Moto One im Test: Das Bessere ist der Feind des Guten | handy.de
Testbericht

Motorola Moto One im Test: Das Bessere ist der Feind des Guten

Sehr gute Ansätze, aber nicht konsequent genug

Die Moto-E-Serie von Motorola ist für Einsteiger gedacht, die für ausreichende Leistung möglichst wenig Geld ausgeben wollen. Die Moto-G-Serie steht ebenfalls für ein tolles Preis-Leistungsverhältnis, bietet aber ordentliche Mittelklasse statt Einsteiger-Hardware. Und das neue Motorola Moto One im Test? Das könnte genau so gut ein Moto-G-Modell sein, lediglich beim Betriebssystem gibt es Unterschiede. Denn hier setzt Motorola auf Android One statt auf „normales“ Android – aber reicht das, um sich vom restlichen Feld abzusetzen?

Moto One: Schlichtes Design, klasse Verarbeitung

Was früher groß war, ist heute normal. So misst der Screen des Motorola Moto One im Test stolze 5,9 Zoll, entsprechend groß ist natürlich auch das komplette Smartphone. Im Vergleich zum ebenfalls mit einem 5,9-Zoll-Screen ausgestatteten Motorola Moto G6 Plus sind die Maße des Moto One aber moderat. Satte 10 Millimeter kürzer und immerhin noch 3 Millimeter schmaler ist das neue Modell (insgesamt 150 x 72 x 7,97 Millimeter). Möglich macht das eine kompaktere Bauform mit vergleichsweise wenig Rand um das Display und eine ziemlich große Notch. Dadurch nimmt der Touchscreen recht viel Fläche auf der Front ein und es wird weniger Raum verschwendet.

Dabei solltest Du aber nicht zu viel erwarten. Im Vergleich mit deutlich hochpreisigeren Smartphones schneidet das Moto One im Test beim Verhältnis Display zu Gehäuse schwächer ab. Besonders am unteren Ende lässt Motorola hier viel Raum, sodass sogar noch der Motorola-Schriftzug hinpasst. In der Preisklasse um 300 Euro geht das aber in Ordnung.

Das gilt auch für Design und Materialwahl. Auf Front und Rückseite gibt es Glas, die Seiten werden von einem Kunststoffrahmen bedeckt. Der ist allerdings glänzend ausgelegt und sieht insgesamt so hochwertig wie ein Metallrahmen aus. Erst, wenn man das Smartphone in die Hand nimmt, merkt man den Unterschied. Metall würde sich dann einfach kühler anfühlen.

Fingerprint Motorola Moto OneQuelle: Stefan Schomberg / handy.de
Fingerabdrucksensor des Moto One

Auch die seitlichen Tasten sind aus Kunststoff. Sie bieten aber wenig Spiel und sind gut in den Kunststoffrahmen eingepasst, sodass es keinen Grund zur Kritik gibt. Dank knackigem Druckpunkt und angenehmem Tastenhub lassen sich beide Tasten hervorragend bedienen. Insgesamt liegt das Motorola Moto One im Test außerdem sehr gut in der Hand. Das liegt am angenehm abgerundeten Rahmen, durch den sich keinerlei Ecken oder Kanten bei der Nutzung des Gerätes in die Handinnenfläche bohren. Mit der typischen Rutschigkeit von Glas als Werkstoff (nicht näher spezifiziertes 2,5D-Gorilla-Glas mit gerundeten Kanten) müssen Interessenten hingegen leben.  Allerdings ist sie auch nicht stärker als bei Konkurrenzprodukten ausgeprägt. Netterweise legt Motorola dem Lieferumfang eine durchsichtige Schutzhülle bei, die dieses Problem auf Wunsch löst.

Optisch ist die Rückseite sehr zurückhaltend ausgefallen. Bei unserem schwarzen Testgerät (es gibt auch noch eine weiße Version) spiegelt sie leicht, wodurch immer wieder Fingerabdrücke und andere Fettrückstände der normalen Nutzung darauf zu sehen sind. Das haben wir aber bei anderen Modellen schon schlimmer gesehen. Auffällig: Das typische Kamera-Design der Moto-Modelle gibt es beim Moto One nicht, hier will Motorola das Modell offenbar klar vom Rest des Portfolios differenzieren. Stattdessen gibt es zwei einzelne Kameralinsen, die der Hersteller in die obere linke Ecke gepresst hat. Sie stehen sicht- und spürbar aus dem Gehäuse hervor, das wirkt wenig hochwertig. Der mittig im oberen Drittel der Rückseite platzierte und leicht eingelassene Fingerabdrucksensor mit Motorola-Logo sieht da schon schicker aus. Insgesamt ist das Design des Motorola Moto One eher zeitlos zurückhaltend.

Seitliche Tasten Motorola Moto OneQuelle: Stefan Schomberg / handy.de
Seitliche Tasten des Motorola Moto One

Die Verarbeitung ist insgesamt sehr gut, deutlich sichtbare Spaltmaße oder sonstige Ungenauigkeiten gibt es nicht. Mit seinen 162 Gramm Gewicht wirkt das Moto One zudem leicht genug, um nicht zu stören, gleichzeitig aber auch schwer genug, um als hochwertig durchzugehen. Stabil ist das Gehäuse obendrein. Außer gelegentlichen leichten Knarzgeräuschen gibt es keine erkennbaren Reaktionen des Gerätes auf einen Verwindungstest. Ins Wasser sollte das Motorola Moto One im Test nicht fallen, denn eine echte IP-Zertifizierung besitzt das Modell nicht. Stattdessen spricht der Hersteller von einem Schutz vor Spritzwasser und nennt das P2i-Schutz oder auch Nanobeschichtung. Ein Telefonat im Regen ist also kein Problem.

Das Design ist schlicht, aber elegant, die Materialwahl wirkt hochwertig und die Verarbeitung ist sauber. Ausreichend handlich ist das Moto One im Test auch noch. Insgesamt eine ordentliche Leistung.

Display: Zu wenig Pixel

Es klang schon an: Der Screen des Motorola Moto One im Test misst 5,9 Zoll in der Diagonale und ist damit ziemlich groß. Motorola setzt auf 19:9 als Format, das sorgt insgesamt für viel Display bei verhältnismäßig wenig Rand. Bei Motorola heißt das Max Vision. Dass das eine typische Marketing-Übertreibung ist, haben wir oben bereits ausgeführt. Die Auflösung des Touchscreens beträgt leider nur 720 x 1.520 Pixel. Das ist etwas mager für ein 300-Euro-Smartphone Ende 2018 – die rechnerische Pixeldichte von nur 285 Pixel pro Zoll (PPI) belegt diesen subjektiven Eindruck. Wirklich unscharf ist die Darstellung damit zwar nicht, so richtig knackig aber eben auch nicht. Einzelne Pixel sieht man aber dennoch nur, wenn man mit dem Auge ganz nah heran geht.

Homescreen Motorola Moto OneQuelle: Stefan Schomberg / handy.de
Homescreen des Motorola Moto One – auch im Freien gut abzulesen

Dafür stimmen die restlichen Werte, zumindest überwiegend. Die Helligkeit ist ordentlich, bei vollflächiger Darstellung kannst Du bei genauem Hinsehen allerdings sehen, dass die Ausleuchtung nicht sehr gleichmäßig ist. Die Farbwiedergabe wirkt etwas kühl, dafür sind die Kontraste schön kräftig, ohne unnatürlich zu wirken. Beim Blick von der Seite auf den Screen bemerkt man recht schnell eine relativ starke Abschattung, Farben werden aber auch bei flachen Blickwinkeln nicht übermäßig verfälscht.

Notch Motorola Moto OneQuelle: Stefan Schomberg / handy.de
Notch des Motorola Moto One

Always-on-Display Motorola Moto OneQuelle: Stefan Schomberg / handy.de
„Always“-on-Display des Moto One

Ein feines Extra: das Always-on-Display. Es zeigt für ein paar Sekunden Informationen wie Uhrzeit, Datum und verpasste Nachrichten, sobald das Smartphone bewegt wird und der Screen nicht verdeckt ist. Insgesamt ist der Screen zwar weit von der Brillanz eines guten (AM)OLED-Displays entfernt, liefert aber dem Preis angemessen im Alltag ein gutes Ergebnis ab.

Die generelle Darstellungsqualität des Displays vom Moto One im Test ist zwar in Ordnung, die Auflösung aber für ein 300-Euro-Phone im Jahr 2018 zu niedrig. FullHD+ wäre die richtige Wahl gewesen.

Die technischen Daten im Überblick

Motorola Moto One
Display 5.9 Zoll HD+, 285 PPI, LTPS IPS, Corning Gorilla Glass
Auflösung 720 x 1.520 Pixel
Prozessor Snapdragon 625 Octa-Core-Prozessor + Adreno 506
RAM 4 GB
Speicher 64 GB

erweiterbar um 256 GB

Hauptkamera 13 +2 Megapixel Dual-Kamera mit f/2.0-Blende
Frontkamera 8 Megapixel
Akku 3.000 mAh mit 15W Turbo-Power Ladegerät
Software Android 8.1 Oreo (Android One)
Sicherheit Fingerabdrucksensor (hinten), PIN, Muster, Passwort
Drahtlos Bluetooth 4.2, NFC
WLAN WLAN a/b/g/n (2,4 GHz + 5 GHz)
Mobilfunk 2G: GSM band 2/3/5/8, 3G: WCDMA band 1/2/5/8, 4G: LTE band 1/3/5/7/8/20/38/40
IP-Zertifizierung Nein, aber Nanoversiegelung gegen Spritzwasser
Sonstiges Klinkenbuchse
Maße & Gewicht 150 x 72 x 8 (H x B x T) mm

162 Gramm

Farben Schwarz, Weiß
UVP 299 Euro
Marktpreis 249 Euro (Mitte November 2018)
Marktstart 13. September 2018

Technische Ausstattung und Leistung

Bei einem Blick auf das Datenblatt des Motorola Moto One im Test fällt als erstes der Chipsatz auf. Der Hersteller verwendet nämlich einen älteren Snapdragon 625 von Qualcomm, der Chip ist rund 3 Jahre alt. In der Mobilfunktechnik sind das quasi Äonen und das wirft die Frage auf, warum Motorola nicht gleich den aktuelleren Snapdragon 632 oder 636 eingebaut hat. Denn eine jüngere Chip-Generation bringt nicht nur mehr Leistung, sondern kommt normalerweise auch mit weniger Strom aus. Konkurrenzprodukte wie das Sony Xperia A2 Plus zum ähnlichen Preis zeigen, dass ein modernerer Chip die bessere Wahl ist.

Ganz zum alten Eisen gehört aber auch der Snapdragon 625 mit seinen bis zu 2 GHz zum Glück noch nicht – zumindest nicht im Alltag. In Kombination mit der eingesetzten Adreno-506-GPU und 4 GB RAM findest Du bei typischen Aufgaben wie einfachem Websurfing, Videos oder Telefonie weitgehend eine flüssige Wiedergabe vor. Nur Bilder auf Webseiten werden leicht verzögert dargestellt, anschließend navigierst Du aber flüssig auf den Seiten. Bei anfordernden Spielen wird der Wunsch nach einem neueren Chip am ehesten aufkommen.

Auch dann hilft normalerweise das Herabsetzen der Grafik, was so wieder für eine flüssige Wiedergabe sorgt. Da macht sich das Alter der Adreno 506 bemerkbar, die eben auch schon 3 Jahre auf dem Buckel hat. Schlimmer: Manche moderne Spiele wie etwa Asphalt 9 lassen sich erst gar nicht im App-Store finden. Grund dafür dürfte eine zu schwache und/oder zu alte Hardware sein. Das Moto One ist also kein optimales Zocker-Phone.

Im Alltag ausreichend, in Benchmarks ein Flop

Das bestätigt sich auch in Benchmark-Tests. In Geekbench 4 wird die Prozessorleistung im Single-Core-Test mit gerade einmal 868 Punkten angegeben und alle Kerne zusammen kommen auch nur auf 4.290 Punkte. Das ist aus heutiger Sicht für ein Mittelklasse-Smartphone alles andere als überzeugend. Gleiches gilt für insgesamt 39.062 Punkte in AnTuTu und 481 Punkte (OpenGL ES 3.1) bzw. 418 Punkte (Vulkan) in 3DMark Sling Shot Extreme. Immerhin wird das Smartphone auch bei hoher Auslastung nicht warm.

Benchmark-Ergebnisse Moto OneQuelle: Stefan Schomberg / handy.de
Benchmark-Ergebnisse des Moto One

Punkte sammelt das Motorola Moto One im Test beim Speicher. 64 GB stehen davon insgesamt intern zur Verfügung, 11 GB sind bereits vom Betriebssystem und von Apps reserviert. Übrig bleiben 53 GB und weitere 256 GB per Micro-SD-Speicherkarte – das geht in der 300-Euro-Preisklasse in Ordnung, auch wenn Konkurrenten aus Fernost inzwischen noch mehr bieten.

Motorola Moto One im Benchmark-Vergleich

AnTuTu Geekbench
Motorola Moto One 82.352 Single-Core: 868

Multi-Core: 4.290

Motorola Moto G6 Plus 89.503 Single-Core: 868

Multi-Core: 4.105

Huawei P20 lite 87.675 Single-Core: 936

Multi-Core: 3.673

Motorola Moto G6 70.454 Single-Core: 729

Multi-Core: 3.835

Motorola Moto Z3 Play 112.287 Single-Core: 1.324

Multi-Core: 4.518

Der Speicher geht angesichts des Preises in Ordnung, aber was hat sich Motorola beim Moto One im Test bei dem Uralt-Chipsatz gedacht? Das geht trotz akzeptabler Leistung gar nicht – manche Apps lassen sich wegen des Chips nicht mal mehr installieren!

Telefonie: Dumpf aber verständlich

Dank der übersichtlichen Telefon-App von Vanilla-Android sollten eigentlich keine Bedienprobleme aufkommen. Die gibt es dann schon eher bei der Sprachqualität – sie ist eher durchwachsen. Insgesamt klingen Gesprächspartner etwas zu weit weg und leicht blechern, außerdem fehlt es an Klarheit. In ruhiger Umgebung kann man damit aber genauso leben, wie mit dem leichten Scheppern des Telefonielautsprechers.

USB Typ C Motorola Moto OneQuelle: Stefan Schomberg / handy.de
USB-Typ-C-Anschluss und guter Mono-Lautsprecher des Motorola Moto One

Beim einzelnen Lautsprecher an der Unterseite des Motorola Moto One im Test überrascht das Mittelklasse gerät sogar positiv, es gehört nämlich zur nicht allzu großen Riege an Smartphones, die den Klang recht ordentlich hinbekommen. Die Lautstärke ist dabei sehr hoch, die Klarheit besser und trotzdem klingt der Speaker nicht zu spitz. Zudem klirrt der Lautsprecher nur in Ausnahmefällen bei besonders laut gesprochenen Lautäußerungen. Dass Du Dich beim Freisprechen trotz allem besser in ruhiger Umgebung aufhalten solltest, dürfte klar sein. Die Verbindungsstärke war in allen Bereichen stabil.

Telefongespräche sind mit dem Moto One im Test kein Problem, auch wenn Gesprächspartner etwas dumpf klingen. Der Lautsprecher macht nicht nur bei Musik und Videos, sondern auch beim Freisprechen eine gute Figur.

Internet: Ausreichend schnell im WWW

Die WLAN-Verbindung stellte sich mit optionalem 5-GHz-Netz im Test zwar als recht stabil, aber als eher langsam heraus. Auf den modernen ac-Standard muss man verzichten, bei WLAN-n ist Schluss. Wer gezielt nach einem Mittelklasse-Smartphone sucht, wird sich daran aber wohl nicht wirklich stören. Dank 12 verschiedener (Band 1/3/5/7/8/20/38/40) LTE- und vier 3G-Frequenzen (Band 1/ 2/5/8) sind auch Auslandsreisen kein Problem. Der Empfang war im Test stets zuverlässig und stark.

Software und Besonderheiten

Auf den ersten Blick gibt es bei der Nutzeroberfläche Moto Experiences kaum Unterschiede zu anderen Motorola-Smartphones – schließlich bieten die auch nur eine an wenigen Stellen sinnvoll ergänzte Oberfläche, die ansonsten Vanilla-Android entspricht. Beim Motorola Moto One im Test setzt der Hersteller aber dieses Mal auf Android One.

Vorteil Android One

Der Vorteil: Google verspricht monatliche Sicherheitsupdates für drei Jahre und zwei Jahre lang die neueste Android-Version. Das bedeutet voraussichtlich, dass das Mittelklasse-Smartphone auf jeden Fall Android 10 erhält – das können längst nicht alle Smartphones mit ähnlichem Preisgefüge von sich behaupten. Klar gesagt hat er Hersteller das allerdings bislang noch nicht, stattdessen ist ein Update auf Android 9 bis Ende 2018 versprochen. Außerdem trüben zwei andere Dinge die beim Thema Software eigentlich gute Stimmung: Mitte November 2018 gibt es auf dem Smartphone nur Android 8.1, außerdem ist der Sicherheits-Patch von November noch nicht eingetroffen. Motorola wird hier doch wohl das durch Google und Android One gegebene Versprechen nicht brechen wollen…?

Moto-App auf dem Moto OneQuelle: Stefan Schomberg / handy.de
Moto-App auf dem Moto One

Dafür gefällt das Motorola Moto One im Test an anderer Stelle. Entgegen der Gewohnheit anderer Hersteller bleibt Motorola auch unter der Führung von Lenovo seinem Motto treu, möglichst wenig Zusatz-Software auf einem Smartphone zu installieren. Entsprechend fehlt diese sogenannte Bloatware auch auf dem One weitestgehend. Hinzugefügt hat der Hersteller hier nur das bereits erwähnte Always-on-Display und einige Gesten, die sich über die Moto-App deaktivieren lassen. Die Moto-Actions genannten Gesten erlauben es einerseits, die Taschenlampenfunktion per Hackbewegung, andererseits die Kamera durch eine doppelte Drehbewegung auch aus dem Standby heraus zu starten.

Praktisch ist die Dual-SIM-Fähigkeit, mit der nicht nur zwei SIM-Karten im Nano-Format gleichzeitig betrieben werden dürfen, sondern zusätzlich auch eine Speicherkarte. Modelle von Huawei und Honor setzen da gern auf einen Hybrid-Slot, der nur eine SIM plus Speicher oder zwei SIMs erlaubt.

Nachtrag:

Versprechen gegeben und gehalten! Lenovo hat am 27. November damit begonnen, das Update auf Android 9.0 Pie auszurollen. Damit ist die Aktualisierung rund 12 Tage nach diesem Testbericht erschienen. Mittlerweile müsste es auf dem Großteil der bisher verkauften Geräte zumindest angezeigt werden. Sollte es bei Dir noch nicht erschienen sein, lohnt eventuell ein Blick in die Einstellungen unter „Softwareaktualisierung“, um das Update unter Umständen manuell anzustoßen.

Lenovo scheint sein Versprechen zur Vorstellung des Moto One einzulösen. Bereits zur IFA 2018 in Berlin versprach der Hersteller ein zügiges Update auf Android 9.0 Pie und so scheint es nun auch zu kommen. Die Aktualisierung ist verfügbar.

Schnittstellen: NFC und Typ C sind dabei

Die restliche Ausstattung ist vollumfänglich, wenn auch im Detail nicht so hochwertig wie bei Spitzenmodellen. So erkennt der auf der Rückseite eingebaute Fingerabdrucksensor Finger nicht immer beim ersten Mal und es gibt auch immer eine minimale Verzögerung, bis das Smartphone entsperrt ist. Die meisten Nutzer dürften sich daran aber kaum stören. NFC, USB Typ C und eine Klinkenbuchse für den Anschluss herkömmlicher Kopfhörer runden das Angebot ab.

Die Frontkamera kannst Du für eine Entsperrung des Smartphones per Gesichtserkennung nicht verwenden. Darauf solltest Du aber ohnehin auch bei anderen Modellen mit 2D-Frontcam lieber verzichten – Gesichtserkennung per einfacher 2D-Kamera ist zu unsicher und lässt sich sogar mit einem Foto austricksen. Einen Iris-Scanner oder Face Unlock mittels 3D-Kamera wie bei Apple oder im neuen Huawei Mate 20 Pro fehlen.

Frontkamera nicht für Gesichtserkennung? Macht nichts, ist sowieso unsicher, sofern man es nicht wie Apple oder Huawei macht.

Kamera: Gute Knipse für wenig Geld

Auf der Rückseite verwendet das Motorola Moto One im Test eine Dual-Kamera mit 13 (f/2.0) und 2 Megapixel. Die kleinere Knipse kannst Du dabei nicht gezielt für Fotos verwenden, sondern das Smartphone verwendet sie automatisch zur Berechnung von Tiefenschärfe. Das kommt etwa im Portraitmodus zum Einsatz, in dem die Kamera versucht, den Hintergrund unscharf zu rechnen, also künstliches Bokeh zu verwenden. Das klappt bei einfachen Motiven ganz ordentlich, bei genauerer Betrachtung sind bei unruhigem Hintergrund aber schnell Fehler zu erkennen. Das gilt auch für die Frontkamera, die Bilder mit 8 Megapixel erlaubt.

Motorola Moto OneQuelle: Stefan Schomberg / handy.de
Dual-Kamera des Moto One

In Anbetracht des vergleichsweise niedrigen Preises knipst das Motorola Moto One im Test zumindest bei Tageslicht richtig gute Fotos. Auffällig ist die recht hohe Bildschärfe, die auch bei entfernten Objekten noch viele Details erkennen lässt. Dank gut funktionierendem Auto-HDR werden Szenen zudem sehr ausgeglichen wiedergegeben, die Bilddynamik überzeugt. Unter- oder überbelichtete Bereiche eines Fotos kommen so nur unter sehr schwierigen Gegebenheiten vor.

Originalaufnahme Motorola Moto OneQuelle: Stefan Schomberg / handy.de
Originalaufnahme Motorola Moto One im Automatikmodus: Wegen der extrem warmen Farben sieht das Bild fast wie gemalt aus. Trotz allem sehr stimmungsvoll

Bisweilen könnten Aufnahmen aber insgesamt etwas heller sein. Kontraste sind ausreichend vorhanden. Farben werden manchmal flach in den Speicher gebannt, meistens sind sie aber sehr stark gesättigt und weisen tendenziell eine viel zu warme Farbtemperatur auf. Gelb- und Rottöne werden dabei stark betont. Auf unseren Herbstbildern wirkt das sehr atmosphärisch, tatsächlich ist das aber wenig natürlich. Bildrauschen ist hingegen nur schwach ausgeprägt.

Originalaufnahme Motorola Moto OneQuelle: Stefan Schomberg / handy.de
Moto One: Warme Farben, schöne Herbststimmung

Quelle: Stefan Schomberg / handy.de
Honor Play: Schärfer, aber deutlich kühlere Farben – natürlicher

Bei wenig Licht ist die Bildschärfe naturgemäß schwächer, aber im Vergleich zur Konkurrenz nicht schwach ausgeprägt. Auch das Bildrauschen steigt – zumindest in der Vergrößerung – sichtbar an, hält sich insgesamt aber noch in vertretbaren Grenzen. Bei Farben verstärkt sich je nach Motiv nachts der Rotstich, insgesamt hellt die Kamera des Moto One Motive sehr wenig auf. Das erschafft natürliche Szenen, wie sie auch das menschliche Auge wahrnehmen würde, allerdings verschwinden dadurch auch weit mehr Details im Dunkel als bei den meisten Konkurrenzprodukten. Im Gegenzug gibt es wenig Bildbereiche, in denen Bildrauschen auffallen könnte.

Videos kannst Du mit der Hauptkamera sogar mit 4K-Auflösung aufnehmen, leider wie so oft nur mit 30 Bildern pro Sekunde. Das lohnt nur bei recht statischen Aufnahmen, denn bei Schwenks kommt es automatisch zu typischer Unschärfe. Für eine flüssige Bildwiedergabe mit scharfer Darstellung fehlt es an Rechenpower und Bildern.

Spotfarbe Moto OneQuelle: Stefan Schomberg / handy.de
Bild des Moto One im Modus „Spotfarbe“

Kamera-App und Frontkamera

Die Kamera-App ist übersichtlich aufgebaut, bietet dafür aber nicht übermäßig viele Funktionen. Eine davon ist Google Lens, mit deren Hilfe Du Objekte im Sucher im Internet finden kannst. Weitere Funktionen sind Spotfarbe, mit der sich eine bestimmte Farbe als einzige Farbe im Bild definieren lässt. Mit der Funktion Cinegramm kannst Du kurze GIFs erstellen, die sich anschließend bearbeiten lassen. Selfies mit Bokeh-Effekt wurden bereits weiter oben genannt. Die Qualität der Frontkamera ist dabei ausreichend, die Bilddynamik ist aber wie fast immer schwächer als bei der Hauptkamera.

Portrait-Modus Moto OneQuelle: Stefan Schomberg / handy.de
Selfies mit dem Moto One im Portrait-Modus werden mal warm und mal kühl (wie hier) in den Speicher gebannt

Cinemagramm Moto One
Cinemagramm-Modus des Moto One

Wow, das ist mal eine durchaus ordentliche Kamera für ein Mittelklasse-Smartphone! Zumindest, wenn man warme Farben mag. Das wirkt immer sehr freundlich und passt gut zur Herbststimmung der Bilder, natürlich ist es aber nicht.

Akku: Stramme Leistung

Der Akku des Motorola Moto One im Test leistet ordentliche 3.000 mAh – das ist für die Mittelklasse ein guter, wenn auch kein überragender Wert. Wie immer simulierten wir auch beim Motorola-Smartphone einen 8-Stunden Tag, während dem das Modell durchgehend mit dem Mobilfunknetz sowie WLAN verbunden war. Zudem haben wir alle gängigen Social-Media-Kanäle wie Facebook, Instagram und Twitter eingerichtet und Push-Benachrichtigungen aktiviert. Auch ein Mail-Postfach war während dieser Zeit aktiv, ebenso Bluetooth und GPS. Die Bildschirmhelligkeit wurde automatisch geregelt, dabei aber auf hoch gestellt.

Dann folgten jeweils 30 Minuten lang Telefonie, Video-Streaming, Musik-Streaming, Spielen eines 3D-Games, Kameranutzung, Social Media und Surfen im Internet. Nach diesen insgesamt 3,5 Stunden zeigte die Akkuanzeige des Motorola Moto One im Test noch 59 Prozent an – ein richtig guter Wert. Anschließend kam gemäßigte Nutzung im Testalltag hinzu, bei der das Gerät häufiger im Standby war, aber immer wieder Dinge nachgeschaut und ausprobiert wurden. Nach insgesamt acht Stunden zeigte die Akkuanzeige eine Restladung von 47 Prozent an, was ebenfalls ein sehr beachtlicher Wert ist. Die anschließende Standby-Phase (16 Stunden) ohne aktive Nutzung zog davon noch einmal 4 Prozentpunkte ab, sodass nach 24 Stunden mit teilweise sehr intensiver Nutzung immer noch 43 Prozent Akkuleistung übrig blieben.

Im Schnitt zwei Tage

Über einen Tag kommt das Motorola Moto One im Test also problemlos. Im bei den meisten Nutzern wohl etwas gemäßigteren Alltag dürfte regelmäßiges Laden alle zwei Tage auch problemlos reichen. Zwar verfügt das Moto One über eine Schnellladefunktion mit 15 Watt, die das Motorola One innerhalb von 15 Minuten mit Energie für eine Betriebsdauer von sechs Stunden versorgen soll. Insgesamt dauert das Laden von 0 auf 100 Prozent aber rund 110 Minuten.

Trotz altem Chipsatz und nicht übermäßig großem Akku zeigt sich das Moto One im Test als Dauerläufer – bravo, Motorola!

Fazit zum Motorola Moto One im Test: Gut, aber nicht gut genug

Eigentlich hat Motorola mit dem Moto One im Test ein richtig ordentliches Smartphone geschaffen. Die Kamera kann in ihrer Preisklasse absolut überzeugen, der Akku liefert auch für harten Einsatz ausreichend Saft und das Design weiß auf ganzer Linie zu überzeugen, solange Du auf zeitlose Eleganz stehst. Nicht ganz zeitgemäß sind hingegen Chipsatz und Display-Auflösung, wobei sich beides gegenseitig bedingen dürfte. Denn mehr Pixel bedeuten auch mehr Leistung und die hätte beim verwendeten 3 Jahre alten Chip wohl nicht mehr gereicht.

Schade, denn davon abgesehen leistet sich das Motorola Moto One keine echten Schwächen und ist mit einer UVP von 299 Euro und einem Straßenpreis von inzwischen rund 250 Euro durchaus eine Überlegung wert. So gibt es aber keinen zwingenden Grund, zum Moto One zu greifen. Und um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Eine echte Daseinsberechtigung hat das Moto One nicht, dafür ist es etwa einem Moto G6 Plus einfach zu ähnlich.

Pro und Contra-Argumente

Pro

  • strammer Akku
  • schickes Design
  • tolle Kamera
  • Android One mit Update-Versprechen

Contra

  • alter Chipsatz
  • nur HD-Auflösung

Alternativen

Normalerweise empfehlen wir keine älteren Smartphones, in diesem Fall machen wir aber eine Ausnahme. Wer unbedingt Motorola haben will, weniger Geld parat hat, aber einen etwas moderneren Prozessor, Full-HD-Display und IP-Schutz sucht, der darf ausnahmsweise zum rund ein Jahr alten Moto X4 greifen. Das allein zeigt schon, warum es so schwer fällt, das Moto One zu empfehlen. Ansonsten raten wir (Stand Mitte November 2018) eher dazu, knapp 50 Euro mehr für ein Honor Play auszugeben. Gerade Display und Chipsatz sind hier auf klar höherem Niveau, der Akku ist mindestens genauso gut. Bei Amazon* ist das Honor Play für rund 320 Euro zu haben.

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