iPhone Xr im Test: Dieses bunte iPhone ist massentauglich | handy.de
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iPhone Xr im Test: Dieses bunte iPhone ist massentauglich

Kann das LCD-iPhone mit dem iPhone Xs und Xs Max mithalten?

Apple zeigte im Herbst 2018 gleich drei neue iPhone-Modelle in zwei neuen Serien. Neben den preislich weit oben angesiedelten High-End-Handys, iPhone Xs und iPhone Xs Max, präsentierte Apple auch ein günstigeres und abgespecktes Modell seiner iPhone-X-Reihe: Das iPhone Xr. Es kommt mit Alu-Rahmen, Glasrückseite und Single-Kamera. Und dennoch bringt es auch einige High-End-Features der teureren Modelle wie den Apple A12 Bionic und die TrueDepth-Kamera mit. Wir stellen Dir das iPhone Xr im Test ausführlich vor und verraten, warum sich der Kauf eines iPhone Xs (Max) eigentlich nicht mehr lohnt.

Design: Größte Farbvielfalt seit iPhone 5c

Es wird bunt: Erstmals seit dem gefloppten iPhone 5c stellt Apple ein Smartphone mit vielen Farbvariationen vor, das sich preislich immer noch an der Oberklasse orientiert, aber bei weitem nicht so teuer ist wie die meisten aktuellen High-End-Flaggschiffe. Ab 849 Euro ist das iPhone Xr bereits verfügbar: Das ist beinahe die Hälfte des Preises, den Apple für die teuerste Version des iPhone Xs Max veranschlagt.

Bereits im Vorfeld zur offiziellen Präsentation waren unzählige Informationen zum LCD-Modell der iPhone-X-Reihe bekannt geworden. Vieles hatte sich dann auch bestätigt: Das iPhone Xr kommt beispielsweise mit LC- statt OLED-Display. Die Bildschirmdiagonale reiht sich mittig zwischen dem iPhone Xs mit 5,8 Zoll und dem iPhone Xs Max mit 6,5 Zoll ein. Es kommt nämlich mit einem 6,1-Zoll-Bildschirm. Das günstigste der neuen iPhones 2018 weist außerdem ein edles Glas-Design auf und sieht von hinten beinahe so aus wie das iPhone 8. Das Apfel-Logo thront im oberen Drittel mittig auf dem glänzenden Glas.

Viele Farben für eine schwere Entscheidung

Oben links zeigt sich eine Single-Kamera mit LED-Blitz. Dabei ragt die Kamera deutlich aus dem Gehäuse hervor. An den aus Alu gefertigten Seiten ist das iPhone Xr nicht sehr von anderen aktuellen iPhones zu unterscheiden: Rechts befindet sich der Power-Button zum Ein- und Ausschalten des Displays. Darunter ist der SIM-Karten-Schlitten positioniert. Links am Rand verbaut Apple immer noch den Mute-Mechanismus und die Lautstärke-Wippe.

Unser Testgerät in der Farbe „Koralle“ sieht mal mehr pink, mal mehr orange aus – das liegt vor allem an den Lichtbedingungen. Im Tageslicht zeigt sich ein sehr frisches kräftiges Rosé-Pink, während das Smartphone bei künstlichem Licht eher orange wirkt. Der Aluminiumrahmen des iPhone Xr ist bei allen Modellen im Farbton der Rückseite gehalten. Materialbedingt glänzt dieser jedoch nicht, sondern erscheint mattiert. Hier zeigt sich ein optischer Unterschied zum teuren iPhone Xs: Dank Edelstahlrahmen glänzt das iPhone Xs an dieser Stelle mit der Glasrückseite um die Wette.

Perfekte Größe als Mittelding

Die Haptik des iPhone Xr ist jedoch so edel wie man es von Apple kennt: Das Glas inklusive Anti-Fett-Beschichtung fühlt sich hochwertig und angenehm auf der Haut an. Die Zwischengröße von 6,1 Zoll macht sich in der Hand prächtig – das iPhone Xr hat genau die perfekte Größe, während uns das iPhone Xs Max im Test ein bisschen zu klobig erschien.

Apple hat insgesamt sechs unterschiedliche Farben des iPhone Xr auf den Markt gebracht: Blau, Rot, Koralle, Gelb, Schwarz und Weiß. Kein anderes Oberklasse-iPhone kam bisher zum Marktstart in so einer üppigen Farbauswahl raus. Apple will damit möglichst viele Kunden erreichen.

Design-technisch ist das iPhone Xr auf höchstem Niveau. Es sieht schön aus, fühlt sich gut an und ist zudem noch perfekt verarbeitet. Die große Farbauswahl macht es Interessenten wohl nicht einfach.

iPhone Xr in bunten FarbenQuelle: Apple
Das iPhone Xr in sechs unterschiedlichen Farben.

Das Liquid Retina Display: Keinesfalls zweite Klasse

An der Front zeigt sich beim Blick auf das iPhone Xr ein weiterer Unterschied zu vergangenen Modell-Reihen. Das günstigere iPhone kommt mit LC-Screen im iPhone-X-Design – also mit Notch und ohne Home-Button. Apple nennt das Display des iPhone Xr „Liquid Retina Display“. Das iPhone Xr kommt somit zwar nicht mit High-End OLED-Screen, liefert aber dennoch im Hands-On eine ordentliche Bildqualität. Eine Auflösung von 828 x 1.792 Pixel und 326 ppi stehen 1.125 x 2.436 Pixel und 458 ppi des iPhone Xs gegenüber. Im Alltag lässt sich das Display des iPhone Xr natürlich einwandfrei ablesen und das Hantieren mit dem Gerät macht ebenso viel Spaß wie mit der Xs-Reihe.

Selbstverständlich erkennt man einzelne Pixel mit bloßem Auge nicht und die Inhalte laufen flüssig und hochauflösend über das Display. Die Unterschiede zum OLED-Panel des iPhone X und iPhone Xs zeigen sich jedoch vor allem bei der Blickwinkelstabilität und der Ablesbarkeit im Tageslicht. Außerdem sieht man tatsächlich die beleuchteten Pixel, wenn das Display schwarze Farbe anzeigt: Hier hebt sich die Notch optisch vom Rest des Bildschirms ab – das ist bei der OLED-Variante nicht der Fall. Ein weiterer Display-Unterschied: Die schwarzen Ränder sind viel breiter. Die maximale Helligkeit des iPhone Xr ist hingegen sehr gut und kann mit den anderen iPhone-Modellen mithalten.

Kein 3D-Touch: Fehlt das wichtige Feature merklich?

Nur bei einem Feature, das dem iPhone Xr bereits im Hands-On offensichtlich gefehlt hat, scheiden sich die Geister: 3D Touch. Warum Apple das mit dem iPhone 6s eingeführte und sehr praktische Display-Feature dem iPhone Xr nicht spendiert, kann nur gemutmaßt werden. Tatsächlich fehlte uns im Test die Funktion, die je nach Druck auf dem Bildschirm unterschiedliche Aktionen ausführt, vor allem beim Navigieren durch geschriebenen Text. Hier muss beim iPhone Xr wie bei älteren Modellen wieder der Text angetippt und gedrückt gehalten werden, um dann per Lupe an die richtige Stelle im Wort oder Satz zu navigieren.

Ansonsten ersetzt langes Gedrückthalten beim iPhone Xr die 3D-Touch-Funktion der anderen iPhone-Modelle. Wer zum Beispiel im Sperrbildschirm die Kamera aufrufen will, muss seinen Finger kurz auf dem Icon verharren lassen, um die App zügig zu öffnen. Alles in allem ist das also eine Gewöhnungssache. Wer vorher ein iPhone mit 3D-Touch besaß, wird die Funktion womöglich vermissen. Bei einem Umstieg von Android zu iOS dürfte es dank vorhandenem Haptic Touch hingegen nicht sonderlich auffallen.

Das Display des iPhone Xr ist ganz und gar nicht zweite Klasse. Apple gelingt es, die LCD-Technologie auf höchstem Niveau zu verbessern. An die Qualität von superscharfen OLED-Displays kommt das Handy natürlich nicht ran – dafür kostet es auch nicht so viel. 3D-Touch könnte Apple-Usern fehlen – wer neu ist in Sachen Apple-Smartphone dürfte das fehlende Feature aber nicht registrieren.

Ausstattung und Leistung: Abgespeckt aber nicht bescheiden

Das iPhone Xr kommt mit Apples neuem A12 Bionic-Chip und steht somit leistungsmäßig seinen großen Geschwistern in nichts nach. Auch in Sachen FaceID und Animojis hält das LCD-Modell mit. Das iPhone Xr hat im Gegensatz zu seinen großen Geschwistern jedoch einen kleineren Arbeitsspeicher von 3 GB RAM. Ein weiterer technischer Unterschied ist zudem in der Kamera zu finden. Schließlich kommt das iPhone Xr nicht mit Apples Dual-Kamera, sondern weist eine einzelne 12-Megapixel-Linse auf. Deswegen lassen sich mit dem iPhone Xr keine „echten“ Bokeh-Aufnahmen erstellen.

Die Kamera-Software rechnet den beliebten Porträt-Effekt jedoch detailgetreu ins Bild ein, wie wir im separaten Kamera-Teil zeigen. Anders als das iPhone Xs und iPhone Xs Max ist das iPhone Xr zudem mit 128 GB Speicher verfügbar. Daneben stehen 64 GB und 256 GB zur Wahl. In umstrittener Apple-Manier lässt sich keine der Speichervarianten per Micro-SD-Karte erweitern. Der 2.942 mAh-Akku des iPhone Xr soll nicht zuletzt aufgrund des sparsameren LC-Displays am längsten von allen neuen iPhone-Modellen durchhalten. Im Akkutest konnten wir uns davon bereits überzeugen.

Die technischen Daten des iPhone Xr im Überblick

Apple iPhone Xr
Display 5,1 Zoll, Liquid Retina LCD, fettabweisend und kratzfest
Auflösung 828 x 1.792 Pixel, 326 ppi
Prozessor A12 Bionic Chip / Neural Engine / 3 GB RAM
Akku 2.942 mAh kabellos aufladbar & Quick Charge
Speicher 64 GB, 128 GB, 256 GB
Hauptkamera 12 Megapixel Kamera, ƒ/1.8 Blende

5x digitaler Zoom, OIS

Video 4K und Full-HD Video mit bis zu 60 fps,

HD Video mit 30 fps,

3x digitaler Zoom, OIS

Frontkamera 7 MP, f/2.2, Display-Blitz
Software iOS 12 ab Werk
Drahtlos Bluetooth 5.0, NFC, GPS, Glonass, Galileo
Internet WLAN a/b/g/n/ac (2,4 GHz + 5 GHz)

LTE, VoLTE, Wifi Calling

IP-Zertifizierung IP67
Sonstiges Face ID, Siri, FaceTime,

Stereo-Lautsprecher, kabelloses Laden der Batterie,

Dual-SIM durch eSIM

Maße und Gewicht 150,9 x 75,7 x 8,3 mm

194 Gramm

Farben Rot, Gelb, Weiß, Koralle, Schwarz, Blau
UVP 849 Euro – 64 GB
909 Euro – 128 GB
1.019 Euro – 256 GB
Verfügbarkeit Seit 26. Oktober 2018

iPhone Xr im Benchmarktest

Das iPhone Xr zeigt sich im Test als schickes und perfekt verarbeitetes Apple-Smartphone. Ein Blick auf die inneren Werte darf dabei nicht fehlen. Im AnTuTu-Benchmarktest erreicht das iPhone Xr im vierten Anlauf eine Wertung von 289.437 Punkte und reiht sich damit zwischen das iPhone Xs Max und Samsung Galaxy Note 9 ein. Im Benchmarktest von Geekbench zeigt sich das iPhone Xr ebenfalls als Kraftpaket und kommt auf eine Wertung von 4.381 Punkten im Single-Core- und 7.697 im Multi-Core-Test. Gerade bei letzterem Wert hat es das iPhone Xr gegenüber der Konkurrenz schwer, was der direkte Vergleich in der Tabelle zeigt. Wie die Werte im Alltag einzuordnen sind, muss ebenfalls der ausführliche Test des iPhone Xr zeigen.

Benchmarkwerte im Vergleich

AnTuTu Geekbench 3DMark Sling Shot Extreme
iPhone Xr 289.437 Single-Core: 4.381

Multi-Core: 7.697

N/A
iPhone Xs Max 341.540 Single-Core: 4.829

Multi-Core: 10.869

N/A
iPhone X 208.753 Single-Core: 4.210

Multi-Core: 10.125

N/A
Samsung Galaxy Note 9 242.306 Single-Core: 3.737

Multi-Core: 9.065

OpenGL: 3.387

Vulkan: 2.889

Samsung Galaxy S9+ 239.138 Single-Core: 3.747

Multi-Core: 8.868

OpenGL: 3.298

Vulkan: 3.413

LG G7 ThinQ 236.278 Single-Core: 2.371

Multi-Core: 7.476

OpenGL: 4.189

Vulkan: 3.086

Huawei P20 Pro 211.099 Single-Core: 1.918

Multi-Core: 6.835

OpenGL: 3.003

Vulkan: 3.380

Sony Xperia XZ2 263.381 Single-Core: 2.416

Multi-Core: 8.363

OpenGL: 4.657

Vulkan: 3.491

Telefonie und Internet

Das iPhone Xr unterstützt natürlich die neuesten Mobilfunk- und WLAN-Standards. Rund um den Globus funkt das iPhone Xr mit den passenden Frequenzbändern. Im schnellen LTE-Standard sind das die Bänder 1, 2, 3, 4, 5, 7, 8, 12, 13, 14, 17, 18, 19, 20, 25, 26, 28, 29, 30, 32, 34, 38, 39, 40 und 41. Das iPhone Xr ist somit ideal an das Mobilfunknetz angebunden und unterstützt die höchstmöglichen Datenraten, die aktuell durch die Atmosphäre funken. Im heimischen WLAN oder öffentlichen Hotspots macht das Surfen mit dem iPhone Xr ebenfalls viel Spaß. YouTube-Videos laden zügig, Seiten bauen sich in Windeseile auf – so ist man es von einem aktuellen Smartphone gewohnt.

Eine weitere Gemeinsamkeit mit den teureren Xs-Modellen kommt doch recht überraschend daher: Das iPhone Xr lässt sich seit dem Update auf iOS 12.1 ebenfalls dank integrierter eSIM als Dual-SIM-Handy nutzen. Somit können Besitzer des iPhone Xr ab sofort bei der Deutschen Telekom oder bei Vodafone einen eSIM-Tarif abschließen und zwei Verträge in einem Gerät nutzen. Ein zeitgemäßes, wenn auch eingeschränktes Feature, auf das Apple-Fans lange warten mussten und die Konkurrenz um Samsung und Huawei bereits seit längerem anbietet. Nebst GPS sind zudem Galileo und Glonass als alternative globale Satellitensysteme an Bord.

Das sind die besten Dual-SIM-Handys aus allen Preisklassen. Außerdem zeigen wir drei Smartphones, die sogenannte echte Dual-SIM-Handys ohne Hybrid-Fach sind und somit neben zwei Nano-SIM-Karten auch eine Speicherkarte fassen.

Telefonieren in Perfektion

Obwohl es wohl die grundlegendste aller Funktionen eines Handys ist, hat das Telefonieren mit dem iPhone Xr mehr als überrascht. Die Stimme des Gesprächspartners ergießt sich in ausfüllenden Wellen über den Gehörgang in den gesamten Kopf. Ja, bei romantischen Gesprächen wirklich angenehm. Streitgespräche werden mit dem iPhone Xr wohl ebenso intensiv ablaufen. Sowohl durch den kleinen Ohrmuschel-Lautsprecher als auch über die Lautsprecher-Funktion kommen Stimmen in fantastischer, natürlicher Qualität rüber. Hintergrundgeräusche werden ebenso perfekt herausgefiltert, ohne stumpfes Summen der Geräuschunterdrückung. Die maximale Lautstärke des Lautsprechers ist zudem so gut, dass sie auch auf der Autobahn als Freisprechfunktion genutzt werden kann. Das ist wirklich Telefonie in Perfektion.

Das iPhone Xr ist auf dem allerneusten Stand in Sachen WLAN und mobiles Internet. Auch die eSIM-Funktion spendiert Apple dem günstigeren LCD-Modell. Das Telefonieren macht dank sehr gutem Lautsprecher richtig viel Spaß.

Software und Multimedia: Apple beseitigt Kinderkrankheiten mit iOS 12.1

Kurz nach der Veröffentlichung des iPhone Xs und iPhone Xs Max wurden zwei Kinderkrankheiten der neuen Flaggschiffe recht schnell publik. Beautygate und Chargegate zogen ihre Kreise durch die Presse und waren ein gefundenes Fressen für Android-Jünger. Auch das iPhone Xr kommt zumindest ab Werk mit einem der Bugs: Beautygate. Wer mit dem frisch ausgeliefertem iPhone Xr ein Selfie machen möchte, wird schnell feststellen, dass die Haut ganz sachte wie glattgebügelt aussieht. Lange war nicht klar, ob Apple den permanenten Filter wirklich beabsichtigt auf die neue iPhone-Reihe gespielt hat. Jetzt steht jedoch fest: Beautygate ist wirklich ein Bug. Apple hatte den Fehler, der auf falsche Berechnungen und Belichtungsszeit von Smart HDR zurückzuführen war, mit iOS 12.1 beseitigt.

Seit dem 21. September 2018 liefert Apple das iPhone Xs und iPhone Xs Max aus. Nach einigen Tagen der Nutzung fielen die ersten Probleme auf. So machen die neuen iPhones einerseits zu schöne Selfies, andererseits gibt es Probleme beim Laden.

Trotzdem kennt man es von Apple nicht anders: Die Symbiose aus Hard- und Software ist auch beim iPhone Xr par excellence. iOS 12.1 macht Spaß – vor allem weil Features wie Memoji und FaceTime-Gruppenanrufe möglich sind. Apple hat zudem mit Apps wie „Bildschirmzeit“ oder das Maßband ganz neue Features gebracht. Apple spielt mittlerweile eine ganze Menge eigener Apps automatisch auf.

Neue Hintergrundbilder runden das Design auch innerlich ab

Dazu gehören neben den diversen Stores für Apps, Bücher, Musik und Co. auch Apple Wallet, Karten oder Pages. Vor ein paar Jahren lockerte Apple die Rechte des Nutzers und erlaubte das Löschen nahezu aller vorinstallierten Apps. So verhält es sich auch beim iPhone Xr.

Bloatware anderer Anbieter findet man bei der Installation des Handys vergebens. So hebt sich iOS einmal mehr von Android ab. Abstriche müssen iPhone Xr-Nutzer bei der Personalisierung des Smartphones machen: Schriftarten, Themes und andere optische Verschönerungen bietet das iPhone Xr unter iOS 12.1 nicht.

Mit den knallbunten Farbvarianten des iPhone Xr bringt Apple jedoch passende neue Hintergrundbilder. Den iPhone X exklusiven Klingelton „Reflexion“ gibt’s auch auf dem iPhone Xr. Wie bereits im oberen Abschnitt erwähnt, gefällt uns im Test des iPhone Xr ganz besonders der beeindruckende Lautsprecher. Filme ansehen, Musik hören und Telefonieren sind der reinste Genuss.

In Sachen Software und Multimedia ist das iPhone Xr auf dem neuesten Stand. Das Update für iOS 12.1 ist bereits ausgerollt worden und behebt den Kamera-Fehler „Beautygate“. Apple zeigt einmal mehr, wie viele Vorteile es bringt, wenn Software und Hardware aus einer Schmiede kommen.

iOS 12.1 ist ebenfalls nach der Apple Keynote veröffentlicht worden. Allerdings scheint der Lockscreen noch einen Fehler zu haben, der Deine gesamte Kontaktliste offenlegen kann. Man kann sich aber auch selbst davor schützen.

Sensoren und Schnittstellen: Alles beim Alten

Die Zeichen stehen auf USB-C: Mit dem neuen iPad Pro 2018 hat Apple erstmals den beliebten Standard-Port an einem mobilen Gerät verbaut. Mit der Vorstellung des iPhone Xs war jedoch klar: Die iPhones werden zumindest in dieser Generation noch mit Apples uralt-Schnittstelle Lightning ausgestattet sein. So auch das iPhone Xr. Neben dem Apple-Port steht dem Smartphone zudem eine Induktionsspule für kabelloses Laden unter der Glasrückseite zur Verfügung. Eine Klinkenbuchse besitzt das iPhone Xr nicht – außerdem hat Apple dem Karton keinen Klinke-auf-Lightning-Adapter mehr beigelegt, der beim iPhone X noch Teil des Lieferumfangs war. Zudem müssen sich iPhone-Xr-Besitzer, die die Quick Charge-Funktion nutzen wollen, das entsprechende Netzteil samt USB-C-Lightning-Kabel nachkaufen. Apple legt dem iPhone Xr wie seinen teureren Geschwistern das Standard 5W-Netzteil bei.

Alle notwendigen Sensoren sind beim iPhone Xr allerdings an Bord. Bis auf einen, der jedoch dank superschnellem FaceID ohnehin überflüssig geworden ist: Ein Fingerabdrucksensor. Bewegungssensor, Schrittzähler und Gyroskop sind für ausführliches Fitness- und Gesundheitstracking an Bord. Der Lichtsensor regelt die Displayhelligkeit angepasst an das Umgebungslicht.

Kamera: Eine Linse im Jahr 2018?

Uff, da hat Apple sich etwas getraut: Ein Oberklasse-Smartphone im hochpreisigen Bereich mit nur einer Kameralinse, kann das gut sein? Wer Apples Ansprüche kennt, weiß schon die Antwort: Ja. Tatsächlich hat der Kamera-Test uns am meisten interessiert. Spannend ist hier vor allem die Frage, wie sich der durch Hilfe von Software berechnete Bokeh-Effekt im Vergleich zu den Dual-Kameras der iPhone Xs-Reihe schlagen wird. Die nackten Daten: Das iPhone Xr kommt mit einer 12 Megapixel Kamera mit ƒ/1.8 Blende, 5x digitalem Zoom und OIS. Zudem steht dem iPhone Xr wie den teureren 2018er Modellen auch das neue Smart HDR zur Verfügung, das dunkle und helle Bildbereiche deutlich detailreicher und rauschärmer darstellen soll.

Im Test hat das sehr gut funktioniert. Landschaftsaufnahmen sehen gut aus, das Ergebnis spiegelt die Realität wieder, anders als beispielsweise beim Huawei Mate 20 Pro, das atemberaubende Ergebnisse erzielt, die oft viel schöner aussehen als die Realität. Das schafft das iPhone Xr nicht. Die Ergebnisse der Fotos, die bei dunkleren Lichtverhältnissen entstehen, kommen ebenfalls nicht an die grandiose Leistung der neuen Triple-Kamera heran. Aber das ist auch nicht der Anspruch des iPhone Xr. Vielmehr ist die Kamera-Leistung mit nur einer Linse solide. Die Bilder können sich sehen lassen.

Bokeh-Effekt greift nur bei Menschen

Menschen fotografiert das iPhone Xr zudem wenn gewünscht mit tollem Bokeh-Effekt, der wie

beim iPhone Xs nachträglich oder schon während der Aufnahme in der Intensität eingestellt werden kann. Zahlreiche Filter runden die Apple-Kamera-Software ab. Die Konkurrenz bietet hier mittlerweile deutlich mehr. Richtig ärgerlich ist im Test aufgefallen, dass der Porträtmodus tatsächlich nur bei Menschen greift. Die KI im iPhone Xr erkennt Gesichter und menschliche Gestalten.

Wer den Porträtmodus auf einem Objekt wie einer Blume, Kerze oder einem Tier anwenden will, schaut in die Röhre. Das iPhone Xr weigert sich an dieser Stelle, wie der rechte Screenshot zeigt. Warum Apple diese Restriktion einbaut, die es beim iPhone Xs und iPhone Xs Max nicht gibt, ist noch nicht ganz klar. Ärgerlich ist das allerdings allemal. Davon abgesehen liefert die Kamera schöne Bilder mit satten Farben und tiefen Kontrasten:

Seflie-Kamera wie die Großen

Rundum zufrieden sind wir im Test mit der Frontamera des iPhone Xr. Die TrueDepth-Kamera sorgt nicht nur für superschnelles Entsperren per FaceID, sondern macht auch noch richtig schöne Selfies. Mittlerweile lässt sich auch an der Front der Bokeh-Effekt nachträglich oder während der Aufnahme regeln. Die gewohnten Bokeh-Effekte wie Studiolicht, Konturenlicht und Co. sind ebenfalls an Bord und lassen das Gesicht unterschiedlich Beleuchtet erscheinen. Beeindruckende Features wie das Rollo-Licht beim Mate 20 Pro fehlen hier jedoch. Dafür können sich die natürlichen Ergebnisse mit der 7 Megapixel Frontkamera des iPhone Xr mehr als sehen lassen. Die Ergebnisse haben wir in einer Galerie zusammengefasst:

Akku-Test: Es läuft und läuft und läuft…

2.942 mAh Strom fasst der Akku des iPhone Xr. Wie bereits dank LC-Display zu erwarten war, zeigt sich das Smartphone hier von seiner stärksten Seite. Kein anderes aktuelles iPhone hält so lange durch wie das iPhone Xr, trotzdem ist die Sparsamkeit des Handys nicht wirklich so spürbar, wie es in vielen Medienberichten den Anschein gemacht hatte. Das iPhone Xr hebt sich zwar intern von seinen Geschwistermodellen ab. Im Hersteller-Vergleich kann der Akku des LCD-Modells jedoch keinen Blumenpott gewinnen und zeigt sich im gewöhnlichen Mittelfeld. Der Akku-Test läuft 24 Stunden lang standardisiert ab und beinhaltet in der ersten achtstündigen Intensivphase die folgenden Disziplinen á 30 Minuten:

  • Telefonieren
  • 3D-Game spielen
  • HD-Film streamen
  • Musik streamen
  • Fotografieren
  • Surfen im Safari-Browser
  • Surfen in sozialen Netzwerken

Dabei ist das iPhone Xr mit einer freigeschalteten SIM-Karte ausgestattet und die meiste Zeit in ein WLAN-Netzwerk eingeloggt. Benachrichtigungen sind eingeschaltet und die Display-Helligkeit steht auf automatisch.

Ausdauerwunder mit aktuellen Akku-Features

Nur ganz langsam nahm das Batteriesymbol am oberen rechten Rand während der Testphase ab. Am meisten beanspruchte Super Mario Run den Akku des Smartphones. Hitzetechnisch zeigte es sich hier jedoch völlig unbeeindruckt, was dafür spricht, dass das iPhone Xr nicht auf Volllast läuft – was schlussendlich auch den Akku schont. Streamen von Videos oder Musik klaute dem Akku insgesamt nur acht Prozentpunkte. Ein großartiger Wert. Am Ende der acht Stunden standen noch 59 Prozent in der Akkuanzeige. Eine 16-stündige Standby-Phase, in der das Smartphone nicht aktiv bedient wurde, sondern lediglich in einem WLAN-Netzwerk eingeloggt war und Benachrichtigungen pushte, zeigte den Verlust von weiteren acht Prozentpunkten: Somit waren nach 24 Stunden noch 51 Prozent Akkuladung vorhanden. Das ist ein sehr guter Wert, unterscheidet sich jedoch nur marginal von den Ergebnissen des Akkutests des iPhone Xs Max.

Das iPhone Xr zeigt sich sehr ausdauernd und liefert im Akkutest gut ab. Bei aktiver Nutzung und auch im Standby beweist das Smartphone ein gutes Energiemanagement. Die Möglichkeit, das Smartphone kabellos und schnell zu laden, holt das Gerät zudem ins Jahr 2018.

Fazit des iPhone Xr: Das Volks-iPhone

Massentauglich ist das iPhone Xr aufgrund seines hohen Preises definitiv nicht. Nur im Vergleich kann man sagen, dass das iPhone Xr zu den günstigeren Oberklasse-Smartphones gehört. Das LCD-Modell der Notch-iPhones überzeugt im Test mit einem wunderschönen, makellos verarbeiteten Design in interessanter Farbgebung. Es liegt richtig schön in der Hand und zeigt eine Das iPhone Xr im Testperfektionierte Gewichtsverteilung. Die Benutzung macht im Alltag richtig viel Spaß und dürfte iPhone-X-Besitzer und iPhone 6s-Besitzer gleichermaßen erfreuen. Das Upgrade vom iPhone X aufs iPhone Xr lohnt sich allemal. Vor allem aufgrund der neuen Kamera-Funktionen wie Smart HDR oder veränderbare Bokeh-Intensität. Aber natürlich auch der Apple A12 Bionic zeigt sich im iPhone Xr als Leistungsmonster – trotz etwas kleinerem Arbeitsspeicher als in der Xs-Reihe.

Nach Manier eines großen deutschen Boulevard-Blatts könnte man das iPhone Xr als Volks-iPhone bezeichnen. Es liefert gut ab, bietet beinahe alle Funktionen wie die Luxus-iPhones und kommt zudem noch in einem fantastischen Design. Einbußen sind im Display festzumachen und in der Kamera-Software, die nur das Porträtieren von Menschen erlaubt. Wer lieber ein OLED-Display benutzen möchte und dafür mindestens 300 Euro mehr auf den Tisch blättern will, greift zum iPhone Xs. Wer mit dem besten LCD-Display auf dem Markt hantieren möchte, spart die Stange Geld und greift zum iPhone Xr.

Pro

  • Tolles Design mit vielen Farben
  • Günstiger als andere High-End-iPhones
  • Bokeh-Effekt trotz Einzellinse
  • FaceID und TrueDepth-Kamera
  • Aktuellstes iOS
  • Ausdauernder Akku

Kontra

  • LC-Display nicht ganz so scharf wie OLED
  • Porträtmodus der Hauptkamera nur auf Menschen anwendbar
  • Kein Schnellladegerät und Klinke-Adapter im Lieferumfang
  • Kein echtes Dual-SIM
  • Displayränder deutlich breiter als beim iPhone X / Xs

Alternativen zum iPhone Xr

In den eigenen Reihen suchen wir vergebens nach einer ebenbürtigen Alternative: Das iPhone X kommt dem wohl am nächsten, vor allem preislich gesehen. Das OLED-Display und die Dual-Kamera sind immer noch aktuell und bereiten Freude im alltäglichen Umgang. Wer auch ein Android-Smartphone als Alternative betrachten möchte, kommt nicht drumherum, sich das Huawei Mate 20 Pro anzusehen: Das aktuell beste Smartphone am Markt zu einem sehr ähnlichen Preis. Hier überzeugt das neue gebogene OLED-Display, das einen Ticken heller leuchten könnte. Dafür fungiert die KI-Triple-Kamera als hell leuchtendes Highlight.

Mit einem neuen KI-Chip und Triple-Kamera ausgestattet, beerbt das Huawei Mate 20 Pro seinen Vorgänger, das Mate 10 Pro. Ebenso will es mit innovativen Features wie dem Reverse Wireless Charging überzeugen. Ob dies gelingt, zeigt unser Testbericht.