teil des Lieferumfangs sind. Sie stammen von Samsung-Tochter AKG und überzeugen durch einen kräftigen Klang mit klaren Höhen und Mitten sowie leichter Bassbetonung. Deren Klangqualität liegt deutlich über der von typischen Smartphone-Beilagen.

Aus unserer Sicht befinden sich die AKG-Ohrhörer mindestens auf dem gleichen Klangniveau wie die Galaxy Buds, die es für Vorbesteller als Zugabe zum Galaxy S10+ gibt. Allerdings übertragen die Galaxy Buds im Hands-on den Bass nicht überzeugend. Dafür verzichten sie komplett auf Kabelsalat, was insbesondere beim Sport praktisch ist.

Akku: Tolle Bonus-Funktion, durchschnittliche Laufzeit

Die Galaxy Buds deklariert Samsung auch deshalb als Vorbesteller-Bonus, weil die Ohrhörer ein zentrales Feature des Akkus betonen. Sie lassen sich nämlich kabellos aufladen. Und welches Smartphone kann wie eine Art Powerbank andere Geräte induktiv mit neuer Energie versorgen? Genau, das Galaxy S10+!

Einfach das Icon für „Wireless PowerShare“ im Android-Schnellmenü auswählen, Smartphone drehen und das zu ladende Gerät auf der Rückseite platzieren. Anders als das Huawei Mate 20 Pro kann Samsungs Galaxy S10+ sogar zwei Geräte auftanken. Vorausgesetzt, sie unterstützen den Qi-Standard und der Akku des S10+ verfügt noch mindestens über einen Restladestand von 30 Prozent.

Galaxy S10+ im Test Wireless PowerShare Minimum RestladestandQuelle: Berti Kolbow-Lehradt / handy.de
Nur, wenn der Akku des Galaxy S10+ noch über mindestens 30 Prozent Restladestand verfügt, kann er andere Geräte per Wireless PowerShare aufladen.

Energie für andere Geräte entbehren können Nutzer des Galaxy S10+ aber nur bei sehr sparsamen Gebrauch. Denn obwohl der Akku mit 4.100 mAh recht groß bemessen ist, verbraucht das Samsung-Handy die Energie sehr schnell. Im standardisierten Testverfahren von handy.de leistet der Akku nämlich nur Durchschnittliches. Nach acht Stunden aktiven Einsatzes sind noch 40 Prozent Restladestand übrig, nach 24 Stunden nicht mehr als 18 Prozent.

Galaxy S10+ im Test Akku-Test von Handy.deQuelle: Berti Kolbow-Lehradt / handy.de
Nach 24 Stunden im standardisierten Akku-Test von Handy.de bleiben nur noch 18 Prozent Restladestand. Das ist nur Durchschnitt.

Immerhin lässt sich das Galaxy S10+ im Test schnell wieder aufladen. Dank Fast Charge mit USB Typ C sind nach 30 Minuten wieder 80 Prozent statt 45 Prozent verfügbar.

Test-Fazit: Samsung macht fast alles richtig

Nach der zurückhaltenden Modellpflege beim Galaxy S9+ hat sich Samsung für die zehnte Generation der S-Klasse wieder ordentlich ins Zeug gelegt. Daher ist das Galaxy S10+ ein echtes Spitzen-Smartphone, dem es fast an nichts fehlt. Ein Upgrade vom S8+ und S9+ ist es definitiv wert, und auch den Rückstand aufs vorangepreschte Huawei verkleinert Samsung wieder.

Auf der Haben-Seite steht ein äußerst schickes Design mit größerem Display bei gleichzeitig fast identischen Maßen. Über kleinere Unperfektheiten wie einen zu hoher Power-Button können wir hinwegsehen. Die kratzfeste Keramik-Rückseite ist ein Alleinstellungsmerkmal, macht eine Hülle allerdings nicht entbehrlich, weil Vorderseite und Rahmen so empfindlich wie eh und je bleiben.

Irre beeindruckt hat uns die hohe Spitzenhelligkeit des Displays, die HDR-Filme und den Outdoor-Einsatz deutlich aufwertet. Rasantes Arbeitstempo, viel Speicher, kraftvoller Sound und eine praktisch lückenlose Konnektivitätsausstattung sind weitere große Plus-Punkte.

Die Kamera-Systeme überzeugen hinten wie vorne mit erstklassiger Bildqualität, viel Brennweiten-Spielraum und praktischen Assistenzfunktionen. Das Kamera-Loch in der Front stört nicht, bringt aber auch nicht viel, weil praktisch noch kein App-Anbieter die zusätzliche Fläche ausnutzt.

Die Stärken komplettiert die gut durchdachte Software-Oberfläche One UI. Von der digitalen Assistenz Bixby können aber nur Teile überzeugen, zum Beispiel die Bixby Routinen.

Licht und Schatten bergen der Akku und der neuartige Fingerabdrucksensor mit Ultraschall. Letzterer erkennt abgespeicherte Fingerprofile besser, braucht dafür aber minimal länger. Und der Energiespender kann zwar andere Geräte kabellos aufladen, geht aber selbst zu verschwenderisch mit dem Strom um. Immerhin lässt sich der Energieverbrauch eigenhändig reduzieren, wenn Komfort-Features wie das Always-On-Display deaktiviert und die Luxus-Auflösung von WQHD+ reduziert werden.

Insgesamt liefert Samsung somit ein Super-Smartphone ab, das in nahezu allen Belangen begeistert und damit zurecht die bestmögliche Wertung von fünf Sternen erhält.

Pro- & Contra-Argumente Galaxy S10+ im Test

Pro

  • Kratzfeste Keramik-Rückseite
  • Superhelles Display
  • Tolle Kameras
  • Kraftvoller Sound
  • Extrem hohes Arbeitstempo
  • Sehr viel Speicher
  • Lädt andere Geräte kabellos auf

Contra

  • Sehr schwer
  • Zu hoch platzierter Power-Button
  • Akku-Laufzeit durchschnittlich
  • Tele-Linse nicht für Raw und Porträts nutzbar
  • Mäßige Freisprechqualität

Alternativen

Hauptsächlich der hohe Preis des Galaxy S10+ dürfte bei Interessierten für Vorbehalte sorgen. Rund 1.250 Euro kostet das Modell mit 8 GB RAM und 512 GB Nutzer-Datenspeicher, für die Variante mit 12 GB und 1 TB verlangt Samsung sogar 1.600 Euro. Wer dachte, Apple hätte das Rad beim iPhone Xs Max überdreht, hat sich geirrt. Samsung geht noch einen Schritt weiter.

Doch es gibt Alternativen. Das Huawei Mate 20 Pro ist schon ein paar Monate auf dem Markt und bietet für 750 Euro sogar eine Triple-Kamera mit Dreifach-Zoom. Die Akku-Leistung ist im handy.de-Test der des S10+ deutlich überlegen. Zwar fällt das messbare Arbeitstempo geringer aus, doch das spielt im Alltag keine Rolle. Frisch erschienen und für 790 Euro erhältlich ist das LG V40 ThinQ. Ihm fehlt im Vergleich der Fingerabdrucksensor im Display und das kabellose Aufladen anderer Geräte. Ansonsten hat uns das LG-Gerät in vielen Belangen im Test begeistert.

Das neue Galaxy S10+ kommt mit einer High-End-Triple-Kamera daher. Doch wie lauten dann noch die Unterschiede zwischen dem Samsung Galaxy S10+ und dem Huawei Mate 20 Pro? Wir haben Dir die sechs größten Unterschiede herausgearbeitet.

Wow! Triple-Kamera, frontale Dual-Kamera, Fingerabdrucksensor im Display und kabelloses Aufladen anderer Geräte - das Samsung Galaxy S10+, S10 und S10e haben viel zu bieten. Und was bringt's? Im Kurztest haben wir es ausprobiert!