Moto G6 im Test: High-End-Feeling im Mittelklasse-Wunder | handy.de
Testbericht

Moto G6 im Test: High-End-Feeling im Mittelklasse-Wunder

Motorolas neue Mittelklasse im ausführlichen Check

Die neue Mittelklasse von Motorola ist da. Mit dem Moto G6, Moto G6 Play und Moto G6 Plus greift Lenovo Konkurrenten wie Huawei oder Samsung an. Die Redaktion von handy.de hat das Moto G6 einem ausführlichen Test unterzogen und die ein oder andere Überraschung mit dem Mittelklasse-Wunder erlebt. Wie sich das Moto G6 im Akku-Test, Kamera-Test und Performance-Test schlägt, erfährst Du hier.

Design und Verarbeitung

Das Moto G6 ist ein Handschmeichler sondergleichen. Das liegt vor allem daran, dass das längliche Smartphone sich dank stark gebogener Rückseite sehr ergonomisch anfühlt. Das Gehäuse des Handys ist an den richtigen Stellen jedoch etwas kantiger und sorgt so für einen sicheren Halt. Da die Oberfläche des Moto G6 sehr glatt daherkommt, ist das auch notwendig. Lenovo verbaut Aluminium und Glas – beinahe schon ein Standard-Setup bei aktuellen Mittel- bis Oberklasse-Smartphones.

Die dunkelblaue Glas-Rückseite ist mit einem minimalen Spalt in den Kunststoff-Rahmen gefasst. Feine Staubkörnchen sammeln sich hier gelegentlich vor allem oben und unten am Smartphone. Lenovo nennt die Glasrückseite „3D-Glas“. Sie wirkt eher dünn und wenig robust. Beim Klopfen auf die Rückseite des Moto G6 ertönt ein dumpfes Geräusch wie aus einem Hohlraum. Das Glas macht das Smartphone in diesem Fall also nicht massiver, dafür auch nicht schwerer. Dennoch ist die Gewichtsverlagerung des Moto G6 ausgeglichen und fühlt sich angenehm an.

Wo Glas verbaut wird, werden auch Fingerabdrücke angezogen. Bei der glatten Rückseite des Moto G6 ist das nicht anders. Die dem Lieferumfang beiliegende milchig-transparente Schutzhülle schafft hier Abhilfe. Dennoch muss man sich entscheiden: Entweder Schutz und keine Schlieren oder ein schickes Design und Fingerabdrücke. Ohne Schutz sieht das Moto G6 immer noch am besten aus.

Motorola Moto G6 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Stimmiges Design ohne Display-Notch

Ganz Moto-Typisch liegt auf der Rückseite die Kreisrunde Kamera-Aussparung auf. Zwei Linsen und ein LED-Blitz sind hier untergebracht, und je nachdem, wie man das Handy dreht und wendet, glitzert und leuchtet der Kreis in unterschiedlichen Stärken. Nicht nur die Rückseite des Moto G6 im Farbton Deep Indigo begeistert durch ein ansehnliches Finish. Auch an der Front des Moto G6 gibt es einiges zu sehen. Hier ist das 5,7 Zoll große Display untergebracht. Motorola scheint sich hier gegen alle Smartphone-Trends 2018 gekonnt zu wehren, denn eine Display-Notch besitzt das Mittelklasse-Smartphone nicht. Auch ein Home Button ist noch an der Front verbaut. Das tut dem Moto G6 aber keinen Abbruch, im Gegenteil. Das Design der Front ist stimmig und ansehnlich. Die Ränder werden zu den Seiten hin schön schmal, während oben und unten relativ viel Balken zu sehen ist.

Motorola Moto G6 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Rutschpartie ohne Hülle

Das Moto G6 sieht schlicht aus. Das Design braucht dabei keine glänzenden Fräskanten oder sonstige Highlights, um Blicke auf sich zu ziehen. Drei Taster an der rechten Seite sorgen für die Regulierung der Lautstärke und Ein- oder Ausschalten des Displays. Am unteren Rand beherbergt das Moto G6 einen USB-Typ-C-Anschluss sowie die 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse. Neben dem länglichen Home Button findet sich ein Mikrofon in Form eines kleinen Loches, das ebenfalls auf der Rückseite vorhanden ist. Auch an der Oberkante befindet sich noch ein drittes Mikrofon sowie der Dual-SIM-Karten-Slot mit Fach für eine Micro-SD-Karte. Lautsprecher und Selfie-Kamera sind klassisch an der Front über dem Bildschirm eingelassen. Beim Einschalten des Displays zeigt das Moto G6 sich von seiner Schokoladenseite.

Das Design des Moto G6 überzeugt auf den ersten Blick, beziehungsweise Handgriff. Das Handy hat einen guten Gewichtsmittelpunkt und liegt gut in der Hand. Bei frisch gewaschenen Händen wird das Halten des Moto G6 jedoch zur Rutschpartie. Die beiliegende Schutzhülle aus Silikon hat ihre absolute Daseinsberechtigung. Das neue Motorola-Smartphone besticht zudem durch ein schönes, tiefes Blau und einer sehr guten Verarbeitung der hochwertigen Materialien. Die Spaltmaße könnten hier am oberen und unteren Rand etwas schmaler sein. Alternativ hätte auch eine dünne Silikonfuge dem Design keinen Abbruch getan.

Das Display

Das Display-Format von 18:9 belegt dem Moto G6 doch eine Zugehörigkeit in das Jahr 2018. Hier hat Motorola das Gehäuse des Moto G6 im Vergleich zum Vorgänger nur marginal vergrößert und dennoch ein 0,7 Zoll größeres Display untergebracht. Gorilla Glass 3 schützt das IPS-Display, das eine Auflösung von 1.080 x 2.160 Pixeln (Full-HD+) bietet. Das Display liegt schön dicht unter dem Schutzglas. Die Inhalte werden scharf und farbgetreu wiedergegeben, ein direkter Unterschied zu einem Oberklasse-Display ist nur vereinzelt auszumachen, da auch die maximale Helligkeit sowie die Blickwinkelstabilität des Moto G6 beträchtlich sind. Bei grafisch aufwendigen Inhalten, beispielsweise beim Spielen von 3D-Games, merkt man dem Display dann aber doch seine Midrange-Zugehörigkeit an.

Motorola Moto G6 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Das Moto G6 kommt ohne Always-On-Display, dafür reagiert der Bewegungssensor jedoch sehr schnell, wenn man sich mit dem Gesicht oder der Hand dem Gerät nähert und zeigt leicht abgedunkelt Uhrzeit, Akkustand und Benachrichtigungen an. Ein Problem von IPS-Displays macht jedoch auch beim neuen Moto G6-Bildschirm keinen Halt: Bei direkter Sonneneinstrahlung lässt sich das Display nicht mehr gut ablesen.

Das IPS-Display des Moto G6 überzeugt vor allem in geschlossenen Räumen. Die Blickwinkelstabilität und maximale Helligkeit sind ausreichend, um alle Inhalte hochauflösend konsumieren zu können. Dabei liegt alles sehr dicht auf dem Display auf – das sorgt für ein bisschen OLED-Feeling. Dieses High-End-Gefühl geht bei Sonnenlicht jedoch leider verloren. Trotzdem bietet das Moto G6 ein richtig gutes, kontrastreiches Display. Viel mehr kann man in der Mittelklasse zu diesem Preis zur Zeit nicht bekommen.

Technische Ausstattung: Effizienter Prozessor für die Mittelklasse

Mitte 2017 hatte der Prozessor-Hersteller Qualcomm mit dem Snapdragon 450 die Mittelklasse umgekrempelt. Während sein Vorgänger noch im 28-nm-Verfahren gefertigt wurde und dementsprechend energiehungrig daherkam, brachte der Snapdragon 450 Ende 2017 erstmals das effiziente 14-nm-Verfahren in die Mittelklasse-Smartphones. Das Moto G6 profitiert hier nicht nur von einer bis zu vier Stunden längeren Akkulaufzeit (im Vergleich zum Snapdragon 435 bei gleicher Hardware), sondern kommt auch mit Schnellladefunktion. Generell merkt man dem Moto G6 im Alltag an, dass der Snapdragon 450 Features und Leistung mitbringt, die vor rund einem Jahr noch der Oberklasse vorbehalten waren.

Der Achtkerner arbeitet mit einer ordentlichen Taktrate von 1,8 GHz und arbeitet Hand in Hand mit der Adreno-506-GPU, die ebenfalls mit einer Leistungssteigerung von rund 25 Prozent im Vergleich zum Vorgänger-SoC aufwartet. Beeindruckend gut laufen hier rechenintensive Spiele über das hochauflösende Display. Super Mario Run ruckelt gelegentlich bei sehr schnellen Animationen, bei Asphalt 8 geht das Mittelklasse-Smartphone aber wie erwartet in die Knie.

Moto G6 und Snapdragon 450: Das sagen die Benchmark-Werte

Das neue Motorola-Smartphone kommt zwar mit effizienterem Snapdragon. Im Benchmarktest von AnTuTu (Version 7.0.7) zeigt sich das Moto G6 aber vollste Mittelklasse-Zugehörigkeit. Mit einem Wert von 70.454 liegt das Smartphone hinter dem Huawei P20 lite, das im Test von handy.de einen Wert von 87.675 erzielen konnte, aber auch deutlich teurer auf den Markt kam als das Moto G6. Für ein Mittelklasse-Gerät liefert das Moto G6 eine gute Arbeit ab. Das zeigt auch der Benchmark-Wert im Single- und Multi-Core durch Geekbench. Hier konnte das Moto G6 im Test von handy.de einen Wert von 729 im Single-Core und 3.835 im Multi-Core erzielen. Das neue Motorola-Handy zieht damit in die Nachbarschaft des Honor 7, Samsung Galaxy A5 (2017) oder Galaxy A7 (2017) – allesamt beliebte Mittelklasse-Smartphones der vergangenen Monate.

RAM und interner Speicher: Typisch Mittelklasse

Das Moto G6 kommt in zwei Speicher-Ausführungen, wobei in unserem Test das Moto G6 mit 3 GB RAM und 32 GB internem Speicher getestet wurde. Wahlweise steht zudem ein Moto G6 mit 4 GB Arbeitsspeicher und 64 GB internem Speicher zur Verfügung. Die kleinere 32 GB-Version dürfte für viele Nutzer nicht genügend Platz bieten. Zudem steht direkt auf der Verpackung des Mittelklasse-Smartphones, dass hier lediglich 25 GB für den Nutzer zur Verfügung stehen. Beide Speicher-Varianten lassen sich per Micro-SD-Karte jedoch um bis zu 128 GB erweitern.

Alle technischen Daten im Überblick

Moto G6
Display 5,7 Zoll, 18:9-Format, IPS
Auflösung 2.610 x 1.080 Pixel (FHD+)
Prozessor Snapdragon 450 Octa-Core, 1,8 GHz
RAM 3 GB / 4 GB
Speicher 32 GB / 64 GB, erweiterbar per Micro-SD-Karte um bis zu 128 GB
Kamera

Frontkamera

Dual-Kamera, 16 MP + 5 MP, f/1.8

8 MP

Akku 3.000 mAh, Quick Charge, USB Typ-C
Software Android 8.0 Oreo
IP-Zertifizierung Nein
Entsperrmethoden Fingerabdruck-Scanner (frontseitig), Muster, Passwort, PIN, Gesichtserkennung
Maße & Gewicht 153,8 x 72,3 x 8,3 mm – 167 g
Farben Depp Indigo
UVP ab 249 Euro
Marktstart Mai 2018

Dual-SIM-Slot mit Überraschungen

2018 ist anscheinend das Jahr der Dual-SIM-Handys. Immer mehr Hersteller setzen mittlerweile auf drei Slots im Handy. So kommt auch das Moto G6 als „echtes“ Dual-SIM-Handy ohne Hybrid-Slot daher. Das heißt, dass Nutzer hier zwei Nano-SIM-Karten und zwei Tarife nutzen können, ohne dabei auf die Speicher-Erweiterung durch eine Micro-SD-Karte verzichten zu müssen.

(K)ein Lautsprecher für alles

Zur weiteren technischen Ausstattung gehört beim Moto G6 auch ein Lautsprecher, der gleich mehrere Aufgaben übernimmt: Neben System- und Klingeltönen gibt der Lautsprecher über dem Display auch Musik wieder oder dient als Hörmuschel bei Telefonaten und als Lautsprecher. Im Test überzeugt das Moto G6 hier vor allem beim Abspielen von Musik. Das Handy bringt eine ordentliche Lautstärke zustande. Bässe und Stimmen klingen ausgewogener als bei anderen Smartphones, die im Test üblicherweise sehr blechern klingen. Wer auf diesen typischen Smartphone-Lautsprecher-Sound nicht verzichten will, kann das beim Moto G6 sogar einstellen.

Denn innerhalb der Schnelleinstellungen, die durch einen Wisch von oben nach unten aufgerufen werden können, lässt sich die Funktion „Dolby Audio“ ein- oder ausschalten. Hier wird sofort deutlich, dass das Feature ordentlich an der Soundwidergabe schraubt, wenn sie aktiviert ist. Das Schöne daran: Die maximale Lautstärke leidet nicht darunter. So ausgewogen und dreidimensional der Sound von Musik aus dem länglichen Speaker des Moto G6 dringt, so blechern und nasal kommen Gesprächspartner beim Telefonieren durch ihn herüber.

Motorola Moto G6 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Software – Android mit marginalen Änderungen

Das Moto G6 kommt mit Android 8.0 und leichten Moto-typischen Veränderungen daher. Praktisch ist hier die Schüttel-Steuerung, die Teil der „Moto Actions“ sind und mit der sich beispielsweise die Taschenlampe oder die Kamera-App zügig öffnen lassen. Dazu wird das Moto G6 einfach zügig ein- oder zweimal geschüttelt. Die Oberfläche des Moto G6 kommt strukturiert und sehr einfach daher. Es gibt nicht viele Menü-Punkte innerhalb der Smartphone-Einstellungen, weshalb sich auch Android-Neulinge hier sehr schnell zurechtfinden dürften. Mit unterschiedlichen Zoom-Gesten lassen sich Bildschirm-Inhalte vergrößern oder verkleinern und Screenshots mit drei Fingern anfertigen. Das ist gut, da die Tastenkombination von seitlicher Power-Taste und Lautstärke-Wippe nach unten oft nicht gut funktioniert hat.

Kaum Bloatware

Das Moto G6 kommt zwangsläufig mit sämtlichen Google-Apps. Außerdem finden sich die gängigen Microsoft-Apps sowie Linked-In ab Werk auf dem Handy. Diese lassen sich zügig deinstallieren. Bei der Einrichtung des Moto G6 fragt dieses zudem nahezu höflich, ob der Nutzer gängige und beleibte Apps wie Facebook, Twitter und Co. direkt installieren möchte. Wer verneint, kann die entsprechenden Apps dann im Nachhinein über den Google Play Store installieren. Neben dem Google Assistant findet sich auf dem Moto G6 ebenfalls eine Sprachsteuerung aus eigener Fertigung auf dem Moto G6 wieder: Moto Voice. Der Sprachassistent lässt sich über die Worte „Hello Moto“ aktivieren und verfasst auf Wunsch E-Mails, erstellt Termine oder Kalendereinträge. Ganz so gut wie Googles Sprachsteuerung klappt das jedoch nicht. Motorola selbst gibt an, dass sich Moto Voice noch in der Beta-Phase befindet.

Sensoren und Schnittstellen

Lenovos neues Mittelklasse-Handy kommt mit 3,5-mm-Klinkenanschluss, was viele Nutzer von Kopfhörern erfreuen dürfte. Die gute alte „Klinke“ ist in der Smartphone-Oberklasse so gut wie ausgestorben. Erfahrungsgemäß dauert es da nicht lange, bis sich eine solche Epidemie auch auf die Mittel- und Einsteigerklasse ausweitet. Spätestens dann, wenn Nutzer auch in der Mittelklasse eine IP68-Zertifizierung verlangen, muss umgedacht werden. Zwar schaffen es Hersteller wie Samsung auch mit Klinke, eine Wasser- und Staubdichtigkeit zu entwickeln. Das ist jedoch bei weitem nicht die Regel. Viele Hersteller schmeißen den Ur-Port deshalb komplett aus dem Konzept.

Ebenfalls sehr beliebt bei vielen Nutzern von Android-Smartphones ist ein frontseitiger Fingerabdrucksensor. Auch dieses Feature bringt das Moto G6 mit. Dicht unter Display und Motorola-Schriftzug liegt der längliche Sensor, der seine Arbeit nicht nur zügig und zuverlässig verrichtet, sondern auch noch über Bedienfunktionen verfügt.  So lässt sich das Display durch Berühren des Sensors schnell einschalten und auch durch Berühren wieder ausschalten. Neben der Entsperrung des Moto G6 über Fingerabdrücke, können Nutzer hier auch in Android-Manier auf PIN, Muster, Passwort oder Gesichtsentsperrung zurückgreifen. Eine erste Begutachtung der Gesichtserkennung hat jedoch gezeigt, dass es sich hier um dieselbe unsichere Methode handelt, wie auch Huawei sie in ihren Top- und Mittelklasse-Smartphones anbietet. Die Redaktion von handy.de empfiehlt die Entsperrmethode keinesfalls, da sie sich bereits durch ein einfaches Selfie überlisten lässt.

Face Unlock im Huawei P20 Pro funktioniert angeblich viel besser als Apples Face ID im iPhone X. Dass das Feature selbst in einem teuren Flaggschiff immer noch höchst unsicher angeboten wird, wollen wir nun einmal zur Diskussion stellen.

Wichtige Sensoren sind an Bord

Das Moto G6 kommt zudem mit USB-Typ-C-Port daher, damit auch das Quick-Charge-Potenzial des Snapdragon 450 ausgeschöpft werden kann. Ansonsten kommen ein Beschleunigungssensor, Annäherungssensor und Helligkeitssensor zur automatischen Regulierung der Displayhelligkeit zum Einsatz. Wie immer bekommt sie im Test ihren eigenen Platz, dennoch innerhalb der technischen Ausstattung erwähnenswert ist die solide Dual-Kamera mit 12- beziehungsweise 5-Megapixel-Auflösung, die das Moto G6 mitbringt.

Das Moto G6 hat im Test überrascht. Nicht, weil es mit viel High-End-Ausstattung daherkommt, sondern weil alle Mittelklasse-Komponenten perfekt aufeinander abgestimmt sind. Lenovo schnürt hier ein schönes und stimmiges Paket aus einem effizienten Snapdragon 450, der Quick Charge unterstützt und dank der passenden GPU auch für ruckelfreien Spielspaß sorgt. Ein Klinkenstecker und der frontseitige Fingerabdrucksensor sind Merkmale, die immer noch für viele wichtig bei der Kaufentscheidung sind. Eine ordentliche Dual-Kamera setzt dem Moto G6 in Sachen technischer Ausstattung das Krönchen auf.

Die Kamera: Dualer Mittelklasse-Standard

Das Moto G6 kommt mit einer Standard-Dual-Kamera, wie man sie in dieser Form mittlerweile in vielen Smartphones wiederfindet: Ein 12-Megapixel-Weitwinkel und 5-Megapixel-Teleobjektiv werden flankiert durch eine grundsolide f/1.8-Blende. Was auf dem ersten Blick nach durchschnittlicher Mittelklasse mit Bokeh-Effekt anmutet, setzt Motorola mit der Kamera-Software gekonnt um. Das Potenzial der Dual-Kamera wird beim Moto G6 vollends ausgeschöpft. Die Ergebnisse der 30-minütigen Streetart-Tour (die man in einem Dorf so erleben kann) können sich sehen lassen. Das Wetter war nicht sonnig, sondern eher wolkendurchzogen. Dennoch wirken die Farben satt und kontrastreich. Pflanzen und Blumen wirken farbenfroh und nicht matt oder zu bearbeitet. Auffällig lange dauert jedoch in manchen Situationen das Auslösen. Hier vergehen gut und gerne schon mal bis zu zwei Sekunden, bis die Kamera auslöst. Durch Ausschalten des Auto-Modus lässt sich diese Zeit jedoch deutlich reduzieren. Wer auf Instagram seine Mahlzeiten gut in Szene setzen möchte, kann beim Moto G6 getrost zuschlagen.

Die Kamera-Software des Moto G6 bietet neben einem überschaubaren Standard-Repertoire auch einige KI-Spielereien. So verfügt das Mittelklasse-Smartphone über eine sogenannte Wahrzeichen- und Objekterkennung, die überraschend gut funktioniert. Im Test von handy.de erkannte das Smartphone ein MacBook, identifizierte ein Einhorn-Plüschtier als solches und konnte eine Bodylotion im Internet finden und direkt auch einen Preisvergleich anzeigen. Vorreiter wie Samsung haben das mit Bixby und Co. auf Anhieb nicht so gut hinbekommen. Die Kamera des Moto G6 scannt auch zügig QR- und Barcodes und zeigt die Produkte im Browser an.

Wie gut das Moto G6 wirklich Wahrzeichen in Großstädten erkennt, konnten wir im Testzeitraum leider nicht herausfinden. Die Objekt-Erkennung hat jedoch überzeugt. Eine Schippe drauflegen könnte Motorola hier nun auch mit der Kombination von Objekterkennung und automatischer Optimierung des Foto-Modus. Funktionen, die jedoch bislang eher in der Oberklasse zu finden sind. Bei Dämmerung lässt die f/1.8-Blende noch genügend Licht durch, um akzeptable Fotos zustande zu bringen. Bei Dunkelheit geht die Mittelklasse-Kamera jedoch in die Knie.

Glattgebügelte Selfies

Die 8-Megapixel-Frontkamera des Moto G6 ist keine Offenbarung, verrichtet ihre Arbeit aber ganz ordentlich. Android-Typisch sind vor allem die glattgebügelten Selfies, die bei Aktivierung des Beauty-Modus sämtliche Poren, Falten und individuellen Gesichtsmerkmale aber auch Hautunreinheiten verstecken. Wer es natürlicher mag, schaltet den Beauty-Modus aus und erhält die geballte Natürlichkeit – leider ohne aufregende Bokeh-Effekte oder sonstige Besonderheiten.

Motorola Moto G6 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de
Selfie mit Beauty-Modus

Motorola Moto G6 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de
Selfie ohne Beauty-Modus

 

Die Kamera des Moto G6 überzeugt. Landschaftsbilder kommen detailgetreu und farbenfroh daher. Zum Festhalten von Schnappschüssen oder auch als Kamera auf Reisen eignet sich die Dual-Kamera. Wie bei allen Mittelklasse-Geräten zeigt die Kamera ihre Schwächen bei schlechtem Licht. Auch die Selfie-Kamera überzeugt nicht wirklich, genügt aber für ein Urlaubs- oder Event-Selfie allemal. Der übertriebene Beauty-Modus dürfte vor allem Tinder-Nutzern Alpträume beim ersten Date bereiten.  

Akku

Der Akku-Test umfasst eine achtstündige alltagsnahe Intensivnutzung mit je 30 Minuten-Intervallen unterschiedlichster Funktionen:

  • 3D-Spiele
  • Social Media
  • Surfen im Chrome-Browser
  • Musik-Streaming
  • HD-Video abspielen bei voller Display-Helligkeit
  • Telefonieren
  • Fotografieren

Dem Moto G6 steht ein 3.000-mAh-Akku mit Schnelllade-Funktion zur Verfügung. Zu Beginn des Akku-Tests bewies sich das Moto G6 von Musik-Streaming und HD-Videos gänzlich unbeeindruckt und verlor in beiden Disziplinen rund neun Prozent Akku, wobei stolze acht Prozent hier allein durch die Display-Aktivität während des Video-Streamings draufgingen. Auffälliger wurde es beim Spielen von Super Mario Run. Das wilde Jump-n-Run-Game zerrte merklich an den Kräften des Akkus und schluckte weitere zehn Prozent der Akku-Ladung. Die Foto-Tour verlangte dem Akku ebenfalls neun Prozent ab, während Telefonieren, Surfen und Social-Media-Aktivitäten nicht mehr sonderlich ins Gewicht fielen (insgesamt zwölf Prozent Verlust).

Beeindruckendes Quick Charge

Am Ende des Tages wies das Moto G6 nach intensiver Nutzung eine Restladung von 48 Prozent auf, was ein guter Wert und dem Akku-Test des Huawei P20 lite nahezu identisch ist (51 Prozent nach acht Stunden). Auch die restliche Standby-Zeit von 16 Stunden überstand das Smartphone mittelklasse-gerecht und verlor am Abend und in der Nacht sieben Prozent Akku (41 Prozent Restladung). Dabei waren alle Verbindungen, Benachrichtigungen und Funktionen eingeschaltet. Auch hier ist der Wert dem Ergebnis des Huawei-P20-Akku-Tests sehr ähnlich (43 Prozent nach 16 Stunden Stand-By). Das Moto G6 sticht jedoch durch die Schnelllade-Funktion deutlich hervor und sammelt hier dicke Pluspunkte. Denn der Akkustand ist nach einer Ladezeit von 20 Minuten über den USB-Typ-C-Port von 36 Prozent Restladung auf 64 Prozent gesprungen. Dieser Wert ist überragend und in der Mittelklasse keine Selbstverständlichkeit.

Der Akku-Test des Moto G6 verlief gut. Das Handy geht erst bei rechenintensiven Tätigkeiten in die Knie. Das Spielen von Super-Mario-Run hat am meisten Strom in Anspruch genommen. Ansonsten kann dem Handy keine Tätigkeit wirklich viel anhaben. Nach acht Stunden Intensivnutzung und 16 Stunden Stand-By stehen noch 41 Prozent Akku zur Verfügung. Beeindruckend ist die Schnelllade-Funktion, die das Moto G6 wirklich richtig zügig mit neuer Energie versorgt.

Fazit: Hier kann man nicht viel falsch machenMotorola Moto G6: Das Smartphone erreicht eine gute Wertung im Test von handy.de

Vor allem angesichts des Einführungspreises von knapp 250 Euro ist das Moto G6 ein absolutes Highlight auf dem Mittelklasse-Markt im Frühjahr 2018. Denn das handliche Smartphone bietet solide Hardware mit einigen Extras in einem attraktiven und handlichen Design. Das Moto G6 kommt optisch ohne viel Schnickschnack aus, überzeugt jedoch mit hochwertigen Materialen, die gut verarbeitet sind. Das Display ist beeindruckend, so lange die Sonne nicht direkt drauf scheint. Toll ist die lange Akku-Laufzeit, die es dem effizientem Snapdragon 450 ermöglicht, lange gute Arbeit zu verrichten. Neigt sich der 3.000-mAh-Akku doch mal dem Ende zu, ist das Moto G6 super-schnell wieder mit neuer Energie nachgeladen.

Motorola zeigt mit seiner neuen Mittelklasse ganz deutlich, was auch zu einem kleinen Preis möglich ist: Mit USB-Typ-C-Port, drei Slots für SIM-Karten und Micro-SD-Karte, Dual-Kamera und AI-Features kommt das Handy mit vielen Features, die sich in der Oberklasse wiederfinden. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt beim Moto G6 zu hundert Prozent. Um fünf Sterne zu erhalten, hätten wir uns eine IP-Zertifizierung und eine deutlich bessere Gesprächsqualität beim Telefonieren gewünscht.

Pro

  • Guter Akku
  • Mit Quick Charge
  • Schickes Design
  • Fingerabdrucksensor an der Front

Kontra

  • Schlechte Gesprächsqualität beim Telefonieren
  • Keine IP-Zertifizierung

Alternativen

Das Moto G6 steht in seiner Preisklasse momentan noch recht Konkurrenzlos dar. Das Huawei P20 lite ist jedoch eine echte Alternative, wenn das Display etwas besser sein soll. Das P20 lite kommt  im Notch-Design mit großem Display. Dafür sind rund 80 Euro mehr für die Huawei-Mittelklasse fällig.