iPhone Xs im Test: Leistungswunder im bekannten Gewand | handy.de
Testbericht

iPhone Xs im Test: Leistungswunder im bekannten Gewand

Das iPhone Xs bringt viel Neues, traditionell nur Innerlich

Apple A12 Bionic ist ein Biest! Zumindest theoretisch

Seit einigen Jahren verbaut Apple in seinen Smartphones zwar eine von ARM lizensierte, aber im Kern eigens entwickelte CPU. Seit einem Jahr wird sogar der Grafikchip im eigenen Haus entwickelt. Der Apple A11 Bionic ist bis heute der wohl schnellste ARM-Prozessor in einem Smartphone und der Apple A12 Bionic will diesen nun übertreffen. Besonders wichtig ist hier der Anstieg von 3 GB auf 4 GB RAM. Darauf darf nämlich nun auch das iPhone Xs zurückgreifen und nicht nur das größere iPhone Xs Max. Als Speicher kommen die Varianten 64, 256 oder 512 GB zum Einsatz. Je nachdem zu welcher Version man beim Kauf greifen möchte.

Der Prozessor selbst taktet mit 2,49 GHz. Diese werden allerdings nur in Stresssituationen erreicht, wenn die Leistung auch wirklich gebraucht wird. Zudem ist der A12 Bionic als Hexa-Core ausgelegt und besitzt somit sechs CPU-Kerne, die laut Apple aber unabhängig voneinander agieren können. Das soll nicht nur Akku sparen, sondern die Leistung punktgenau ans Ziel bringen.

Bei der GPU können wir leider nur raten. Da Apple diese mittlerweile auch selbst entwickelt, ist kein Chip mehr von Imagination Technologies (PowerVR) im iPhone verbaut. Apple gibt lediglich an, dass die Grafikleistung um über 50 Prozent gestiegen sein soll. Damit hat vor allem die GPU den größten Leistungssprung vollbracht, zumindest theoretisch. Immerhin gab das Unternehmen bekannt, dass die neue GPU im A12 Bionic als Quad-Core ausgelegt ist. Der Grafikchip im A11 Bionic bot noch drei Rechenkerne.

iPhone Xs Geekbench CPUQuelle: Marcel Laser / handy.de
Die CPU-Leistung ist gegenüber dem Vorgänger gestiegen.

 

iPhone Xs Geekbench ComputeQuelle: Marcel Laser / handy.de
Herausragender Wert im GPU Compute Benchmark von Geekbench.

 

iPhone Xs AnTuTu BenchmarkQuelle: Marcel Laser / handy.de
Der Apple A12 Bionic ist wahnsinnig schnell.

Die absolute Mehrleistung wird vor allem in synthetischen Benchmarks sichtbar. In Geekbench 4 erreicht der Chip extrem hohe Werte und lässt die Konkurrenz weit hinter sich. Das gilt sowohl für CPU als auch für GPU. Im Single-Core-Test werden hohe 4834 Punkte erreicht, im Multi-Core-Test sogar über 11500 Punkte. Extremer wird es aber im Compute-Test, der die GPU-Leistung misst: Satte 21230 Punkte stehen hier zu Buche. Das erreicht der Chipsatz vor allem dank Apples Grafikbeschleunigungs-API Metal, die mittlerweile in der zweiten Generation implementiert wird. AnTuTu spuckt ebenfalls mit über 367.000 Punkten ein überraschend hohes Ergebnis aus.

Performance-Schub im Alltag allerdings (noch?) nicht sichtbar

Jetzt hat Apple den Wahnsinns-Prozessor schlechthin vorgestellt, doch die Leistung kommt beim Endkunden nicht an. Zumindest nicht sichtbar, denn eigentlich ist diese schon irgendwie vorhanden. Apps öffnen im Vergleich mit einem iPhone X nur minimal schneller, was im ersten Moment gar nicht auffällt.

AnTuTu Geekbench 3DMark Sling Shot Extreme
iPhone Xs 367.478 Single-Core: 4.834

Multi-Core: 11.564

N/A
iPhone Xs Max 341.540 Single-Core: 4.829

Multi-Core: 10.869

N/A
iPhone X 208.753 Single-Core: 4.210

Multi-Core: 10.125

N/A
Samsung Galaxy Note 9 242.306 Single-Core: 3.737

Multi-Core: 9.065

OpenGL: 3.387

Vulkan: 2.889

Samsung Galaxy S9+ 239.138 Single-Core: 3.747

Multi-Core: 8.868

OpenGL: 3.298

Vulkan: 3.413

LG G7 ThinQ 236.278 Single-Core: 2.371

Multi-Core: 7.476

OpenGL: 4.189

Vulkan: 3.086

Huawei P20 Pro 211.099 Single-Core: 1.918

Multi-Core: 6.835

OpenGL: 3.003

Vulkan: 3.380

Sony Xperia XZ2 263.381 Single-Core: 2.416

Multi-Core: 8.363

OpenGL: 4.657

Vulkan: 3.491

Auch in Spielen ist die Kraft des Apple A12 Bionic erst einmal nicht richtig zu spüren. Zwar sind Ladezeiten teils deutlich verkürzt, die Bildwiederholrate steigt aber nicht spürbar. Wahrscheinlich ist hier noch eine Anpassung der Entwicklerstudios für die Spiele fällig, um die neue GPU und damit auch höhere Bildraten zu unterstützen. Spiele die also bereits in maximalen Einstellungen flüssig auf dem Vorgänger liefen, werden nicht deutlich flüssiger auf dem iPhone Xs laufen. Apples Performance-Vorsprung in der SoC-Technologie ist hier einfach zu groß.

Interessant wird es aber dann doch mit dem MMORPG-Game ARK: Survival Evolved. Hier ist der Mehrwert der neuen GPU drastisch zu spüren. Das Spiel läuft in maximalen Einstellungen nahezu ruckelfrei und butterweich. Samsungs Exynos 9810 in den aktuellen Galaxy Modellen hat bei höchsten Einstellungen bereits schwere Probleme beim halten Framerate in einem spielbaren Bereich. Der Kirin 970 kommt hier schon gar nicht mehr mit.

Kein Prozessor auf dem Markt ist derzeit Leistungsfähiger. Rein theoretisch übertrifft die reine Kraft des iPhone Xs selbst die Power der mobilen Spielekonsole Nintendo Switch deutlich. Das ist beeindruckend und wenn Spiele endlich einmal auch diese Leistung vollends ausnutzen würden, könnte man richtig atemberaubende Games aufs Display zaubern. Ob der Normalanwender ein solches „Monstrum“ an Leistung überhaupt braucht, ist natürlich fraglich. Aber bei einem neuen iPhone bekommt meist das technisch machbarste auf dem Markt.

iPhone Xs: Technische Daten im Überblick

iPhone Xs iPhone Xs Max
Display 5,8 Zoll, All-Screen,

Super Retina (OLED),

3D Touch

6,5 Zoll, All-Screen,

Super Retina (OLED),

3D Touch

Auflösung 1.125 x 2.436 Pixel,

458 ppi

1.242 x 2.688 Pixel,

458 ppi

Prozessor A12 Bionic, Hexa-Core

Neural Engine

7 nm

A12 Bionic, Hexa-Core

Neural Engine

7 nm

RAM 4 GB 4 GB
Speicher 64, 256, 512 GB

nicht erweiterbar

64, 256, 512 GB

nicht erweiterbar

Rückkamera 12 MP-Dual-Kamera
(f/1.8 Weitwinkel & f/2.4 Tele), 2x optischer Zoom, 4K-Video OIS für Foto und Video
12 MP-Dual-Kamera
(f/1.8 Weitwinkel & f/2.4 Tele) 2x optischer Zoom, 4K-Video OIS für Foto und Video
Frontkamera 7 MP, f/2.2,
Display-Blitz
7 MP, f/2.2,
Display-Blitz
Aufnahme-Modi Porträt mit Tiefen-Kontrolle, Porträtlicht, Smart HDR, Live-Photo, Langsamer Synchronblitz, Zeitlupe, Zeitraffer, Animoji, Memoji Porträt mit Tiefen-Kontrolle, Porträtlicht, Smart HDR, Live-Photo, Langsamer Synchronblitz, Zeitlupe, Zeitraffer, Animoji, Memoji
Akku 2.658 mAh

Fast Charging,
Induktion (Qi),
Lightning

3.174 mAh

Fast Charging,
Induktion (Qi),
Lightning

Software iOS 12 iOS 12
Sicherheit Face ID, PIN Face ID, PIN
Drahtlos Bluetooth 5.0, NFC,

GPS, Glonass, Galileo

Bluetooth 5.0, NFC,

GPS, Glonass, Galileo

WLAN WLAN a/b/g/n/ac
(2,4 + 5 GHz), Wifi Calling
WLAN a/b/g/n/ac
(2,4 + 5 GHz), Wifi Calling
Mobilfunk Gigabit-LTE

VoLTE

Gigabit-LTE,

VoLTE

Sprachassistent Siri Siri
IP-Zertifizierung IP68 IP68
Maße & Gewicht 143,6 x 70,9 x 7,7 mm

177 Gramm

157,5 x 77,4 x 7,7 mm

208 Gramm

Farben Gold, Silber,
Space Grau
Gold, Silber,
Space Grau
UVP 1.149 Euro – 64 GB
1.319 Euro – 256 GB
1.549 Euro – 512 GB
1.249 Euro – 64 GB
1.419 Euro – 256 GB
1.649 Euro – 512 GB
Verfügbarkeit Bereits erhältlich Bereits erhältlich

Telefonie und Internet: iPhone immer noch ein World-Phone

Bei den Funkverbindungen und Möglichkeiten spart Apple traditionell nicht. Bereits zur Vorstellung des iPhone 4 wurde das Gerät als World-Phone vorgestellt. Das sollte implizieren, dass die iPhones in nahezu allen Teilen der Welt mit den meisten Frequenzen arbeiten können. Das hat sich bis jetzt nicht geändert und ist auch im Fall des iPhone Xs so. Alle wichtigen Frequenzen in ganz Europa werden unterstützt. Sollte man sich auf Auslandsreise außerhalb der EU befinden, ist man auch hier auf der sicheren Seite. Bluetooth 5.0 und WLAN ac/b/g/n/a sind ebenfalls mit an Bord. Darunter auch WLAN im 2,4 GHz und 5,0 GHz Netz. NFC bieten die iPhone Modelle schon länger, allerdings in einem stark abgespeckten Rahmen.

Die Sprachqualität geht absolut in Ordnung und ist im oberen Bereich anzusiedeln. Das Gegenüber ist immer klar verständlich und die verbauten Mikrofone im iPhone Xs sorgen für eine annehmbar Geräuschunterdrückung. Schwere Aussetzer konnten wir an dieser Stelle jetzt nicht feststellen.

Unterstützung für Dual-SIM in Deutschland ein schlechter Witz

Ein iPhone mit Dual-SIM-Support! Allerdings ist das ganze ein wenig komplizierter, als es anfänglich klingt. Das iPhone Xs, als auch sein großer Bruder, unterstützen Dual-SIM mit einer physischen und einer sogenannten eSIM. Die physische Nano-SIM wird ganz normal in den dafür vorgesehenen Slot auf der linken Seite eingeschoben. Eine eSIM hingegen wird auf dem iPhone heruntergeladen und dort auf einem separaten Chip gespeichert.

Das sind die besten Dual-SIM-Handys aus allen Preisklassen. Außerdem zeigen wir drei Smartphones, die sogenannte echte Dual-SIM-Handys ohne Hybrid-Fach sind und somit neben zwei Nano-SIM-Karten auch eine Speicherkarte fassen.

Das funktioniert aber derzeit nur mit zwei deutschen Providern. Vodafone und Telekom sind derzeit die einzigen Anbieter, die auch die eSIM des iPhones unterstützen. Zudem ist die Funktion in Apples neuen Geräten nicht freigeschaltet. Dieses soll in den kommenden Wochen per Softwareupdate aber nachgereicht werden.

iPhone Xs: Empfangsprobleme bisher nicht nachvollziehbar

Die News ging noch vor unserem Test um die Welt: Die Empfangsfähigkeiten der neuen iPhone-Modelle soll unter denen der Vorgänger-Geräte liegen. Auch ein iPhone 7 Plus oder iPhone 6s soll bessere Ergebnisse erzielen. Mittlerweile gibt es entsprechend lange Foren-Threads auf Reddit und auch der Apple-Support wird mit Anfragen förmlich bombardiert.

Daher haben wir uns das Problem etwas genauer angeschaut und haben dazu auch ältere iPhone-Modelle im Vergleich mit hinzugezogen. Grundsätzlich sind uns im selben Netz bisher keine großen Schwankungen aufgefallen. Natürlich kann das von Standort zu Standort variieren, aber da wo unser iPhone 7 Plus eine stabile LTE-Verbindung mit drei Empfangsbalken aufwies, ließ auch das iPhone Xs nicht nach.

Das gilt auch fürs WLAN, welches wir gefühlt sogar als verbessert wahrnehmen. Wo das iPhone 7 Plus die WLAN-Verbindung nur unzureichend aufrecht erhalten konnte, waren mit dem iPhone Xs merkwürdigerweise keine Aussetzer zu vernehmen.

Alle Jahre wieder: Kaum sind die neuen Apple-Smartphones auf dem Markt, berichten erste Nutzer über iPhone-Probleme. In diesem Jahr trifft es iPhone XS, iPhone XS Max und iPhone XR bei den Funkverbindungen. Der Empfang soll spürbar schlechter sein.

Die Dual-SIM-Fähigkeit ist natürlich irgendwie nicht ganz das, was sich die Menschen zur Präsentation erhofft hatten. Zumal andere Märkte wie China eine physische Dual-SIM-Version des iPhone Xs bekommen. Bei uns ist das mit der eSIM noch so eine Sache, da nicht alle Provider sie unterstützen. Zudem müssen wir warten, bis Apple ein Update nachreicht. Immerhin konnten wir die beschworenen Signalprobleme des iPhone Xs nicht nachvollziehen. Im Bereich Telefonie und Internet schlägt sich das Gerät also sehr souverän.

Software und Multimedia: iOS 12 optisch weiterhin traditionell

In den vergangenen fünf Jahren hat sich iOS eher kaum verändert. Wir blicken auf die Symbole auf dem Homescreen und wischen von links nach rechts durch unsere Seiten. Ganz links befindet sich weiterhin das Widget-Board von iOS, wo Du nach belieben – sofern Deine Apps es unterstützen – Widgets für verschiedenste Zwecke anlegen kannst.

Auch iOS 12 hat sich im Design kaum bis gar nicht verändert. Eines der markantesten und wichtigen Features des neuen Apple-Betriebssystems ist allerdings die Gruppierung von eingehenden Nachrichten im Notification-Center. Das schafft eine Menge Platz und ist wesentlich komfortabler zu nutzen. Android-User werden eher müde lächeln, da eine solche Funktion hier gefühlt schon ewig vorhanden ist. Dennoch freut man sich, dass sowas nun auch für iOS zur Verfügung steht.

iOS 12 als absoluter iPhone-Beschleuniger

Was man dem iPhone Xs aber durchaus attestieren kann, ist eine durchweg flüssige Performance auf extrem hohem Niveau. Da ruckelt nichts. Auch Gedenkpausen zwischen Apps, selbst bei anspruchsvollen Programmen, sucht man vergeblich. Hier wird auch der Sprung von 3 GB auf 4 GB RAM eine wesentliche Rolle gespielt haben. Multitasking profitiert meist deutlich von solchen Schritten.

iPhone Xs mit GUIQuelle: Marcel Laser / handy.de
Alles wie gehabt. Auch mit iOS 12 ändert sich nicht viel im Design.

 

iPhone Xs iOS 12 Settings
Auch die Einstellungen haben sich nicht viel verändert.

 

Grundsätzlich hat Apple aber am Kern des mobilen Betriebssystems geschraubt und einige Tuning-Schrauben gedreht. iOS 12 beschleunigt selbst ältere Geräte drastisch. Das geht stellenweise soweit, dass zwischen einem iPhone X, den iPhone 8 Modellen und den nun neuen iPhone Xs Geräten keinerlei Performanceunterschiede im Betriebssystem ausgemacht werden können. Erst ein iPhone 7 mit einem Prozessor der bereits zwei Generationen zurückliegt, merkt man erste kleinere Performance-Unterschiede.

Geblieben sind alle gewohnten Beschränkungen

Zwar hat Apple damit begonnen, einige Fenster seiner Festung des Ökosystems für Drittanbieter zu öffnen, doch bleiben Türen und Tore weiterhin geschlossen. Das heißt im Klartext, dass es beispielsweise nicht möglich ist, ohne Weiteres per Kabel einfach ein Video auf das iPhone zu übertragen. Allerdings kann man sich mit diversen Cloud-Diensten behelfen und das iPhone spielt nahezu alle erwünschten Formate problemlos ab.

Weiterhin nicht frei genutzt werden kann beispielsweise Bluetooth für Dateiübertragungen oder auch Apples NFC-Chip. Daran haben sich iOS-User aber seit vielen Jahren gewöhnt. Wer ein iPhone seit langer Zeit sein Eigen nennt, wird derartige Dinge eher weniger vermissen. Schwieriger wird es hingegen für Umsteiger von Android, die durchaus vor große Hürden stehen können.

Wer die vorangegangenen iOS-Versionen bereits kannte, der kennt auch iOS 12. Nur ist alles deutlich schneller in dieser Version und das nicht nur für das iPhone Xs. Das Betriebssystem macht einen hervorragenden Job im Bereich Energiemanagement und Performance und man fühlt sich an ältere Zeiten erinnert, wo iOS das schnelle, stabile und schlanke System war. Apple hat hier einen grandiosen Fan-Service betrieben.