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Ratgeber

Kunstvoll fotografieren mit dem Handy

Tipps und Tricks für bessere Fotos mit dem Smartphone

Seit es Handys mit Kameras gibt, war es noch nie so einfach, Fotos in ansehnlicher technischer Qualität aufzunehmen. Smartphone zücken, Kamera-App öffnen, Auslöser drücken, fertig. Schneller und einfacher geht es kaum, denn schließlich hast Du Dein Smartphone ja immer dabei. Und viele Modelle ermöglichen Dir sogar einen Schnellzugriff auf die Kamera, wenn Du das entsprechende Symbol auf dem Sperrbildschirm drückst. Doch wenn Du mehr als nur zufällige Schnappschüsse oder flüchtige Fotonotizen machen möchtest, sollest Du ein paar Technik- und Gestaltungsregeln beherzigen. Damit Dir beim Fotografieren mit dem Smartphone künftig auch richtig kunstvolle Bilder gelingen, erleichtern wir Dir mit diesen Tipps den Start.

Fotografieren mit dem Smartphone: Tipps für den Einstieg

Querformat statt Hochformat

Die Ausrichtung des Smartphones hat großen Einfluss darauf, wie das Bild wirkt und wie gut Du es später auf möglichst vielen Bildschirmen, Webseiten und Apps betrachten kannst. Wir sind zwar daran gewöhnt, Mobiltelefone im Hochformat zu bedienen. Aber fürs Fotografieren mit dem Smartphone solltest Du es quer halten. Bilder im Querformat sehen auf Fernsehern und Computer-Monitoren besser aus, weil kaum oder kein schwarzer Rand stört. Im Zweifelsfall kannst Du hinterher aus dem querformatigen Bild immer noch einen hochformatigen Bildausschnitt wählen.

Samsung Galaxy S8Quelle: Samsung
Beim Fotografieren mit dem Smartphone solltest Du es quer halten.

Viele Kamera-Apps bieten zusätzlich ein quadratische Seitenverhältnis an, weil Bilder im 1:1-Format bei Instagram toll aussehen. Willst Du das Bild auch für einen anderen Zweck verwenden, solltest Du es aber sicherheitshalber lieber erst im Querformat aufnehmen.

Niemals mit der Fingerzangen-Geste zoomen

Die meisten Smartphone-Kameras haben ein Weitwinkel-Objektiv, das Dir viel von der Landschaft zeigt, aber Motive nicht nah heranholen kann. Natürlich könntest Du mit der Fingerzangen-Geste auf dem Display einen kleineren Bildausschnitt wählen. Doch dann verwendest Du den sogenannten Digitalzoom und dieser senkt die Bildqualität, weil Details und Schärfe verloren gehen. Wenn es um hochwertige Fotos geht, die Du behalten willst, nimm den Ausschnitt, den Dir das Handy bietet und beschneide notfalls hinterher per Foto-App.

iPhone 7 PlusQuelle: Apple
Zoomen mit dem Finger solltest du vermeiden.

Merkst Du, dass Du öfter zoomen möchtest, wähle beim nächsten Kauf ein Handy, das eine Doppelkamera mit zweiter Brennweite hat. Das zusätzliche Teleobjektiv eignet sich insbesondere für Gesichter besser, weil es keine Kartoffelnasen produziert und außerdem eine schöne Hintergrund-Unschärfe bietet. Damit sind zum Beispiel das Samsung Galaxy Note 8, das iPhone 7 Plus und  iPhone 8 Plus sowie das iPhone X ausgestattet. Oder Du verwendest einen Telekonverter, den Du auf das Handy steckst. Für eine gute Abbildungsqualität solltest Du zu hochwertigen Linsen wie von ExoLens und Zeiss greifen.

Filter lieber erst nach dem Fotografieren hinzufügen

Die Kamera-Apps von vielen Smartphones ermöglichen Dir, Deinen Bildern mit Filtern einen besonderen Look zu verleihen. Bei vielen Modellen kannst Du die Bildlook-Vorlagen ausprobieren, bevor Du den Auslöser drückst. Diese Live-Filter sehen schick aus, lassen sich aber nach dem Fotografieren nicht mehr entfernen. Wenn Du Dir größtmögliche kreative Freiheit bewahren möchtest, solltest Du das Foto zunächst “normal“ aufnehmen und erst hinterher nach Herzenslust mit Filtern versehen oder individuell bearbeiten. Interessante Apps zum Bearbeiten stellen wir Dir weiter unten vor.

Verwende für zu dunkle und zu helle Motive die HDR-Funktion

Kameraobjektive “sehen“ anders als das menschliche Auge. Deshalb können sie Motive mit sehr hellen und sehr dunklen Bildteilen nicht so gleichmäßig darstellen, wie Du die Szene wahrnimmst. Du könntest überbelichtete oder unterbelichtete Bilder zwar hinterher per Foto-App korrigieren. Aber wenn Dir das zu aufwendig ist, hilft Dir folgender Trick weiter: Suche und aktiviere die HDR-Funktion in der Kamera-App. Insbesondere bei hochwertigen Handys gehört sie zur Ausstattung, muss aber mitunter erst in den Optionen eingeschaltet werden.

HDR-ModusQuelle: © vrangel - stock.adobe.com
HDR steht für High Dynamic Range und zaubert Dir bei schwierigen Lichtverhältnissen ein tolles Bild.

HDR steht für High Dynamic Range und bezeichnet in diesem Fall eine Bildeinstellung, die zu dunkle und zu helle Bildteile ohne Dein Zutun mit klugen Software-Berechnungen automatisch verbessert. Leider funktioniert diese Einstellung nur bei Szenen, in denen sich nichts schnell bewegt.

Verwende immer die Originalgröße

Vielleicht fällt Dir nach längerem Fotografieren mit dem Smartphone auf, dass sich Dein Handyspeicher schnell füllt. Es gibt viele gute Tricks, um auf Deinem iPhone oder Deinem Android-Smartphone Speicherplatz zu sparen, aber das Reduzieren der Bildgröße gehört nicht dazu. Damit Deine Bilder möglichst detailreich und scharf aussehen, selbst wenn Du sie vergrößerst, solltest Du sie stets in Originalgröße speichern. Widerstehe daher der Versuchung, in den Einstellungen der Kamera-App eine kleinere Auflösung zu wählen.

Verzichte auf den Blitz

Dass direkt angeblitzte Motive meistens nicht sehr ästhetisch aussehen, liegt nicht an Dir. Es gibt sehr wenige Situationen, in denen Dir der Blitz der Smartphone-Kamera dabei hilft, künstlerisch wertvolle Fotos zu machen. Dafür ist die Konstruktion von Smartphone-Blitzen einfach nicht geeignet. Stelle den Blitz daher von “Auto“ auf “Aus“ und schalte ihn nur gezielt ein, wenn Dir ansonsten wirklich gar kein ausreichend belichtetes Foto gelingt. Besser ist es aber, wenn Du passende Einstellungen im Pro-Modus wählst (siehe unten).

Halte das Handy möglichst ruhig

Wenn Du den Eindruck hast, dass zu viele Deiner Bilder vor allem beim Vergrößern unscharf wirken, muss das nicht an der Kameratechnik liegen. Häufig ist das Verwackeln der Hand daran schuld. Das ist normal, jeder wackelt minimal. Und beim Fotografieren gerät das Handy leider noch leichter in Bewegung, weil wir normalerweise mit einem Druck auf dem Display auslösen.

Um die Kamera dennoch ruhig zu halten, solltest Du das Smartphone stets mit beiden Händen stabilisieren. Falls möglich, kannst Du zudem mit einer physischen Taste an der Seite des Handys auslösen. Das lässt sich in den Optionen der Kamera-App einstellen und sorgt meist für etwas weniger Verwackeln. Alternativ ermöglichen es manche Kamera-Apps, dass Du ein Foto mit einem Sprachekommando wie etwa “Klick“ auslöst. Auch diese Einstellung findest Du im Menü der Kamera-App. Eine weitere Möglichkeit ist Dein Foto per Selbstauslöser zu erstellen oder ein Handy-Stativ zu verwenden.

Stativ für das HandyQuelle: ©poravute - stock.adobe.com
Probleme mit verwackelten Fotos? Mit einem Handy-Stativ gehst Du auf Nummer sicher.

Ist die Szene zu schlecht beleuchtet, hilft jedoch die ruhigste Hand nicht. Dann solltest Du für scharfe Bilder eine kürzere Verschlusszeit wählen (siehe unten).

Fotografieren mit dem Smartphone: Tipps für Fortgeschrittene

Kunstvoll zu fotografieren bedeutet nicht, dass Du Dich auf die Kamera-Automatik verlässt und mit vorgefertigten Filtereffekten um Dich wirfst. Willst Du Deine Fotografie künstlerisch weiterentwickeln, kommt es stattdessen darauf an, dass Du ein paar zentrale Einstellungen für die Belichtung selbst vornimmst. Nur dann kann das Foto so aussehen, wie es Dein künstlerisches Auge sieht und nicht, wie es die Programmierung der Kamera-Software für das wahrscheinlich beste Ergebnis hält.

Profitiere vom Pro-Modus

In der Kamera-App deines Android-Smartphones findest Du häufig auch einen “Pro-Modus“ (beim iPhone brauchst Du dafür eine Extra-App). Dieser gibt Dir Funktionen an die Hand, die auch “Profis“ an herkömmlichen Kameras nutzen würden. Aber keine Angst vor diesem großen Wort. Du musst kein professioneller Fotograf sein. Nirgends steht geschrieben, dass nicht auch Foto-Enthusiasten ohne kommerzielle Absichten darauf zugreifen dürfen.

Huawei P9Quelle: Berti-Kolbow-Lehradt / handy.de
Der Pro-Modus holt noch mehr aus Deinen Fotos heraus.

Und lass Dich nicht von den vielen Einstellungen verwirren. Die wichtigsten für Deine Fotografie sind die Verschlusszeit, die ISO-Empfindlichkeit und die Belichtungskorrektur. Anders als bei herkömmlichen Kameras findest Du keine Einstellung für den sogenannten Blendenwert. Dieser ist vorgegeben. In jedem Fall gilt: Wenn Du diese Einstellungen beherrscht, hast Du im Grunde die Fotografie als Ganzes bereits verstanden.

Verschlusszeit für schnelle Szenen und schlechtes Licht optimieren

Damit Fotos auch bei herausfordernden Situationen scharf werden, ist die Verschlusszeit Dein bester Freund. Sie bestimmt, für wie lange das Umgebungslicht auf den Bildsensor trifft. Mit einer sehr kurzen Verschlusszeit von 1/125 oder 1/1000 Sekunde oder noch kürzer – „frierst“ Du Bewegungen ein. Tobende Kinder und Haustiere, Radfahrer und Autos nimmst Du auf diese Weise scharf und ganz ohne Bewegungsschlieren auf. Für Landschaftsaufnahmen oder andere Motive, wo sich wenig bis nichts bewegt, reicht auch eine längere Verschlusszeit von 1/60 oder 1/25 Sekunde. Längere Verschlusszeiten erhöhen aber die Gefahr, dass das Bild durch das Wackeln Deiner Hand beim Auslösen unscharf wird.

Lange VerschlusszeitQuelle: Apple
Die Verschlusszeit bestimmt, für wie lange das Umgebungslicht auf den Bildsensor trifft.

Versuche den ISO-Wert niedrig zu halten

Damit Du Bewegungen mit kurzen Verschlusszeiten “einfrieren“ kannst, muss in dieser Zeit eine genügende Menge Licht auf den Sensor treffen. Ist der Himmel bewölkt oder dämmert es vielleicht, genügt die Lichtmenge, die in einer kurzen Verschlusszeit durch das Objektiv kommt, vielleicht nicht für ein ausreichend helles Bild. Dann kannst Du den ISO-Wert erhöhen, damit der Sensor auch mit weniger Licht auskommt.

Doch je weiter Du die Sensor-Empfindlichkeit erhöhst, desto mehr weiße, rote und blaue Störpixel siehst Du. Die relativ kleinen Bildsensoren in Smartphones sind sehr anfällig für dieses sogenannte Bildrauschen. Versuche daher den Wert möglichst unter ISO 800 zu halten, am besten sogar viel niedriger. Willst Du zum Beispiel in Innenräumen ein Porträt schießen, gehe für mehr Licht einfach näher ans Fenster oder an eine Lampe.

Willst Du eine schön illuminierte Stadtansicht fotografieren, bei der sich nichts bewegt, kannst Du wiederum die Verschlusszeit erhöhen, um den ISO-Wert zu minimieren. Damit Du dann nicht verwackelst, lege das Handy auf eine Mauerkante auf oder verwende ein Smartphone-Stativ.

Belichte so, dass Dein Hauptmotiv korrekt beleuchtet ist

Alle Smartphone-Kameras sind so eingestellt, dass sie das Objekt ins richtige Licht rücken, auf denen Du das Fokus-Kästchen legst. Handelt es sich dabei um ein Gesicht, ist manchmal der Hintergrund viel zu hell. Fotografierst Du eine Landschaft, ist oft der Himmel zu hell oder der Vordergrund zu dunkel. Die Kamera-Software kann leider nur raten, worauf Du den Belichtungsschwerpunkt legen will.

Daher musst Du ihr etwas nachhelfen, indem Du durch die Korrektur des EV-Werts einen besseren Kompromiss schaffst. Regle ihn in kleinen Schritten hoch oder runter, bis das Bild so aussieht, wie Du es Dir vorstellst.

Checke anschließend nochmal die Verschlusszeit und den ISO-Wert. Denn die genannten Einstellungen (Verschlusszeit, ISO, EV-Wert, bei normalen Kameras auch Blende) stehen in einen wechselseitigen Verhältnis.

“Komponiere“ Dein Bild mit dem Hilfsgitter

Ob wir ein Bild ästhetisch finden oder nicht, ist kein Zufall. Schon weit vor dem Beginn der Fotografie haben sich Gestaltungsregeln etabliert, die heute noch ihre Gültigkeit haben. Willst Du künstlerisch fotografieren, darfst Du sie gern brechen, solltest sie aber vorher zunächst einmal beherrschen.

Eines der gängigsten Gestaltungsprinzipien ist die Drittel-Regel. Demzufolge wirkt ein Bild aufregender, wenn Du das Hauptmotiv nicht zentrierst, sondern es anhand bestimmter Proportionen platzierst. Dazu aktivierst Du entweder im Hauptbildschirm der Kamera-App oder in den Optionen ein Hilfsgitter, das die Ansicht mit zwei waagerechten und zwei senkrechten Linien in neun Bereiche unterteilt. Versuche die für die Bildaussage wichtigen Bestandteile auf die Schnittpunkte zu legen. Fotografierst Du ein Porträt, befindet sich für gewöhnlich beispielsweise das Augenpaar oder das nähere Auge auf einem der oberen Schnittpunkte. Probiere das doch einfach einmal aus!

Verwende Raw-Qualität

Willst Du Deine Bilder später nachbearbeiten, solltest du sie im Rohdatenformat DNG abspeichern. Dieses speichert mehr Informationen als JPG-Dateien. Dadurch bleiben Details in vermeintlich zu dunklen und zu hellen Stellen vorhanden, die du in Foto-Apps später “zurückholen“ kannst. Je nach Kamera-App kannst du die Option für Raw-Qualität im Einstellungsmenü auswählen oder indem du den Pro-Modus aktivierst. Beim iPhone brauchst du dafür eine zusätzliche Kamera-App, weil Apple dieses Feature in seiner eigenen Anwendung nicht freischaltet.

Apps für Vorbereitung, kreatives Fotografieren und Nachbearbeitung

Aktuelle Smartphones bieten Dir ab Werk schon Apps, die Dir alles Wichtige fürs Fotografieren, Bearbeiten und Speichern an die Hand geben. Mit zusätzlichen Apps kannst Du aber Deine kreativen Möglichkeiten erweitern, bessere Foto-Gelegenheiten finden und das ein oder andere Manko beseitigen.

Wenn Du tolle Foto-Spots suchst, können Dich zum Beispiel die extra für Fotografen geschriebenen Reiseführer Fripito oder Cewe MyTravel inspirieren. Den Zeitpunkt für das beste Licht planst Du zum Beispiel mit PhotoPills oder SunSurveyor. Weil das iPhone von Haus aus über keinen Pro-Modus verfügt, brauchst Du eine Extra-App wie Lightroom CC oder ACDSee Camera Pro.

LightroomCC AppQuelle: LightroomCC

Möchtest Du deinen Bildern ohne großen Aufwand einen Look verleihen, der aus der Masse heraussticht, sind die Filter der VSCO-App eine gute Wahl. Umfangreichen Komplettlösungen zur Bildbearbeitung bieten Lightroom CC, ACDSee Pro oder Snapseed (iOS, Android). Für spezielle Retuschen von Gesichtern empfiehlt sich Photoshop Fix, stürzende Linien bei Architekturaufnahmen begradigst Du mit Skrwt.

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