Custom-ROMs: Huawei-Handys mit eigenem Android bespielen - So geht's
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Custom-ROMs: Huawei-Handys mit eigenem Android bespielen – So geht’s

P20 Pro, Mate 20, Honor 10 und Co.: So kannst Du Googles Update-Sperre umgehen

Mit der Android-Sperre seitens Google sind Millionen von Huawei-Handys in Gefahr, ihre Funktion zu verlieren. Ab August gibt es keine weiteren Updates für das Android-Betriebssystem. Aber es gibt ein paar Möglichkeiten, ein eigenes Android-System aufzuspielen. Wir haben Dir den besten Weg zusammengefasst, um Dein P20 (Pro), Mate 20 (Pro), Honor 10 und viele weitere Handys wieder auf Vordermann zu bringen.

OpenKirin: Die Rettung für (viele) Huawei- und Honor-Handys

OpenKirin LogoEin kleines Team an Entwicklern hat sich daran gesetzt, Huawei- und Honor-Handys mit eigenen Android-Versionen, sogenannten Custom ROMs, zu bespielen. OpenKirin, so heißt das Projekt, orientiert sich am Namen der verbauten Prozessoren in den Smartphones.

Das Tool verändert einige Dateien im Innersten des Betriebssystems und erlaubt es dadurch, eigene Android-Versionen aufzuspielen. Vielleicht hast Du schon einmal von LineageOS, Resurrection OS und OmniROM gehört? Du wechselst quasi komplett von Huaweis eigener Android-Version (EMUI 8 oder 9) auf ein leicht anderes Android. Diese sogenannten Custom ROMs sind vom Update-Zyklus Huaweis und Honors entkoppelt, deswegen gibt es hier auch dauerhaft neue Updates. Beim Umsteigen von EMUI auf eine ROM gehen allerdings alle Deine Apps und Dateien verloren – mache also vorher Foto-Backups und schreibe Dir deine Must-Have-Apps auf, um nachher nicht ins Chaos zu verfallen.

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Mit dem Umstieg auf LineageOS (unser Favorit) erhältst Du wieder die Möglichkeit, aktuelle Updates zu erhalten. Außerdem gibt es häufigere Updates, zahlreiche neue Funktionen und eine sehr aktive Entwickler-Community, die dauernd an dem Betriebssystem weiter arbeiten.

Handelssanktionen verbieten Huawei die Nutzung von Android. Aber was passiert jetzt mit deinem Huawei-Handy - kannst du noch Apps herunterladen und Updates erhalten? Wir haben alle aktuellen Infos gesammelt. 

Custom ROM für Huawei und Honor mit OpenKirin: Diese Smartphones sind unterstützt

OpenKirin ist mit zehn verschiedenen Handy-Prozessoren kompatibel, von denen nur ein paar für uns relevant sind: Der Kirin 980, 970, 960, 955, 950, 710 und 659. Das sind alle Huawei- und Honor-Smartphones, die mit OpenKirin und unserer Anleitung „geflasht“, also mit einer eigenen Android-Version versorgt werden können:

  • Honor View 20
  • Huawei Mate 20
  • Huawei Mate 20 Pro
  • Huawei Mate 20 X
  • Huawei Mate 20 Lite
  • Huawei P Smart 2019
  • Honor 10
  • Huawei P 20 Pro
  • Huawei P 20
  • Huawei Mate 10
  • Huawei Mate 10 Pro
  • Honor View 10
  • Honor 9
  • Honor 8 Pro
  • Huawei P10 / Plus
  • Huawei Mate 9 / 9 Pro
  • Honor 8X

Auf der nächsten Seite widmen wir uns der Installation der eigenen Android-Software auf Huawei- und Honor-Smartphones.

Huawei-Handys mit eigenem Android: Voraussetzungen für die Installation

Bevor Du dich überhaupt mit der Installation von einer eigenen Android-Version auf Deinem Huawei- oder Honor-Handy befasst, musst Du erst einmal zwei Kriterien erfüllen: Der sogenannte Bootloader muss entsperrt sein und Dein Telefon muss auf EMUI-Version 8, 9 oder 9.1 sein. Letzteres überprüfst Du schnell und einfach in den Systemeinstellungen unter „über das Gerät“ – hier müsste die verwendete EMUI-Version vermerkt sein.

Dein Bootloader wird wahrscheinlich nicht freigeschaltet sein – sonst wüsstest Du es und hättest diesen Teil übersprungen. Hiermit kommen wir zum ersten großen Problem: Wie kommt man an einen Bootloader-Code?

Bevor Du dich mit der Installation auseinandersetzt: Wir übernehmen keinerlei Garantie, dass dieser Update-Prozess fehlerfrei vonstatten geht. Im schlimmsten Fall ist Dein Smartphone nicht mehr zu gebrauchen. Überprüfe die einzelnen Schritte am besten mehrmals und gehe das Projekt nur an, wenn du Ein wenig Grundwissen in der Materie hast!

So kommst Du an Huaweis Bootloader Unlock-Code

Unlock-Codes gibt es seit 2018 offiziell nicht mehr.
Huaweis Unlock-Codes gibt es seit 2018 offiziell nicht mehr.

Bis Mitte 2018 bot Huawei die Möglichkeit, Dein Smartphone als Entwickler zu entsperren. Dafür gab es einen Code, den man einfach im Handy eingeben konnte – schon hatte man Zugriff auf das Innerste des Betriebssystems. Dieser Service wurde leider eingestellt. Inzwischen gibt es einige Drittanbieter, die diese Codes anbieten. Allerdings sind diese ausnahmslos kostenpflichtig – Du musst für das Entsperren des Bootloaders zwischen 18 und 40 Dollar zahlen.

Außerdem präsentieren sich die Verkäufer nicht gerade professionell mit zwielichtigen Bezahlmethoden und komplizierten Rückerstattungssystemen. Einen anderen Weg, an die Codes zu kommen, gibt es leider nicht. Aber: Bisherige Bewertungen aus der Entwickler-Szene attestieren immerhin eine zuverlässige Lieferung und das problemlose Einlösen des Codes.

Wir erzielen keine Gewinne aus einer den unten aufgeführten Dienstleistungen. Es gibt keine Garantie dafür, dass diese Dienste sicher zu nutzen sind. Huawei und Honor geben Dir keinen Support, sollte etwas schief laufen.

  • Texby: Kostenloses Tool, welches nur die IMEI benötigt – scheint aber nicht immer zu funktionieren.
  • FunkyHuawei ist der am häufigsten genutzte Service. Eine Lizenz kostet 18 Dollar.
  • MinistryOfSolutions bietet für ältere Smartphones (kein Update seit Mitte 2018 Codes für 4 Dollar an. Neuere Modelle kosten um die 30 Dollar.
  • Der DC-Unlocker funktioniert nach Erfahrungen nur bei älteren Huawei-Handys, ähnlich wie beim günstigen MinistryOfSolutions-Code. Preis: 4 Euro. Dafür sind spezielle Schritte vonnöten, wie bei den XDA-Developers beschrieben wird.

Mit einem funktionierenden Unlocker-Code können wir uns nun um die Installation des eigenen Androids kümmern.

OpenKirin: Huawei-Handys mit eigenem Android bespielen

Für diese Anleitung orientieren wir uns streng an den Anweisungen von OpenKirin selbst. Solltest Du bereits durch den Bootloader-Unlock-Code eine alternative Anleitung nutzen müssen, befolge diese Schritte bitte nicht.

Um es uns wieder ins Bewusstsein zu holen: Dein Huawei- oder Honor-Smartphone ist auf EMUI-Version 8, 9 oder 9.1. Zusätzlich besitzt Du einen Bootloader-Code. Solltest Du deine Dateien noch nicht gespeichert haben, empfiehlt es sich spätestens jetzt, ein Backup durchzuführen. Nach der Installation sind alle Dateien auf dem Gerät gelöscht.

Backups kannst Du unter anderem mit den hier vorgestellten Backup-Apps durchführen.Sie führen Dich einfach und unkompliziert durch die Schritte, um nachher mit einem exakt gleich eingerichteten Smartphone unterwegs zu sein. Ein vollständiges Backup klappt beim Umstieg der ROM nicht immer: Es werden auch Systemdateien kopiert, die bei der alternativen Software nicht mehr richtig erkannt werden. Deswegen ist es teils auch sinnvoll, manuell Dateien zu sichern.

Pro-Tipp: Solltest Du einen Authenticator für eine 2-Faktor-Authentifizierung nutzen, entknüpfe den Account vorher. Sonst kannst Du Dich nachher schlimmstenfalls nicht wieder in die entsprechenden Accounts einloggen. Zu den Apps gehören:

  • Google Authenticator
  • Battle.Net Authenticator
  • Steam Authenticator
  • Microsoft Authenticator
  • TAN-Apps (Fürs Mobile Banking)

Alles erledigt? Wunderbar, dann können wir jetzt mit der Installation starten.

Schritt 1: Installieren von Fastboot / ADB und Bootloader-Code

Der Dateipfad, unter dem die entpackten (!) Dateien zu finden sein sollten.

Fastboot und ADB sind zwei Programme bzw. Treiber, die Du auf Deinem Windows-PC oder -Laptop installieren musst. Nur mit dieser Software klappt das spätere Aufspielen von Software aufs Huawei-Handy. Die nötige Software gibt es direkt bei OpenKirin hinter diesem Link. Entpacke die Dateien in einem Ordner mit dem Namen „adb“, der auf dem Hauptverzeichnis Deines Computers oder Laptops liegt. Das vereinfacht die Navigation, die jetzt nötig ist.

Als nächstes benötigst Du die Eingabeaufforderung. Diese öffnest Du einfach, indem Du in der Windows-Suche wahlweise nach „Eingabeaufforderung“ oder „cmd“ suchst. Wichtig: Nicht einfach so öffnen, sondern mit einem Rechtsklick anklicken und „als Administrator ausführen“ auswählen!

Darauf öffnet sich die Kommandozeile. Hier ist dann noch ein einfacher Befehl nötig, mit dem Du zum richtigen Ordner navigierst. Wichtig ist das umgedrehte Slash (\): Dieses Zeichen kannst Du mit der Taste ALT GR und ß in Kombination erzeugen. Copy and Paste ist in der Eingabeaufforderung leider nicht möglich.

cd C:\adb

Fastboot- und ADB-Treiber installieren: So muss es in der Kommandozeile aussehen.

In das erscheinende Fenster gibst Du einfach nur „fastboot“ ein. Wenn die Treiber erfolgreich installiert wurden, sollte daraufhin die Nachricht „usage: fastboot [ <option> ] <command>“ im Fenster auftauchen.

Die Kommandozeile benötigst Du auch zum Einspielen des Unlock-Codes für den Bootloader. Als erstes schaltest Du das Handy aus. Drücke dann gleichzeitig auf den Powerbutton und die Lautstärkewippe, als würdest Du die Lautstärke verringern wollen. Danach wird das Handy per USB-Kabel mit dem PC verbunden. Sobald diese Schritte erledigt sind, kann es an die Entsperrung gehen. Dafür tippst du nacheinander diese Zeilen ein und bestätigst jeweils mit Enter:

cd C:\adb
adb reboot bootloader
fastboot oem unlock [Dein Unlock-Code]

Die eckigen Klammern musst Du nicht in der Kommandozeile stehen lassen, stattdessen gebe einfach die erhaltene Unlock-Nummer ein. Danach startest Du Dein Handy einmal neu. Dann sollte der Bootloader erfolgreich entsperrt sein.

Schritt 2: Download einer Custom ROM

Jetzt ist das Smartphone bereit zum Bespielen mit einem neuen eigenen Betriebssystem – auch Custom ROM genannt. Dieses spezielle Android musst Du aber zuerst herunterladen. OpenKirin stellt dafür mehrere Versionen zur Verfügung. Wähle hier zwischen Custom ROMs für „EMUI 9“-Handys und Geräte mit der älteren EMUI-Version 8. Ist die Datei noch gepackt (.zip, .rar oder .xz), musst Du die Datei mit der Dateiendung .img entpacken. Das geht am besten mit WinRAR oder 7-Zip. Beide Programme sind kostenlos. Speichere die .img-Datei im gleichen Ordner, in dem auch Fastboot aus Schritt 1 installiert wurde.

Schritt 3: Huawei-Handy mit eigenem Android bespielen

Jetzt geht es an die Betriebssystem-Operation: Als erstes schaltest Du das Handy aus. Drücke dann gleichzeitig auf den Powerbutton und die Lautstärkewippe, als würdest Du die Lautstärke verringern wollen. Danach wird das Handy per USB-Kabel mit dem PC verbunden.

Huawei mit eigenem Android: Der Bootloader muss zwingend entsperrt sein!Quelle: OpenKirin
Huawei mit eigenem Android: Der Bootloader muss zwingend entsperrt sein!

Achtung: Sollte auf diesem Screen kein Hinweis zu sehen sein, dass das Smartphone einen offenen Bootloader besitzt, musst Du dich noch einmal mit dem Thema Bootloader-Unlock widmen! Die Hinweise „PHONE unlocked“ und „FRP Unlock“ müssen zwingend beide gezeigt werden.

Als nächstes geht es an den Computer: Öffne – wie gerade schon – ein Kommandozeilen-Fenster im Fastboot-Ordner. Hier gibst Du diesmal einen anderen Befehl ein:

cd C:\adb
fastboot flash system [Dateiname.img]

Den Dateinamen ersetzt Du durch den Namen der Datei, die Du entpackt hast – die eckigen Klammern bitte ebenfalls weglassen. Drücke Enter und warte – das Fenster nicht schließen! Schon wenige Sekunden später müssten dann zahlreiche Installationsbestätigungen über den Bildschirm schweben:

So muss die Kommandozeile nach der Installation ungefähr aussehen.Quelle: OpenKirin
Huawei-Handys mit eigenem Android bespielen: So muss die Kommandozeile nach der Installation ungefähr aussehen.

Nach der Bestätigung der Installation und dem Erscheinen des aktuellen Dateipfads tippst Du noch folgenden Code ein:

fastboot reboot

Danach startet Dein Handy vollautomatisch neu. Schalte es schnell aus und lasse es dann noch einmal starten – diesmal mit der Tastenkombination Power-Button und Lautstärke höher. Daraufhin müsste ein EMUI-Menü erscheinen, in dem Du auf „Wipe data / factory reset“ drückst. Tust Du das nicht, wird das neu installierte Android nicht richtig funktionieren. Danach musst Du das Gerät noch einmal neu starten und Du solltest endlich auf Deinem eigenen Android unterwegs sein – et voila!

Hat etwas nicht funktioniert? OpenKirin bietet eine Support-Unterseite an, in dem Du Probleme ausfindig machen kannst und sich eine entsprechende Problemlösung finden lässt.

Schritt 4: Google-Dienste installieren und Backup wieder einpflegen

Mit der Custom ROM erhälst Du nicht direkt alle Google-Dienste – der Play Store und weitere Apps von Google müssen also manuell hinzugefügt werden. Das ist aber kein Problem: Über Open GApps kannst Du einfach alle Dienste nachladen. Wähle beim Download als Plattform „ARM64“ aus, die Android-Version ist abhängig von deiner ROM. Mit den Varianten kannst Du schon vorher auswählen, welche Anwendungen für dich überhaupt relevant sind.

Alles abgeschlossen? Dann installiere die App, mit der Du das Backup angefertigt hast, und spiele alle alten Dateien wieder auf. Danach sollte Dein Handy wieder fast so funktionieren wie vorher – nur mit aktuellen Updates, einem entschlackten Android und längerer Akkulaufzeit.

Huawei-Handys mit eigenem Android bespielen, ist also absolut kein Zuckerschlecken. Auf der nächsten Seite widmen wir uns dem problematischen Huawei P30 Pro und sagen Dir, auf welche Funktionen du nach dem Umstieg auf eine eigene Android-Version verzichten musst.

Huawei P30 Pro: Keine ROM-Installation möglich

Huawei P30 Pro Front DesignOpenKirin funktioniert leider nicht für alle Huawei-Smartphones. Für alle nicht oben gelisteten Huawei- und Honor-Handys gibt es nur sporadisch Lösungen, die häufig noch mehr Schritte bei der Installation erfordern. Dazu kommt das Risiko, dass die Installation schief läuft – hier installieren nur wenige Leute ein alternatives Android auf Huawei-Smartphones, während OpenKirin auf eine gewisse Nutzermasse zurückgreifen kann. Wir haben an dieser Stelle Anleitungen für Dich gesammelt, die Dir so vielleicht auch das Flashen von nicht unterstützten Geräten ermöglicht:

Huawei-Handys mit eigenem Android bespielen: Einschränkungen und Probleme

Mit dem Android-Update von EMUI auf die Custom ROM Deiner Wahl bist Du jetzt zwar unabhängig von Huaweis Software-Updates, bekommst selbst nach Support-Ende noch aktuellere Andriod-Versionen und hast völlige Freiheit, welche App Du installieren kannst. Dennoch gibt es ein paar Konsequenzen durch das Update, die Dir bewusst sein sollten.

Bezahldienst Google Pay
Google Pay: Bei Custom ROMs nur mit Einschränkungen nutzbar.

Zum einen funktionieren Zahlungsdienste wie Google Pay bei geflashten Smartphones häufig nicht. Das hängt mit der Gerätesicherheit zusammen: Theoretisch könnte ein Hacker auf Dein Gerät zugreifen und Unfug mit den Zahlungsdaten anstellen. Um das zu verhindern, sind nur offizielle Android-Versionen von den Herstellern für die Zahlung zugelassen. Auch einige Banking-Apps setzen auf diesen Schutz und könnten unter Umständen später nicht mehr ordentlich funktionieren. Die mobile Website Deiner Bank funktioniert aber definitiv wie gewohnt weiter.

Durch den Fokus auf die Kamera – vor allem beim P20 Pro und P30 Pro – hat Huawei hier viel Software selbst programmiert. Du könntest zum Teil, wenn nicht sogar ganz, Zugriff auf die Zoom-Kameras verlieren und nur die Hauptkamera nutzen. Die Kamera-Anwendung lässt sich auf gerooteten Geräten aber einfach nachinstallieren.

Traust Du Dir das Aufspielen von eigenen Android-Updates nicht zu? Können wir verstehen – der Prozess ist relativ komplex und kostet auch ein wenig Zeit und Geduld. Falls Du unbedingt neue Android-Updates installieren möchtest, können wir Dir ansonsten ein paar Smartphones empfehlen, die definitiv keine Update-Sperre erhalten werden – etwa von Nokia, Samsung oder Google selbst.