Honor Play im Test: Viel (CPU-)Leistung für wenig Geld | handy.de
Testbericht

Honor Play im Test: Viel (CPU-)Leistung für wenig Geld

Honor will den Gaming-Markt erobern. Das Honor Play macht den Anfang

Der Gaming-Markt für Smartphones scheint derzeit zu explodieren. Razer belebte die Kategorie mit dem Razer Phone nach vielen Jahren des Stillstands wieder. Asus zog mit dem ROG Phone nach, und auch ZTE hat bereits ein eigenes Gaming-Smartphone hervorgebracht. Honor bezeichnet sich selbst als die Marke für die junge Generation. Dass das Zocken unweigerlich schon mit dazugehört, macht sich der Hersteller nun mit dem Honor Play zunutze. Ein Smartphone, das sich nur auf Gaming konzentrieren soll, aber im Gegensatz zur Konkurrenz erschwinglich bleibt. Gelingt der Spagat? Wir haben uns das angeschaut.

Design und Verarbeitung

Gaming und außergewöhnliches Design gehen mittlerweile Hand in Hand. Das zeigt sich auch in vielen Teilen bei Gaming-Smartphones. Das Honor Play ist im Vergleich hingegen schlicht gehalten. Die Rückseite besteht aus Aluminium und wird im oberen und unteren Bereich von Antennenlinien durchzogen. Das Aluminium ist in einem glatten, aber optisch matten Stil gehalten. Rutschig ist das Honor Play also durchaus.

Weiche, große Abrundungen an den jeweiligen vier Seiten sorgen für ein handschmleicherisches Gefühl. Kanten, die sich über einen längeren Zeitraum der Nutzung in die Haut drücken könnten, gibt es nicht. Das ist vor allem bei andauernden Gaming-Sessions durchaus von Vorteil. Die Ränder selbst enden allerdings sehr sichtbar in der Gorilla Glass 3-Front des Displays. Einen fließenden Übergang gibt es hier nicht.

Der Einschub für den SIM- und Micro-SD-Schacht ist auf der linken Seiten des Honor Play, während man den Standybutton und die Lautstärke-Wippe auf der rechten Seite wiederfindet. Zudem haben hier auch zwei SIM-Karten Platz, allerdings kann dann keine Micro-SD-Karte mehr genutzt werden. Der Rücken ist nicht komplett flach. Den Trend der herausstehenden Kameras macht auch das Honor Play mit und so schaut diese in der linken oberen Ecke im vertikalen Design aus dem Gehäuse. Darunter findet sich der LED-Blitz und im oberen drittel mittig im Gehäuse der Fingerabdrucksensor.

Verarbeitung auf hohem Niveau, bullige Ausmaße

Die Verarbeitung selbst ist aber auf einem sehr hohen Niveau. Zwar ist der Übergang vom Aluminium zum Displayglas hin fühlbar, starke Spaltmaße sucht man aber vergeblich. Das Honor Play macht hier einen mehr als nur soliden Eindruck und fühlt sich in seiner Größe von 157,9 x 74,3 x 7,5 Millimetern auch sehr griffig an.

Interessanterweise fühlt sich das Honor Play in unseren Augen schwerer an als es tatsächlich ist. Das könnte den etwas bulligeren Ausmaßen mit den ausladenden Wölbungen der Ränder geschuldet sein. Zwar sind 176 Gramm nicht unbedingt ein Leichtgewicht, doch könnte man beim ersten Anfassen davon ausgehen, dass das Gaming-Phone etwas mehr auf den Rippen trägt. Schlecht finden wir das aber nicht.

Player Edition kostet in neuen Farben etwas mehr

Honor verfolg übrigens mit dem Honor Play einen sehr interessanten Ansatz. Sind Gamer tatsächlich dazu bereit, für die Optik mehr Geld auszugeben? Beim chinesischen Hersteller geht man davon aus, denn das Honor Play gibt es neben Violett (unser Testmodell), Blau und Schwarz in einer Play Edition, die sich wiederum in zwei weitere Farben aufteilt: Schwarz und Rot.

Beim schwarzen gesellen sich fühlbare, sichtbare Linien auf dem Rücken hinzu, was einen leicht spacigen Eindruck hinterlässt. Diese heben sich leicht vom hinteren Bereich ab. Auch die Rote Player Edition hat diese akzentuierten Linien, die fühl- und sichtbar die Rücken durchziehen.

Das Honor Play in der Player EditionQuelle: Honor

Allerdings verlangt Honor für diese Modelle in der Player Edition 20 Euro mehr. Bis auf die Linien auf dem Rücken gibt es hier keinerlei Unterschiede zu den anderen Modellen. Es bleibt also fraglich, ob man wirklich etwas mehr Geld nur für die Farben ausgeben sollte. Das bleibt wohl dem Geschmack der interessierten Person überlassen.

Das Honor Play gewinnt zwar keinen Design-Preis für das schönste Smartphone, aber dafür einen in Solidität und Robustheit. Wir konnten keine scharfen Grate feststellen, übermäßige Spaltmaße existieren ebenfalls nicht und generell fühlt sich das Honor Play durchaus wertig an. Die Verarbeitung ist auf einem, wie von Huawei und Honor gewohnt, sehr hohem Niveau. Das Premium-Gefühl großer Highend-Smartphones, wie das Honor 10 oder das Huawei P20, lässt das Honor Play allerdings vermissen.

Display: Durchschnitt, aber ausreichend

Die Anzeige hingegen kann nicht ganz mit der soliden Bauart des Smartphones mithalten. Schauen wir auf die reinen Daten, könnte man auf die Idee kommen, dass das Panel dem Huawei Mate 20 lite entliehen wurde. Wir blicken also auf eine 6,3 Zoll großes Display mit einer FullHD+-Auflösung. Das entspricht in diesem Fall also 2.340 x 1.080 Pixel. Der obere Rand wird zudem von einer Notch durchzogen, die ein wenig Anzeigefläche klaut. Nimmt man diese Weg, liegt das bildliche Format bei länglichen 19,5:9. Bei der Anzeigetechnologie verlässt sich Honor auf ein IPS-Panel. Wer die Notch nicht sehen möchte, kann diese in den Einstellungen aber „ausblenden“ lassen.

Allerdings macht man bereits beim Display des Honor Play einige Abstriche. Zum einen ist die Blickwinkelstabilität nicht auf Top-Niveau, sondern wird das Bild recht schnell dunkel, sobald sich der Winkel ändert. Zum anderen ist die Display-Helligkeit auch nicht sonderlich hoch. Sie reicht zwar in nahezu allen Indoor-Situationen aus, doch wird es unter Sonnenlicht dann doch etwas komplizierter. Hier erkennt man stellenweise rein gar nichts mehr auf dem Panel.

Honor Play Display FrontQuelle: Marcel Laser / handy.de
Das Honor Play Display ist in Ordnung. Für den Preis zumindest.

Honor Play Display NahansichtQuelle: Marcel Laser / handy.de
FullHD+ reicht zum Spielen völlig aus. Nur etwas heller könnte das Display schon sein.

Die Farbwiedergabe ist dafür aber wieder in Ordnung. Auch hier ist man natürlich deutlich weiter von High-End-IPS-Panels, wie dem des iPhone 8 Plus oder gar AMOLED-Anzeigen wie dem Galaxy S9+, entfernt. Die Farben wirken aber natürlich und waschen auch in farbenfrohen Bildern und Videos nicht aus. Ein solides Ergebnis, wenn auch nicht überragend.

Kein reines Zocker-Display ohne besondere Stärken oder Schwächen

Besondere Funktionen oder Features besitzt das Display des Honor Play ebenfalls nicht. Während Razer und Asus auf viel Hertz für die Bildwiederholfrequenz setzen oder mehrere HDR-Farbräume abdecken, ist das Display des Honor Play eher sehr schlicht gehalten. Zum Zocken reicht das natürlich vollkommen aus. Dafür gibt man sich aber in diesem Fall auch mit einem gewissen Mindestmaß zufrieden. Hier verhält es sich wie mit High-End-Fernsehern: Auf einem mehrere tausend Euro teuren OLED-Modell macht das Zocken mehr Spaß, als auf einem einige hundert Euro günstigem LED-Gerät.

Das Dispay des Honor Play leistet sich zwar keine groben Schnitzer. Es ist aber auch nicht das Ende der High-End-Fahnenstange. In gewisser Weise reicht die Anzeige aber aus, um alles das zu machen, was man machen möchte. Wer sowieso nicht viel Wert auf knallige OLED-Farben oder HDR-Stanbdards gibt, wird sicher keine großen Makel finden. Grundsätzlich lässt sich das Panel als solider Durchschnitt bezeichnen.

Honor Play: Kirin 970 mit GPU Turbo als Gaming-Prozessor

Das Honor Play hatte es in den vergangenen Tagen nicht leicht. Vor allem in Bezug auf die Schummelsoftware, die zu deutlich besseren Benchmark-Ergebnissen führen sollte. Aber alles der Reihe nach. Wir kümmern uns auch um den GPU-Turbo, auch wenn eine detaillierte Beschreibung der Funktionsweise den Rahmen sprengen würde. Diese erläutern wir aber bald in einem gesonderten Artikel.

Der Aufschrei im Netz war nicht gerade klein. 3DMark entfernte sogar einige Huawei-Geräte aus seiner Liste. Die Schummelsoftware, die für mehr Leistung sorgte, soll aber bald für alle zur Verfügung stehen und zwar per Knopfdruck.

Im Inneren des Honor Play findet sich derzeit Huaweis (noch) Flaggschiff-Prozessor Kirin 970. Dieser wird von 4 GB RAM und 64 GB internem Speicher unterstützt. Wie bei fast allen modernen Prozessoren, ist der Kirin 970 als Octa-Core-Chipsatz mit acht Kernen ausgelegt. Das starke Cluster mit Cortex-A73-CPUs taktet mit bis zu 2,4 GHz, während die vier schwächeren Cortex-A53-Kerne mit maximal 1,8 GHz Taktfrequenz arbeiten. Als GPU wird eine Mali-G72MP12 verbaut, die sechs Rechenkerne weniger aufweist, als die Mali-G72MP18 im Galaxy S9+. Zudem wird der Kirin 970 von der Huawei-eigenen Neural Processing Unit (NPU) unterstützt. Sie dient zur Ausführung von Berechnungen auf Basis der künstlichen Intelligenz.

Der SoC wurde vom chinesischen Hersteller Ende 2017 vorgestellt und generell sind aktuelle Prozessoren wie der Exynos 9810 oder der Snapdragon 845 insgesamt schneller. Die Leistung ist aber für nahezu alle Aufgaben im alltäglichen Trott absolut ausreichend. Auch beim Spielen wird man sich keine größeren Gedanken machen müssen, allerdings erreicht Huawei weiterhin nicht die Leistung der aktuellen Spitzen-Flaggschiffe.

Honor Play Geekbench 4Quelle: Marcel Laser / handy.de

Keine überragenden Werte, aber immerhin in der Oberklasse.

Honor Play AnTuTuQuelle: Marcel Laser / handy.de

AnTuTu zeigt ein ähnliches Bild. Aktuelle Top-Phones sind auch hier schneller.

Honor Play 3DMarkQuelle: Marcel Laser / handy.de

Bei 3DMark gibt es im Vulkan-Benchmark einen Ausreißer.

USB-Type-C, allerdings nicht schnell genug

Zwar verbaut der chinesische Hersteller USB-Type-C in seinem Smartphone, doch kann der Standard auch ein wenig von der eigentlichen verbauten Technik ablenken. Das Honor Play unterstützt nur Übertragungsraten auf USB 2.0 Niveau, eventuell leicht darüber. USB 3.0 wird hier in der Geschwindigkeit nie erreichen.

Wer also viele Bilder und Videos von einem Gerät auf das andere bringen möchte, könnte vor der ein oder anderen Ladezeit stehen. So verbaut man zwar einen neuen Standard, aber mit alter Geschwindigkeit.

Benchmark-Ergebnisse nicht auf Top-Niveau

Das Honor Play ist aber dennoch kein langsames Smartphones. Der Kirin 970 bietet ordentlich viel Kraft. Setzt man diesen aber im Vergleich zu aktuellen Flaggschiffen, erreicht dieser deren Werte bei weitem nicht. Vor allem im Vergleich zum Galaxy S9+ oder dem LG G7 ThinQ, muss sich das Honor Play geschlagen geben. Auch wenn Huawei angeblich Schummelsoftware einsetzt, so konnten wir nie die Ergebnisse der Konkurrenz erreichen, geschweige denn erst schlagen.

Ein Schummeln konnten wir an dieser Stelle also nicht feststellen. Das Honor Play schneidet sogar geringfügig schlechter ab, als das Huawei P20 Pro in dieser Liste. Das kann eventuell an den 4 GB RAM liegen. Das große Schwestermodell P20 Pro greift nämlich auf 6 GB RAM zurück.

AnTuTu Geekbench 3DMark Sling Shot Extreme
Honor Play 206.193 Single-Core: 1.901

Multi-Core: 6.675

OpenGL: 3.031

Vulkan: 3.351

Samsung Galaxy Note 9 242.306 Single-Core: 3.737

Multi-Core: 9.065

OpenGL: 3.387

Vulkan: 2.889

Samsung Galaxy S9+ 239.138 Single-Core: 3.747

Multi-Core: 8.868

OpenGL: 3.298

Vulkan: 3.413

LG G7 ThinQ 236.278 Single-Core: 2.371

Multi-Core: 7.476

OpenGL: 4.189

Vulkan: 3.086

Huawei P20 Pro 211.099 Single-Core: 1.918

Multi-Core: 6.835

OpenGL: 3.003

Vulkan: 3.380

Sony Xperia XZ2 263.381 Single-Core: 2.416

Multi-Core: 8.363

OpenGL: 4.657

Vulkan: 3.491

Extreme Hitzeentwicklung bei längeren Spiele-Sessions

Während das Honor Play zwar in den Benchmarks warm wurde, aber nicht übermäßig heiß, sieht es beim Zocken schon wieder anders aus. Rund 15 Minuten PUBG Mobile und Real Racing 3 reichten aus, um aus dem Honor Play mehr als nur einen Handwärmer zu machen. In der Nähe der Kamera entsteht hier die größte Hitzenentwicklung und das Honor Play wurde dort sogar richtig heiß.

Ein Einfrieren des Gerätes konnten wir aber auch in rund einer Stunde beim Zocken nicht bewirken. Unangenehm zu halten wird das Honor Play aber dann doch. Das Mate 10 Pro setzt ebenfalls auf den gleichen Kirin 970 Prozessor. Hier lässt es sich deutlich besser aushalten. Was Huawei an dieser Stelle genau anders macht, ist nicht klar.

GPU-Turbo: (Noch) Kein all zu großer Vorteil beim Spielen

Huawei brachte mit der GPU-Turbo-Technologie ein Feature auf den Markt, mit dem man Spiele in einem gewissen Rahmen beschleunigen kann. Auch der Energieverbrauch soll sich trotz erhöhter Leistung deutlich verbessern. Das klingt in erster Linie nach Magie, ist aber durchaus simpel zu erklären. Huawei nimmt hier die im Kirin 970 verbaute NPU der künstlichen Intelligenz zur Hilfe. Diese lernt nach und nach, wie sich Spiele am effizientesten und schnellsten berechnen lassen. Das führt dazu, dass die Leistung besser genutzt werden kann und auch der Stromverbrauch sinkt. So zumindest die grobe Theorie. Doch bietet diese auch in der Praxis schon einen Mehrwert?

Kurz und knapp: Nein. Zumindest vorerst noch nicht. Denn die Software muss die Spiele erst kennenlernen. Games wie PUBG Mobile wurden in Zusammenarbeit mit Entwickler Tencent bereits angepasst und wahrscheinlich tausende Male auf dem Kirin 970 SoC ausgeführt. Das führt schlussendlich dazu, dass das Honor Play dazu in der Lage ist, die Bildrate besser auf einem Niveau zu halten. Einen großen Performance-Schub gegenüber einem Galaxy S9+ oder einem Sony Xperia XZ2 sehen wir aber nicht.

Honor Play
Display 6,3 Zoll LCD-Display, 409 ppi
Auflösung 1.080 x 2.340 Pixel
Prozessor und GPU Huawei Kirin 970, Octa-Core, Mali-G72MP12

(4x 2,4 GHz (A73) + 4 x 1,8 GHz (A53))

RAM 4 GB
Speicher 64 GB (erweiterbar per Micro-SD-Karte um bis zu 256 GB)
Hauptkamera Dual-Kamera

16 + 2 Megapixel, f/2.2-Blende

Frontkamera 16 Megapixel
Akku Lithium-Polymer

3.750 mAh, Quick Charge

Software Android 8.1 / EMUI 8.2
Sicherheit Fingerabdrucksensor, PIN, Passwort, Face Unlock
Drahtlos Bluetooth 4.2, NFC
WLAN 802.11 a/g/b/n/ac, 2,4 GHz / 5 GHz
Mobilfunk 4G: B1/B3/B7/B8/B20

3G: B1/B2/B4/B5/B8

2G: B2/B3/B5/B8

IP-Zertifizierung Nein
Sonstiges Display-Notch, GPU-Turbo, Game-Suite
Maße & Gewicht 157,9 x 74,3 x 7,5 mm (H x B x T), 176 Gramm
Farben Blau, Violett, Schwarz, Player Edition in Rot und Schwarz
UVP 329,00 Euro / 349,00 Euro für Player Edition
Marktpreis ab 329,00 Euro auf Amazon*
Marktstart bereits im Handel erhältlich

Telefonie und Internet: Alles, was man braucht

Geht es um Funkstandards, holt Huawei beim Honor Play die gesamte Palette aus der Tasche. Hier ist das Modem nahezu identisch zum Huawei Mate 20 lite eingestellt. Somit werden hier in Deutschland für 4G und 3G alle soweit verfügbaren Bänder unterstützt. Das Modem ist sogar in der Lage Cat-18 zu bedienen, was im Idealfall bis zu 1,2 GBit/s verspricht. Allerdings werden bei uns in Deutschland derartige Raten noch nicht unterstützt. Im Falle von WLAN werden ebenfalls alle modernen Techniken genutzt. Das heißt im Klartext WLAN a/g/b/n/ac und die Frequenzen 2,4 und 5,0 GHz sind an Bord.

Schwierigkeiten mit dem WLAN-Empfang des Honor Play gab es im Test nicht. Selbst wenn der Router unter dem Dach des Hauses stand und über eine Etage hinweg funken musste, hielt das Honor Play recht wacker die Verbindung. Das spricht für eine gute Empfangsleistung. Das gilt übrigens auch für den Mobilfunk-Empfang. Wunder zu erwarten, wäre zwar zu viel verlangt, aber wir haben keine starken Ausreißer oder Empfangsschwächen bemerkt.

Die Sprachqualität des Honor Play kann sogar durchweg als gut bezeichnet werden. Sie ist zwar nicht herausragend, aber der Gegenüber ist klar und deutlich zu hören. Die beiden verbauten Mikrofone sorgen zudem für eine effektive Geräuschunterdrückung, die das Telefonieren erleichtert. Hier macht man also soweit alles richtig.

Software und Multimedia: iOS-Erfahrung auf Android

Beim Honor Play wird die aktuelle Software von Huawei genutzt. Zwar kommt kein Android 9.0 Pie zum Einsatz, dafür aber Android 8.1 im Zusammenspiel mit EMUI 8.2 als Oberfläche. Diese ist recht stark an Apples iOS Betriebssystem angelehnt was das „Look and Feel“ der Software betrifft, lässt sich aber zu jedem Zeitpunkt sehr flüssig und intuitiv bedienen. Wer den App-Launcher vermisst, kann diesen jederzeit in den Einstellungen aktivieren.

Zusammen mit der neuen Oberfläche und dem GPU-Turbo, bringt Huawei in EMUI 8.2 auch den Game-Suite mit. Diese ist vor allem für Spieler interessant, da sich hier die Spiele einordnen und gesonderte Einstellungen vornehmen lassen. So können beispielsweise Benachrichtigungen im Spiel deaktiviert werden, damit ein ungestörtes Zocken möglich ist. Auch die Leistung lässt sich entsprechend festlegen.

Ist der App-Launcher allerdings deaktiviert, hat man im Prinzip zwei Spiele-Ordner im System vorliegen. Die Standardeinstellung von Huawei legt alle installierten Programme auf den Homescreen. Wer also nun diese in einen Spiele-Ordner einsortiert hat aber auch noch zusätzlich die Game-Suite auf dem Homescreen liegen. Alternativ lässt sich letztere zwar deaktivieren, dann gehen allerdings die Vorteile der zusätzlichen Einstellungen verloren, da diese nicht mehr abrufbar sind.

Löblich: Huawei hat das Update auf Android 9.0 Pie bereits versprochen, also wird es auch irgendwann kommen. Allerdings verriet der Hersteller bisher nicht wann. Da Huawei in nächster Zeit Geräte beliefern wird, die schon etwas länger auf dem Markt sind, könnte es unter Umständen noch bis ins nächste Jahr hinein dauern. Hier ist leider noch etwas Geduld gefragt.

Bloatware: Ein paar Spiele und Urlaubs-Apps

Honor-Smartphones kommen gerne mal mit ein paar zusätzlichen Programmen. Vor allem Spiele sind vorinstalliert. Das gilt auch für das Honor Play. In einem Ordner gesellen sich diverse Candy-Crush-Klone, ein Spider-Man-Spiel und Assassins Creed Mobile. Auch eine Booking.com-App ist zu finden, genau wie eBay und ein vorinstalliertes Netflix.

Gott sei Dank lassen sich die Programme ohne jegliche Probleme einfach löschen. Nicht benötigte Applikationen kannst Du also ganz ohne Root oder andere Tricks entfernen, solange es keine System-Apps sind.

Insgesamt hält sich die Bloatware also in Grenzen. Natürlich ist es immer schöner, wenn so wenig wie möglich an Apps vorinstalliert ist, aber es gibt schlimmere Beispiele als die Honor Smartphones. Etwas merkwürdig finden wir allerdings das Fehlen von PUBG Mobile. Honor ging mit Tencent eine groß angelegte Partnerschaft ein, die auf der Gamescom noch voller Stolz verkündet wurde. Da mutet es etwas merkwürdig an, dass ausgerechnet dieses so stark beworbene Spiel auf dem Device fehlt.

Zocken auf dem Smartphone ist schon lange Realität geworden. Mittlerweile sogar größer als je zuvor. Wir stellen Dir die besten Gaming-Smartphones vor, die der Markt derzeit hergibt.

4D-Smart-Shock und Histen-Soundeffekte bisher nur für PUBG Mobile

Honor implementiert auf der Software-Seite aber noch zwei andere, sehr interessante, Features. Die 4D-Smart-Shock-Funktion sorgt zum Beispiel in PUBG Mobile dafür, dass unterschiedliche Waffen sich im Spiel anders anfühlen. Erreicht wird das mit unterschiedlichen Vibrationsmuster, die für jede Waffe im Spiel implementiert wurden. Das Honor Play vibriert also bei jeder Waffe anders, wenn Du diese im Spiel abfeuerst. Der 4D-Smart-Shock erinnert daher stark an vibrierende PlayStation- oder XBox-Controller.

Interessanter hingegen dürften die Histen-Soundeffekte sein. Diese simulieren per Software ein starkes Raumklanggefühl beim Spiele-Sound. In PUBG Mobile funktioniert dieses sogar tatsächlich ziemlich gut. Das Aufmixen der Kanäle erzeugt einen wirklich hervorragenden Raumklang. Die Technik funktioniert aber derzeit nur mit kabelgebundenen 3.5 mm Klinkenkopfhörern. Bluetooth wird derzeit nicht unterstützt.

Ebenfalls etwas ernüchternd wirkt der Umstand, dass beide Funktionen derzeit nur in PUBG Mobile Verwendung finden. Andere große Spiele wie Asphalt 9, Modern Combat oder Shadowgun werden nicht unterstützt. Wie schnell hier die Entwickler nachziehen, um diese Techniken ebenfalls einzubauen bleibt unklar. Sie liegen in Software-Form zumindest vor und müssen nur implementiert werden. Ob Huawei sich hier mit 4D-Smart-Shock und Histen-Sound grundsätzlich abgrenzen könnte, bleibt abzuwarten.

Grundsätzlich ist Bloatware ein Problem. Auch Huawei installiert auf seinen Honor-Smartphones eine Menge zusätzliches Zeug, dass eigentlich nicht gebraucht wird. Das Honor Play bildet hier keine Ausnahme. Wir sind aber froh, dass sich diese Apps anstandslos entfernen lassen. Schwieriger wird es bei den hauseigenen Techniken wie GPU-Turbo, 4D-Smart-Shock und Histen-Sound. GPU-Turbo scheint derzeit noch keinerlei echten Effekt zu haben. Die beiden letztgenannten Techniken funktionieren bisher nur in PUBG Mobile. Ob hier irgendwann eine flächendeckende Unterstützung zu erwarten ist, bleibt fraglich.

Kamera: Ausreichende Dual-Kamera

Nicht nur beim Display findet man den obligatorische angesetzten Rotstift vor. Die Kamera wurde ebenfalls ein wenig abgespeckt. So kommt eine Dual-Kamera mit 16 und 2 MP im Rücken zum Eisnatz. Bei den Blenden setzt man auf f/2,2 und f/2,4. Damit sind jedenfalls erst einmal keine High-End-Dimensionen geschaffen. Allerdings macht der rückseitige Knipser einen besseren Job, als man erst vermuten möchte. Die 16 MP fungieren übrigens als Hauptsensor, während die 2 MP unterstützend für die Tiefenmessung herhalten. Damit sollen Bokeh-Fotos besser gelingen als mit einer Software-Lösung. Die maximale Auflösung der Bilder beträgt 4.656 x 3.496 Pixel.

Bei ausreichend Licht erhalten Fotos eine sehr gute Schärfe. Zwar lässt die Qualität zum Rand hin leicht nach, fällt aber nur bei direkter Betrachtung beim Reinzoomen auf. Der Weißabgleich stimmt ebenfalls und die Farbwiedergabe kann überzeugen. Der voreingestellte AI-Modus ist allerdings ein wahrere Akku-Fresser und führt eher zu suboptimalen Ergebnissen. Die künstliche Intelligenz, die für die Szenenerkennung zuständig ist, hat zu häufig den Drang, die Farben zu stark zu überzeichnen. Das Bild wirkt dann sehr unnatürlich und hat bei weitem nichts mehr mit der Realität zu tun. Zudem kann die Szenenerkennung dazu führen, dass Bilder extrem viel Heller wirken, als sie eigentlich sind. Das hat in wenigen Situationen zwar Vorteile, kann aber oft auch zum Nachteil werden.

Dafür kann die künstliche Intelligenz aber bei schummrigen Lichtverhältnissen punkten. Die sehr kleinen Blenden sind zwar nicht für dunklere Lichtumgebungen geschaffen, doch die Nachbearbeitung durch den AI-Modus macht einen relativ guten Job. Bei Nachtaufnahmen würden wir also generell empfehlen, die AI-Erkennung angeschaltet zu lassen, da hier die besten Ergebnisse erzielt werden können. Details werden so stärker herausgearbeitet. Lässt man die AI-Szenenerkennung aber in dunkleren Lichtverhältnissen weg, fangen Bilder früh an stark zu rauschen.

Ebenfalls interessant sind die Speichergrößen der Bilder. Das Bild mit der weiß-rosanen Blume liegt ohne AI-Erkennung bei etwa 5 MB Speicherplatzverbrauch. Schaut man sich den Platz des Fotos mit AI-Nachbearbeitung an, kommt man schon auf über 12 MB. Natürlich variiert das je nach Szene und Grad der Bearbeitung. Interessant ist das Verhalten aber dennoch.

Videos werden maximal in 2160p bei 30 Bilder pro Sekunde aufgenommen. Die Qualität der Filme ist gut. Auch die Stabilisierung macht einen hervorragenden Eindruck. Bewegt man sich allerdings ein wenig zu ruckartig, zieht diese leicht stotternd nach. Einen Zeitlupen-Modus gibt es hingegen leider nicht.

An eine High-End-Smartphone-Kamera reicht das alles natürlich nicht heran. In Anbetracht des Preises ist die Leistung aber ausreichend. Selbst für ordentliche Urlaubsfotos ist das Honor Play zu gebrauchen und distanziert sich somit deutlich von günstigen Smartphones,  die gerade einmal nur Schnappschuss-Qualitäten erreichen.

Frontkamera mit 16 MP für überraschend gute Selfies

Auch die Selfie-Kamera hat uns gefallen. Allerdings hätten wir die 16 MP der Frontkamera gerne als zweiten Sensor im Rücken gesehen. Da wäre diese deutlich besser aufgehoben gewesen. Dafür sind Video-Telefonie und Selfies überdurchschnittlich gut, da die hohe Auflösung und die damit verbundene höhere Detaildichte diesen Features deutlich zugute kommt. Überraschend gut gelingt der Bokeh-Effekt bei Porträt-Fotos im Selfie-Modus.

Auch hier sind schwache Lichtverhältnisse wieder ein Problem, zumal die Frontkamera keine AI-Unterstützung erhält, um diese Aufzuarbeiten. Zwar kommt auch hier „AI“ zum Einsatz, allerdings nur für die Berechnung von zusätzlichen Filtern. Dafür hat der Front-Knipser aber mit einer f/2,0-Blende immerhin die höchste Lichtempfindlichkeit aller drei verbauten Linsen. Schade, dass man diese nicht auch im Rücken platziert hat.

Man muss die Kameras hier tatsächlich am Preis des Smartphones messen. Dafür sind sie wirklich sehr gut und verrichten einen wahrlich guten Job. Die AI-Szenenerkennung arbeitet uns allerdings ein wenig zu viel und daher stellen wir diese grundsätzlich aus. Vom starken Akkuverbrauch einmal abgesehen. Dennoch sollte man diese bei Nachtaufnahmen wieder aktivieren, da die Nachbearbeitung durch die künstliche Intelligenz zu deutlich besseren Ergebnissen führt.

Akku: Auch das Honor Play ist ein Dauerläufer

Huawei kann Akkulaufzeit. Das beweist das Unternehmen mit Flaggschiffen wie dem Huawei P20 Pro oder dem Mate 10 Pro immer wieder. Die Laufzeiten sind stark und so hat auch das Honor Play hier eine Paradedisziplin erwischt. Der 3.750 mAh messende Energiespender hält selbst bei intensiver Nutzung locker einen Tag durch. Das zeigte sich auch in unserem Dauertest von rund 8 Stunden unterschiedlichster Nutzung. Egal ob Asphalt 9, das Browsen durchs Netz, Nachrichten lesen oder das Streaming von HD-Filmen auf Netflix. Das Honor Play konnte schlussendlich noch mit etwas über 40 Prozent Akku glänzen. Auch die Standby-Werte können sich sehen lassen. Wir ließen das Honor Play rund 16 Stunden liegen und verloren lediglich 7 Prozent Akkuleistung.

Honor gibt die Laufzeit seines Gaming-Smartphones mit rund 1,5 Tagen an. Ein Wert, den wir aufgrund unseres Akkutests für sehr realistisch halten. Natürlich ist ein Durchzocken mit dem Honor Play nicht möglich. Man muss aber auf der anderen Seite nicht befürchten nach einer Stunde Zugfahrt und ein wenig Gaming schnell die nächste Steckdose suchen zu müssen.

Natürlich achtet der Hersteller auch hier wieder auf den Preis und streicht entsprechende Komfort-Features: Das Honor Play lässt sich zwar schnell laden, allerdings langsamer als die Topmodelle aus dem eigenen Haus. Oftmals braucht es gut 20 Minuten länger. Die Aluminium-Rückseite erlaubt auch kein kabelloses Laden.

Honor Play Akku AuslastungQuelle: Marcel Laser / handy.de
Honor Play AkkuQuelle: Marcel Laser / handy.de
Honor Play Akku StandardeinstellungenQuelle: Marcel Laser / handy.de

Die Akkuleistung des Honor Play ist auf einem sehr hohen Niveau. Zwar erreichen Geräte wie das Mate 10 Pro oder Huawei P20 Pro durch ihre 4.000 mAh Batterien einen besseren Wert. Das Honor Play schlägt sich aber nicht schlecht und kann ebenfalls mit langen Laufzeiten punkten. Allerdings hätten wir uns aufgrund des Labels „Gaming-Smartphone“ einen noch größeren Akku gewünscht, aber das wäre dann auch Nörgeln auf hohem Niveau.

Fazit: Kein Gaming-Smartphone, aber ein Preisknaller

Honor Play Handy.de SiegelDas Honor Play wird vom Hersteller als Gaming-Smartphone betitelt. Ist es das denn jetzt auch? Nein, das ist es wirklich nicht. Einfach nur einen Kirin 970 zu verbauen und darauf hoffen, dass GPU-Turbo in der kommenden Zeit die Spiele kennenlernt und leicht beschleunigt, ist etwas wenig. Zumal wir keinen großen Geschwindigkeitsunterschied zwischen GPU-Turbo und anderen Smartphones feststellen konnten. Zudem ist der Kirin 970 den anderen Prozessoren, wie dem Snapdragon 845 oder dem Exynos 9810 in nahezu allen Disziplinen unterlegen. Dennoch zählt der Huawei-Prozessor immerhin noch zu den Oberklasse-SoCs aus diesem Jahr.

Geht man die Feature-Liste weiter durch, so begegnet man viel besserem Durchschnitt: Die Kamera ist für den Preis wirklich gut, aber nicht herausragend. Der selbe Umstand gilt fürs Display. Huawei hat an diesen Stellen den Rotstift angesetzt, um den Preis entsprechend zu drücken und das ist dann das wahre Kernfeature des Honor Play: Der Preis.

Denn dieses kostet im Vergleich zu anderen Smartphones mit Highend-Prozessoren deutlich weniger. Man wollte an dieser Stelle die höchstmögliche CPU-Leistung für den kleinstmöglichen Geldbetrag anbieten und die Leistung so den meisten Menschen zugänglich machen. Oberklasse-Performance zum mobilen Zocken für die breite Masse, wenn man so will.

Das gelingt Honor an dieser Stelle auf den Punkt genau. Das Honor Play ist ein Preisleistungshammer, wenn es darum geht, genau dieses Ziel zu erfüllen. Dieses Smartphone will sich gar nicht mit der Oberklasse messen und kann es schlussendlich auch nicht. Es ist aber das günstigste Gerät, wenn es darum geht, das letzte Quäntchen Leistung an den Spieler zu bringen und das für so wenig Geld wie möglich. Wir sagen dazu nur: Vorhaben gelungen.

Pro

  • Viel Leistung für wenig Geld
  • Sehr gute Akkulaufzeit
  • 4D-Smart-Shock und Histen-Sound sind interessante Features …

Contra

  • Kein echtes Gaming-Smartphone
  • GPU-Turbo bringt noch keinen echten Mehrwert
  • 4D-Smart-Shock und Histen-Sound nur mit PUBG Mobile kompatibel

Honor Play: Die Alternativen kommen aus eigenem Hause

Das Honor Play ist auf Grund seiner eher unausgewogenen Mischung weder Fisch noch Fleisch. Daher ist es schwer auf dem Preislevel geeignete Alternativen bei der Konkurrenz zu suchen. Eines muss man dem Smartphone aber lassen: Mehr CPU-Leistung für das Geld, geht schon fast nicht mehr. Daher gibt es eher Kandidaten aus eigenem Hause, die dem Honor Play nicht nur ebenbürtig sondern in vielen Punkten gar überlegen sind.

Das Honor 10 kostet derzeit mit rund 370 Euro auf Amazon * etwa um die 40 Euro mehr. Dafür bekommt man aber auch das deutlich bessere Display und eine um Längen bessere Kamera. Einzig und allein bei der Displaygröße macht man mit 5,8 Zoll etwas Abstriche. Die 0,4 Zoll fallen aber meist nur im direkten Vergleich auf. Zudem ist damit zu rechnen, dass das Honor 10 weit vor dem Honor Play mit Android 9.0 Pie ausgestattet wird.

Bei der Konkurrenz sucht man vergleichbare Hardware zu einem so günstigen Preis allerdings vergeblich. Weder das LG G7 ThinQ noch das Galaxy S9 sind so stark im Preis gefallen, dass sie in dieser Preisleistungs-Klasse mitspielen könnten. Wer aber bereit ist etwas mehr als 200 Euro draufzulegen, würde ein echtes Oberklasse-Smartphone bekommen, bezahlt aber dann auch den entsprechenden Preis.

Das Honor 10 ist da. Es besticht auch durch eine smarte Dual-Kamera und natürlich ein aufregendes Design. Wir haben das Honor 10 ausführlich getestet und verraten, warum das Smartphone unbedingt Geduld erfordert, bis es zum perfekten Handy wird.

* Per Mausklick gelangst du direkt zur Webseite des Anbieters. Durch Anklicken wird ggf. eine Vergütung an unser Unternehmen erfolgen.