Honor Play im Test: Viel (CPU-)Leistung für wenig Geld | handy.de
Testbericht

Honor Play im Test: Viel (CPU-)Leistung für wenig Geld

Honor will den Gaming-Markt erobern. Das Honor Play macht den Anfang

Software und Multimedia: iOS-Erfahrung auf Android

Beim Honor Play wird die aktuelle Software von Huawei genutzt. Zwar kommt kein Android 9.0 Pie zum Einsatz, dafür aber Android 8.1 im Zusammenspiel mit EMUI 8.2 als Oberfläche. Diese ist recht stark an Apples iOS Betriebssystem angelehnt was das „Look and Feel“ der Software betrifft, lässt sich aber zu jedem Zeitpunkt sehr flüssig und intuitiv bedienen. Wer den App-Launcher vermisst, kann diesen jederzeit in den Einstellungen aktivieren.

Zusammen mit der neuen Oberfläche und dem GPU-Turbo, bringt Huawei in EMUI 8.2 auch den Game-Suite mit. Diese ist vor allem für Spieler interessant, da sich hier die Spiele einordnen und gesonderte Einstellungen vornehmen lassen. So können beispielsweise Benachrichtigungen im Spiel deaktiviert werden, damit ein ungestörtes Zocken möglich ist. Auch die Leistung lässt sich entsprechend festlegen.

Ist der App-Launcher allerdings deaktiviert, hat man im Prinzip zwei Spiele-Ordner im System vorliegen. Die Standardeinstellung von Huawei legt alle installierten Programme auf den Homescreen. Wer also nun diese in einen Spiele-Ordner einsortiert hat aber auch noch zusätzlich die Game-Suite auf dem Homescreen liegen. Alternativ lässt sich letztere zwar deaktivieren, dann gehen allerdings die Vorteile der zusätzlichen Einstellungen verloren, da diese nicht mehr abrufbar sind.

Löblich: Huawei hat das Update auf Android 9.0 Pie bereits versprochen, also wird es auch irgendwann kommen. Allerdings verriet der Hersteller bisher nicht wann. Da Huawei in nächster Zeit Geräte beliefern wird, die schon etwas länger auf dem Markt sind, könnte es unter Umständen noch bis ins nächste Jahr hinein dauern. Hier ist leider noch etwas Geduld gefragt.

Bloatware: Ein paar Spiele und Urlaubs-Apps

Honor-Smartphones kommen gerne mal mit ein paar zusätzlichen Programmen. Vor allem Spiele sind vorinstalliert. Das gilt auch für das Honor Play. In einem Ordner gesellen sich diverse Candy-Crush-Klone, ein Spider-Man-Spiel und Assassins Creed Mobile. Auch eine Booking.com-App ist zu finden, genau wie eBay und ein vorinstalliertes Netflix.

Gott sei Dank lassen sich die Programme ohne jegliche Probleme einfach löschen. Nicht benötigte Applikationen kannst Du also ganz ohne Root oder andere Tricks entfernen, solange es keine System-Apps sind.

Insgesamt hält sich die Bloatware also in Grenzen. Natürlich ist es immer schöner, wenn so wenig wie möglich an Apps vorinstalliert ist, aber es gibt schlimmere Beispiele als die Honor Smartphones. Etwas merkwürdig finden wir allerdings das Fehlen von PUBG Mobile. Honor ging mit Tencent eine groß angelegte Partnerschaft ein, die auf der Gamescom noch voller Stolz verkündet wurde. Da mutet es etwas merkwürdig an, dass ausgerechnet dieses so stark beworbene Spiel auf dem Device fehlt.

Zocken auf dem Smartphone ist schon lange Realität geworden. Mittlerweile sogar größer als je zuvor. Wir stellen Dir die besten Gaming-Smartphones vor, die der Markt derzeit hergibt.

4D-Smart-Shock und Histen-Soundeffekte bisher nur für PUBG Mobile

Honor implementiert auf der Software-Seite aber noch zwei andere, sehr interessante, Features. Die 4D-Smart-Shock-Funktion sorgt zum Beispiel in PUBG Mobile dafür, dass unterschiedliche Waffen sich im Spiel anders anfühlen. Erreicht wird das mit unterschiedlichen Vibrationsmuster, die für jede Waffe im Spiel implementiert wurden. Das Honor Play vibriert also bei jeder Waffe anders, wenn Du diese im Spiel abfeuerst. Der 4D-Smart-Shock erinnert daher stark an vibrierende PlayStation- oder XBox-Controller.

Interessanter hingegen dürften die Histen-Soundeffekte sein. Diese simulieren per Software ein starkes Raumklanggefühl beim Spiele-Sound. In PUBG Mobile funktioniert dieses sogar tatsächlich ziemlich gut. Das Aufmixen der Kanäle erzeugt einen wirklich hervorragenden Raumklang. Die Technik funktioniert aber derzeit nur mit kabelgebundenen 3.5 mm Klinkenkopfhörern. Bluetooth wird derzeit nicht unterstützt.

Ebenfalls etwas ernüchternd wirkt der Umstand, dass beide Funktionen derzeit nur in PUBG Mobile Verwendung finden. Andere große Spiele wie Asphalt 9, Modern Combat oder Shadowgun werden nicht unterstützt. Wie schnell hier die Entwickler nachziehen, um diese Techniken ebenfalls einzubauen bleibt unklar. Sie liegen in Software-Form zumindest vor und müssen nur implementiert werden. Ob Huawei sich hier mit 4D-Smart-Shock und Histen-Sound grundsätzlich abgrenzen könnte, bleibt abzuwarten.

Grundsätzlich ist Bloatware ein Problem. Auch Huawei installiert auf seinen Honor-Smartphones eine Menge zusätzliches Zeug, dass eigentlich nicht gebraucht wird. Das Honor Play bildet hier keine Ausnahme. Wir sind aber froh, dass sich diese Apps anstandslos entfernen lassen. Schwieriger wird es bei den hauseigenen Techniken wie GPU-Turbo, 4D-Smart-Shock und Histen-Sound. GPU-Turbo scheint derzeit noch keinerlei echten Effekt zu haben. Die beiden letztgenannten Techniken funktionieren bisher nur in PUBG Mobile. Ob hier irgendwann eine flächendeckende Unterstützung zu erwarten ist, bleibt fraglich.

Kamera: Ausreichende Dual-Kamera

Nicht nur beim Display findet man den obligatorische angesetzten Rotstift vor. Die Kamera wurde ebenfalls ein wenig abgespeckt. So kommt eine Dual-Kamera mit 16 und 2 MP im Rücken zum Eisnatz. Bei den Blenden setzt man auf f/2,2 und f/2,4. Damit sind jedenfalls erst einmal keine High-End-Dimensionen geschaffen. Allerdings macht der rückseitige Knipser einen besseren Job, als man erst vermuten möchte. Die 16 MP fungieren übrigens als Hauptsensor, während die 2 MP unterstützend für die Tiefenmessung herhalten. Damit sollen Bokeh-Fotos besser gelingen als mit einer Software-Lösung. Die maximale Auflösung der Bilder beträgt 4.656 x 3.496 Pixel.

Bei ausreichend Licht erhalten Fotos eine sehr gute Schärfe. Zwar lässt die Qualität zum Rand hin leicht nach, fällt aber nur bei direkter Betrachtung beim Reinzoomen auf. Der Weißabgleich stimmt ebenfalls und die Farbwiedergabe kann überzeugen. Der voreingestellte AI-Modus ist allerdings ein wahrere Akku-Fresser und führt eher zu suboptimalen Ergebnissen. Die künstliche Intelligenz, die für die Szenenerkennung zuständig ist, hat zu häufig den Drang, die Farben zu stark zu überzeichnen. Das Bild wirkt dann sehr unnatürlich und hat bei weitem nichts mehr mit der Realität zu tun. Zudem kann die Szenenerkennung dazu führen, dass Bilder extrem viel Heller wirken, als sie eigentlich sind. Das hat in wenigen Situationen zwar Vorteile, kann aber oft auch zum Nachteil werden.

Dafür kann die künstliche Intelligenz aber bei schummrigen Lichtverhältnissen punkten. Die sehr kleinen Blenden sind zwar nicht für dunklere Lichtumgebungen geschaffen, doch die Nachbearbeitung durch den AI-Modus macht einen relativ guten Job. Bei Nachtaufnahmen würden wir also generell empfehlen, die AI-Erkennung angeschaltet zu lassen, da hier die besten Ergebnisse erzielt werden können. Details werden so stärker herausgearbeitet. Lässt man die AI-Szenenerkennung aber in dunkleren Lichtverhältnissen weg, fangen Bilder früh an stark zu rauschen.

Ebenfalls interessant sind die Speichergrößen der Bilder. Das Bild mit der weiß-rosanen Blume liegt ohne AI-Erkennung bei etwa 5 MB Speicherplatzverbrauch. Schaut man sich den Platz des Fotos mit AI-Nachbearbeitung an, kommt man schon auf über 12 MB. Natürlich variiert das je nach Szene und Grad der Bearbeitung. Interessant ist das Verhalten aber dennoch.

Videos werden maximal in 2160p bei 30 Bilder pro Sekunde aufgenommen. Die Qualität der Filme ist gut. Auch die Stabilisierung macht einen hervorragenden Eindruck. Bewegt man sich allerdings ein wenig zu ruckartig, zieht diese leicht stotternd nach. Einen Zeitlupen-Modus gibt es hingegen leider nicht.

An eine High-End-Smartphone-Kamera reicht das alles natürlich nicht heran. In Anbetracht des Preises ist die Leistung aber ausreichend. Selbst für ordentliche Urlaubsfotos ist das Honor Play zu gebrauchen und distanziert sich somit deutlich von günstigen Smartphones,  die gerade einmal nur Schnappschuss-Qualitäten erreichen.

Frontkamera mit 16 MP für überraschend gute Selfies

Auch die Selfie-Kamera hat uns gefallen. Allerdings hätten wir die 16 MP der Frontkamera gerne als zweiten Sensor im Rücken gesehen. Da wäre diese deutlich besser aufgehoben gewesen. Dafür sind Video-Telefonie und Selfies überdurchschnittlich gut, da die hohe Auflösung und die damit verbundene höhere Detaildichte diesen Features deutlich zugute kommt. Überraschend gut gelingt der Bokeh-Effekt bei Porträt-Fotos im Selfie-Modus.

Auch hier sind schwache Lichtverhältnisse wieder ein Problem, zumal die Frontkamera keine AI-Unterstützung erhält, um diese Aufzuarbeiten. Zwar kommt auch hier „AI“ zum Einsatz, allerdings nur für die Berechnung von zusätzlichen Filtern. Dafür hat der Front-Knipser aber mit einer f/2,0-Blende immerhin die höchste Lichtempfindlichkeit aller drei verbauten Linsen. Schade, dass man diese nicht auch im Rücken platziert hat.

Man muss die Kameras hier tatsächlich am Preis des Smartphones messen. Dafür sind sie wirklich sehr gut und verrichten einen wahrlich guten Job. Die AI-Szenenerkennung arbeitet uns allerdings ein wenig zu viel und daher stellen wir diese grundsätzlich aus. Vom starken Akkuverbrauch einmal abgesehen. Dennoch sollte man diese bei Nachtaufnahmen wieder aktivieren, da die Nachbearbeitung durch die künstliche Intelligenz zu deutlich besseren Ergebnissen führt.

Akku: Auch das Honor Play ist ein Dauerläufer

Huawei kann Akkulaufzeit. Das beweist das Unternehmen mit Flaggschiffen wie dem Huawei P20 Pro oder dem Mate 10 Pro immer wieder. Die Laufzeiten sind stark und so hat auch das Honor Play hier eine Paradedisziplin erwischt. Der 3.750 mAh messende Energiespender hält selbst bei intensiver Nutzung locker einen Tag durch. Das zeigte sich auch in unserem Dauertest von rund 8 Stunden unterschiedlichster Nutzung. Egal ob Asphalt 9, das Browsen durchs Netz, Nachrichten lesen oder das Streaming von HD-Filmen auf Netflix. Das Honor Play konnte schlussendlich noch mit etwas über 40 Prozent Akku glänzen. Auch die Standby-Werte können sich sehen lassen. Wir ließen das Honor Play rund 16 Stunden liegen und verloren lediglich 7 Prozent Akkuleistung.

Honor gibt die Laufzeit seines Gaming-Smartphones mit rund 1,5 Tagen an. Ein Wert, den wir aufgrund unseres Akkutests für sehr realistisch halten. Natürlich ist ein Durchzocken mit dem Honor Play nicht möglich. Man muss aber auf der anderen Seite nicht befürchten nach einer Stunde Zugfahrt und ein wenig Gaming schnell die nächste Steckdose suchen zu müssen.

Natürlich achtet der Hersteller auch hier wieder auf den Preis und streicht entsprechende Komfort-Features: Das Honor Play lässt sich zwar schnell laden, allerdings langsamer als die Topmodelle aus dem eigenen Haus. Oftmals braucht es gut 20 Minuten länger. Die Aluminium-Rückseite erlaubt auch kein kabelloses Laden.

Honor Play Akku AuslastungQuelle: Marcel Laser / handy.de
Honor Play AkkuQuelle: Marcel Laser / handy.de
Honor Play Akku StandardeinstellungenQuelle: Marcel Laser / handy.de

Die Akkuleistung des Honor Play ist auf einem sehr hohen Niveau. Zwar erreichen Geräte wie das Mate 10 Pro oder Huawei P20 Pro durch ihre 4.000 mAh Batterien einen besseren Wert. Das Honor Play schlägt sich aber nicht schlecht und kann ebenfalls mit langen Laufzeiten punkten. Allerdings hätten wir uns aufgrund des Labels „Gaming-Smartphone“ einen noch größeren Akku gewünscht, aber das wäre dann auch Nörgeln auf hohem Niveau.

Fazit: Kein Gaming-Smartphone, aber ein Preisknaller

Honor Play Handy.de SiegelDas Honor Play wird vom Hersteller als Gaming-Smartphone betitelt. Ist es das denn jetzt auch? Nein, das ist es wirklich nicht. Einfach nur einen Kirin 970 zu verbauen und darauf hoffen, dass GPU-Turbo in der kommenden Zeit die Spiele kennenlernt und leicht beschleunigt, ist etwas wenig. Zumal wir keinen großen Geschwindigkeitsunterschied zwischen GPU-Turbo und anderen Smartphones feststellen konnten. Zudem ist der Kirin 970 den anderen Prozessoren, wie dem Snapdragon 845 oder dem Exynos 9810 in nahezu allen Disziplinen unterlegen. Dennoch zählt der Huawei-Prozessor immerhin noch zu den Oberklasse-SoCs aus diesem Jahr.

Geht man die Feature-Liste weiter durch, so begegnet man viel besserem Durchschnitt: Die Kamera ist für den Preis wirklich gut, aber nicht herausragend. Der selbe Umstand gilt fürs Display. Huawei hat an diesen Stellen den Rotstift angesetzt, um den Preis entsprechend zu drücken und das ist dann das wahre Kernfeature des Honor Play: Der Preis.

Denn dieses kostet im Vergleich zu anderen Smartphones mit Highend-Prozessoren deutlich weniger. Man wollte an dieser Stelle die höchstmögliche CPU-Leistung für den kleinstmöglichen Geldbetrag anbieten und die Leistung so den meisten Menschen zugänglich machen. Oberklasse-Performance zum mobilen Zocken für die breite Masse, wenn man so will.

Das gelingt Honor an dieser Stelle auf den Punkt genau. Das Honor Play ist ein Preisleistungshammer, wenn es darum geht, genau dieses Ziel zu erfüllen. Dieses Smartphone will sich gar nicht mit der Oberklasse messen und kann es schlussendlich auch nicht. Es ist aber das günstigste Gerät, wenn es darum geht, das letzte Quäntchen Leistung an den Spieler zu bringen und das für so wenig Geld wie möglich. Wir sagen dazu nur: Vorhaben gelungen.

Pro

  • Viel Leistung für wenig Geld
  • Sehr gute Akkulaufzeit
  • 4D-Smart-Shock und Histen-Sound sind interessante Features …

Contra

  • Kein echtes Gaming-Smartphone
  • GPU-Turbo bringt noch keinen echten Mehrwert
  • 4D-Smart-Shock und Histen-Sound nur mit PUBG Mobile kompatibel

Honor Play: Die Alternativen kommen aus eigenem Hause

Das Honor Play ist auf Grund seiner eher unausgewogenen Mischung weder Fisch noch Fleisch. Daher ist es schwer auf dem Preislevel geeignete Alternativen bei der Konkurrenz zu suchen. Eines muss man dem Smartphone aber lassen: Mehr CPU-Leistung für das Geld, geht schon fast nicht mehr. Daher gibt es eher Kandidaten aus eigenem Hause, die dem Honor Play nicht nur ebenbürtig sondern in vielen Punkten gar überlegen sind.

Das Honor 10 kostet derzeit mit rund 370 Euro auf Amazon * etwa um die 40 Euro mehr. Dafür bekommt man aber auch das deutlich bessere Display und eine um Längen bessere Kamera. Einzig und allein bei der Displaygröße macht man mit 5,8 Zoll etwas Abstriche. Die 0,4 Zoll fallen aber meist nur im direkten Vergleich auf. Zudem ist damit zu rechnen, dass das Honor 10 weit vor dem Honor Play mit Android 9.0 Pie ausgestattet wird.

Bei der Konkurrenz sucht man vergleichbare Hardware zu einem so günstigen Preis allerdings vergeblich. Weder das LG G7 ThinQ noch das Galaxy S9 sind so stark im Preis gefallen, dass sie in dieser Preisleistungs-Klasse mitspielen könnten. Wer aber bereit ist etwas mehr als 200 Euro draufzulegen, würde ein echtes Oberklasse-Smartphone bekommen, bezahlt aber dann auch den entsprechenden Preis.

Das Honor 10 ist da. Es besticht auch durch eine smarte Dual-Kamera und natürlich ein aufregendes Design. Wir haben das Honor 10 ausführlich getestet und verraten, warum das Smartphone unbedingt Geduld erfordert, bis es zum perfekten Handy wird.

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