Huawei P20 Pro im Test: 3 Linsen für das perfekte Bild | handy.de
Testbericht

Huawei P20 Pro im Test: 3 Linsen für das perfekte Bild

Das Spitzenmodell der P20-Serie im ausführlichen Test

Kamera

Die Kamera oder besser Kameras, sind wohl das Herzstück des Huawei P20 Pro. Im Kamera-Test von DxOMark rennen das P20 Pro und P20 dem Galaxy S9+ davon und belegen Platz 1 und Platz 2. Beim P20 Pro verbaut Huawei in erneuter Kooperation mit dem deutschen Kameraspezialisten Leica gleich drei Kameralinsen auf einmal. Zum einen gibt es einen Monochrom-Sensor mit 20 Megapixeln und einer f/1.6-Blende, einen RGB-Sensor mit 40 Megapixeln und einer f/1.8-Blende sowie das 8-Megapixel-Teleobjektiv mit f/2.4-Blende und 5x Hybrid-Zoom. Doch wie funktioniert dieses beeindruckende Kamerasystem eigentlich und was macht die einzelnen Linsen so besonders?

Vorweg muss gesagt werden, dass bei der 40-Megapixel-Kamera vier Sub-Pixel zu einem virtuellen und deutlich größeren Pixel umgerechnet werden, sodass es genau genommen eine 10-Megapixel-Kamera ist. Gemeinsam mit der lichtempfindlichen f/1.8-Blende sollen vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen oder auch nachts sehr gute Fotos gelingen. Huawei verspricht weniger Bildrauschen, weniger Körnigkeit, mehr Details und einen höheren Kontrast. Und tatsächlich können sich die Aufnahmen, die wir mit dem P20 Pro sowohl in Paris als auch während des Tests in meiner Heimatstadt Düsseldorf gemacht haben, wirklich sehen lassen.

Foto Nummer eins zeigt eine Häuserreihe mit blauem Himmel. Bei der Aufnahme hat die NPU des Kirin 970 den blauen Himmel als solches erkannt, den Weißabgleich und weitere Kameraeinstellungen entsprechend angepasst und das Bild automatisch dem Motiv entsprechend optimiert. Herausgekommen ist ein Bild, das auch in den Details sehr gut ist. So sind die einzelnen Äste und selbst die runden Platanen-Nüsse des Baums deutlich zu erkennen. Auch die spiegelnde Oberfläche der Gehry-Bauten fängt die Kamera naturgetreu ein, ohne dabei Abstriche im Hintergrund zu liefern. Auch der blaue, mit leichten Schleierwolken verhangene Himmel kann überzeugen.

Gehry-Bauten am Düsseldorfer Medienhafen - aufgenommen mit dem Huawei P20 ProQuelle: Katharina Schell / handy.de

Guter Bokeh-Effekt

Auch bei Nahaufnahmen zeigt die 40-Megapixel-Kamera gemeinsam mit dem 20-MP-Monochrom-Sensor ihr Können. Der Fokus bei diesem Beispielbild liegt auf einer einzelnen Kirschblüte, während die restlichen Blüten im Hintergrund dank Bokeh-Effekt künstlerisch verschwommen daherkommen. Die Farben sind satt und sehr kontrastreich. Das zeigt auch das Bild mit den Früchten und dem Gemüse sehr gut. Bei den Aufnahmen von Essen, Landschaften oder Tieren erkennt die künstliche Intelligenz des Prozessors übrigens den Bildinhalt nun noch besser. Sie unterscheidet zum Beispiel, ob man einen Schäferhund oder einen Pudel fotografiert, und setzt die Kontraste bei einer Pizza anders als bei einem Dessert. Das jeweilige Motiv wird dem Nutzer unten links vor dem Fotografieren angezeigt.

Kirschblüten Nahaufnahme aufgenommen mit dem Huawei P20 ProQuelle: Katharina Schell / handy.de
Obst und Gemüse Nahaufnahme aufgenommen mit dem Huawei P20 ProQuelle: Katharina Schell / handy.de

Zoomen wie ein Profi

Das oben erwähnte 8-Megapixel-Teleobjektiv sorgt dafür, dass der Nutzer bestimmte Details näher heranholen kann, ohne dass die Qualität dabei verloren geht. Dafür sorgt der sogenannte 5x Hybrid-Zoom. Dieser besteht aus einem dreifachen optischen und einem zweifachen elektronischen Zoom. Wir haben den Zoom an zwei Objekten getestet. Das erste Bild zeigt die Standard-Perspektive ohne Zoom, die zweite mit 3x Zoom und die dritte Aufnahme den 5x Zoom. Die Lichtverhältnisse waren hier nicht immer die besten und dennoch sind auch bei den Zoom-Bildern sehr viele Details zu erkennen. Beim Fernsehturm sind es zum Beispiel die einzelnen kleinen Funk-Maste und Fenster.

Die nachtaktive Kamera

Spannend wird es aber auch, wenn man sich den Nachtmodus beim P20 Pro anschaut. Ohne Stativ bekommt eine Smartphone-Kamera eine abendliche oder nächtliche Kulisse nur äußerst schwer wackelfrei eingefangen. Doch auch hier setzt Huawei auf die KI, die die menschlichen Verwackler bei der Aufnahme mit einberechnet. Erstellt man ein Foto im Nacht-Modus mit Langzeitbelichtung, nimmt das P20 Pro sechs Sekunden lang Bilder auf und kombiniert sie zu einem Foto. Dank der lichtempfindlichen Blende schafft es die Kamera hier, mehr Licht einzufangen als das menschliche Auge wahrnimmt. Die Nacht-Aufnahmen, wie diese Aufnahme aus Paris vor dem Louvre, die ich mit dem P20 Pro gemacht habe, sind die bisher besten Nachtaufnahmen, die ich ohne Stativ geschossen habe. Auch die Aufnahme des Lagerfeuers zeigt die Stärken der Kamera bei dunklen Lichtverhältnissen.

Louvre in Paris bei NachtQuelle: Katharina Schell / handy.de
Lagerfeuer aufgenommen mit dem Huawei P20 ProQuelle: Katharina Schell / handy.de

Portraits und Selfies wie im Studio

Ähnlich wie Apple beim iPhone X, bietet nun auch Huawei mit dem P20 Pro einen speziellen Portraitmodus an. Sowohl mit der Rück-, als auch mit der Frontkamera kann zwischen verschiedenen Portrait-Modi gewählt werden. Zur Auswahl stehen: Weiche Beleuchtung, Butterfly-Lightning, Geteilte Beleuchtung, Bühnenbeleuchtung und Classic Lightning. Während die ersten drei Modi vor allem auf die Art der Beleuchtung abzielen, kommt die Bühnenbeleuchtung dem Bühnenlicht von Apple sehr nah. Das Gesicht wird farbig und scharf dargestellt, während der Hintergrund komplett schwarz eingefärbt ist. Classic Lightning ist ein Schwarz-Weiß-Modus. Hat man ein Portrait in einem bestimmten Modus aufgenommen, kann das Portrait auch nachträglich noch auf einen anderen Modus umgewandelt werden. Dafür genügt ein Klick auf die 3D-Kugel und schon kann man auf einen Modus wechseln. Das geht beliebig oft.

Selfie im Portraitmodus weiche Beleuchtung..

Butterfly- Portraitmodus

Portraitmodus Bühnenbeleuchtung

Ebenso hatten wir als Pressevertreter in Paris nach dem Launch-Event der neuen P20-Serie die Zeit für einen kleinen Foto-Workshop mit dem P20 Pro. Im Kurs „Portraitfotografie“ hatten wir das Glück, dass wir uns nicht gegenseitig fotografieren mussten, sondern Workshop-Leiter und Fotograf Christoph Gellert gab uns Tipps zum Fotografieren mit dem Profi-Model Lara Vogel. In einem sehr dunklen aber durchaus sehr gemütlichen Raum mit nur vereinzelten Lichtquellen begann das Shooting. Auch wenn es auf den Fotos nicht so rüberkommen mag, war es im Raum deutlich dunkler. Alle Beispielfotos sind unbearbeitet und im automatischen Portraitmodus aufgenommen.

Videos mit 960 fps

Samsung und Sony haben es vorgemacht, Huawei zieht nach. Mit dem P20 Pro können ebenfalls Zeitlupenvideos mit 960 Bildern pro Sekunde aufgenommen werden. Leider lässt sich diese Momentaufnahme nicht timen. Es bedarf also etwas Übung bis man ein Gefühl für den richtigen Moment bekommt. Bei dem Beispielvideo vom Osterfeuer ist dies nicht sonderlich schwer, bei einem Sprung-Video hingegen schon.

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Die drei Kameras sprechen für sich: Das P20 Pro ist zurecht der aktuelle Sieger im DxOMark-Test. Die Test-Fotos zeigen eine beindruckende Qualität in ganz unterschiedlichen Bedingungen und Situationen. Vom Portrait, der nächtlichen Landschaftsaufnahme, Zoomen ohne Qualitätsverlust bis hin zu tollen Zeitlupenvideos bietet das P20 Pro alles was das Foto-Herz im Jahr 2018 begehrt. Auf den Trend von animierten 3D- oder AR-Emojis springt Huawei jedoch nicht auf.

Akku

Wie auch schon beim Galaxy S9+ und S9, haben wir auch das P20 Pro einem harten Akkutest unterzogen. Huawei selbst gibt an, dass das P20 Pro mit der Akkulaufzeit vom Mate 10 Pro mithalten kann. Die Mate-Serie ist seit jeher für ihre sehr gute Akkulaufzeit bekannt.

Für den achtstündigen Hardcore-Akkutest haben wir mit dem P20 Pro jeweils eine halbe Stunde ein HD-Video per Netflix, Musik per Spotify gestreamt, ein 3D-Game gezockt, Social-Media-Kanäle gecheckt, im Browser gesurft, telefoniert und eine halbe Stunde Fotos und Videos für Testaufnahmen gemacht. Zwischendurch wurde das Gerät immer wieder in die Hand genommen um Funktionen zu prüfen, die für den Test relevant sind. Ebenso war die Displayhelligkeit automatisch reguliert, Bluetooth und GPS sowie Push-Mitteilungen für die gängigen Social-Media-Dienste und Gmail aktiv. Nach diesen acht Stunden zeigte der 4.000 mAh große Akku noch stolze 46 Prozent an. Zum Vergleich: Der 3.500-mAh-Akku vom Galaxy S9+ zeigte nach dem gleichen Test nur noch 27 Prozent an.

Quelle: Katharina Schell / handy.de
Der Akkuverbrauch nach 8 Stunden..

Quelle: Katharina Schell / handy.de
Der Bildschirm saugt am meisten Strom.

Auf den anstrengenden 8-Stunden-Test folgte eine 16-stündige Standby-Phase. Während der Akku des S9+ bereits nach 22 Stunden Laufzeit das Wettrennen verließ, erweckten wir das P20 Pro nach der insgesamt 24-stündigen Testphase mit einem stolzen Akkustand von 29 Prozent.

Quelle: Katharina Schell / handy.de
Nach genau einem Tag HardcoreTest waren noch 29 Prozent Akkuleistung übrig.

Quelle: Katharina Schell / handy.de
Das Display bleibt der größte Energiefresser.

Einziger Manko beim 4.000 mAh starken Akku bleibt somit die Tatsache, dass er nicht drahtlos aufgeladen werden kann. Per USB-Typ-C-Kabel kann das P20 Pro dank SuperCharge-Funktion jedoch sehr schnell wieder aufgeladen werden. Zudem ist davon auszugehen, dass die bereits sehr gute Akkulaufzeit nach einiger Zeit der Benutzung noch besser wird. Dafür wird die NPU des Kirin 970 sorgen, die das Nutzungsverhalten analysiert und die Ressourcen entsprechend optimiert.

Huawei scheint das Versprechens eines Mate-Akkus in der P-Serie eingehalten zu haben. Die Akkuwerte sind absolute Oberklasse. Ein normaler Nutzer sollte durchaus zwei Tage mit dem Akku haushalten können. Zudem lernt er täglich dazu und passt sich dem eigenen Nutzungsverhalten an.

Fazit

Im Vorfeld hatte Huawei darum gebeten “zu warten“ um “mehr zu sehen“. Die Renaissance der Fotografie stünde bevor. Nun haben alle nach dem Galaxy S9 auf die neue P20-Serie gewartet und es lässt sich feststellen: Das Warten hat sich gelohnt. Mit dem P20 Pro hat Huawei ein echtes Meisterwerk in Sachen Smartphone-Fotografie geschaffen und ist auf die Bedürfnisse der Handy-Nutzer eingegangen. Fotos bei schlechten Lichtbedingungen gelingen nur schwer? Der Akku ist schnell leer? Apps öffnen verzögert? Probleme über die viele Nutzer klagen, die das Huawei P20 Pro aber allesamt behebt.

handy.de Testsiegel für das Huawei P20 Pro

Gleichzeitig lernt der intelligente Prozessor mit der Zeit dazu, arbeitet effizienter und das macht sich auch bei der Akkulaufzeit bemerkbar. Ist man auf der Suche nach einem Oberklasse-Smartphone mit einer sehr guten Akkulaufzeit und Kamera, so ist das P20 Pro die beste Wahl die man derzeit (April 2018) treffen kann.

Als Käufer sollte man sich jedoch über die vier eher kleineren Knackpunkte, die das P20 Pro ebenfalls besitzt, bewusst sein: Ein Quad-HD-Display gibt es hier nicht (dafür ein Full-HD+ Display, das weniger am Akku nagt), der 128 GB große Speicher ist nicht erweiterbar, der Akku nicht kabellos ladbar und ein 3,5-mm-Kopfhöreranschluss fehlt ebenfalls. Kann man auf diese Features verzichten, wird das P20 Pro mit seinem eleganten und hochwertigen Design seinen Käufer nicht nur optisch, sondern auch technisch begeistern.

Pro

  • Leistungsstarker und intelligenter Prozessor, der dazu lernt
  • Drei Kameralinsen, die die Kamera des P20 Pro zur Besten auf dem Markt machen
  • Sehr gute Akkulaufzeit
  • Schickes und hochwertiges Design in spannenden Farben
  • Neuste Android-Version
  • Ultraschneller und gut platzierter Fingerabdruckscanner

Kontra

  • Keine Möglichkeit zur Speichererweiterung
  • Kein 3,5mm-Kopfhöreranschluss
  • Nicht kabellos ladbar
  • Kein Quad-HD-Display
  • Unsichere Entsperrmethode “Face Unlock“

Alternativen

Auch wenn das P20 pro sein Geld wert ist, sind 799 Euro sind durchaus eine Hausnummer, die Huawei für das P20 Pro als unverbindliche Preisempfehlung fordert. Manch einem mag dies zu viel sein oder vielleicht ist es auch die fehlende Möglichkeit zur Speichererweiterung oder zum kabellosen Laden. Drei gute Alternativen stellen wir an dieser Stelle vor.

Huawei Mate 10 Pro

Am ähnlichsten ist das Mate 10 Pro dem P20. Es besitzt ebenfalls den Kirin 970 als Prozessor, 6 GB RAM, ein ähnlich großes, nahezu rahmenloses Display (jedoch keine Notch) und auch Dual-Kamera mit Leica-Technik ist an Bord. Auf die dritte Tele-Objektiv-Linse muss man hier zwar verzichten, dafür ist das Mate 10 Pro bereits ab 579 Euro auf Ebay und ab 652 Euro bei diversen Online-Shops erhältlich.

Nach der Vorstellung des Huawei P20 Pro stellt sich die Frage: Lohnt sich die Investition in das neueste Flaggschiff-Modell oder reicht vielleicht auch der Vorgänger Mate 10? Wir listen die größten Unterschiede auf und helfen bei der Entscheidung.

Samsung Galaxy S9+

Nicht günstiger, sondern eher etwas teuer ist das Galaxy S9+ als Alternative. Ab 789 Euro bei Ebay und ab rund 850 Euro bei seriösen Online-Händler zu finden, bietet das Galaxy S9+ eine ähnlich starke Kamera und einen ebenso schnellen Prozessor. Im Vergleich zum P20 Pro besitzt es jedoch einen erweiterbaren Speicher, einen Kopfhöreranschluss, ein Quad-HD-Display und ist auch kabellos aufladbar. Das höher auflösende Display beansprucht dafür den Akku stärker, der mit 3.500 mAh auch 500 mAh kleiner als der des P20 Pro ausfällt.

Auf dem MWC 2018 zog Samsung mit dem Galaxy S9 und S9+ alle Blicke auf sich. Ab Mitte März sind die beiden Topmodelle in Deutschland verfügbar. Doch wie gut schlägt sich das Galaxy S9+ im Test? Wir haben das größere Modell mit Dual-Kamera getestet.

Huawei P10 Plus

Die deutlich günstigere Alternative ist das P10 Plus aus dem Vorjahr. Das P10 Plus ist mit 5,5 Zoll etwas kleiner als das P20 Pro, bietet dafür aber eine Quad-HD-Auflösung, 6 GB RAM wie das P20 Pro und auch 128 GB internen Speicher, der erweiterbar ist. Verzichten muss man auf das FullView-Display mit Notch, den neuen Kirin 970 mit NPU und eine dritte Linse. Dafür kostet das Modell derzeit noch rund 499 Euro.

Mit dem Huawei P20 und P20 Pro gibt es zwei neue Top-Smartphones mit tollem Display und besonderen Kameras. Doch welche Änderungen hat Huawei im Vergleich zu den Vorgängern Huawei P10 und P10 Plus im Detail gemacht und lohnt sich der Wechsel?