HTC U12+ im Test: Das Smartphone zum Drücken
Testbericht

HTC U12+ im Test: Das Smartphone zum Drücken

Edge Sense 2 für noch bessere Bedienbarkeit

Mit dem HTC U12+ hat HTC erneut ein Smartphone vorgestellt, dessen Gehäuse druckempfindlich ist. Das vereinfacht die Einhand-Bedienung enorm. Auch abseits von Edge Sense 2 hat das HTC U12+ einiges zu bieten. Es verfügt über die aktuelle Top-Ausstattung, hat ein tolles Kamera-Setup und ist wasserfest. Wir hatten die Gelegenheit, das HTC U12+ im Test näher unter die Lupe zu nehmen.

Design und erster Eindruck

Klein ist das HTC U12+ nun wahrlich nicht. Mit seinem 6-Zoll-Display gehört es aktuell zu den größeren Smartphones auf dem Markt. Auch in der Breite ist das Gerät ausladender. Menschen mit kleinen Händen können das U12+ daher nur schwer umfassen. Dafür hat sich HTC aber etwas Besonderes einfallen lassen, das die Einhandbedienung vereinfachen soll. Ein druckempfindliches Gehäuse und eine neue Oberfläche namens Edge Launcher. Genaue Details dazu erhältst Du weiter unten im Test.

In der Hand: Das HTC U12+Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
HTC neues U12+ im Test.

Optisch hat sich das HTC U12+ im Vergleich zum Vorgänger – dem HTC U11 – deutlich verändert. Zum einen bringt das neue Smartphone nun ein Fullview-Display im 18:9-Format mit. Zum anderen zeigt sich auf der Rückseite eine Dual-Kamera. Auch die Seitenpartien des HTC U12+ haben ein neues Design. Statt auf mechanische Tasten, die bei Smartphones üblich sind, setzt der Hersteller auf sensorische Buttons. Das hat den Vorteil, dass der Rahmen des Smartphones im Tastenbereich nicht ausgeschnitten werden muss. Stattdessen sind die Tasten Teil des Rahmens, was die Stabilität deutlich erhöht. Sie reagieren auf leichte Berührung mit einem kurzen Vibrationsfeedback. Zu Beginn ist das zwar etwas gewöhnungsbedürftig, wir kamen im Test aber schnell damit zurecht.

Verarbeitung und Farben

Gröbere Patzer in der Verarbeitung leistet sich HTC nicht. Das ist auch gut so, da das U12+ nach IP68 Schutz vor Wasser und Staub bietet. In der Handhabung machen sich die fühlbaren Konturen des Rahmens bemerkbar. Hier setzt HTC nicht auf abgerundete Übergänge, sondern vielmehr auf mehr Konturen.

Blau, Schwart und Rot: Die Farben des HTC U12+Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
Die Farben des HTC U12+: Blau, Schwarz und Rot

Die Glasoberfläche zeigt das typische Problem der Fingerabdrücke, die nur allzu schnell haften bleiben. HTC nennt die Oberfläche Liquid Silver. Um einen schimmernden Farbwechsel zu erreichen, hat der Hersteller die verschiedenen Glasschichten unterschiedlich eingefärbt. Je nach Lichteinfall schimmert die Farbe etwas anders. Sehr gut zu sehen ist das bei der roten Version des HTC U12+ namens Flame Red. Hier verläuft die Farbe von Gold/Gelb bis hin zu Tiefrot. Neben der roten Variante gibt es das HTC U12+ auch in klassischem Schwarz – der Farbe unseres Testgerätes. Eine Besonderheit ist die Version Translucent Blue. Das blaue HTC-Handy hat eine Rückseite, die halbtransparent ist. So lassen sich Teile der Kamera, des Fingerabdrucksensors und der Hauptplatine von Innen betrachten. Alle drei Farben sind direkt zum Marktstart erhältlich.

Das HTC U12+ hat ein modernes Design und ist insgesamt gut verarbeitet. Das Gehäuse ist nicht nur druckempfindlich, sondern auch wasserdicht. Es hält bis zu 30 Minuten in bis zu 1,5 Meter tiefem, klarem Wasser aus, ohne Schaden zu nehmen. Die Glasrückseite schimmert je nach Lichteinfall, ist aber auch anfällig für Schlieren. Dafür ist der Metallrahmen besonders stabil, da HTC auf mechanische Tasten verzichtet hat.

Display: Tolle Farben, aber wenig strahlend

Das Display des HTC U12+ hat eine Diagonale von 6 Zoll und löst 1.440 x 2.880 Pixel auf. Typisch für ein Oberklasse-Smartphone aus diesem Jahr setzt HTC beim U12+ auf das 18:9-Format. Eine Notch gibt es allerdings nicht. Denn der Part am oberen Displayrand wird für die beiden Frontkameras benötigt. Dafür bietet der Bildschirm HDR-10-Unterstützung.

Startbildschirm des HTC U12+Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
HTCs neues Flaggschiff: Das U12+.

Die Displayanzeige war im Test kontrastreich und blickwinkelstabil, bei sehr schräger Sicht auf den Bildschirm wird die Anzeige allerdings leicht dunkler. Einzelne Bildpunkte haben wir nicht erkannt. Auch die Farbdarstellung hat überzeugt. Farben werden natürlich und nicht zu überzogen dargestellt. Das liegt unter anderem an der Verwendung der Super-LCD-Technologie, bei der die Schärfe und der Kontrast im Vergleich zu regulären LCD-Screens nochmal verbessert wurden. Zudem gibt es beim Super LCD keinen Zwischenraum zwischen dem eigentlichen Display und dem Deckglas. Dadurch ist das Display flacher und spiegelt weniger. Allerdings erschien uns die maximale Displayhelligkeit nicht wirklich hoch, sodass wir bei starkem Sonnenlicht Probleme hatten, das Display abzulesen. Das klappt bei anderen Smartphones besser.

Always-on-Display

Nach dem Ausstellen des Displays switcht die Anzeige in den Always-on-Modus. Hier werden auf dem schwarzen Bildschirm in weißer Schrift Informationen wie die Uhrzeit, eingegangene Nachrichten, der Akkustand und das Datum angezeigt. Anstatt das gesamte Display anzuschalten, werden bei der monochromen Anzeige nur die Pixel beleuchtet, die zur Anzeige notwendig sind. Das spart Strom.

Mit einer Diagonale von 6 Zoll bietet das HTC ein recht großes Display, das ohne Notch auskommt. Die Auflösung beträgt 1.440 x 2.880 Pixel. Inhalte und Farben stellt der Super-LCD-Screen kontrastreich und natürlich dar. Insgesamt ist die Anzeige allerdings zu dunkel. Strom sparen lässt sich durch das Always-on-Display.

Die Ausstattung des HTC U12+ im Überblick

HTC U12+

Displaygröße

6 Zoll

Auflösung

1.440 x 2.880 Pixel, 18:9-Format

Prozessor

Snapdragon 845, Octa-Core / 2,8 GHz

Arbeitsspeicher

6 GB

Speicher

64 GB, erweiterbar um bis zu 2 TB

Hauptkamera

Dual-Kamera mit LED-Blitz

Sensor 1: 12 MP, f/1.75, OIS, Ultra-Pixel 4, Weitwinkel

Sensor 2: 16 MP, f/2.6, Tele-Objektiv

Frontkamera

Dual-Kamera mit 2x 8 MP, f/2.0

Akku

3.500 mAh, USB C, Quick Charge 3.0

Software

Android 8.0 Oreo mit HTC Sense / Project Treble

SIM-Slot

Nano-SIM, Dual-SIM (Hybrid-Slot)

Sicherheit

Fingerabdrucksensor, Face Unlock, Pin, Passwort, Muster

Drahtlos-Verbindungen

Bluetooth 5.0, NFC, GPS, GLONASS

Wifi

WLAN 802.11 a/b/g/n/ac (2,4 GHz + 5 GHz)

Mobilfunk

GPRS/EDGE, UMTS/HSPA+

LTE Cat.18 (bis zu 1,2 GBit/s Down, 150 MBit/s Up)

VoLTE, Wifi Calling

Wasserfest

IP68

Maße

156,6 x 73,9 x 8,7 mm

Gewicht

188 Gramm

Farben

Titanium Black, Flame Red, Translucent Blue

Preis und Verfügbarkeit

799 Euro, Start Mitte Juni

Technische Ausstattung auf Top-Niveau

Technisch lässt das HTC U12+ kaum Wünsche offen. Im Smartphone arbeitet der Snapdragon 845 zusammen mit 6 GB Arbeitsspeicher. Der Prozessor besteht aus insgesamt acht Kryo-Kernen, die in ein stromsparendes Cluster mit je vier Cortex-A55-Kernen mit bis zu 1,8 GHz und in ein leistungsstarkes Cluster mit vier Cortex-A75-Kernen mit bis zu 2,8 GHz unterteilt sind. Spezielle KI-Eigenschaften, die bei vielen Konkurrenz-Geräten zum Einsatz kommen, gibt es beim HTC U12+ nicht.

Die leistungsstarke Kombi sorgt für eine hohe Performance, die im Alltag wohl kaum ausgereizt wird. Im Test konnten wir sehr flott durch Webseiten und Homescreens scrollen. Auch der Edge Launcher ließ sich flüssig bedienen und Apps öffneten sich zügig. Spiele aus dem Google Play Store waren selbst mit aufwändiger Grafik kein Problem. Die gute Performance des HTC U12+ spiegelt sich in den Ergebnissen der Benchmarks wider. Hierbei ist vor allem der Vergleich der ersten drei Smartphones in der Tabelle interessant. Denn alle drei werden vom Snapdragon 845 angetrieben. Allerdings bringt nur das HTC U12+ 6 GB Arbeitsspeicher mit, das Sony Xperia XZ2 und das LG G7 ThinQ sind hingegen mit 4 GB RAM ausgestattet.

Das HTC U12+ im Benchmark-Test

Sowohl im Benchmark von AnTuTu als auch von Geekbench lassen sich die sehr ähnlichen Ergebnisse erkennen. Kleinere Abweichungen sind normal und lassen sich unter Messschwankungen verbuchen. Die Werte bewegen sich insgesamt auf oberen Niveau und bescheinigen dem HTC U12+ eine sehr solide Leistung. Im unmittelbaren Vergleich mit dem Huawei P20 Pro und dem hauseigenen Prozessor Kirin 970 hat der Snapdragon 845 zumindest in der Kernstruktur sogar die Nase vorn. Sowohl im Single- als auch Multi-Core-Test von Geekbench schneidet der Chip besser ab.

AnTuTu

Geekbench

3DMark Sling Shot Extreme

HTC U12+

255.718

Single-Core: 2.387

Multi-Core: 8.523

OpenGL: 3.606

Vulkan: 2.981

LG G7 ThinQ

236.278

Single-Core: 2.371

Multi-Core: 7.476

OpenGL: 4.189

Vulkan: 3.086

Sony Xperia XZ2

263.381

Single-Core: 2.416

Multi-Core: 8.363

OpenGL: 4.657

Vulkan: 3.491

Huawei P20 Pro

211.099

Single-Core: 1.918

Multi-Core: 6.835

OpenGL: 3.003

Vulkan: 3.380

Samsung Galaxy S9+

239.138

Single-Core: 3.747

Multi-Core: 8.868

OpenGL: 3.298

Vulkan: 3.413

HTC hat sein neues Smartphone mit 64 GB Speicher ausgestattet. Mit einer Micro-SD-Karte lässt sich dieser um zusätzlich bis zu 2 Terabyte erweitern – sofern irgendwann einmal Speicherkarten mit einer derartigen Kapazität verfügbar sind. Wer Daten ohne Kabel übertragen möchte, kann dies über NFC oder Bluetooth 5.0 tun. Für das Streamen von Inhalten auf andere Geräte unterstützt das HTC U12+ Miracast, DLNA, AirPlay sowie HTC Connect.

Das HTC U12+ ist dank Snapdragon 845 und 6 GB RAM besonders leistungsstark. Auch in den Benchmarktests konnte das Smartphone überzeugen. Mit Bluetooth 5.0 sowie NFC bietet es zudem moderne Verbindungstechnologien. Sowohl normale Nutzer als auch Fans von aufwendigen Android-Spielen kommen beim HTC U12+ voll auf ihre Kosten.

Internet und Telefonie – auf Wunsch mit Dual-SIM

Wie es sich für ein Oberklasse-Smartphone gehört, funkt das HTC U12+ über WLAN ac sowohl im 2,4 GHz- als auch im 5-GHz-Band. Über Mobilfunk sind mit UMTS/HSPA+ maximale Datenraten von bis zu 42 MBit/s möglich, im LTE-Netz erreicht das Smartphone sogar bis zu 1,2 GBit/s. Letztere Werte gelten allerdings (noch) nicht für Deutschland. Hierzulande sind die Netze für derart hohe Datenraten derzeit nicht ausgelegt. Bei regulär 500 MBit/s im Vodafone-Netz, 300 MBit/s im Telekom-Netz und 225 MBit/s im o2-Netz ist Schluss.

Über LTE lässt sich mit dem HTC U12+ auch telefonieren (VoLTE), sofern der Netzbetreiber dies unterstützt. Das gleiche gilt für Telefonate über WLAN (Wifi Calling). Standardtelefonate über 3G klappten im Test anstandslos. Beide Gesprächspartner verstanden sich ohne Probleme. Dabei hilft, dass die Filter, die Störgeräusche bei lauter Umgebung entfernen, beim HTC U12+ sehr gute Arbeit leisten.

Bei Bedarf lässt sich das HTC U12+ in ein Dual-SIM-Smartphone verwandeln. Dann belegt die zweite Nano-SIM allerdings den Speicherkartenslot. Auf beiden SIM-Slots wird LTE unterstützt. Der Wechsel der Daten-SIM ist daher nicht mehr notwendig.

Sowohl bei der Telefonie als auch beim Internet kann das HTC U12+ überzeugen. Es unterstützt nicht nur besonders schnelle Datenraten über LTE, auch VoLTE und Wifi Calling sind möglich. Auf Wunsch verwandelt sich das Smartphone sogar in ein Dual-SIM-Handy. Dann müssen Nutzer allerdings auf die Speichererweiterung verzichten.

System

HTC liefert das U12+ mit Android 8.0 Oreo aus. Der Hersteller verspricht ein Update auf Android 9 P, das Google im Herbst offiziell machen wird. Dank Project Treble könnte es sehr schnell auf dem HTC U12+ landen. Negativ ist jedoch, dass das Smartphone noch mit dem Sicherheitspatch vom März ausgeliefert wird. Auch nach einer Update-Suche standen die neueren Versionen von April oder Mai nicht zur Verfügung.

Zudem wird das HTC U12+ mit einigen vorinstallierten Apps ausgeliefert. Dazu zählen beispielsweise Facebook, Messenger und Instagram, aber auch die Sport-App Under Armor Record, Zoe Video Editor, News Republic sowie die HTC-Apps Viveport und HTC Alexa. Die Apps lassen sich lediglich deaktivieren, jedoch nicht vollständig deinstallieren. Das ist schade, da die Anwendungen so Speicherplatz belegen, auch wenn Nutzer sie nicht benötigen. Vom 64 GB internen Speicher sind zum Start gute 15 GB belegt. Somit stehen Nutzern noch knapp 49 GB Speicher zur freien Verfügung.

Sicherheit: Verschiedene Methoden stehen zur Wahl

Um das System zu sichern, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum einen stehen Dir die klassischen Sicherungsmethoden Pin, Passwort und Muster zur Verfügung. Zum anderen gibt es auf der Rückseite einen Fingerabdrucksensor. Dieser war im Test gut zu erreichen, ohne versehentlich auf die Kamera zu fassen.

HTC U12+ in Flame RedQuelle: Rita Deutschbein / handy.de
Der runde Fingerabdrucksensor ist gut erreichbar.

Zudem unterstützt das HTC-Handy Face Unlock. Diese Methode ist zwar nicht so sicher wie der Fingerabdruck, doch konnte HTC die Sicherheit zumindest etwas erhöhen. Denn die Dual-Kamera auf der Front scannt das Gesicht mit einer Dreiecks-Berechnung. Dadurch soll sich Face Unlock nicht mit einem Foto austricksen lassen, wie es beim Huawei P20 Pro passiert ist. Damit die Gesichtsentsperrung auch im Dunkeln funktioniert, wird bei Bedarf der Display-Blitz zur Ausleuchtung zugeschalten. Im Test funktionierte Face Unlock nicht immer zuverlässig. Besonders kurz nach der Einrichtung haben wir das ein oder andere mal einen Fehlerbericht erhalten, der an HTC weitergeleitet werden soll. Mit zunehmender Nutzung funktionierte das Entsperren per Gesicht aber besser.

Das HTC-Smartphone wird mit Android 8 Oreo ausgeliefert, läuft allerdings noch mit dem alten Sicherheitspatch vom März. Zudem sind einige Apps von Drittanbietern vorinstalliert, die sich lediglich deaktivieren lassen. Schade für diejenigen, die Anwendungen wie Facebook und Co. nicht benötigen. Die Sicherung des Systems klappt beim HTC U12+ auf verschiedenen Wegen. Neben dem Muster, Pin und Passwort stehen auch ein Fingerabdrucksensor sowie Face Unlock bereit. Letzteres funktioniert über zwei Frontkameras und ist somit sicherer als die Gesichtsentsperrung mit nur einer Kamera.

Edge Sense 2: Zweimal Drücken, bitte!

Eine Neuerung, die nicht auf Anhieb zu sehen ist, ist Edge Sense 2. Wie schon das HTC U11 lässt sich das HTC U12+ über das drucksensitive Gehäuse bedienen. Allerdings beruht Edge Sense 2 auf einer etwas anderen Hardware-Basis als Edge Sense und kann daher nicht per Update auf das HTC U11 nachgeliefert werden. Statt auf den Touchscreen zu klicken genügt es, das Gehäuse leicht zusammenzudrücken. Die dafür benötigte Druckstärke kann in den Einstellungen unter „Edge Sense“ angepasst werden. HTC möchte damit die Einhand-Bedienung vereinfachen. Das U12+ erkennt sowohl das einmalige Drücken als auch das zweimalige Drücken des Rahmens. Außerdem können ein leichtes Doppeltippen sowie das Drücken und Halten des Rahmens als Geste aktiviert werden.

Das HTC-Menü mit den Edge-Sense-EinstellungenQuelle: Rita Deutschbein / handy.de
Edge Sense kann im Menü angepasst werden.

In den Einstellungen unter „Edge Sense“ lässt sich bestimmen, welche Gesten welche Funktionen oder Apps starten sollen. Das kurze Drücken des Rahmens öffnet ab Werk beispielsweise die Kamera. Hier lässt sich aber auch jede andere, auf dem HTC U12+ installierte, App, eine Steuerungsgeste wie Screenshot oder Zurück oder aber die Taschenlampe hinterlegen. Wird der Rahmen länger gedrückt, startet der Google Assistant. Mit einem zweimaligen leichten Antippen der linken oder rechten Seite verkleinert sich standardmäßig die Bildschirmanzeige. Wir haben die Geste im Test jedoch so programmiert, dass sie den Edge Launcher öffnet. Dieser blendet die reguläre Oberfläche zu Gunsten der Einhandbedienung kurzfristig aus.

Edge Launcher

Edge Launcher beim HTC U12+Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
Rundes App-Karussell – der Egde Launcher beim HTC U12+.

Beim Edge Launcher handelt es sich um einen kreisrunden Launcher, der Shortcuts zu den meistgenutzten Apps beinhaltet. Weitere Apps lassen sich über das Plus-Symbol hinzufügen. Das „App-Karussell“ lässt sich wahlweise links oder rechts auf dem Bildschirm positionieren und ist drehbar. Die einhändige Steuerung mit dem Daumen klappte im Test sehr gut. Der Edge Launcher ist so designed, dass der Daumen jeden Bereich erreichen kann, ohne sich unnötig strecken zu müssen. Zudem dreht sich der Launcher sehr flüssig und ruckelfrei, was die Bedienung zusätzlich vereinfacht.

Der Rahmen des HTC U12+ ist druckempfindlich und ermöglicht somit eine besondere Art der Bedienung. Mit dem Drücken des Smartphones oder dem Antippen des Rahmens lassen sich zuvor programmierte Apps oder Funktionen starten. HTC nennt das Edge Sense 2. Auch der passende Edge Launcher erleichtert die Einhandbedienung, indem wichtige Apps in einem Karussell angeordnet werden, das sich mit dem Daumen drehen lässt.

Kamera: Zweimal Dual-Linse

Frontkamera des HTC U12+Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
Auch die Frontkamera des HTC U12+ verfügt über zwei Linsen.

Das HTC U12+ bringt zwei Dual-Kameras mit. Auf der Front gibt es zwei Sensoren mit je 8 Megapixel und f/2.0-Blende. Dadurch lassen sich Selfies mit Tiefenschärfe (Bokeh-Effekt) aufnehmen, bei denen der Hintergrund verschwommen dargestellt wird. Im Portraitmodus lässt sich leider nicht Zoomen, das könnte ein kleines Manko sein. Zudem ist standardmäßig ein Beautymodus eingestellt, der das Gesicht weichzeichnet. Dieser lässt sich aber deaktivieren und Verbesserungen einzeln zuschalten – wie Glattheit, Helligkeit und ein Gesicht-Optimierer. Als Blitzlicht dient das Display, das bei Bedarf kurz aufleuchtet und das Gesicht dadurch ausleuchtet. Die frontseitige Dual-Kamera ist unter anderem für Face Unlock zuständig und kann das Gesicht des Nutzers durch die zweite Linse deutlich dreidimensionaler scannen als es ein einfacher Sensor schafft.

Dual-Kamera des HTC U12+Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
Rückseitige Dual-Kamera des HTC U12+

Auch auf der Rückseite gibt es eine Dual-Kamera. Ein Sensor macht Bilder im Weitwinkel-Format mit bis zu 12 Megapixel. Die Blende hat eine Größe von f/1.75 und auch ein optischer Bildstabilisator (OIS) steht unterstützend bereit. HTC setzt beim Hauptsensor auf die bekannten UltraPixel in der vierten Generation. UltraPixel sind größer als normale Kamera-Pixel und können dadurch deutlich mehr Licht einfangen. Der zweite Sensor bietet 16 Megapixel und kommt ohne UltraPixel sowie OIS aus. Hierbei handelt es sich um ein Tele-Objektiv.

HDR ersetzt Nachtmodus

Durch die Kombination der Sensoren kann das HTC U12+ bis zur zweifachen Vergrößerung verlustfrei Zoomen. Maximal möglich ist ein 10-facher Zoom. Auch Funktionen wie Bokeh und HDR gehören zur Ausstattung der Dual-Kamera. Der Bokeh-Modus ist dabei in seiner Stärke per Schieberegler anpassbar und lässt sich auf dem Display noch während der Aufnahme sofort erkennen. Sollte die Bokeh-Intensität mal nicht stimmen, kann der Effekt auch nachträglich noch angepasst werden. Bei HDR setzt HTC bei beiden Kameras auf HDR Boost 2. Abhängig vom Motiv werden hierbei unterschiedlich viele Aufnahmen zu einem Bild zusammengesetzt, um Abbildungsfehler so gering wie möglich zu halten. Einen Nachtmodus gibt es nicht. Dieser wird durch HDR Boost 2 ersetzt. Statt Szenen künstlich aufzuhellen, wird das vorhandene Licht dabei optimal eingesetzt, um Motive bei Dunkelheit noch gut erkennen zu können.

Das HTC U12+ punktet mit gleich zwei Dual-Kameras: eine vorne, eine hinten. Zusammen mit einer guten Software hat es HTC geschafft, im Kamera-Test von DxOMark eines der besten Kamera-Handys zu schlagen - das Huawei P20.

Ergebnisse im Kamera-Test

Die Kamera-App des HTC U12+ ist selbsterklärend aufgebaut und leicht zu bedienen. Bei langen Foto-Sessions wird das Smartphone leicht warm, die Wärmeentwicklung bewegt sich aber noch im vertretbaren Bereich. Allerdings benötigt die Dual-Kamera sehr viel Strom, was sich in unserem Test auch bei der Messung der Akkuleistung gezeigt hat.

Dafür können sich die mit dem HTC U12+ aufgenommenen Fotos sehen lassen. Der Bokeh-Effekt funktioniert wie er soll und macht den Hintergrund unscharf, ohne aber das Motiv im Vordergrund zu beeinflussen. Die Bilder wirken Kontrastreich und die Farbstimmung so, wie sie in Wirklichkeit ist. Hier wird nichts künstlich ausgeleuchtet.

Videoaufnahme in 4K

Videos lassen sich in 4K und mit 30 oder 60 fps aufnehmen, in Full-HD sind Filme mit 30, 60 oder 240 fps (Zeitlupe) möglich. Für die Stabilisierung gibt es einen OIS. Um das Zoomen während der Aufnahme zu vereinfachen, verwendet HTC einen Auto Zoom. Mit einem Klick wird langsam auf bis zu 4-fache Vergrößerung gezoomt. Im Test funktionierte das sehr gut und vor allem ohne Wackler. Soll der Auto-Zoom vorzeitig gestoppt werden, gibt es einen Stopp-Button.

Wichtig bei Videos ist auch die Audio-Qualität. Diese hat HTC im Vergleich zum Vorgänger verbessert. Aufnahmen sind nun bis zu 60 Prozent lauter und deutlich klarer. Das liegt zum einen an der Audio-Boost-Funktion, bei der die Tonaufnahme auf einen Aufnahmeort fokussiert werden kann. Geräusche daneben werden ausgeblendet. Zum anderen helfen die vier omnidirektionalen Mikrofone, die wir schon vom HTC U11 kennen.

Audio mit erstaunlich gutem Klang

Wie schon der Vorgänger verfügt das HTC U12+ wieder über BoomSound auf beiden Lautsprechern. Allerdings soll deren Klangqualität um 50 Prozent verbessert worden sein. Und tatsächlich waren wir von der Tonausgabe eines solch kleinen Gerätes positiv überrascht. HTC verwendet nicht nur einen Lautsprecher am unteren Rahmen, sondern schaltet zusätzlich auch den Lautsprecher der Hörmuschel dazu. Dies machen mittlerweile viele Hersteller. Allerdings ist die Tonausgabe beim HTC U12+ deutlich satter. Der obere Lautsprecher gibt den Ton nicht dünn aus wie bei so vielen anderen Geräten, sondern überzeugt durch einen vollen Klang mit hoher Lautstärke. Gepaart mit dem unteren Lautsprecher ergibt sich somit ein echtes Stereo-Erlebnis. Generell kann der Klang mit klaren Höhen, für ein Smartphone ausreichenden Bass und einer hohen Lautstärke punkten.

Ohne Klinkenbuchse: Das HTC U12+Quelle: Rita Deutschbein / handy.de
Der Lautsprecher neben der USB-C-Buchse. Eine Klinkenbuchse gibt es nicht.

Neben den guten Lautsprechern gibt es dann aber auch ein Manko: Das HTC U12+ besitzt keine Klinkenbuchse. Kopfhörer lassen sich daher nur per Adapter, der zumindest bei unserem Testgerät leider nicht Teil des Lieferumfangs war, über USB C oder aber über Bluetooth anschließen. Nutzer können aber auch die von HTC mitgelieferten In-Ear-Kopfhörer mit USB-C-Anschluss verwenden. Das Headset namens U Sonic kommt mit Geräuschunterdrückung und war bereits Bestandteil des Lieferumfangs des U11. Es sitzt gut und angenehm im Ohr, hat für den perfekten Sitz Ohrstöpsel in verschiedenen Größen und sorgt für ein sehr gutes Klangerlebnis. Insgesamt können wir das Audio-Erlebnis des HTC U12+ eine der Stärken des Smartphones nennen.

Das HTC U12+ eignet sich auch sehr gut als portabler Lautsprecher. Dank Stereo-Lautsprecher mit BoomSound ist die Tonausgabe kraftvoll und laut. HTC hat zwar die Klinkenbuchse eingespart, liefert zum U12+ aber immerhin das Headset namens U Sonic kommt mit Geräuschunterdrückung aus.

Akkuleistung im Test

Fest im Gehäuse eingebaut wurde der 3.500-mAh-Akku. Dieser lässt sich dank Quick Charge 3.0 mit dem mitgelieferten Netzteil in etwa 35 Minuten wieder halbvoll aufladen. Das kabellose Laden per Induktion wird nicht unterstützt.

Da die Akkukapazität wenig über die eigentliche Laufzeit aussagt, musste das HTC U12+ durch unseren Akkutest-Parcours. Dieser besteht aus einer achtstündigen Intensiv-Nutzung mit je einer halben Stunde Internet-Nutzung über den Chrome-Browser, soziale Netzwerke wie Facebook, das Streamen von HD-Videos und Musik sowie das Spielen von Mario Run und die Nutzung der Kamera. Der Intensiv-Nutzung folgen 16 Stunden Standby, in denen das HTC U12+ gelegentlich für einen kurzen Blick in die Hand genommen wird. Somit ergibt sich ein insgesamt 24-stündiger Akkutest, nach dessen Ende die verbleibende Ladung gemessen wird.

Die Ergebnisse des Akkutests

Beim Energiemanagement zeigte das HTC U12+ erstaunliche Schwächen. Angesichts der Akkukapazität hätten wir eine einigermaßen gute Laufzeit erwartet. Allerdings greifen Anwendungen wie die Kamera, das Gaming und sogar das Streamen von Musik so viel Energie ab, dass der Akku schnell leer gesaugt wurde. Nach unserer achtstündigen Akkutestphase zeigte der Ladestand gerade noch 9 Prozent Leistung an. Das ist deutlich weniger als bei anderen Smartphones. Zum Vergleich die Werte vom Sony Xperia XZ2 und dem LG G7 ThinQ, die ebenfalls mit dem Snapdragon 845 laufen, aber Akkus mit weniger Kapazität besitzen: Das Xperia XZ2 mit seinem 3.180-mAh-Akku hatte nach acht Stunden Intensivnutzung noch 36 Prozent, beim LG G7 ThinQ mit 3.000 mAh waren es immerhin noch 28 Prozent.

Die Akkulaufzeit nach acht StundenQuelle: Rita Deutschbein / handy.de
Die Akkuleistung vom HTC U12+ nach acht Stunden.

Angesichts der geringen Ladung nach acht Stunden haben wir damit gerechnet, dass das HTC U12+ in der folgenden Standby-Phase ausgeht. Aber ein Blick am nächsten Morgen auf das Handy zeigte immerhin noch ein Prozent Ladung an. Sofern Du das Smartphone schnell am Strom anschließt, schaltet es sich immerhin nicht ab. Wirklich zuverlässig durch den Tag bringt Dich das HTC U12+ allerdings nicht – es sei denn, Du reduzierst die Kamera-Nutzung.

Die Akkulaufzeit nach 24 StundenQuelle: Rita Deutschbein / handy.de
Die Akkuleistung vom HTC U12+ nach 24 Stunden.

Die Akkuleistung des HTC U12+ konnte im Test leider nicht überzeugen. Trotz der guten Ausgangsleistung von 3.500 mAh verlor das Smartphone durch Anwendungen wie Gaming und vor allem durch die Kamera schnell an Ladung. So blieben nach der Intensiv-Nutzung gerade noch ein paar Prozent übrig. Das können andere Smartphones besser.

Fazit: HTC U12+ mit viel Potenzial

Das HTC U12+ bietet umfangreiche Features gepaart mit einem modernen Look. Vor allem Edge Sense 2 und die umfangreiche Kamera-Ausstattung lässt viel Spielraum für Entdeckungen. Aus technischer Sicht ist das HTC U12+ sehr gut gerüstet. Snapdragon 845 mit 6 GB RAM und LTE Cat.18 – mehr müssen wir an dieser Stelle kaum sagen. Auch auf Bluetooth 5.0 sowie VoLTE und Wifi Calling muss nicht verzichtet werden. HTC U12+ TestsiegelIm Test besonders überzeugen konnten die Audio-Qualitäten des Smartphones sowie die Leistung der Kamera. Fotos sowohl mit der Dual-Frontkamera als auch der Dual-Hauptkamera gelingen mit einer sehr guten Qualität. Einzig der Stromverbrauch der Kameras ist zu groß. Im Akkutest musste das HTC-Handy daher deutliche Abstriche hinnehmen.

Pro

  • sehr gute Leistung
  • druckempfindliches Gehäuse (Edge Sense 2 und Edge Launcher)
  • wasserfest
  • 2x Dual-Kamera für tolle Foto-Ergebnisse
  • Sehr gute Audio-Qualität dank Stereo-Lautsprecher und BoomSound

Contra

  • Face Unlock mit Startschwierigkeiten
  • Schlechtes Energiemanagement
  • Display zu dunkel
  • unnötig viele vorinstallierte Apps
  • keine Klinkenbuchse

Alternativen

Das HTC U12+ hat eine unverbindliche Preisempfehlung von 799 Euro. Einige Anbieter verkaufen das Smartphone in den Online-Shops aber bereits ab 752 Euro. Bei Amazon ist das HTC U12+* ab dem 18. Juni zu haben. Alternativen gibt es hinsichtlich des druckempfindlichen Gehäuses nicht wirklich. Wer aber Wert auf eine gute Kamera legt, kann sich das Huawei P20 Pro oder das Samsung Galaxy S9+ näher ansehen. Beide Oberklasse-Smartphones sind bereits einige Monate auf dem Markt. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass ihr Preis mittlerweile gesunken ist. So kostet das Huawei P20 Pro bei Amazon nur noch 715 Euro* statt 899 Euro und das Samsung Galaxy S9+ nur noch 706 Euro* statt 949 Euro.

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