iPhone Xs Max im Test: Teuer ist nicht gleich perfekt | handy.de
Testbericht

iPhone Xs Max im Test: Teuer ist nicht gleich perfekt

Das teuerste iPhone aller Zeiten im Test

Kamera: Smart HDR und Tiefenkontrolle

Keine Triple-Kamera beim neuen iPhone-Setup. Aber ganz ehrlich – wirklich damit gerechnet hat wohl auch niemand. Stattdessen hat Apple seine Dual-Kamera erneut verbessert. Verbaut hat Apple auf der Rückseite des iPhone Xs Max ein 12-Megapixel-Setup mit Tele- und Weitwinkelobjektiv. Letzteres kommt mit relativ großer f/1.8-Blende, wohingegen das Teleobjektiv hier eine kleinere f/2.4-Blende bietet. Apple integriert zudem ein 2x optischen Zoom sowie 10x Digitalzoom.

Das iPhone Xs Max im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

An zwei Stellschrauben hat Apple beim Dual-Kamera-Setup des iPhone Xs und iPhone Xs Max aber ganz besonders geschraubt. So implementiert Apple verbessertes HDR namens Smart HDR. Laut Apple greifen hier schnellere Sensoren, verbessertes ISP und nicht näher genannte Algorithmen, um Fotos mit dem iPhone Xs Max mehr Details in dunklen und hellen Bildbereichen zu verschaffen.

Beeindruckende Ergebnisse bei gutem Licht

Neu ist auch die Tiefenkontrolle für den Bokeh-Effekt, der durch die beiden Objektive ermöglicht wird. Zumindest ist das bei Apple neu – Android-Smartphones können bereits seit rund zwei Jahren mit Tiefeneffekten auf Porträtbildern spielen. Wie oft in der Vergangenheit gesehen, hat Apple die Technologie aufgegriffen und perfektioniert. Das Spielen mit der Tiefenschärfe funktioniert hervorragend und ebenso beeindruckend wie der Weichzeichner-Effekt an sich. Das war allerdings nicht immer so während unseres Tests.

Das iPhone Xs Max im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Gerade bei dunklerem Licht, unten beispielsweise unter sehr warmen Lichtbedingungen in einem Hotelzimmer, greift der Bokeh nicht so, wie Apple ihn anpreist. Die Bilder rauschen stark, der Weichzeichner-Effekt ist nicht sauber auf dem Bild. Man muss für ein perfektes Bild sehr lange ausprobieren und mit dem vorhanden Licht spielen. Die Ergebnisse, wie Apple sie in seiner Werbekampagne zeigt, haben wir im Test trotz einiger Erfahrung in Sachen iPhone-Fotografie nicht hinbekommen. Stattdessen zeigt das iPhone Xs Max seine ganze Stärke bei Tageslicht.

Das iPhone Xs Max im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Die Bilder der Weinberge und auf dem freien Feld zeigen es bereits: Das iPhone Xs Max ist ein Foto-König bei idealen Lichtbedingungen. Hier schläft die Konkurrenz natürlich auch nicht. Dafür wirken die Bilder mit dem iPhone Xs Max nicht „gefaked“ oder durch KI zu künstlich, wie wir es beispielsweise bei vielen Huawei-Modellen in den vergangenen Monaten gesehen haben. Die Ergebnisse der aktuellen Dual-Kamera des iPhone Xs und Xs Max können sich absolut sehen lassen. Das reicht dennoch nicht: Bei dem immens hohen Preis des iPhone Xs Max muss man erwarten, dass wenigstens Apples Versprechen von guten Bildern bei dunkleren Bedingungen eingehalten wird.

Das iPhone Xs Max im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

TrueDepth mit Schwächen

Die Frontkamera ist beim iPhone seit eh und je ein Streitthema. Instagram-Suchtis und Schönmaler werden mit der TrueDepth-Kamera wohl einfach nicht warm. Sie schmeichelt dem Besitzer keineswegs, sondern klatscht einem die knallharte Realität auf den Tisch. Unebenheiten der Haut werden ebenso hervorgehoben wie Narben oder dunklere Augenringe. Das iPhone Xs Max macht hier nichts anders. Obwohl im Internet gemunkelt wird, dass Apple einen unabstellbaren Weichzeichner implementiert hat – das konnten wir im Praxistest nicht feststellen. Wer es natürlich und echt mag, wird mit der 7-MP-Frontkamera warm. Unser Testgerät hat hier in Sachen Bokeh-Effekt allerdings ebenfalls keine guten Dienste erwiesen: Die Berechnung schien sogar deutlich schlechter als beim iPhone X oder iPhone 8 Plus. Hier muss Apple via Software-Update nachliefern.

Der Kamera-Test hat uns überrascht. Einerseits aufgrund der grandiosen Ergebnisse im guten Tageslicht. Andererseits aufgrund der schlechten Ergebnisse bei dunkleren Lichtbedingungen. Und das, obwohl Apple hier mit der verbesserten Technologie Smart HDR wirbt. Die Frontkamera hat ebenfalls im Tageslicht geliefert. Die Berechnung des Bokeh-Effekts war in unserem Test überraschenderweise jedoch mangelhaft.

Akku – iPhone Xs Max mit beeindruckender Ausdauer

Das iPhone Xs Max kommt mit 3.174 mAh-Akku daher. Es verfügt über kabelloses Aufladen und Quick Charge. Für viele Hersteller gehört es da mittlerweile zum guten Ton, ein entsprechendes Netzteil mitzuliefern, damit das Feature auch genutzt werden kann. Nicht jedoch Apple. Nebst fehlendem Klinke-Adapter, der vielen Nutzern immer noch wichtig ist, liefert Apple das Netzteil nicht mit. Stattdessen liegt immer noch ein 5-Watt-Netzteil bei, das bei heutigen Akku-Kapazitäten längst ausgedient hat. Wer ein Schnellladegerät haben will, muss es separat erwerben. So viel zu den Gegebenheiten. Jagen wir das Luxus-Gerät durch unseren Akku-Test.

Wie immer testen wir acht Stunden intensiv, das heißt im WLAN-Netzwerk mit eingeschaltetem Bluetooth und aktiver SIM-Karte führen wir zu je 30 Minuten die folgenden Tätigkeiten durch:

  • Fotografieren
  • Telefonieren
  • In sozialen Netzwerken surfen
  • Im Internetbrowser surfen
  • Zocken
  • Telefonieren
  • Musik streamen
  • HD-Film oder –Serie streamen

Wir haben im standardisierten Akku-Test das iPhone Xs Max direkt der härtesten aller Disziplinen ausgesetzt: 30 Minuten zocken. Bei so einem Kraftpaket musste mehr her als Super Mario Run. Wir haben also das grafisch sehr anspruchsvolle Ark Survival Evolved gezockt. Dabei haben wir festgestellt, dass der A12 Bionic im iPhone Xs Max eine Granate ist. Hier wird nichts warm oder ruckelig. Stattdessen zieht die Dino-Welt uns Leib und Seele in den 6,5 Zoll großen iPhone-Bildschirm.

Das perfekte Energie-Management

Auch die Audioausgabe beim Zocken hat daran ihren Anteil. Die 30 Minuten waren zügig rum und das iPhone hat dabei nur acht Prozentpunkte gelassen. An diesen Wert kommt sonst nur das Streamen von HD-Videos heran. Wir haben rund 30 Minuten Netflix geschaut, was auf dem großen Bildschirm ebenfalls unglaublich viel Freude bereitet – sechs Prozent hat Netflix hier geschluckt. Ansonsten zeigt sich das iPhone Xs Max wirklich ausdauernd, sodass nach acht Stunden noch 56 Prozent in der Batterie-App angezeigt werden. Das ist ein sehr guter Wert, wenn man sich die verbaute High-End-Technik im Inneren des iPhone Xs Max mal genauer ansieht.

Nach acht Stunden hieß es auch für das iPhone Xs Max: 16 Stunden Standby. Auch hier waren WLAN-Verbindung und mobiles Netz aktiv sowie Benachrichtigungen und Bluetooth eingeschaltet. 48 Prozent Ladung waren nach insgesamt 24 Stunden noch drin. Ein guter Wert. Hier verspricht Apple also nicht zu viel.

Der Akku ist der heimliche Star des iPhone Xs Max. Es verbraucht im Ruhezustand sehr wenig Energie. Hier haben Android-Phones eher das Nachsehen. Das große iPhone zeigt vor allem beim Zocken ein richtig gutes Energie-Management.

Fazit

Ein Kommentar: iPhone Xr wird 2018 der eigentlicher Star

Testberichte sind sehr subjektiv. Bis auf die trockenen technischen Daten und Benchmark-Werte gibt es hier kaum Schwarz auf Weiß, gut oder schlecht. Deshalb fällt das Fazit zum iPhone Xs Max sehr schwer und wir formen es kurzerhand in einen deutlich subjektiven Kommentar um. Die standardisierte Punktewertung greift natürlich trotzdem.

Im vergangenen Jahr war bereits absehbar, dass Apple mit dem X-Nachfolger pokern muss, liefern muss. Vor einigen Monaten ist Huawei an Apple vorbeigezogen und hat sich die Nummer zwei nach Samsung am Smartphone-Himmel geschnappt. Wieso hat Apple jetzt nicht geliefert? „Nichts“ ist in diesem Zusammenhang natürlich ein schwieriger Ausdruck. Das iPhone Xs Max hat wirklich einiges zu bieten. Aber das Gleichgewicht stimmt irgendwie nicht. Fangen wir beim Design an: Ja, das iPhone Xs Max ist ein Meisterwerk. Gerade die goldene Version dürfte anspruchsvollen Apple-Fans Tränen in die Augen treiben. Auch mir als jahrelanger iPhone-Fan. Der Edelstahlrahmen wartet mit einem so schönen Kupferton auf, wie ihn nur Jony Ive schaffen könnte.

Das iPhone Xs Max ist zu teuer

Die Rückseite leuchtet je nach Lichteinfall in einem wundervollen Nude-Ton oder Zart-Rosé. Ja, ich würde mir das iPhone Xs Max kaufen – um es dann in einer Vitrine in meinem Wohnzimmer auszustellen und mit grazilen Leucht-Spots bescheinen zu lassen. Aber ich möchte das Handy nicht als Begleiter in meiner Handtasche haben. Die Angst, es zu verlieren oder runterfallen zu lassen, ist einfach viel zu groß. Apple bewegt sich spätestens jetzt in einer sehr gewagten Preisspanne. Es geht hier um ein Smartphone, das man heutzutage die ganze Zeit in den Händen hält. Das will sich der Otto-Normal-Verbraucher womöglich nicht leisten. Und nur fürs Zocken auf dem heimischen Sofa lohnt sich das teure iPhone nicht – hier stehen bereits High-End-Konsolen und deutlich günstigere Handhelds im Regal.

Blicken wir weiter auf die inneren Werte, um herauszufinden, ob der hohe Preis des iPhone Xs Max gerechtfertigt ist. Nebst Gaming-Experience kommt es auf eine gute Akku-Laufzeit an. Ja, hier punktet das iPhone Xs Max wirklich richtig gut. Parallel zum iPhone Xs Max-Test habe ich das Samsung Galaxy Note 9 in Benutzung, das hier einfach nicht mithalten kann. Musikhören, wildes Chatten per WhatsApp oder Threema plus Surfen im Internet verlangen dem Samsung-Phablet so einiges ab. Das stört mich heutzutage aber nicht mehr, da ich immer eine große Powerbank bei mir trage. Aber das ist Gewöhnungssache.

Welche Zielgruppe spricht Apple an?

Thema Dual-SIM: Apple schafft es, in China das neue iPhone mit zwei physischen Steckplätzen anzubieten. Warum bekommen wir in unseren Breitengraden eSIM + SIM? Das lässt sich schwer nachvollziehen. Letztendlich hat die Kamera gute Leistung erbracht, aber bei ungünstigen Lichtbedingungen für Frust gesorgt – Apple halt damit einmal mehr ein Marketing-Versprechen nicht. All dieses Für und Wider und der krasse Preis sorgen schlussendlich für eine immer noch gute Vier-Sterne-Wertung. Das iPhone Xs Max ist definitiv das leistungsstärkste Smartphone auf dem Markt. Aber welche Zielgruppe braucht das wirklich?

Das iPhone Xs Max ist ein Luxusgut, ein wunderschönes, leistungsstarkes Smartphone. Wir sind sehr gespannt auf den Test des iPhone Xr – nach unserem Empfinden wird das der eigentliche Star am iPhone-Himmel 2018. Der Test folgt, sobald das Gerät im Oktober vorgestellt wurde.

Apple zeigt gleich drei neue iPhone-Modelle in zwei neuen Serien. Neben den preislich oben angesiedelten High-End-Geräten, iPhone Xs und iPhone Xs Max, zeigt Apple auch ein günstigeres und abgespecktes Modell seiner iPhone-X-Reihe: Das iPhone Xr.

Alternativen zum iPhone Xs Max

Wer es sich nicht nehmen lassen will, das aktuellste iPhone zu besitzen und dabei auch noch gesehen werden will, sollte sich das günstigere iPhone Xs im Farbton Gold gönnen. Leistungstechnisch steht das kleinere Modell dem größeren in nichts nach, wenn auch der Akku kleiner ausfällt. Das wird durch den kleineren Bildschirm ausgeglichen. Es gibt keine Alternative zum iOS-Betriebssystem – das ist im Jahr 2018 immer noch sehr schade.

Das iPhone Xs, iPhone Xs Max und iPhone Xr sind da. Wir erklären die Unterschiede von Apples neuem Trio und helfen Dir bei der Kaufentscheidung.

Wer offen für Android ist, und auf eine gute Symbiose aus Hardware und Software steht, der sollte unbedingt auf die Präsentation des Google Pixel 3 im Oktober warten. Zu warten, können wir auch denjenigen empfehlen, die die heißeste neue Technik nutzen wollen – denn niemand geringeres als Huawei hat noch im Oktober die Präsentation des neuen High-End-Geräts namens Huawei Mate 20 Pro offen. Das Smartphone wird ebenfalls einen 7nm-Chip bieten und ein absolutes High-End-Handy sein. Wenn Huawei Samsung und Apple in Sachen Preis nicht nacheifert, könnte das Mate 20 Pro der Gamechanger sein. Das Jahr 2019 wird sehr spannend – wir erwarten, dass Huawei sich die Nummer eins vor Samsung und Apple auf dem dritten Platz schnappen könnte.