Huawei P20 im Test: So gut ist das Smartphone ohne Pro
Testbericht

Huawei P20 im Test: So gut ist das Smartphone ohne Pro

Mittleres Modell wird unterschätzt

Das Huawei P20 feierte im März zusammen mit dem P20 Pro und dem P20 Lite seine Premiere. Beim neuen Smartphone hat Huawei nicht nur die Technik auf den aktuellen Stand gebracht, auch beim Design und bei der Software gibt es kleine, aber lohnende Anpassungen. Neben der künstlichen Intelligenz steht beim Huawei P20 vor allem die Fotografie im Fokus. Wie sich das neue Oberklasse-Smartphone hier schlägt und ob es sich im Alltag beweisen kann, verraten wir Dir im Test des Huawei P20.

Design mit kleineren Anpassungen

Von der Grundform her hat sich das Huawei P20 im Vergleich zu seinem Vorgänger, dem Huawei P10, kaum verändert. Die Ecken und Seiten sind abgerundet und geben dem Smartphone dadurch weiterhin ein weiches und handschmeichelndes Design. Selbst die Anordnung der Tasten hat Huawei unverändert übernommen. So gibt es unter dem Display den bekannten sensorischen Home-Button, der auch den Fingerabdrucksensor beherbergt. Im Vergleich zum Vorgänger-Smartphone ist er allerdings etwas schmaler geworden. An der rechten Gehäuseseite befindet sich die Lautstärkewippe und darunter der Power Button.

Im Vergleich: Das Huawei P10 mit dem Huawei P20Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
Alt vs. neu: Das Huawei P10 (links) im Vergleich mit dem Huawei P20

Beim Display zeigt sich allerdings eine deutliche Veränderungen: Während das Huawei P10 noch einen Bildschirm im klassischen 16:9-Format hat, präsentiert das Huawei P20 stolz sein 5,8 Zoll großes Fullview-Display mit 2.5D-Glas. Dieses nimmt mit einer Bildschirmfläche von etwas über 80 Prozent nahezu die gesamte Front ein und ist mit seinem 19:9-Format sogar noch etwas länger als beim Mate 10 Pro. Aus diesem Grund läuft das Display auch um die Frontkamera und die vorderen Sensoren herum. So entsteht die umstrittene Notch. Das Fullview-Display erlaubt Huawei eine kompakte Bauweise bei großer Displayfläche. So verwundert es auch nicht, dass das Huawei P20 im Vergleich zum 5,1 Zoll großen Huawei P10 ein nur minimal größeres Gehäuse hat.

Huawei streicht die Klinkenbuchse

Deutliche Anpassungen fanden wir im Test auch am unteren Gehäuserand: Während beim Huawei P10 noch eine Klinkenbuchse zum Anschluss von Kopfhörern zu finden ist, fehlt diese beim Huawei P20. Links und rechts vom USB-C-Port gibt es hier stattdessen ein in den Metallrahmen gebohrtes Gitter. Dahinter könnte man den Lautsprecher vermuten – und das stimmt zum Teil auch. Allerdings befindet sich der Lautsprecher nur hinter dem rechten Gitter. Das Linke dient lediglich der Zierde.

Die Seitenpartie mit dem Power-Button und Blick auf Kamera beim Huawei P20Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
Die Kamera des Huawei P20 ragt von der Rückseite ab. Dadurch wackelt das Smartphone auf glatten Unterlagen

Untere Anschlüsse und Lautsprecher beim Huawei P20Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
Nur hinter dem rechten Gitter befindet sich ein Lautsprecher, eine Klinkenbuchse gibt es gar nicht mehr.

 

 

 

 

 

 

Ein anderes Design hat Huawei auch bei der Rückseite umgesetzt. Sie besteht beim Huawei P20 vollständig aus Glas und spiegelt dementsprechend stark. Eine Hülle oder ein Putztuch sind unverzichtbar, wenn das Handy nicht ständig durch Schlieren und Fingerabdrücke verunreinigt werden soll. Statt des Huawei-Logos ziert nun ein Huawei-Schriftzug die Rückseite. In einer Linie befindet sich über diesem die Dual-Kamera. Die beiden Linsen der Dual-Kamera sind untereinander statt nebeneinander angeordnet. Hier hat Huawei somit die größte Veränderung vorgenommen. Die Kamera ragt allerdings deutlich von der Rückseite ab. Das war beim P10 nicht der Fall. Das Huawei P20 liegt somit auf glatten Flächen nicht gerade auf und wackelt. Unschön ist, dass sich der Schwerpunkt beim liegenden Smartphone auf der Dual-Kamera befindet. Ist der Untergrund etwas rauer, könnte das Glas im schlimmsten Fall verkratzen. Immerhin: Trotz der Glasrückseite blieb das Huawei P20 im Test dort liegen, wo es soll und rutschte nicht weg.

Das Huawei P20 in der HandQuelle: Rita Deutschbein / handy.de
Trotz 5,8 Zoll Diagonale vergleichsweise kompakt.

Verarbeitung auf hohem Niveau

Wie es sich für ein Smartphone der Oberklasse gehört, lässt sich an der Verarbeitung nicht aussetzen. Bei unserem Testgerät sind alle Übergänge sauber, unschöne Spalten gibt es nicht. Die Tasten haben allesamt einen guten Druckpunkt und sind keineswegs schwammig. Insgesamt ist das P20 stabil gebaut und knarzt im Test auch bei einem etwas rauen Umgang nicht. Dazu trägt unter anderem der Metallrahmen bei, der dem Gerät Stabilität gibt. Dieser ist bei unserem schwarzen Testgerät in einem matten, schwarzen Metall gehalten, was einen schönen Kontrast zur hochglänzenden Glasoptik ergibt.

Der Schlitten für die SIM-Karte sitzt sicher im Gehäuse und lässt sich nur mit einem SIM-Schacht-Öffner herausnehmen. Ein genauer Blick auf den Schlitten verrät ein weiteres Detail: Das Huawei P20 erlaubt zwar den Betrieb von zwei SIM-Karten (Dual-SIM), bietet aber keinen Platz für eine Micro-SD-Speicherkarte. Der interne Speicher des Smartphones lässt sich somit nicht erweitern.

Trotz der guten Verarbeitung sollte das Huawei P20 aber nicht mit Wasser in Berührung kommen. Kleinere Spritzer sind zwar kein Problem, wasserfest nach IP67 ist das Gerät – anders als das Huawei P20 Pro – jedoch nicht.

Bei der Gestaltung und bei der Fertigung des P20 hat Huawei viel Sorgfalt walten lassen. Die Verarbeitung ist top und die Ähnlichkeit zum Vorgänger klar erkennbar. Aufgrund des Fullview-Displays kann Huawei die Bildschirmfläche vergrößern und das Gehäuse dennoch kompakt halten. Dadurch ist das Huawei P20 nur etwas größer als sein Vorgänger mit deutlich kleinerer Displaydiagonale. Wasserfest ist das Smartphone leider nicht und auch auf eine Speichererweiterung und eine Klinkenbuchse musst Du verzichten. Das schicke Design und die die gute Handhabung des Huawei P20 trösten darüber allerdings etwas hinweg.

Display: Leuchtstark und anpassbar

Wie bereits erwähnt, besitzt das Huawei P20 ein Fullview-Display. Die Diagonale beträgt 5,8 Zoll, die Auflösung 1.080 x 2.240 Pixel, also Full-HD+. Ins Verhältnis gesetzt ergibt sich somit eine Pixeldichte von guten 428 ppi. Das ist weniger als beim P10 (432 ppi), reicht aber dennoch für eine scharfe Darstellung, bei der einzelne Pixel auch bei genauem Hinsehen nicht auszumachen sind. Hinzu kommt eine schnelle Reaktion des Touchscreens, die das Arbeiten mit dem P20 im Test sehr angenehm macht.

Huawei verwendet beim P20 nicht das OLED-Display des Pro-Modells, sonders setzt auf die IPS-Technologie. Diese ist für ihre natürliche Farbwiedergabe und ihre hohe Blickwinkelstabilität bekannt. Beides konnten wir im Test auch beim Huawei P20 erkennen. Selbst bei sehr schräger Sicht auf den Bildschirm lässt sich dieser noch gut ablesen. Die Farben verändern sich kaum, der Screen wird nicht störend dunkler. Farben gibt das IPS-Display dynamisch und kräftig, aber dennoch natürlich wieder.

Display des Huawei P20Quelle: Rita Deutschbein / handy.de

Anders als bei OLED-Displays, bei denen jedes Pixel einzeln von hinten beleuchtet wird, haben IPS-Screens eine flächendeckende Hintergrundbeleuchtung. Daher benötigen sie im Betrieb etwas mehr Strom. Zudem ist der Kontrast im Vergleich zu OLED-Screens nicht ganz so hoch. Einbußen in der Darstellungen musst Du beim Huawei P20 aber dennoch nicht befürchten. Die besagten Unterschiede sind nur in unmittelbarem Vergleich auszumachen. Hinzu kommt, dass die maximale Displayhelligkeit beim P20 mit 770 cd/m² höher ausfällt als beim Pro-Modell (ca. 600 cd/m²). Damit leuchtet der Bildschirm stärker und lässt sich bei Sonnenlicht besser ablesen.

Jedes Smartphone besitzt heute ein hochauflösendes Display. Die Touchscreens in einer Größe zwischen 4 und 6 Zoll sind aber alle bei Weitem nicht gleich. Wir erklären die wichtigsten Unterschiede zwischen OLED-, Retina-, IPS- und LCD-Displays.

Notch lässt sich ausblenden

Aufgrund des 19:9-Formats läuft das Display zu beiden Seiten um die Frontkamera herum und bildet eine Einkerbung, die Notch genannt wird. Wichtige Anzeigen wie der Akkustand oder Hinweise auf Nachrichten werden jeweils links und rechts von der Notch angezeigt. Im Vollbildmodus – beispielsweise bei Videos – blendet ein schwarzer Streifen die Notch aus und ermöglicht dadurch eine Wiedergabe ohne störende Lücke. Trotz dieser Anpassungen gibt es einige Nutzer, die die Einkerbung nicht mögen. Für diese bietet Huawei die Möglichkeit, die Notch in den Einstellungen unter Anzeige und Einschnitt auszublenden. Statt sich bis in die oberen Ränder zu erstrecken, endet die Anzeige dann bereits in einer Linie unter der Frontkamera. Der Bereich der Notch wird ausgeblendet.

Anzeige-Einstellungen beim Huawei P20Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
Mit oder ohne Notch: Die Anzeige beim Huawei P20. Auch die Farbwiedergabe lässt sich anpassen.

Du kannst die Anzeige des Displays auch abseits der Notch anpassen. Je nach Wunsch lassen sich beispielsweise die Schriftgröße und Größe der Elemente auf dem Bildschirm verändern. Selbst die Auflösung kann auf 720 x 1.496 Pixel minimiert werden. Für die Anpassung der Farbwiedergabe stehen Dir mehrere Einstellungen zur Verfügung. Du kannst Dich entweder zwischen den Voreinstellungen Lebhaft und Normal und den Farbtemperaturen Standard, Warm und Kalt entscheiden, oder die Farbe stufenlos über den Farbkreis anpassen.

Das Display des Huawei P20 erlaubt Dir einen hohen Grad an Individualisierungsmöglichkeiten. Selbst die Notch lässt sich auf Wunsch ausblenden. Umfangreiche Anpassungen sind aber gar nicht notwendig, da die Darstellung bereits in der Standard-Konfiguration sehr gut ist. Das Display bietet Dir aufgrund der Bildschirmfläche von über 80 Prozent sehr viel Platz und der Screen stellt Farben angenehm natürlich dar. Der Kontrast und die Auflösung liegen im Mittelfeld, die maximale Displayhelligkeit ist vergleichsweise hoch. Insgesamt kann das Display des Huawei P20 im Test überzeugen – sowohl in der Darstellung als auch der Reaktionszeit.

Technische Ausstattung des Huawei P20

Technisch bietet das Huawei P20 eine dem Pro-Modell sehr ähnliche Ausstattung. Es besitzt den gleichen Octa-Core-Prozessor mit KI-Fähigkeit – den Kirin 970. Der Arbeitsspeicher fällt mit 4 GB allerdings kleiner aus (P20 Pro: 6 GB). Der Kirin 970 ist im sehr kompakten 10-Nanometer-Verfahren gefertigt und somit etwa 40 Prozent kleiner als der im 16-Nanometer-Verfahren gefertigte Vorgänger-Chip Kirin 960. Damit benötigt er weniger Platz im Inneren des Smartphones und kann effizienter laufen. Die insgesamt acht Kerne unterteilen sich in zwei Cluster mit je vier Kernen. Eines davon besteht aus vier Cortex-A73-Kerne mit einer Taktrate von bis zu 2,4 GHz, das andere aus vier stromsparenden A53-Kernen mit bis zu 1,8 GHz.

Im Vergleich: Huawei P10 und P10 Plus vs. Huawei P20 und P20 Pro

Bei der Grafikeinheit hat Huawei im Vergleich zum Vorgänger-Chip noch einen drauf gesetzt. Die Mali-G72-MP12 verfügt über zwölf statt bisher acht Rechenkerne, was die Grafikleistung deutlich verbessert. Neben der Grafik sorgt allerdings auch die NPU (Neural Processing Unit) vor Aufsehen. Kaum ein aktuelles Top-Smartphone kommt derzeit ohne das Stichwort „künstliche Intelligenz“ aus. Die KI-Fähigkeiten beim Huawei P20 kommen vor allem bei der Kamera und der Spracherkennung bei Google Assistant zum Tragen, machen mit der Zeit aber auch einige Rechenprozesse schneller. Je mehr das Smartphone genutzt wird, desto mehr lernt das System den Nutzer kennen und desto schneller reagiert es auf Eingaben. Der Prozess nennt sich Machine Learning.

Die Daten des Huawei P20 in Kürze

Huawei P20

Display

5,8 Zoll, 19:9, 1.080 x 2.240 Pixel (FHD+)

Prozessor

Kirin 970 mit KI (NPU),
Octa-Core, 2,36 GHz + 1,8 GHz

Arbeitsspeicher

4 GB

Speicher

128 GB, nicht erweiterbar

Rückseitige Kamera

Leica Dual-Kamera,
20 MP Mono, f/1.6,
12 MP RGB, f/1.8

Frontkamera

24 MP, Light-Fusion, f/2.0

Software

Android 8.1 Oreo / EMUI 8.1

Internet

WLAN a/b/g/n/ac, LTE Cat.18 mit bis zu 1,2 GBit/s

SIM-Slot

Nano, Dual-SIM

Entsperrmethoden

Fingerabdrucksensor, Face Unlock, Muster, Passwort, Pin

Akku

3.400 mAh, Super Charge

Maße & Gewicht

149,1 x 70,8 x 7,65 mm / 165 g

Farben

Schwarz, Blau, Pink

Marktstart

April 2018 / 649 Euro UVP

Zusammengefasst lässt die Prozessor-Ausstattung des Huawei P20 kaum Wünsche offen: Kompakte Bauweise, schnelle und moderne Chip-Architektur, künstliche Intelligenz und dazu noch eine gute Grafik. Doch merkt man davon im Alltag etwas? Die Antwort ist jein. Das Smartphone arbeitet unglaublich schnell und reagiert fix auf alle Eingaben, was aber am schnellen Kirin 970 und weniger an der NPU liegt. Bis das Smartphone das Nutzerverhalten gelernt hat und Rechenprozesse dadurch optimieren kann, braucht es nämlich Zeit. Ein Kind lernt schließlich auch nicht an einem Tag Lesen.

Selbst ohne diese Lern-Zeit ist das Huawei P20 leistungsstark genug, um selbst umfangreiche Anwendungen wie das Arbeiten mit mehreren Apps gleichzeitig (Multitasking) problemlos zu meistern. Spiele-Fans werden von der guten Grafik angetan sein, die auch 3D-Anwendungen meistert.

Das Huawei P20 im Benchmark-Test

In den Benchmark-Tests haben sich unsere Eindrücke bestätigt. Das Huawei P20 ist leistungsstark, gehört aber nicht zu den Geräten mit den Top-Ergebnissen. Für einen schnellen Vergleich haben wir die Ergebnisse des allgemeinen Benchmark-Tests AnTuTu (Version 7.0.7), Geekbench und des Grafik-Benchmarks 3DMark Sling Shot Extreme von ausgewählten aktuellen Smartphones in einer Tabelle gelistet.

AnTuTu

Geekbench

3DMark Sling Shot Extreme

Huawei P20

208.005

Single-Core: 1.897

Multi-Core: 6.744

OpenGL: 3.042

Vulkan: 3.433

Huawei P20 Pro

211.099

Single-Core: 1.918

Multi-Core: 6.835

OpenGL: 3.003

Vulkan: 3.380

Samsung Galaxy S9+

239.138

Single-Core: 3.747

Multi-Core: 8.868

OpenGL: 3.298

Vulkan: 3.413

Sony Xperia XZ2

263.381

Single-Core: 2.416

Multi-Core: 8.363

OpenGL: 4.657

Vulkan: 3.491

Die geringsten Abweichungen gibt es dabei bei den beiden Huawei-Modellen. Das ist nicht ungewöhnlich, laufen doch beide mit dem gleichen Prozessor Kirin 970. Nur der Arbeitsspeicher ist mit 4 GB beim P20 und mit 6 GB beim P20 Pro unterschiedlich. Im Alltag macht das aber kaum etwas aus, wie die Zahlen zeigen. Die Ergebnisse in den Leistungs-Benchmarks und im Grafik-Test sind so nah beieinander, dass es sich um typische Messabweichungen handeln kann.

Ergebnisse des Huawei P20 im Benchmark-TestQuelle: Rita Deutschbein / handy.de
Das Huawei P20 im Benchmark-Test: AnTuTu, Geekbench und 3DMark

Interessant ist daher vor allem der Vergleich mit anderen Oberklasse-Smartphones wie dem Samsung Galaxy S9+ (zum Test) und dem Sony Xperia XZ2 (zum Test). Während das Samsung-Gerät mit Exynos 9810 und 6 GB RAM ausgestattet ist, kommt das Sony-Modell mit Snapdragon 845 und 4 GB RAM. Beide Chips zeigen ihre Überlegenheit vor allem bei der allgemeinen Leistung, die im AnTuTu-Test verdeutlicht wird. Auch im Benchmark von Geekbench zeigt sich, dass der Kirin 970 mit dem Exynos und dem Snapdragon-Chip nicht mithalten kann. Vor allem der Chip des Galaxy S9+ hat sowohl bei der Single-Core-Messung als auch bei der Multi-Core-Messung jeweils rund 2.000 Punkte mehr erreicht.

Gute Noten für die Grafik-Performance

Deutlich überschaubarer sind die Unterschiede in der Grafik-Performance. Im 3DMark Extreme-Test für die 3D-Schnittstelle Vulkan sichert sich das Huawei P20 sogar den zweiten Platz – noch vor dem Galaxy S9+. Hier macht sich die gute Grafikeinheit bemerkbar, die für rasante Bildwechsel und schnelle Reaktionen sorgt.

Das Huawei P20 bietet eine Spitzen-Ausstattung aus schnellem, leistungsstarkem Prozessor und 4 GB RAM. Selbst auf die künstliche Intelligenz muss nicht verzichtet werden. Gerade bei der Performance kommt diese zu Beginn aber nicht allzu sehr zum Tragen, da das Smartphone das Nutzerverhalten erst noch lernen muss. In Sachen Leistung spielt das Huawei P20 in der oberen Liga mit. An die Top-Ergebnisse von Samsung und Sony kommt das Smartphone aber nicht in allen Bereichen heran. Dafür kann das P20 bei der Grafik und vor allem bei 3D-Anwendungen punkten.

Telefonie – auf Wunsch mit zwei SIM-Karten

Notch des Huawei P20Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
Die Notch-Aussparung für die Hörmuschel und die Frontkamera

Huawei ist nicht nur Smartphone-Hersteller, sondern vor allem auch Netzwerk-Ausrüster. Dementsprechend modern sind die Oberklasse-Geräte zumeist in der Kategorie Telefon und Internet ausgestattet. Beim Huawei P20 ist das nicht anders. Das Smartphone meistert die Grundaufgabe eines Handys – das Telefonieren – mit Bravur. Bei unserem Testtelefonat über 3G verstanden sich beide Gesprächspartner sehr gut. Selbst auf einer lauten Straße werden Störgeräusche zuverlässig von den Filtern entfernt. Die Hörmuschel des Huawei P20 ist vergleichsweise klein. Außerdem ist sie nicht langgezogen wie bei vielen anderen Handys, sondern rund. Dennoch hatten wir beim Telefonieren keine Probleme das Ohr richtig zu platzieren. Alternativ lässt sich mit dem Huawei P20 auch gut über den Lautsprecher telefonieren. Dieser ist laut genug, um das Gespräch selbst bei einer unruhigen Umgebung gut verstehen zu können.

Das Huawei P20 bietet Platz für zwei Nano-SIM-Karten, unterstützt also Dual-SIM. Allerdings hat Huawei nur eine Sende- und Empfangseinheit eingebaut (Dual Standby). Ruft also jemand auf einer SIM-Karte an, während Du über die andere telefonierst, hört er ein Besetzt-Zeichen und wird zur Mailbox umgeleitet. Die Verwaltung der beiden SIM-Karten funktioniert in den Einstellungen unter Dual-SIM. Hier lässt sich auch die primäre Daten-SIM auswählen. LTE unterstützen allerdings beide SIM-Schächte.

Internet

Bleiben wir beim mobilen Internet. Auch hier zeigt das Huawei P20 im Test eine gute Figur. Das Smartphone unterstützt nicht nur die klassischen Verbindungen über GPRS/EDGE sowie UMTS/HSPA+, sondern auch LTE Cat.18. Somit sind theoretisch Datenraten von bis zu 1,2 GBit/s im Downstream möglich. In Deutschland wird diese Bandbreite von den Netzen allerdings (noch) nicht unterstützt – hier ist bei maximal 600 MBit/s Schluss. Nützlich kann das schnelle LTE-Modul aber im Ausland oder bei voranschreitendem Netzausbau sein. Du kannst sogar Telefonate über 4G/LTE führen, soweit VoLTE von Deinem Anbieter unterstützt wird.

Beim Surfen im Netz blendet das P20 die Notch ausQuelle: Rita Deutschbein / handy.de
Surfen im Internet mit dem Huawei P20: Viel Platz dank Fullview-Display. Die Notch wird ausgeblendet.

Alternativ zum mobilen Internet wählt sich das Huawei P20 per WLAN ins Internet ein. Unterstützt werden dabei mit a/b/g/n/ac alle klassischen Standards. Gespeicherte Netzwerke merkt sich das P20 gut. Im Test klappte das automatische Einwählen ohne Probleme.

Sowohl bei der Telefonie, als auch beim Internet macht das Huawei P20 eine gute Figur. Der Wechsel zwischen UMTS und LTE klappt schnell und zuverlässig und auch Netzwerke findet das Smartphone zügig. Mit LTE Cat.18 unterstützt das P20 schnellere Bandbreiten als unsere Netze sie derzeit erlauben. Hier zeigt Huawei als Netzausrüster, was in Zukunft möglich sein kann. Du kannst das P20 sogar mit zwei SIM-Karten nutzen, wobei beide Slots LTE sowie VoLTE erlauben.

Software und Multimedia

Pluspunkte bekommt das Huawei P20 beim System. Aktueller als Android 8.1 Oreo geht es momentan nicht. Was fehlte war zum Testzeitpunkt allerdings das aktuelle Sicherheitspatch von April. Getestet haben wir somit mit dem März-Patch. Über das Android-System hat Huawei seine hauseigene Oberfläche Emui 8.1 gelegt, die den ursprünglichen Look des Google-Systems stark verändert. Alle Apps werden – sofern nicht anders eingestellt – direkt auf dem Startbildschirm abgelegt. Einen App-Drawer gibt es in der Standard-Konfiguration nicht. Auf Wunsch lässt er sich im Menü aber einstellen.

Der Hersteller hat seinen aktuellen Smartphones einige eigene Apps spendiert. Die Huawei-Anwendungen setzen allerdings eine Huawei ID voraus, die sich mit wenigen Klicks anlegen lässt. Zur App-Ausstattung gehört auch die Translator-App. Sie kann sowohl abfotografierte oder eingegebene Texte als auch gesprochene Sätze live in über 60 Sprachen übersetzen. Gerade im Urlaub ist das sehr hilfreich. Ebenfalls zur Grundausstattung gehört die Service-App HiCare, über die Du unter anderem den Huawei-Support erreichst. Es sind allerdings auch einige Anwendungen von Drittanbietern auf dem Huawei P20 installiert. Dabei handelt es sich um Facebook, Booking.com, Instagram, eBay und Netflix. Die Apps lassen sich allerdings deinstallieren und somit vollständig vom Smartphone entfernen.

Bedien-Hilfen

In manchen Fällen bieten die Apps einen Schnell-Zugriff auf bestimmte Funktionen an. Mit einem langen Druck auf das App-Icon öffnet sich das Navigationsfenster. Beim Telefonmanager beinhaltet dieses beispielsweise die Funktionen Bereinigen und Optimierung. Bei der eBay-App gibt es die Schnell-Zugriffe Ich folge, Verkaufen, Beobachten und Finden. Dadurch kannst Du schneller auf wesentliche Features der App zugreifen, ohne sie erst öffnen zu müssen.

Bedienmöglichkeiten beim Huawei P20Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
Schnellzugriff auf Apps und Smart Screenshot beim Huawei P20.

Eine weitere Erleichterung der Bedienung ist der Smart Screenshot. Du kannst einen wichtigen Bereich der Anzeige mit dem Knöchel Deines Fingers umrahmen, sodass er ausgeschnitten wird. Der so ausgeschnittene Bereich lässt sich begradigen, bearbeiten und weiterleiten. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Screenshot konzentriert sich der Part nur auf die wesentlichen Inhalte.

Lautsprecher mit Dolby Atmos

Auf eine Klinkenbuchse musst Du beim Huawei P20 verzichten. Kopfhörer lassen sich direkt nur über USB C oder Bluetooth anschließen. Immerhin liegt dem Lieferumfang ein Adapter USB-C-auf-Klinke bei. Alternativ ist die Musik-Wiedergabe über den Lautsprecher möglich. Dieser unterstützt Dolby Atmos. Im Smart-Modus werden Musik-Richtungen automatisch erkannt und der Ton entsprechend des Genres optimiert. Du kannst aber auch die Ton-Einstellungen Film und Musik wählen. Bei Film werden Dialoge klarer herausgearbeitet, sodass Gespräche besser zu verstehen sind. Bei Musik kannst Du die Tonwiedergabe mittels Equalizer weiter anpassen.

Der Lautsprecher befindet sich am unteren Metallrahmen des Huawei P20 und sorgt für einen kraftvollen und lauten Klang. Bässe und Höhen werden für einen Smartphone-Lautsprecher recht gut herausgearbeitet. Bei sehr hoher Lautstärke fängt das Gehäuse allerdings an zu scheppern. Hier macht sich der kleine Klangkörper bemerkbar. Sollte Dir beim Klang etwas fehlen, kannst Du über die zuvor genannten Einstellungen optimieren. Unterstützend wird der Ton über die Hörmuschel des P20 ausgegeben. Die Wiedergabe ist hierbei allerdings so leise und schlecht, dass wir ungern von Stereo-Lautsprechern sprechen wollen. Wird der untere Lautsprecher von der Hand verdeckt, ist der Ton fast gar nicht mehr zu verstehen.

Speicher ohne Erweiterung

Der interne Speicher des Huawei P20 hat eine Kapazität von 128 GB. Davon waren im Test noch 112 GB frei. Das reicht selbst für eine umfangreiche Musik-Sammlung. Ein Wehrmutstropfen ist allerdings die fehlende Speichererweiterung. Einen Micro-SD-Karten-Slot hat das Smartphone nicht. Dementsprechend bleibt nur die Cloud, um Dokumente auszulagern.

Ein aktuelles System und clevere Bedienmöglichkeiten zeichnen das Huawei P20 aus. Huawei-Kenner werden sich mit Emui schnell zurecht finden, alle anderen können im Menü auf die klassische Ansicht mit App-Drawer umstellen. Einige Apps sind vorinstalliert, lassen sich aber vollständig entfernen. Dadurch punktet das Huawei P20 im Vergleich zu manch anderen Smartphones, bei denen sich die Drittanbieter-Apps lediglich deaktivieren lassen. Auch im Bereich Multimedia schlägt sich das P20 gut. Mit durchdachten Optimierungsmöglichkeiten lässt sich der Ton anpassen. Wirklich brauchbar ist allerdings nur der untere Lautsprecher.

Fingerabdrucksensor und Face Unlock

Das Huawei P20 bietet viele Möglichkeiten zum Entsperren. Neben dem klassischen Pin, Muster und Passwort kannst Du Dich auch zwischen dem Fingerabdruck und Face Unlock entscheiden. Bei letzterem wird das Smartphone per Gesicht entsperrt. Das Gerät nutzt dafür die Frontkamera und scannt das Gesicht nach zuvor gespeicherten Merkmalen und Punkten. Im Test erkannte das P20 unser Gesicht auch dann, wenn wir eine Brille getragen haben. Probleme kann es jedoch bei grellem Licht geben – im direkten Sonnenschein streikte Face Unlock das ein oder andere Mal.

Im Test des Huawei P20 Pro ist uns aufgefallen, dass sich Face Unlock durch ein Foto überlisten ließ. Auch bei anderen Android-Handys mit dieser Art von Gesichtserkennung klappte das Entsperren per Selfie. Daher haben wir beim P20 genauer hingesehen und mit verschiedenen Selfies probiert, das Gerät zu entsperren. Das ist uns allerdings beim P20 dieses Mal nicht gelungen. Dennoch würden wir dem Nutzer nicht dazu raten, Face Unlock als bevorzugte Variante zu nutzen, da es weiterhin nicht so sicher wie ein Code oder ein Fingerabdruckscanner ist.

Face Unlock im Huawei P20 Pro funktioniert angeblich viel besser als Apples Face ID im iPhone X. Dass das Feature selbst in einem teuren Flaggschiff immer noch höchst unsicher angeboten wird, wollen wir nun einmal zur Diskussion stellen.

Wer also auf Nummer sicher gehen möchte kann sich für den Fingerabdruck entscheiden. Der Sensor sitzt auf der Front direkt unter dem Display im Home-Button. Er ist somit auch dann gut zu erreichen, wenn das Smartphone auf dem Tisch liegt oder beispielsweise in der KFZ-Halterung im Auto steckt. Der Sensor reagierte im Test ausgesprochen schnell und zuverlässig, was den Umgang mit ihm sehr vereinfacht. Mit dem Fingerabdruck kannst Du auch App-Käufe verifizieren oder die Sperre von gesicherten Ordnern und Apps freischalten. Die Navigation durch die Homescreens ist in abgespeckter Form möglich. Dazu müssen die standardmäßig aktivierten Sensor-Tasten in den Einstellungen allerdings ausgeblendet werden. Per Wischgeste lassen sich mit dem Sensor dann die zuletzt geöffneten Apps öffnen oder es kann zurück zum Homescreen navigiert werden.

Schnittstellen

Die drahtlose Übertragung von Daten erlaubt das Huawei P20 über Bluetooth 4.2 und NFC. Auch GPS, Glonass und Beidou zur Navigation werden unterstützt. Einen Infrarot-Sensor wie das Huawei P20 Pro bringt das P20 allerdings nicht mit.

Dual-Kamera im Test

Dual-Kamera des Huawei P20Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
„Nur“ mit zwei Linsen: Dual-Kamera des Huawei P20

Die Kamera-Ausstattung des Huawei P20 ist klassischer als die des Pro-Modells und erinnert stark an die des Huawei P10. Es gibt eine Dual-Kamera, die in Zusammenarbeit mit Leica entwickelt wurde und die aus einem RGB-Sensor mit 12 Megapixel und einem monochromen Sensor mit bis zu 20 Megapixel besteht. Vor allem der Farbsensor fängt aufgrund der großen f/1.6-Blende besonders viel Licht ein. Auf diesem sitzt auch der optische Bildstabilisator. Der Schwarz/Weiß-Sensor hat eine ebenfalls gute f/1.8-Blende. Anders als beim P10 sind die Linsen des Huawei P20 ebenso wie der LED-Blitz untereinander in einer Linie angeordnet.

Im Gegensatz zu der zum Vorgänger fast identischen Kamera-Hardware hat Huawei die Kamera-App des aktuellen Smartphones deutlich überarbeitet. Mussten Nutzer bislang von links nach rechts über den Bildschirm wischen, um in die Modi zu gelangen, stehen diese nun über einen Schieberegler oberhalb des Auslöse-Buttons bereit. Hier finden sich im Schnellzugriff auch der Profi-Modus, der Nachtmodus, Portrait Blende und Videos. Letztere kann das Huawei P20 in 4K aufnehmen.

Kamera-App des Huawei P20Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
Kamera-App des Huawei P20 mit neuer Aufteilung und bekannten Modi.

Intelligenter Kamera-Modus

Aber bleiben wir bei der Fotografie. Im Automatik-Modus (Schieberegler auf Foto) macht sich die künstliche Intelligenz bemerkbar. Je nachdem, auf welches Objekt wir die Kamera fokussieren, erkennt diese das Motiv und passt die Einstellungen entsprechend an. Für eine bessere Transparenz wird Dir auf dem Bildschirm angezeigt, mit welchem Modus die Kamera arbeitet. Das kann die Nahaufnahme, Text, Tiere oder Grün bzw. Blumen sein. Die KI erkennt die Motive sehr zuverlässig, lässt aber noch Platz für Verbesserungen. Sind beispielsweise Pflanzen vor einem Tier, wird die Farbdarstellung für Grün umgestellt, obwohl Tiere passender wäre. Die Farbdarstellung ist somit etwas verfremdet, was sich auf dem Fotos mit dem Elefanten gut erkennen lässt (für Großbild aufs Bild klicken).

Falscher Modus stellt Elefant mit Farbstich darQuelle: Rita Deutschbein / handy.de
Modus Grün: Elefant hat einen Sepia-ähnlichen Farbstich

Modus Tiere beim Huawei P20Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
Modus Tiere: Elefant wird farblich korrekt dargestellt

 

 

 

 

 

 

 

Bei Dämmerlicht aufgenommene Fotos werden im Modus Sonnenaufgang/Sonnenuntergang stark aufgehellt. So sind Details deutlich besser sichtbar. Über das X bei der Modi-Anzeige kannst Du die KI-Anpassung auf Wunsch entfernen.

Aufnahme bei Dämmerlicht im Automatik-Modus des Huawei P20Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
Ohne speziellen Modus: Aufnahme im Dämmerlicht

Aufnahme bei Dämmerlicht mit KI-Modus Sonnenuntergang des Huawei P20Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
KI-Modus Sonnenuntergang hellt Aufnahme im Dämmerlicht auf

 

 

 

 

 

 

 

Abseits der KI-Modi können Nutzer aber auch selbst Hand an die Einstellungen legen. Dafür bietet das Huawei P20 zahlreiche Möglichkeiten – allen voran den Profi-Modus.

Das Nachjustieren kann ab und zu sinnvoll sein, den einige Bilder werden in den von der Kamera gewählten Modi etwas dunkel (Gedächtniskirche, zweites Bild in der Galerie), bei anderen ist der Kontrast etwas zu stark (Aufnahme im Berliner Zoo, drittes Bild der Galerie).

Daneben gibt es auch die bekannten Modi Panorama, Monochrom, Lichtmalerei, Zeitraffer und HDR. Weitere Modi, wie beispielsweise Lebensmittel, können kostenfrei heruntergeladen werden.

Frontkamera mit ausgewählten Einstellungen

Auch bei der Frontkamera stehen verschiedene Modi zur Verfügung. Die Kamera bietet eine Auflösung von maximal 24 Megapixel und eine f/2.0-Blende, für eine mittlere Lichtaufnahme. Über 3D lässt sich eine Beleuchtung aus verschiedenen Winkeln zuschalten. Außerdem legt der Beauty-Modus einen Weichzeichner übers Gesicht, dessen Stärke angepasst werden kann. So verschwinden kleinere Makel. Wer es ganz perfekt haben möchte, wählt in den Einstellungen der Frontkamera das Perfekte Selfie, bei dem automatische Einstellungen das Gesicht perfekt in den Fokus rücken, indem die Beleuchtung, der Fokus und weitere Einstellungen individuell angepasst werden. Aber auch im Standard-Modus ohne Anpassungen sorgt die Frontkamera des Huawei P20 für gut ausgeleuchtete Fotos, was am Beispielbild (in der Galerie) gut zu erkennen ist.

Die Kamera bietet eine leicht verbesserte Grundausstattung, ist der des Vorgängers Huawei P10 ansonsten aber sehr ähnlich. Nachgebessert hat Huawei vor allem bei den Blenden und der Software. Die künstliche Intelligenz des Smartphones erkennt Motive selbstständig und passt Einstellungen automatisch an. Das klappt im Großen und Ganzen ganz gut, manchmal legt die Kamera den Fokus allerdings auf den falschen Bildausschnitt, wodurch die ausgewählten KI-Modi nicht immer passen. Die Bildergebnisse können sich aber dennoch sehen lassen. Zudem gibt es zahlreiche Möglichkeiten, selbstständig Einstellungen bei der Fotografie vorzunehmen. Die App ist etwas übersichtlicher geworden, was zusammen mit der zügigen Reaktion beim Fokussieren und Auslösen ideal für das schnelle Spontan-Foto ist.

Im Kamera-Test von DxOMark haben Huaweis neue Smartphones durchweg überzeugt. Das Huawei P20 und Huawei P20 Pro beförderten sogar das Samsung Galaxy S9+ nach hinten. Eine bessere Handy-Kamera als beim Pro-Modell findet man aktuell nirgends.

Akku mit beachtlicher Ausdauer

Das Huawei P20 verfügt über einen fest im Gehäuse eingebauten Akku mit 3.400 mAh. Laden lässt er sich per Kabel über die USB-C-Buchse, was dank Super Charge für eine Komplett-Ladung nur etwa 1:20 Stunden dauert. Das kabellose Laden per Induktion wird nicht unterstützt.

Um eine Einschätzung über die Akkulaufzeit im Betrieb machen zu können, haben wir das Huawei P20 durch unseren Akkutest geschickt. Dieser unterteilt sich in zwei Stufen. Innerhalb der ersten acht Stunden wird das Smartphone intensiv genutzt. Dabei spielen wir jeweils 30 Minuten lang ein Spiel, schauen ein Video in hochauflösender Qualität, surfen im Internet, nutzen die Kamera sowie Social Media, hören Musik und führen ein halbstündiges Telefonat. Nach diesen acht Stunden checken wir den Zwischenstand der Akkuladung. Die folgenden 16 Stunden liegt das Handy im Standby, wobei Benachrichtigungen und Funkverbindungen weiterhin aktiv sind.

Die Ergebnisse im Akkutest

Huawei P20: Akkulaufzeit nach 8 StundenQuelle: Rita Deutschbein / handy.de
Der Akkutest: Ladestand nach acht Stunden inklusive Intensiv-Nutzung.

Nach acht Stunden Intensiv-Nutzung hatte das zuvor voll aufgeladene Huawei P20 noch einen Akkustand von 69 Prozent. Besonders beansprucht wurde die Batterie durch die Display-Nutzung (46 Prozent) und Software-Anwendungen wie dem Gaming. Knapp 10 Prozent der Akkuleistung wurde durch das halbstündige Zocken von Mario Run verbraucht. Direkt dahinter reiht sich das Abspielen von Musik über Amazon Music ein. Bei der Video-Wiedergabe über Netflix zeigte sich das Huawei P20 recht ausgeglichen im Akkuverbrauch. Gerade einmal 4,3 Prozent der Leistung wurde hierbei beansprucht. Die anderen Szenarien wie das Surfen im Internet, die Facebook-Nutzung und das Telefonieren machen ebenfalls nur einen kleinen Einschnitt in der Laufzeit.

Nach acht Stunden – inklusive Intensiv-Nutzung und Ruhezeiten – hatte das Huawei P20 noch eine Akkuladung von 66 Prozent. Im Anschluss folgten 16 Stunden Standby. In dieser Zeit fiel die Ladung um nochmals 12 Prozentpunkte auf einen Endstand von 54 Prozent. Damit hat das Huawei P20 im Test selbst nach 24 Stunden noch über die Hälfte seiner maximalen Akkuladung übrig. Ein sehr guter Wert, der im Notfall dank Stromspareinstellungen sogar noch ausgeweitet werden kann.

Huawei P20: Akkulaufzeit nach 24 StundenQuelle: Rita Deutschbein / handy.de
Ladestand des Huawei P20 nach 24 Stunden inklusive Intensiv-Nutzung und Standby.

Das Akkumanagement des Huawei P20 ist hervorragend. Selbst nach einem ganzen Tag mit intensiver Nutzung hatte das Smartphone noch mehr als die Hälfte seiner Akkuladung übrig. Damit wäre ein weiterer Nutzungstag voll intensiver Anwendungen drin. Wer das Smartphone seltener zur Hand nimmt, kommt mit einer Akkuladung sogar noch länger aus. Auf das Aufladen per Induktion muss beim P20 zwar verzichtet werden, dafür unterstützt das Gerät Super Charge und ist somit in nicht einmal eineinhalb Stunden wieder voll geladen.

Fazit: Huawei P20 im Test

Das Huawei P20 ist ein Smartphone mit einem sehr schicken, wenn auch durch die Glaselemente empfindlichen Design. Die Verarbeitung überzeugt und auch die Leistung bewegt sich auf oberem Niveau. Mit dem Kirin 970, den KI-Funktionen sowie der guten Speicherausstattung bleiben kaum Wünsche offen. Selbst das Betriebssystem ist mit Android 8.1 Oreo auf einem sehr aktuellen Stand.

Huawei P20 Testsiegel

Das Fullview-Display im 19:9-Format punktet mit einer guten Darstellung, natürlichen Farben und ausgewogenem Kontrast. Selbst die Notch lässt sich auf Wunsch ausblenden, was einigen Nutzern sicherlich gefallen wird. Ein weiterer Pluspunkt des neuen Display-Formats ist die kompakte Bauweise, die beibehalten werden kann.

Die Kamera-Ausstattung gefällt und sorgt für sehr gute Fotos, deren KI-Verbesserungen allerdings nicht immer ganz passend gewählt sind. Generell hebt sich die Kamera des P20 etwas zu wenig von der des Vorgängers Huawei P10 ab. Beide Smartphones haben ein beinahe identisches Kamera-Setup. Huawei hat vielmehr an den feinen Details gedreht und die Software der Dual-Kamera dadurch verbessert. Foto-Fans werden hier also ihre Freude haben. Musik-Liebhaber haben es dafür etwas schwieriger, was an der fehlenden Klinkenbuchse liegt. Herkömmliche Kopfhörer lassen sich beim P20 nur noch über einen Adapter anschließen – ein Trend, dem viele Smartphone-Hersteller derzeit folgen. Trost spendet die sehr gute Akkulaufzeit, die das Huawei P20 zu einem verlässlichen Begleiter im Alltag macht.

Pro

  • Sehr gute Verarbeitung
  • Gutes Display mit ausblendbarer Notch
  • Starker Akku
  • Sehr gute Performance
  • Viele Kamera-Einstellungen für Foto-Fans

Contra

  • Empfindliche Glasoberfläche
  • Kamera steht von der Rückseite ab
  • Fehlende Klinkenbuchse
  • Kein Speicherkartenslot

Huaweis neues Flaggschiff: Das P20
Flaggschiff ohne Pro: Huawei P20

Alternativen und verfügbare Versionen

Huawei hat das P20 für eine unverbindliche Preisempfehlung von 649 Euro Anfang April auf den Markt gebracht. Mittlerweile bieten diverse Online-Shops das Smartphone zu Preisen ab 519 Euro an. Bei Amazon kostet das Huawei P20 zum Zeitpunkt des Tests 575 Euro*. Angeboten wird zumeist die Version mit Dual-SIM, die wir auch getestet haben. Eine Single-SIM-Variante soll es ebenfalls geben, ist aber im freien Handel seltener zu finden. Beim P20 hast Du die Wahl zwischen den drei Farben Schwarz, Blau und Pink.

Alternativen findest Du unter anderem in der gleichen Familie, wobei hier vor allem das Huawei P20 Pro einen Blick Wert ist. Das Smartphone hat eine Kamera mehr, also eine Triple-Kamera. Diese gilt derzeit als eine der besten Handy-Kameras auf dem Markt. Das Huawei P20 Pro ist mit 736 Euro bei Amazon* allerdings auch ein gutes Stück teurer. Günstiger ist da das Mate 10 Pro aus dem Vorjahr. Es hat ebenfalls eine Leica-Dual-Kamera, den Kirin 970, 128 GB Speicher und sogar 6 GB RAM. Das Smartphone kostet bei Amazon nur noch 595 Euro* und erhält in Kürze weitere P20-Funktionen per Update. Darunter einige Kamera-Features und Face Unlock. Abseits von Huawei bietet sich Samsung Galaxy S9 an, dessen Kamera ebenfalls im Test überzeugte. Hier musst Du bei Amazon mit 624 Euro* allerdings ebenfalls etwas mehr auf den Tisch legen.

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