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Microsoft Surface Go: Das komplettere iPad im Kurztest

Windows-Tablet in 10 Zoll gelungener Mix aus Mobil- und Desktop-Gerät

Bei Smartphones sieht Microsoft keinen Stich. Doch bei hochwertigen Tablets mit dem Charakter vollwertiger Computer steht der Windows-Konzern besser da. Mit den bisherigen Modellen seiner Surface-Reihe orientierte sich der Hersteller bislang in Richtung Laptop. Das neue Microsoft Surface Go stellt mit dem kleineren Formfaktor eines 10-Zoll-Displays hingegen eine offensichtliche Alternative zum iPad Pro und iPad 2018 von Apple dar. Seit heute ist das Surface Go für 499 Euro aufwärts im deutschen Handel verfügbar. Wir konnten es bereits gestern auf einem Launch-Event von Microsoft in Berlin ausprobieren.

Ist das niedlich! Kompaktes und praktisches Design

Maßen die Displays der Surface-Geräte bisher zwischen 12 und 13 Zoll, miniaturisiert Microsoft seinen Vorzeige-Flachrechner nun und bietet ihn erstmals auch in der verbreiteten 10-Zoll-Größe an. Smartphone-Displays werden zwar immer größer. Aber auf einem ausgewachsenen 10-Zoll-Tablet machen Videos und Spiele immer noch am meisten Spaß. In dieser Kategorie ist Apples iPad das Maß aller Dinge. Samsung und Huawei bevorzugen mit dem Galaxy Tab S und dem MediaPad ebenfalls diese Displaygröße. Mit dem Surface Go möchte Microsoft unter Beweis stellen, dass Windows-Tablets ebenso praktische Multimedia- und Freizeit-Geräte sein können wie solche mit iOS und Android. Beim Launch-Event in Berlin wird das Modell ausdrücklich als Zweitgerät zum Windows-Rechner angepriesen.

Für ein Microsoft-Tablet ist das Surface Go ungewohnt klein und leicht. Es wirkt geradezu niedlich und der völlig gewöhnlich dimensionierte Digitalstift Surface Pen im Vergleich dazu riesig! Mit 522 Gramm wiegt die Standard-Version des Surface Go zwar rund 50 Gramm mehr als ein iPad Pro 10.5. Dennoch fühlt sich das Äquivalent von etwa fünf Tafeln Schokolade immer noch sehr handlich an.

Microsoft Surface Go KickstandQuelle: Berti Kolbow-Lehradt
Der Kickstand genannte Standfuß ist ein Alleinstellungsmerkmal der Surface-Reihe

Das Gehäuse besteht der Surface-Formsprache gemäß aus Aluminium. Microsoft verzichtet auf die Unsitte der schmieranfälligen Glasrückseiten. Beibehalten hat der Hersteller erfreulicherweise den bewährten Standfuß (Kickstand), mit dem sich das Tablet stufenlos und geschmeidig bis zu 165 Grad neigen lässt. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, das keine Alternative mit iOS und Android bisher aufweist.

Platz für viele Anschlüsse

Obwohl das Windows-Tablet mit 8,3 Millimeter an der dünnsten Stelle relativ schlank bleibt, bietet es dennoch Platz für genügend Anschlüsse. Das umfasst einen Klinkenstecker für Kopfhörer, einen USB-C-Anschluss für Zubehör, einen Micro-SD-Kartenleser sowie den hauseigenen Standard Surface Connect für eine Dockingstation bzw. das Netzteil. Darüber soll sich das Microsoft Surface Go innerhalb von zwei Stunden komplett aufladen lassen und dann bis zu neun Stunden Akkulaufzeit bieten.

Microsoft Surface Go AnschlüsseQuelle: Berti Kolbow-Lehradt
Klinkenstecker, USB C und Micro-SD-Kartenleser sind an Bord.

Zum Entsperren bietet Microsoft zwar keinen Fingerabdruckscanner, dafür aber eine Gesichtserkennung namens Windows Hello. Diese übernimmt die Frontkamera mit Unterstützung einer Infrarotlinse. In unserem Kurztest konnten wir diese nicht ausprobieren, haben damit aber bei bisherigen Surface-Geräten gute Erfahrungen gemacht.

Nicht zu sehen ist ein NFC-Chip, der rechts oben im Gehäuse verbaut ist. Ebenfalls nicht zu finden, weil nicht vorhanden, ist ein SIM-Karten-Fach. Erst in den kommenden Monaten wird eine weitere Surface-Go-Version mit einem Nano-SIM-Fach für LTE erscheinen.

Brillantes Display für treffsicheres Touchen

Mit einer Auflösung von 1.200 x 1.800 Bildpunkten und einer Pixeldichte von 217 ppi bleibt Microsoft unter der Schärfe, die größere Surface-Geräte und andere High-End-Tablets bieten. Dennoch ist der Ersteindruck umwerfend. Der Bildschirm ist beileibe detailreich und fein aufgelöst genug. Viel mehr wäre aus meiner Sicht kontraproduktiv, weil sonst die Schaltflächen und Beschriftungen in der Standard-Größe mikroskopisch klein gerieten. Schließlich handelt es sich um ein reguläres Desktop-Windows, dessen Oberfläche Microsoft nicht extra für diese Bildschirmgröße angepasst hat. Dennoch lassen sich die kleinen Icons in der unteren Taskleiste erfreulich präzise mit der Fingerkuppe treffen. Wer doch eine größere Ansicht wünscht, kann in den sogenannten Tablet-Modus von Windows 10 schalten. Dieser bietet deutlich größere Icons in Kacheloptik.

Microsoft Surface Go Tablet-ModusQuelle: Berti Kolbow-Lehradt
Ist Dir die Desktop-Oberfläche zu kleinteilig, kannst Du auf den Tablet-Modus mit größeren Icons umschalten.

Farbwiedergabe, Kontrast und Helligkeit des Microsoft Surface Go machen einen brillanten Eindruck. Bei einem kurzen Probeeinsatz in der Nähe einer hellen Fensterfront lässt sich der Bildschirm mühelos ablesen. Auch von der Seite betrachtet stellt sich kein Grauschleier ein. Schade, dass das Display nicht mattiert ist, es spiegelt auf dem üblichen Niveau anderer Spitzen-Tablets. Fürs Betrachten von Videos und Fotos im Schummerlicht ist das natürlich förderlich, fürs Arbeiten bei Tageslicht weniger.

Insgesamt hinterlässt das Display einen blendenden Eindruck. Das Seitenverhältnis von 3:2 ist eine willkommene Ergänzung im Tablet-Markt. Es eignet sich prima für Office-Arbeiten, wenn auch nicht zwingend für Videos, die häufig in 16:9 vorliegen. Warum Microsoft allerdings so viel Rand um das Display lässt, bleibt uns in Zeiten fast rahmenloser Screens mit Notch ein Rätsel.

Leistung auf PC-Niveau

Für eine ausführliche Belastungsprobe blieb beim Hands-On keine Gelegenheit. Das Browsen in Microsoft Edge, das Stöbern in den Menüs, das Tippen und Schreiben in Word sowie das Scrollen im Microsoft Store gestaltet sich jedoch erwartungsgemäß flüssig und reaktionsschnell.

Den integrierten Prozessor vom Typ Intel Pentium Gold 4415Y fordern solche Alltagstätigkeiten nicht heraus. Seine Leistung liegt ungefähr auf dem Niveau eines i5-Prozessors von Intel, der wiederum ausgewachsene PC oder Mac-Computer antreibt. Je nach Konfiguration unterstützt von 4 oder 8 GB Arbeitsspeicher, sollen selbst anspruchsvolle Desktop-Anwendungen wie Photoshop und AutoCAD passabel laufen, berichtet uns ein Produkt-Trainer.

Bei einem Blick in die Download-Plattform Microsoft Store erfüllt das Surface Go sogar die Anforderungen, um grafisch aufwändige Videospiele wie Forza und Sea of Thieves darzustellen. Und wer die allerneusten Games zocken möchte und parallel eine Xbox-Konsole besitzt, kann Spiele von der Konsole auf das Tablet streamen.

Egal, wie viel Nutzer dem Surface Go abverlangen. Es wird dabei auf jeden Fall leise bleiben. Wie man es im Tablet-Bereich gewohnt ist, setzt Microsoft auch beim Surface Go auf eine lüfterlose Kühlung der Rechenhardware.

Weil Microsoft offenbar nicht von großen Installationen ausgeht, stattet der Hersteller das Gerät ab Werk auch nur mit 64 GB oder 128 GB Nutzerdatenspeicher aus. Immerhin kannst Du bei Bedarf bis zu 1 TB per Micro-SD-Karte nachrüsten.

Software-Auswahl: Garten mit hoher Mauer

PC-Programme und mobile Apps gleichermaßen auf einem handlichen Tablet ausführen zu können, ist das Kernkonzept der Surface-Reihe. Anders als vom PC bekannt, ist beim Surface Go jedoch der Microsoft Store ab Werk die alleinige Quelle für Apps. Wie bei einem Garten mit hoher Mauer drum herum, soll dies Ärger durch schlechte oder unseriöse Programme fernhalten.

Das schränkt die Nutzung jedoch gar nicht so sehr ein, wie man vermuten mag. Mit über 600.000 Apps ist die Auswahl von Microsofts Download-Plattform zwar immer noch nicht denen in Apples und Googles Marktplätzen ebenbürtig. Dennoch hinkt das Angebot auch längst nicht mehr so hinterher wie einst. Beim Stöbern fällt auf, dass alle populären Apps für Streaming, Social Media, Zeitungen und Zeitschriften, Shopping und vieles mehr flächendeckend vertreten sind.

Wer dennoch Software aus anderen Quellen herunterladen und installieren möchte, kann die S-Modus genannte Schutzfunktion ausschalten. Damit das Sicherheitskonzept nicht ausgehebelt wird, können Nutzer allerdings nur nach einer vollständigen Neuinstallation von Windows in den S-Modus zurückkehren.

Microsoft Surface Go, Surface Pen, Type Cover, Mobile MouseQuelle: Berti Kolbow-Lehradt
Zum Surface Go gibt es den Digitalstift Surface Pen, ein Tastatur-Cover und eine Bluetooth-Maus als Zubehör.

Surface Pen und Type Cover für Kreativeinsatz

Mit Digitalstiften auf Tablets Notizen festzuhalten, Bilder zu zeichnen oder zu retuschieren liegt im Trend. Das iPad Pro und iPad 2018, das Galaxy Tab S4 und das MediaPad M5 Pro sind Beispiele, bei denen Hersteller einen Stylus in den Lieferkarton packen oder als Zubehör anbieten. Microsoft hat mit seinem Digitalstift Surface Pen zu dieser Popularität beigetragen.

Vorbildlicher Digitalstift

Der Surface Pen hat einen größeren Durchmesser als der S Pen von Samsung aber eine deutlich weichere Spitze als der Apple Pencil. Mit Strom versorgt ihn eine Knopfzelle, die monatelang hält. Das Schreibgefühl mit dem Surface Pen auf dem Display des Surface Go ist sehr natürlich, der Stift liegt gut in der Hand.

Ein kleines Detail, aber eine große Freude, ist die magnetische Oberfläche, mithilfe derer sich der Stift am Displayrand des Microsoft Surface Go befestigen lässt. Beim Verstauen in einer Tasche hält der Stift zwar nicht seine Position. Dafür ist der Magnet zu schwach. Aber für den Transport von Raum zu Raum beugt dies dem Verlust des Stiftes vor. Angesichts dieser Erfahrungen ist der Surface Pen unserer Ansicht nach einer der besten Digitalstifte in der Mobilwelt.

Tippen und schützen

Das an das Microsoft Surface Go angepasste Signatur Type Cover überzeugt ebenfalls. Dient es dem Display nicht als Schutz, erlaubt es ein angenehmes und präzises Tippen. Trotz der geringen Breite, die der 10-Zoll-Formfaktor zulässt, sind die Tasten nicht zu eng beieinander platziert. Sie lassen sich gut unterscheiden und treffen. Tadellos erfüllt auch das Multi-Touch-Trackpad seinen Zweck. Im Vergleich zu früheren Surface-Generationen ist es größer und besteht jetzt aus Glas. Dadurch fühlt es sich angenehmer an und lässt sich komfortabler bedienen. Das unangenehme Klickgeräusch der Vorgänger ist verschwunden. Wer sich das Keyboard nicht leisten möchte, kommt übrigens auch überraschend gut mit einer verkleinerten Version einer Bildschirmtastatur klar. Sie bietet eine Swype-Möglichkeit. Hier profitiert Microsoft von dem Aufkauf von Swiftkey.

Microsoft Surface Go Bildschirmtastatur SwiftkeyQuelle: Berti Kolbow-Lehradt
Dank einer Mini-Bildschirmtastatur mit Swype-Funktion lässt sich auch ohne zusätzliches Keyboard gut tippen.

Nicht ausprobieren konnten wir das Microsoft Surface Go im Zusammenspiel mit einer Dockingstation. Darüber nimmt es Zum Beispiel Kontakt mit bis zu zwei Monitoren auf, sodass Du Dir ein komplettes Schreibtisch-Setup gestalten kannst. Anders als ein iPad oder ein Galaxy-Smartphone via DeX-Station taugt das Surface Go somit wirklich als PC-Ersatz.

Surface Go und Zubehör ab heute im Handel

In der „kleineren“ Ausstattung mit 4 GB Arbeitsspeicher und 64 GB Speicher für Nutzerdaten kostet das Surface Go 449 Euro*. Für die Variante mit 8 GB Arbeitsspeicher und 128 GB Nutzerdatenspeicher werden 599 Euro* fällig. Das Internet nutzt Du in diesen Varianten über WLAN, weil Microsoft eine LTE-Version erst zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.

Dass hochwertiges Zubehör gutes Geld kostet, kennen wir von Apple. Bei Microsoft ist das nicht anders. Daher werden für den Surface Pen 80 Euro* und für das Surface Go Signature Type Cover mit Alcantara-Bezug* in den Farben Bordeaux Rot, Kobalt Blau und Platin Grau 130 Euro fällig. Rein aus Kunststoff bestehend ist das Tastatur-Cover in Schwarz für 100 Euro* erhältlich. Die Surface Mobile Mouse* erhältst Du in den drei Farben Bordeaux Rot, Kobalt Blau und Platin Grau hingegen für schlanke je 36 Euro. Die bereits für andere Surface-Geräte erhältliche Surface Dial* (90 Euro) sowie die Dockingstation Surface Dock* (170 Euro) kannst Du auch am Microsoft Surface Go einsetzen.

Fazit: Microsoft Surface Go als toller PC to go

Die erfolgreiche Surface-Reihe durch ein kleineres 10-Zoll-Modell zu ergänzen, klingt auf den ersten Blick nicht wie ein bahnbrechender Schritt. Zudem waren wir vor dem Kurztest skeptisch, ob sich ein vollwertiges Windows 10 auf einem dann doch vergleichsweise kleinen Bildschirm angenehm bedienen lässt. Der Eindruck nach dem Hands-On: Ja, man kann – und wie! Das Microsoft Surface Go überzeugt durch ein hochwertiges Hardware-Paket, das erstklassig mit der Software harmoniert.

Microsoft Surface GoQuelle: Matthias Nadler
Handy.de-Redakteur Berti Kolbow-Lehradt hat das Microsoft Surface Go im Kurztest überzeugt.

Trotz der kompakten Maße gelingt es Microsoft, das Surface-Erlebnis beizubehalten. Der Bildschirm ist scharf und gleichzeitig präzise genug für Touch-Eingaben auf der Windows-Oberfläche. Obwohl die Leistung eines kleinen PC darin steckt, eignet sich das Tablet als handlicher Alltagsbegleiter und vielseitiger Multimedia-Entertainer. Über die inzwischen große App-Auswahl im Microsoft Store sind wir positiv überrascht. Außerdem überzeugen der Digitalstift und die Tastatur als durchdachte Kreativwerkzeuge.

Darüber hinaus sind es kleine Details, für die die Surface-Reihe bekannt ist, und die auch beim Go begeistern. Nie hätten wir gedacht, dass uns der Kickstand bei anderen Tablets fehlt. Auch der magnetische Haltemechanismus des Surface Pen ist vorbildlich. Dies zeigt, dass Microsoft sich als Hardware-Hersteller gemausert hat. Ein Manko sehen wir hingegen im kleinen Speicher. 64 GB und 128 GB sind als PC-Ersatz zu wenig.

Das Ökosystem von Apple ist nach wie vor das vielfältigere, aber das komplettere iPad bietet inzwischen Microsoft.

Auf seiner Keynote in Chicago hat Apple ein neues iPad 9,7 Zoll vorgestellt. Es unterstützt den Apple Pencil und kommt mit Touch ID. Das iPad wird ab sofort verfügbar sein. Wir haben alle Infos und zeigen, was das neue Apple-Tablet kann.

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