Neo Smartpen M1 im Test: Dieser Kuli digitalisiert Notizen im Handumdrehen | handy.de
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Neo Smartpen M1 im Test: Dieser Kuli digitalisiert Notizen im Handumdrehen

Teures Chinagadget oder sinnvolles Büroutensil?

Vergangene Woche haben wir den ersten Part unserer zweiteiligen Serie zum Thema „Notizen digitalisieren“ veröffentlicht. Die ausgefallenen Notizbücher von Rocketbook konnten im Test über weite Strecken überzeugen. Auch der Neo Smartpen M1 digitalisiert Handgeschriebenes. Doch im Gegensatz zum Rocketbook Wave kommt er ganz ohne Mikrowelle aus. Wie sich der smarte Kugelschreiber im Alltag schlägt, verrät der große Langzeittest.

Hier geht’s zum Test der Rocketbook-Notizbücher:

Das Rocketbook ist im ersten Augenblick ein vertrautes, normales Notizbuch. Doch dahinter steckt ein smarter Clou. Per App lassen sich die Seiten scannen und in die Cloud laden. Wir haben drei Versionen getestet und unseren Sieger auserkoren.

Neo Smartpen M1 im Test: Smarter Kuli mit Cloud-Anbindung

Das koreanische Unternehmen Neo Smartpen Inc. hat sich, wie der Name wohl bereits verrät, auf die Herstellung von smarten Kulis spezialisiert. 2018 hat das Unternehmen mit dem gleichnamigen Neo Smartpen M1 den Nachfolger des noch recht klobigen und schweren N2 herausgebracht. Wir konnten mit dem smarten Schreibgerät bereits einige Wochen verbringen und handschriftliche Notizen in Echtzeit digitalisieren. Wie gut das mit dem Neo Smartpen M1 tatsächlich funktioniert hat, zeigen wir Dir hier.

Unboxing: Das bringt der Neo Smartpen M1 mit

Der Neo Smartpen M1 kommt in einer runden Papierröhre, die stark an Transportmittel für Poster oder große Landkarten erinnert. Mit einer Drehbewegung wird der obere Teil abgestülpt und der Neo Smartpen steht vertikal in einem Schaumstoffständer. Unser Test-Muster kommt in der Farbe Navy. Der Body des smarten Kugelschreibers ist dabei Blau, während einige gelbe Akzente gesetzt wurden. Neben dem digitalen Schreibgerät befinden sich auch eine Kurzanleitung, ein Micro-USB-Aufladekabel, zwei Ersatzminen und ein kleines Ncode-Notizbuch im Lieferumfang. Der Neo Smartpen braucht nämlich spezielles Papier, um Notizen zuverlässig zu digitalisieren – darauf gehen wir im praktischen Teil ein.

Der Neo Smartpen M1 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Design und Handhabung

Der Neo Smartpen fühlt sich hochwertig an, obwohl er komplett aus Kunststoff gefertigt ist. Das kommt seiner Leichtigkeit allerdings zugute. Denn obwohl in dem digitalen Stift eine beeindruckende Technik versteckt ist, wiegt er nur 17,5 Gramm. Der Neo Smartpen M1 ist dabei auch nicht zu leicht – er weist ein ausgewogenes Gewichtsverhältnis auf, sodass sich das Schreiben natürlich anfühlt.

Auf der Rückseite des Neo Smartpen M1, wo die meisten Kugelschreiber ihren Druckmechanismus zum Hervorbringen der Mine vorweisen, befindet sich beim Neo Smartpen der bereits in die Jahre gekommene Micro-USB-Port. An der Seite befindet sich eine kleine mehrfarbige LED, die den Ladestand des integrierten Akkus anzeigt. Statt eines Druck- oder Drehmachnismus verfügt der Neo Smartpen M1 zum Öffnen über eine Kappe, an der ein länglicher Clip zum Einstecken befestigt ist. Wird die Kappe entfernt, schaltet sich der Neo Smartpen automatisch ein und gibt ein kurzes akustisches Signal von sich. Die LED fängt an zu leuchten.

Mit Kappe ist der Neo Smartpen M1 etwa 15 Zentimeter lang und 10,4 Millimeter dick. Designtechnisch kann der smarte Kugelschreiber schon mal punkten. Er wird keinen Schönheitspreis gewinnen, ist jedoch gut verarbeitet und besitzt eine ausgewogene Gewichtsverteilung. Der Stift ist optisch eher unauffällig, ob das nun Fluch oder Segen ist, bleibt abzuwarten. Kugelschreiber wechseln ja schon mal gerne „versehentlich“ ihren Besitzer.

Der Neo Smartpen M1 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Das steckt drin

Die inneren Bauteile des Neo Smartpen M1 sorgen dafür, dass der Kugelschreiber handschriftliche Notizen in Echtzeit digitalisiert und sie in einer Cloud sichert. Um das zu realisieren, verfügt der Neo Smartpen M1 dicht unter der Kugelschreibermine über Sensoren, die genau registrieren sollen, was der Nutzer zu Papier bringt. Dafür benötigt das Schreibgerät natürlich Strom. Der Hersteller verwendet hier einen 280-mAh-Akku, der innerhalb von 90 Minuten mittels beiliegendem Kabel vollständig aufgeladen werden soll. Der Neo Smartpen M1 verfügt zudem über einen internen Speicher von 100 MB. Das klingt in Zeiten von 256 GB internem Speicherplatz in Smartphones herzlich wenig. Tatsächlich braucht der digitale Stift aber nicht mehr Speicher, um bis zu 1.000 geschriebene DIN-A4-Seite auch offline zu speichern.

Der Neo Smartpen M1 im Alltag

Der Neo Smartpen M1 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de
Lupenaufnahme: Einzigartige kleine Zeichen helfen dem Neo Smartpen beim Digitalisieren.

Bevor der Neo Smartpen M1 einsatzbereit ist, muss über ein Android-Gerät mit mindestens Android Kitkat 4.4 und Bluetooth 2.1 oder ein iOS-Gerät mit mindestens iOS 8.1 und Bluetooth 4.0 die kostenlose App namens Neo Notes heruntergeladen und installiert werden. Zusätzlich brauchen Besitzer des Stiftes spezielles Papier, damit der smarte Kugelschreiber die handschriftlichen Notizen entziffern und zuverlässig digitalisieren kann. Hersteller Neo Smartpen nennt die Technologie hinter dem Papier „Ncode Technology“. Wer das beiliegende Probe-Heftchen einmal mit einer Lupe begutachtet, sieht viele kleine, scheinbar willkürlich angeordnete Symbole und Linien. Dieser Ncode sieht niemals gleich aus und ermöglicht die genaue Lokalisierung des Stiftes auf dem Papier. Das ist wichtig, um das Papier als solches innerhalb der App darzustellen. Der Neo Smartpen M1 spiegelt sozusagen die handschriftliche Papiernotiz im Smartphone oder Tablet. Doch die Kombination aus Neo Smartpen und Neo-Notes-App kann noch viel mehr.

Neo Notes App – schlechte Übersetzung, gute Funktionen

Wer schon mal ein „China-Gadget“ in den Händen hatte, erinnert sich vielleicht an die schlechte Übersetzung etwaiger Handbücher, deren Text eher nach den Anfängen des Google-Translators aussieht. Ähnlich verhält es sich auch mit der Neo-Notes-App. Immerhin hat sich der koreanische Hersteller die Mühe gemacht und die App in viele unterschiedliche Sprachen übersetzt. Englische Begriffe finden sich jedoch immer noch innerhalb der App. Die deutschen Wörter innerhalb der App sind oft befremdlich abgekürzt und man muss des Öfteren sinngemäß und nicht wörtlich denken, um zu verstehen, was die App eigentlich wirklich von einem will. So findet sich beispielsweise innerhalb der „Settings“ der weiterführende Reiter „Sich.kop./Whst.“ – innerhalb dieser Option wird erst klar, dass es sich hierbei um ein Menü zum Thema Sichern, Kopieren und Wiederherstellen handelt. Immerhin sind die meisten Einstellungsmöglichkeiten selbsterklärend, sodass die schlechte Übersetzung zumindest kein wirkliches Problem bei der Nutzung des Neo Smartpen M1 darstellt.

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Um mit dem Schreiben zu beginnen, wird der seitlich liegende Druckknopf des Neo Smartpen M1 drei Sekunden lang gedrückt gehalten. Die LED blinkt daraufhin in unterschiedlichen Farben, was das Zeichen für den erfolgreich eingeleiteten Pairingmodus des Stiftes ist. Ist die App geöffnet, erkennt diese den Stift nach wenigen Sekunden automatisch und registriert ihn innerhalb der App. Bei der ersten Verwendung erfolgt eine einmalige Kalibrierung des Stiftes. Dabei lässt sich beispielsweise die Strichstärke einstellen. Zahlreiche Farben und die Druckempfindlichkeit gehören ebenfalls zu den personalisierbaren Bereichen.

Wenn alle Wünsche umgesetzt sind, kann die Schreiberei beginnen. Legt man die geöffnete App neben den Schreibblock, kann man in Echtzeit beobachten, wie der Neo Smartpen M1 die Notizen digitalisiert. Das funktioniert ausgesprochen gut und zuverlässig. Wer möchte, kann die digitalisierten Notizen übrigens im Nachhinein innerhalb der App umfangreich verändern und sogar per Schrifterkennung komplett digitalisieren. Die Buchstabenerkennung funktioniert recht zuverlässig. Aber nur, wenn man in sauberen Druckbuchstaben schreibt – eine Gegebenheit, die vor allem bei hastigen Notizen wohl eher nicht möglich ist. Zudem wird der transkribierte Text nicht automatisch in der Cloud gesichert und muss per Copy-and-paste weiterverarbeitet werden.

Der Neo Smartpen M1 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Alle Funktionen des Neo Smartpen M1 im Überblick

  • Digitalisieren von handschriftlichen Notizen
  • Sortieren und ordnen der Notizen nach „Tags“
  • Suchfunktion: Nach Wörtern suchen innerhalb der Notizen
  • Import der Notizen in die Cloud (Evernote, Microsoft OneNote, Adobe Creative Cloud, Google) oder direkter Versand per Mail
  • Umfangreiche digitale Nachbearbeitung
  • Transkribieren von handschriftlichen Notizen
  • Aufnahme von Scribble-Videos inkl. Audio-Aufnahme
  • Offline-Speicher

Neo Notes kaufen oder ausdrucken

Wie bereits erwähnt, verlangt der Neo Smartpen M1 nach speziellem Papier. Der Hersteller bekommt an dieser Stelle dicke Pluspunkte, denn auf seiner Webseite stellt er Vorlagen für das Ncode-Papier zum Download bereit. Hier kann sogar zwischen unterschiedlichen Papierarten, also Kariert / Liniert / Blanko und viele mehr ausgewählt werden. Somit ist der Nutzer nicht gezwungen, auch nach dem Erwerb des Gadgets noch Geld in Schreibblöcke und Co. zu investieren. Wer das möchte, findet im Shop des Anbieters aber auch eine ganze Reihe an Produkten. Von klassischen Ringblöcken bis zu Ledergebundenen Notizbüchern ist hier alles dabei. Unvermeidbar ist hingegen die Investition in neue Kugelschreiberminen. Auch hier bereichert sich der Hersteller nicht: Jede gängige D-1-Mine passt in den Neo Smartpen M1. 13 unterschiedliche Minen empfiehlt Hersteller Neo Smartpen Inc.:

Neo Smartpen M1 kompatible Minen

Fazit und Verfügbarkeit

Manchmal überkommt einen die Panik: Was passiert, wenn ich mein Notizbuch für die Schule / Uni / Arbeit oder wichtige Projekte verliere? Für diese Angsthasen ist der Neo Smartpen M1 genau die richtige Lösung. Im Alltag gewöhnt man sich ganz schnell an den leicht klobigen, aber handlichen Stift. Nervig ist zunächst, dass man sich auch an spezielles Papier gewöhnen muss, damit der Stift die Notizen tatsächlich digitalisiert. Aber auch das sollte keine Hürde darstellen, da das Papier als PDF-Vorlage heruntergeladen und ausgedruckt werden kann.

Der Neo Smartpen M1 hält, was er verspricht. Die App ist leider mit einigen sprachlichen Hürden bestückt, die man mit der Investition von etwas Zeit jedoch leicht überbrücken kann. Toll ist, dass der smarte Kugelschreiber nicht immer eine Verbindung zur App haben muss und bis zu 1.000 DIN-A4-Seiten auch im Offline-Speicher hält, bis eine stabile Verbindung zum App-Gerät hergestellt ist. Zum Preis von umgerechnet rund 110 Euro bekommen Käufer des Neo Smartpen M1 eine gute und zuverlässige Lösung, ihre wertvollen Notizen zu bearbeiten, digitalisieren und sortieren.