Huawei P20 Pro im Test: 3 Linsen für das perfekte Bild | handy.de
Testbericht

Huawei P20 Pro im Test: 3 Linsen für das perfekte Bild

Das Spitzenmodell der P20-Serie im ausführlichen Test

Im ersten Halbjahr eines neuen Jahres gibt es bekannterweise einige Neuvorstellungen auf dem Smartphone-Markt. Den Anfang hat Samsung Ende Februar auf dem MWC mit dem Galaxy S9 und Galaxy S9+ gemacht. Nun hat Huawei Ende März in Paris nachgelegt und seine neue P20-Serie vorgestellt. Besonderes Augenmerk gilt in diesem Jahr dem Huawei P20 Pro, das als erstes Smartphone mit einer Triple-Kamera daherkommt. Wie gut diese Triple-Kamera tatsächlich ist, und ob das neue Edel-Smartphone aus China auch in den anderen Kategorien zu überzeugen weiß, zeigt der ausführliche Testbericht von handy.de.

Design und Verarbeitung

Mit der P- und der Mate-Serie zeigt Huawei schon länger, dass man in der Luxus-Klasse von Apple und Samsung in Sachen Design und Verarbeitung mithalten kann. Auch die neue P20-Serie zeigt sich wieder makellos und sehr hochwertig verarbeitet. Wie auch beim iPhone X oder beim Galaxy S9, setzt auch Huawei beim P20 Pro in diesem Jahr auf eine glänzende Glasrückseite. In den Farben Blau, Twilight oder Schwarz schimmernd und spiegelnd, ist diese auf jeden Fall ein echter Eye-Catcher – aber leider ebenso auch ein Fingerabdruck-Catcher. Nach wenigen Sekunden sammeln sich die eigenen Fingerabdrücke auf der Rückseite. Ein Problem, das jede Glasrückseite mit sich bringt. Beim Vorjahresmodell –  dem P10 / P10 Plus – hatte Huawei noch auf eine Metall-Rückseite gesetzt.

Rückseite des Huawei P20 Pro in BlauQuelle: Katharina Schell / handy.de

Aus Metall ist beim P20 Pro nur noch der Rahmen, der dem P20 Pro ein stabiles Gerüst verleiht und es dank der abgerundeten Kanten gut in der Hand liegen lässt – trotz des 6,1 Zoll großen Bildschirms. Positiv ist zudem, dass das P20 Pro nicht nur schick aussieht, sondern auch nach IP67-Zertifzierung vor Wasser und Staub geschützt ist. Ein kurzes Untertauchen (bis 30 Minuten, max. 1,5 Meter Tiefe in Süßwasser), ein heftiger Regenschauer oder ein umgekipptes Wasserglas machen dem chinesischen Top-Smartphone nichts aus.

Trend 2018: Notch im Display

In Kombi mit dem abgerundeten Design, der Glasrückseite, der Kameraanordnung und der Notch im Display erinnert es optisch somit am meisten an das aktuelle Spitzenmodell aus dem kalifornischen Cupertino. Die Display-Aussparung, auch Notch genannt, findet man bei der P20-Serie zum ersten Mal bei einem Huawei-Smartphone wieder. Das Display kommt nahezu rahmenlos daher, am unteren Rand lässt Huawei Platz für den oval-förmigen Fingerabdruckscanner. Während Apple beim iPhone X komplett auf einen Fingerabdrucksensor verzichtet, Samsung diesen seit dem Galaxy S8 auf der Rückseite untergebracht hat, bleibt Huawei dem Sensor im Home-Button treu. Dort ist er gut mit dem Daumen zu erreichen.

Home-Button / Fingerabdruckscanner beim Huawei P20 ProQuelle: Katharina Schell / handy.de

Und auch bei der Anordnung der drei Linsen besteht eine gewisse Ähnlichkeit zum iPhone X – zumindest hinsichtlich der vertikalen Anordnung auf der linken Seite und der Tatsache, dass die Linsen aus dem Gehäuse hervorragen.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist das Fehlen des klassischen Kopfhöreranschlusses. Wie bereits beim Mate 10 Pro, verzichtet Huawei auch beim P20 Pro auf den 3,5 mm-Klinkenanschluss. An der Unterseite befindet sich lediglich ein USB-Typ-C-Anschluss. Über diesen kann mit den mitgelieferten Kopfhörern Musik gehört oder das Handy per Netzstecker aufgeladen werden. Für alle, die bereits einen guten Kopfhörer mit Klinkenanschluss besitzen, legt Huawei einen Adapter dem Lieferumfang bei.

USB Typ C beim Huawei P20 ProQuelle: Katharina Schell / handy.de

Alles in allem ist das Huawei P20 Pro ein echter Hingucker! Besonders die Farbe Twilight schimmert je nach Lichteinfall mal stärker Lila, mal stärker Grün oder Blau. Die hochwertige Verarbeitung aus Glas und Metall unterstützt den edlen Eindruck vom Gerät, das auch sehr gut in der Hand liegt.

Display

Mit der Displaydiagonale von 6,1 Zoll fällt der Bildschirm des Huawei P20 Pro etwas größer als der des P20 mit 5,8 Zoll aus. Zudem setzt Huawei beim Pro-Modell zum ersten Mal auf ein OLED-Display. Und das kann sich sehen lassen: Beeindruckende Schwarzwerte, die Schwarz auch aus unterschiedlichen Blickwinkeln noch richtig Schwarz wirken lassen. Auch in Sachen Farbdarstellung und Helligkeit lässt das OLED-Display kaum Wünsche offen.

Wieder gemeinsam hat das Pro-Modell mit dem normalen P20 die Full-HD+-Auflösung von 2.240 x 1.080 Pixeln. Beim P20 Pro ergibt dies eine Pixeldichte von 407 ppi. Natürlich gibt es im Jahr 2018 längst Smartphones, die eine weitaus höhere Auflösung besitzen wie zum Beispiel das Galaxy S9. Dennoch bietet das FHD+-Display seinem Nutzer alles, was das menschliche Auge in der Lage ist zu erfassen.

Selbst an Leute, die keine Fans einer Display-Notch sind, hat Huawei gedacht. In den Einstellungen kann der Nutzer den Ausschnitt „verbergen“, sodass das Display bündig abschließt. Die Displayteile rechts und links neben der Notch werden dann Schwarz eingefärbt. Ohnehin dunkelt das System diese Bildschirmteile automatisch bei der Wiedergabe von Videos oder beim Betrachten von Fotos ab, sodass einem ungestörten Mediengenuss nichts im Wege steht.

Notch beim Huawei P20 ProQuelle: Katharina Schell / handy.de

Eine sehr versteckte weitere Display-Funktion ist das Always-On-Display. Denn diese findet man nicht etwa in den Display-Anzeigeeinstellungen, sondern unter Einstellungen -> Sicherheit und Datenschutz -> Bildschirmsperre und Passwörter. Hierbei handelt es sich um eine einfache Anzeige der Uhrzeit, des Datums und des Akkustands im ausgeschalteten Bildschirms. Weitere Anzeigeoptionen werden dem Nutzer nicht angeboten. Somit können auch Benachrichtigungen dort nicht angezeigt werden. Es bleibt abzuwarten, ob Huawei diese Funktion noch stärker, wie beispielsweise Samsung, ausbaut.

Satte Schwarzwerte, tolle Kontraste und ein großes Infinity-Display mit trendiger Notch. Dem Display des P20 Pro kann man nur ankreiden, dass es nicht in Quad-HD, sondern „nur“ in Full-HD+ auflöst. Für das menschliche Auge ist dies aber kaum erkennbar und sorgt im Gegenzug auch für eine längere Akkulaufzeit, die man als Mensch durchaus bemerkt.

Technische Ausstattung

Angetrieben wird das Huawei P20 Pro von einem alten Bekannten, dem Kirin 970, den Huawei bereits beim Mate 10 Pro verbaut hat. Dieser ist mit seinen acht Kernen und den satten 6 GB Arbeitsspeicher, die ihm zur Seite stehen, nicht nur besonders leistungsstark. Er ist auch sehr intelligent und lernt mit der Zeit dazu. Dafür sorgt die NPU (Neural Processing Unit), Huaweis intelligenter Subprozessor, der speziell für Aufgaben der Künstlichen Intelligenz entwickelt wurde.

Wie macht sich die NPU im Alltag bemerkbar? Zum einen sorgt sie für bessere Bilder, doch dazu mehr im Kamerateil. Zum anderen lässt sie aber Apps, die der Nutzer oft benutzt, schneller öffnen. Das ermöglicht nicht nur eine effiziente Benutzung ganz nach dem Benutzerverhalten, sondern auf Dauer auch eine längere Akkulaufzeit. Richtig bemerkbar macht sich das ganze also erst nach ein paar Tagen Benutzung. Dann konnte der Prozessor genügend Informationen über das Benutzerverhalten sammeln und seine Ressourcen entsprechend einteilen.

Beim Mate 10 Pro klappt dies bereits hervorragend. Bis zum Test des Huawei P20 Pro hatte ich, als Autorin dieses Tests, das Mate in Benutzung. Apps die ich jeden Tag benutze wie WhatsApp oder den Chrome Browser, öffnen stets ohne Verzögerung und die Akkulaufzeit ist wirklich beträchtlich. Als Normalnutzer schaffe ich es mit dem Mate 10 Pro problemlos auf gut zwei Tage Laufzeit. Auf Basis meiner sechsmonatigen Erfahrung mit dem Mate 10 Pro, gehe ich also derzeit davon aus, dass dieser Effekt auch beim P20 Pro im Laufe der nächsten Tage einsetzen wird.

Nicht in allen Benchmark-Tests auf Platz 1

Neben dem subjektiven Empfinden, dass es sich beim Kirin 970 um ein echtes Multitasking-Monster handelt, verstärken dies aber auch diverse Benchmarktests.

Im bekannten AnTuTu-Benchmark-Test erzielt das P20 Pro beispielsweise beeindruckende 211.099 Punkte. Wie zu erwarten, ist es damit auf Augenhöhe mit dem Mate 10 Pro (213.133 Punkte) oder dem Honor V10 (213.381 Punkte). Geschlagen geben muss sich das Huawei P20 Pro jedoch gegenüber dem Galaxy S9+, das im handy.de-Test einen Wert von 239.138 Punkten schaffte.

Quelle: Katharina Schell / handy.de

 

 

Quelle: Katharina Schell / handy.de

Im Geekbench 4.2-Test erzielt das P20 Pro 1.918 im Single-Core und 6.835 Punkte im Multi-Core-Score. Es ist damit auf Augenhöhe mit dem Galaxy Note 8, aber das Galaxy S9+ rennt mit 3.747 und 8.868 Punkten auch hier allen davon.

Auch die Werte des Gaming-orientierten Benchmark interessieren. Im Sling Shot Extreme Vulkan stößt das P20 Pro das Galaxy S9+ (2.955 Punkte) mit 3.380 Punkten vom Thron. Das Ergebnis ist besser als 98 Prozent aller anderen bisherigen Resultate (Stand 04.04.2018). Beim Sling Shot Extreme – OpenGL ES 3.1 knackt das P20 Pro hingegen so gerade die 3.000er-Marke und ist damit “nur“ 87 Prozent besser als andere bisherige Resultate.

Quelle: Katharina Schell / handy.de
Quelle: Katharina Schell / handy.de

Großer Speicherplatz – aber nicht erweiterbar

Mit 128 GB internen Speicher bietet das Huawei P20 Pro einen sehr großen internen Speicher. Allerdings ist dieser, wie bereits beim Mate 10 Pro, nicht erweiterbar. Besitzer müssen mit diesem Speicherplatz gut haushalten. In der Regel sollten aber die meisten Nutzer damit ohne Probleme auskommen – auch bei einer größeren Foto- oder Musiksammlung. Dennoch bleibt die fehlende Erweiterungsmöglichkeit ein Punkt, den man sich bei einem Oberklasse-Handy für rund 800 Euro auf jeden Fall gewünscht hätte.

Ein rasend schneller und zeitgleich intelligenter Prozessor, der das Nutzerverhalten studiert und ein 6 GB großer Arbeitsspeicher machen das P20 Pro zu einem leistungsstarken Multitasking-Monster, das sogar jeden Tag noch ein bisschen besser wird. Als Manko bleibt der nicht erweiterbare Speicher.

Telefonie und Internet

Natürlich darf auch die grundlegendste Funktion eines Smartphones nicht unterschätzt werden: Das Telefonieren. Im Rahmen unseres Akkutests haben wir mit dem P20 Pro auch eine halbe Stunde im Telefónica-Netz telefoniert. Beide Gesprächspartner haben sich gegenseitig gut und deutlich verstehen können. Auch ein Telefonieren über die Freisprechfunktion war möglich, wenn auch der Nutzer des P20 Pro für den anderen Gesprächsteilnehmer etwas hallend wirkte.

Nutzt man das P20 Pro im heimischen oder fremden WLAN, so ist dies im Gigabit-Standard 802.11 a/b/g/n/ac möglich. Mobil surft es sich mit dem P20 Pro ebenfalls sehr schnell mit bis zu 1,2 Gigabit pro Sekunde – wenn das Mobilfunknetz dazu in der Lage ist. In Deutschland ist das jedenfalls noch nicht der Fall. Theoretisch wäre es mit dem P20 Pro aber möglich.

Zudem ist das P20 Pro Dual-SIM-fähig. Beide Nano-SIM-Kartenschächte unterstützen LTE und sind damit perfekt geeignet für alle, die zum Beispiel gerne ihre berufliche und private Mobilfunknummer in einem Gerät vereinen.

Schnelle Surfgeschwindigkeiten und die Dual-SIM-Funktion lassen keine Wünsche offen.

Software und Multimedia

Top-Aktuell: Android 8.1 Oreo mit EMUI 8.1

Auf dem neusten Stand ist das P20 Pro nicht nur in Sachen Design, Technik und Kamera, sondern auch bei der Software. Mit Android 8.1 Oreo als installiertes Betriebssystem setzt Huawei auf die derzeit aktuellste Version des Google Betriebssystems. Entsprechend auf dem neusten Stand ist auch die hauseigene Benutzeroberfläche EMUI 8.1. Apps werden, wie beim iOS-Betriebssystem, nach der Installation direkt auf den Startbildschirmen platziert. Neben den vorinstallierten Standard-Google und Huawei-Apps, findet man auch bekannte Apps wie Facebook oder Instagram bereits vorinstalliert. Apps, die bei einem Großteil der Nutzer sicher ohnehin auf dem Handy gelandet wären. Unter den Top-Apps findet man aber leider auch Booking.com, Ebay und Netflix. Falls nicht benötigt, lassen sich diese aber problemlos löschen.

Insgesamt wirkt das Design sehr aufgeräumt und übersichtlich, auch wenn sich immer mehr Zusatz-Funktionen in den Einstellungen verstecken. Mit an Bord ist auch der Google Assistent, der aber leider nicht funktioniert, wenn man das Gerät nicht entsperrt. Zudem bietet das P20 Pro einen PC-Modus mit dem die Inhalte des Smartphones schnell an einem Fernseher oder Bildschirm betrachtet werden können.

Die KI sorgt mit Dolby für guten Sound

Während Audio-Enthusiasten aufgrund der Tatsache, dass dem P20 Pro eine 3,5-mm-Audiobuchse fehlt, vermutlich schon das P20 Pro abgeschrieben haben, sollte dieser Entschluss nicht voreilig gefällt werden. Denn die Stereo-Lautsprecher des P20 Pro können sich tatsächlich gut hören lassen. Musste man vor gut zwei Jahren bei den meisten Smartphones noch die Flucht ergreifen, wenn man diese vorrübergehend zur musikalischen Untermalung einsetzte, so sieht das bei vielen Stereo-Lautsprechern, die wie jene des P20 Pro Dolby-Unterstützung besitzen, ganz anders aus. Laut eigenen Aussagen von Huawei nutzt das P20 Pro in Partnerschaft mit Dolby die KI, um festzustellen, welche Art von Audio gerade angehört wird und passt die Wiedergabe entsprechend an, um für ein optimales Hörerlebnis zu sorgen.

Die mitgelieferten In-Ear-Kopfhörer lassen sich per USB Typ-C-Anschluss an das Huawei P20 Pro anschließen. Der Sound ist für einen mitgelieferten Standard-Kopfhörer zufriedenstellend, jedoch ist der Tragekomfort wohl nicht bei jeder Ohrform auf Dauer gegeben. Eine Anpassung durch wechselbare Ohradapter ist nicht möglich. Da es noch nicht wirklich viele Kopfhörer mit USB-Typ-C-Anschluss gibt, werden wohl klassische Klinken-Kopfhörer oder Bluetooth-Kopfhörer hier sehr beliebt sein.

Sensoren und Schnittstellen

Der wohl wichtigste Sensor beim Huawei P20 Pro ist der Fingerabdrucksensor im Home-Button auf der Vorderseite. Dieser entsperrt sicher und rasend schnell innerhalb von weniger Zehntelsekunden. Es genügt sogar, nur einen Teil der Fingerkuppe aufzulegen und schon hält man ein entsperrtes P20 Pro in den Händen. Doch damit nicht genug. Denn der Fingerabdruckscanner kann auch zur Steuerung genutzt werden, wenn man auf die standardmäßig voreingestellten On-Screen-Tasten verzichten möchte. Mit dem Home-Button kann zum Beispiel zurück oder zum Home-Screen navigiert werden. Ein Wisch nach links oder rechts öffnet eine Übersicht der zuletzt geöffneten Apps. Streicht man nach oben, gelangt man zum Google Assistant.

Nicht nur per Fingerabdruck, sondern auch mit dem Gesicht kann das Gerät entsperrt werden. Anders als Apple nutzt Huawei hier aber nur die normale Frontkamera, eine deutlich sichere Face-ID-Kamera fehlt. Im Test genügte ein einfaches Selfie auf einem anderen Smartphone um das  Huawei P20 Pro zu entsperren. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte daher lieber auf den Fingerabdruckscanner oder den altbewährten Code setzten.

Face Unlock im Huawei P20 Pro funktioniert angeblich viel besser als Apples Face ID im iPhone X. Dass das Feature selbst in einem teuren Flaggschiff immer noch höchst unsicher angeboten wird, wollen wir nun einmal zur Diskussion stellen.

Entscheidet man sich trotz der Sicherheitsbedenken für das Entsperren per Face Unlock, so funktioniert dies sehr schnell. Man kann zwischen zwei Varianten wählen: Das Handy entsperrt sofort, sobald man es vor das Gesicht hält oder erst nachdem eine Wischgeste von unten nach oben getätigt wurde. Im Test hat sich die zweite Variante als die sicherere herausgestellt. So geht man sicher, dass man das Handy nicht aus Versehen entsperrt.

Außerdem verfügt das P20 Pro noch über die folgenden Sensoren und Schnittstellen: Bluetooth 4.2, NFC, GPS, Glonass und Beidou.

Der wohl schnellste und sehr gut platzierte Fingerabdruckscanner konnte im Test überzeugen. Fehlerhafte Scans gab es keine. Leider ist die Entsperrmethode Face Unlock sehr unsicher und einem Flaggschiff nicht würdig. Da der Fingerabdruckscanner aber überragend schnell funktioniert, sollte man die Gesichtserkennung einfach ignorieren.

Kamera

Die Kamera oder besser Kameras, sind wohl das Herzstück des Huawei P20 Pro. Im Kamera-Test von DxOMark rennen das P20 Pro und P20 dem Galaxy S9+ davon und belegen Platz 1 und Platz 2. Beim P20 Pro verbaut Huawei in erneuter Kooperation mit dem deutschen Kameraspezialisten Leica gleich drei Kameralinsen auf einmal. Zum einen gibt es einen Monochrom-Sensor mit 20 Megapixeln und einer f/1.6-Blende, einen RGB-Sensor mit 40 Megapixeln und einer f/1.8-Blende sowie das 8-Megapixel-Teleobjektiv mit f/2.4-Blende und 5x Hybrid-Zoom. Doch wie funktioniert dieses beeindruckende Kamerasystem eigentlich und was macht die einzelnen Linsen so besonders?

Vorweg muss gesagt werden, dass bei der 40-Megapixel-Kamera vier Sub-Pixel zu einem virtuellen und deutlich größeren Pixel umgerechnet werden, sodass es genau genommen eine 10-Megapixel-Kamera ist. Gemeinsam mit der lichtempfindlichen f/1.8-Blende sollen vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen oder auch nachts sehr gute Fotos gelingen. Huawei verspricht weniger Bildrauschen, weniger Körnigkeit, mehr Details und einen höheren Kontrast. Und tatsächlich können sich die Aufnahmen, die wir mit dem P20 Pro sowohl in Paris als auch während des Tests in meiner Heimatstadt Düsseldorf gemacht haben, wirklich sehen lassen.

Foto Nummer eins zeigt eine Häuserreihe mit blauem Himmel. Bei der Aufnahme hat die NPU des Kirin 970 den blauen Himmel als solches erkannt, den Weißabgleich und weitere Kameraeinstellungen entsprechend angepasst und das Bild automatisch dem Motiv entsprechend optimiert. Herausgekommen ist ein Bild, das auch in den Details sehr gut ist. So sind die einzelnen Äste und selbst die runden Platanen-Nüsse des Baums deutlich zu erkennen. Auch die spiegelnde Oberfläche der Gehry-Bauten fängt die Kamera naturgetreu ein, ohne dabei Abstriche im Hintergrund zu liefern. Auch der blaue, mit leichten Schleierwolken verhangene Himmel kann überzeugen.

Gehry-Bauten am Düsseldorfer Medienhafen - aufgenommen mit dem Huawei P20 ProQuelle: Katharina Schell / handy.de

Guter Bokeh-Effekt

Auch bei Nahaufnahmen zeigt die 40-Megapixel-Kamera gemeinsam mit dem 20-MP-Monochrom-Sensor ihr Können. Der Fokus bei diesem Beispielbild liegt auf einer einzelnen Kirschblüte, während die restlichen Blüten im Hintergrund dank Bokeh-Effekt künstlerisch verschwommen daherkommen. Die Farben sind satt und sehr kontrastreich. Das zeigt auch das Bild mit den Früchten und dem Gemüse sehr gut. Bei den Aufnahmen von Essen, Landschaften oder Tieren erkennt die künstliche Intelligenz des Prozessors übrigens den Bildinhalt nun noch besser. Sie unterscheidet zum Beispiel, ob man einen Schäferhund oder einen Pudel fotografiert, und setzt die Kontraste bei einer Pizza anders als bei einem Dessert. Das jeweilige Motiv wird dem Nutzer unten links vor dem Fotografieren angezeigt.

Kirschblüten Nahaufnahme aufgenommen mit dem Huawei P20 ProQuelle: Katharina Schell / handy.de
Obst und Gemüse Nahaufnahme aufgenommen mit dem Huawei P20 ProQuelle: Katharina Schell / handy.de

Zoomen wie ein Profi

Das oben erwähnte 8-Megapixel-Teleobjektiv sorgt dafür, dass der Nutzer bestimmte Details näher heranholen kann, ohne dass die Qualität dabei verloren geht. Dafür sorgt der sogenannte 5x Hybrid-Zoom. Dieser besteht aus einem dreifachen optischen und einem zweifachen elektronischen Zoom. Wir haben den Zoom an zwei Objekten getestet. Das erste Bild zeigt die Standard-Perspektive ohne Zoom, die zweite mit 3x Zoom und die dritte Aufnahme den 5x Zoom. Die Lichtverhältnisse waren hier nicht immer die besten und dennoch sind auch bei den Zoom-Bildern sehr viele Details zu erkennen. Beim Fernsehturm sind es zum Beispiel die einzelnen kleinen Funk-Maste und Fenster.

Die nachtaktive Kamera

Spannend wird es aber auch, wenn man sich den Nachtmodus beim P20 Pro anschaut. Ohne Stativ bekommt eine Smartphone-Kamera eine abendliche oder nächtliche Kulisse nur äußerst schwer wackelfrei eingefangen. Doch auch hier setzt Huawei auf die KI, die die menschlichen Verwackler bei der Aufnahme mit einberechnet. Erstellt man ein Foto im Nacht-Modus mit Langzeitbelichtung, nimmt das P20 Pro sechs Sekunden lang Bilder auf und kombiniert sie zu einem Foto. Dank der lichtempfindlichen Blende schafft es die Kamera hier, mehr Licht einzufangen als das menschliche Auge wahrnimmt. Die Nacht-Aufnahmen, wie diese Aufnahme aus Paris vor dem Louvre, die ich mit dem P20 Pro gemacht habe, sind die bisher besten Nachtaufnahmen, die ich ohne Stativ geschossen habe. Auch die Aufnahme des Lagerfeuers zeigt die Stärken der Kamera bei dunklen Lichtverhältnissen.

Louvre in Paris bei NachtQuelle: Katharina Schell / handy.de
Lagerfeuer aufgenommen mit dem Huawei P20 ProQuelle: Katharina Schell / handy.de

Portraits und Selfies wie im Studio

Ähnlich wie Apple beim iPhone X, bietet nun auch Huawei mit dem P20 Pro einen speziellen Portraitmodus an. Sowohl mit der Rück-, als auch mit der Frontkamera kann zwischen verschiedenen Portrait-Modi gewählt werden. Zur Auswahl stehen: Weiche Beleuchtung, Butterfly-Lightning, Geteilte Beleuchtung, Bühnenbeleuchtung und Classic Lightning. Während die ersten drei Modi vor allem auf die Art der Beleuchtung abzielen, kommt die Bühnenbeleuchtung dem Bühnenlicht von Apple sehr nah. Das Gesicht wird farbig und scharf dargestellt, während der Hintergrund komplett schwarz eingefärbt ist. Classic Lightning ist ein Schwarz-Weiß-Modus. Hat man ein Portrait in einem bestimmten Modus aufgenommen, kann das Portrait auch nachträglich noch auf einen anderen Modus umgewandelt werden. Dafür genügt ein Klick auf die 3D-Kugel und schon kann man auf einen Modus wechseln. Das geht beliebig oft.

Selfie im Portraitmodus weiche Beleuchtung..

Butterfly- Portraitmodus

Portraitmodus Bühnenbeleuchtung

Ebenso hatten wir als Pressevertreter in Paris nach dem Launch-Event der neuen P20-Serie die Zeit für einen kleinen Foto-Workshop mit dem P20 Pro. Im Kurs „Portraitfotografie“ hatten wir das Glück, dass wir uns nicht gegenseitig fotografieren mussten, sondern Workshop-Leiter und Fotograf Christoph Gellert gab uns Tipps zum Fotografieren mit dem Profi-Model Lara Vogel. In einem sehr dunklen aber durchaus sehr gemütlichen Raum mit nur vereinzelten Lichtquellen begann das Shooting. Auch wenn es auf den Fotos nicht so rüberkommen mag, war es im Raum deutlich dunkler. Alle Beispielfotos sind unbearbeitet und im automatischen Portraitmodus aufgenommen.

Videos mit 960 fps

Samsung und Sony haben es vorgemacht, Huawei zieht nach. Mit dem P20 Pro können ebenfalls Zeitlupenvideos mit 960 Bildern pro Sekunde aufgenommen werden. Leider lässt sich diese Momentaufnahme nicht timen. Es bedarf also etwas Übung bis man ein Gefühl für den richtigen Moment bekommt. Bei dem Beispielvideo vom Osterfeuer ist dies nicht sonderlich schwer, bei einem Sprung-Video hingegen schon.

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Die drei Kameras sprechen für sich: Das P20 Pro ist zurecht der aktuelle Sieger im DxOMark-Test. Die Test-Fotos zeigen eine beindruckende Qualität in ganz unterschiedlichen Bedingungen und Situationen. Vom Portrait, der nächtlichen Landschaftsaufnahme, Zoomen ohne Qualitätsverlust bis hin zu tollen Zeitlupenvideos bietet das P20 Pro alles was das Foto-Herz im Jahr 2018 begehrt. Auf den Trend von animierten 3D- oder AR-Emojis springt Huawei jedoch nicht auf.

Akku

Wie auch schon beim Galaxy S9+ und S9, haben wir auch das P20 Pro einem harten Akkutest unterzogen. Huawei selbst gibt an, dass das P20 Pro mit der Akkulaufzeit vom Mate 10 Pro mithalten kann. Die Mate-Serie ist seit jeher für ihre sehr gute Akkulaufzeit bekannt.

Für den achtstündigen Hardcore-Akkutest haben wir mit dem P20 Pro jeweils eine halbe Stunde ein HD-Video per Netflix, Musik per Spotify gestreamt, ein 3D-Game gezockt, Social-Media-Kanäle gecheckt, im Browser gesurft, telefoniert und eine halbe Stunde Fotos und Videos für Testaufnahmen gemacht. Zwischendurch wurde das Gerät immer wieder in die Hand genommen um Funktionen zu prüfen, die für den Test relevant sind. Ebenso war die Displayhelligkeit automatisch reguliert, Bluetooth und GPS sowie Push-Mitteilungen für die gängigen Social-Media-Dienste und Gmail aktiv. Nach diesen acht Stunden zeigte der 4.000 mAh große Akku noch stolze 46 Prozent an. Zum Vergleich: Der 3.500-mAh-Akku vom Galaxy S9+ zeigte nach dem gleichen Test nur noch 27 Prozent an.

Quelle: Katharina Schell / handy.de
Der Akkuverbrauch nach 8 Stunden..

Quelle: Katharina Schell / handy.de
Der Bildschirm saugt am meisten Strom.

Auf den anstrengenden 8-Stunden-Test folgte eine 16-stündige Standby-Phase. Während der Akku des S9+ bereits nach 22 Stunden Laufzeit das Wettrennen verließ, erweckten wir das P20 Pro nach der insgesamt 24-stündigen Testphase mit einem stolzen Akkustand von 29 Prozent.

Quelle: Katharina Schell / handy.de
Nach genau einem Tag HardcoreTest waren noch 29 Prozent Akkuleistung übrig.

Quelle: Katharina Schell / handy.de
Das Display bleibt der größte Energiefresser.

Einziger Manko beim 4.000 mAh starken Akku bleibt somit die Tatsache, dass er nicht drahtlos aufgeladen werden kann. Per USB-Typ-C-Kabel kann das P20 Pro dank SuperCharge-Funktion jedoch sehr schnell wieder aufgeladen werden. Zudem ist davon auszugehen, dass die bereits sehr gute Akkulaufzeit nach einiger Zeit der Benutzung noch besser wird. Dafür wird die NPU des Kirin 970 sorgen, die das Nutzungsverhalten analysiert und die Ressourcen entsprechend optimiert.

Huawei scheint das Versprechens eines Mate-Akkus in der P-Serie eingehalten zu haben. Die Akkuwerte sind absolute Oberklasse. Ein normaler Nutzer sollte durchaus zwei Tage mit dem Akku haushalten können. Zudem lernt er täglich dazu und passt sich dem eigenen Nutzungsverhalten an.

Fazit

Im Vorfeld hatte Huawei darum gebeten “zu warten“ um “mehr zu sehen“. Die Renaissance der Fotografie stünde bevor. Nun haben alle nach dem Galaxy S9 auf die neue P20-Serie gewartet und es lässt sich feststellen: Das Warten hat sich gelohnt. Mit dem P20 Pro hat Huawei ein echtes Meisterwerk in Sachen Smartphone-Fotografie geschaffen und ist auf die Bedürfnisse der Handy-Nutzer eingegangen. Fotos bei schlechten Lichtbedingungen gelingen nur schwer? Der Akku ist schnell leer? Apps öffnen verzögert? Probleme über die viele Nutzer klagen, die das Huawei P20 Pro aber allesamt behebt.

handy.de Testsiegel für das Huawei P20 Pro

Gleichzeitig lernt der intelligente Prozessor mit der Zeit dazu, arbeitet effizienter und das macht sich auch bei der Akkulaufzeit bemerkbar. Ist man auf der Suche nach einem Oberklasse-Smartphone mit einer sehr guten Akkulaufzeit und Kamera, so ist das P20 Pro die beste Wahl die man derzeit (April 2018) treffen kann.

Als Käufer sollte man sich jedoch über die vier eher kleineren Knackpunkte, die das P20 Pro ebenfalls besitzt, bewusst sein: Ein Quad-HD-Display gibt es hier nicht (dafür ein Full-HD+ Display, das weniger am Akku nagt), der 128 GB große Speicher ist nicht erweiterbar, der Akku nicht kabellos ladbar und ein 3,5-mm-Kopfhöreranschluss fehlt ebenfalls. Kann man auf diese Features verzichten, wird das P20 Pro mit seinem eleganten und hochwertigen Design seinen Käufer nicht nur optisch, sondern auch technisch begeistern.

Pro

  • Leistungsstarker und intelligenter Prozessor, der dazu lernt
  • Drei Kameralinsen, die die Kamera des P20 Pro zur Besten auf dem Markt machen
  • Sehr gute Akkulaufzeit
  • Schickes und hochwertiges Design in spannenden Farben
  • Neuste Android-Version
  • Ultraschneller und gut platzierter Fingerabdruckscanner

Kontra

  • Keine Möglichkeit zur Speichererweiterung
  • Kein 3,5mm-Kopfhöreranschluss
  • Nicht kabellos ladbar
  • Kein Quad-HD-Display
  • Unsichere Entsperrmethode “Face Unlock“

Alternativen

Auch wenn das P20 pro sein Geld wert ist, sind 799 Euro sind durchaus eine Hausnummer, die Huawei für das P20 Pro als unverbindliche Preisempfehlung fordert. Manch einem mag dies zu viel sein oder vielleicht ist es auch die fehlende Möglichkeit zur Speichererweiterung oder zum kabellosen Laden. Drei gute Alternativen stellen wir an dieser Stelle vor.

Huawei Mate 10 Pro

Am ähnlichsten ist das Mate 10 Pro dem P20. Es besitzt ebenfalls den Kirin 970 als Prozessor, 6 GB RAM, ein ähnlich großes, nahezu rahmenloses Display (jedoch keine Notch) und auch Dual-Kamera mit Leica-Technik ist an Bord. Auf die dritte Tele-Objektiv-Linse muss man hier zwar verzichten, dafür ist das Mate 10 Pro bereits ab 579 Euro auf Ebay und ab 652 Euro bei diversen Online-Shops erhältlich.

Nach der Vorstellung des Huawei P20 Pro stellt sich die Frage: Lohnt sich die Investition in das neueste Flaggschiff-Modell oder reicht vielleicht auch der Vorgänger Mate 10? Wir listen die größten Unterschiede auf und helfen bei der Entscheidung.

Samsung Galaxy S9+

Nicht günstiger, sondern eher etwas teuer ist das Galaxy S9+ als Alternative. Ab 789 Euro bei Ebay und ab rund 850 Euro bei seriösen Online-Händler zu finden, bietet das Galaxy S9+ eine ähnlich starke Kamera und einen ebenso schnellen Prozessor. Im Vergleich zum P20 Pro besitzt es jedoch einen erweiterbaren Speicher, einen Kopfhöreranschluss, ein Quad-HD-Display und ist auch kabellos aufladbar. Das höher auflösende Display beansprucht dafür den Akku stärker, der mit 3.500 mAh auch 500 mAh kleiner als der des P20 Pro ausfällt.

Auf dem MWC 2018 zog Samsung mit dem Galaxy S9 und S9+ alle Blicke auf sich. Ab Mitte März sind die beiden Topmodelle in Deutschland verfügbar. Doch wie gut schlägt sich das Galaxy S9+ im Test? Wir haben das größere Modell mit Dual-Kamera getestet.

Huawei P10 Plus

Die deutlich günstigere Alternative ist das P10 Plus aus dem Vorjahr. Das P10 Plus ist mit 5,5 Zoll etwas kleiner als das P20 Pro, bietet dafür aber eine Quad-HD-Auflösung, 6 GB RAM wie das P20 Pro und auch 128 GB internen Speicher, der erweiterbar ist. Verzichten muss man auf das FullView-Display mit Notch, den neuen Kirin 970 mit NPU und eine dritte Linse. Dafür kostet das Modell derzeit noch rund 499 Euro.

Mit dem Huawei P20 und P20 Pro gibt es zwei neue Top-Smartphones mit tollem Display und besonderen Kameras. Doch welche Änderungen hat Huawei im Vergleich zu den Vorgängern Huawei P10 und P10 Plus im Detail gemacht und lohnt sich der Wechsel?