Honor 10 im Test: Geduldig zum perfekten Begleiter | handy.de
Testbericht

Honor 10 im Test: Geduldig zum perfekten Begleiter

Viele High-End-Features zum Spitzenpreis

Die Huawei-Tochter Honor hat ihr neues Flaggschiff offiziell auch für den europäischen Markt präsentiert. Das Honor 10 bringt nicht nur einen intelligenten Prozessor mit. Es besticht zudem durch eine smarte Dual-Kamera und natürlich ein aufregendes Design. Wir haben das Honor 10 ausführlich getestet und verraten, warum das Smartphone unbedingt Geduld erfordert, bevor es zum perfekten Begleiter wird.

Honor 10 Design: Lightcatcher 2.0

Keine Frage: Das Design des Honor 10 sticht hervor. Besonders wenn es um die grüne Edition des Flaggschiffes geht, die wir bereits im ausführlichen Hands-On zum Honor 10 besprochen haben. Mit den Nordlichtern verglich Honor-Chef George Zhao die Rückseite dieses Modells während der Präsentation in London. Tatsächlich ein sehr realistischer Vergleich, denn je nach Lichteinfall schimmert die Rückseite des Honor 10 vertikal in Grün, Blau und schließlich in kräftigem Lila. Möglich macht das eine ganz spezielle und laut Honor aufwendige Beschichtung der 15 Lagen Glas, die die Rückseite zieren. Dieses Farbenspiel ist unglaublich ansehnlich und man möchte das schimmernde Honor 10 gar nicht mehr aus der Hand legen. Nicht immer taucht der Farbwechsel auf, aber oft genug, um sich daran nicht so schnell satt zu sehen. Auch die grüne Grundfarbe ist ein absoluter Hingucker. Das Honor 9 war ein „Lightcatcher“. Das Honor 10 geht noch einen Schritt weiter.

Honor 10 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Gebogenes Glas und glänzende Akzente

Auch die blaue Variante des Honor 10 konnten wir im Hands-On betrachten. Das bunte Farbenspiel verhält sich ganz ähnlich und setzt dem gelungenen Design des Honor 10 das Sahnehäubchen auf. Denn auch frontseitig und an den Rändern ist das vergleichsweise günstige Flaggschiff makellos verarbeitet. Die Rückseite windet sich dabei dem Metallrahmen entgegen. Das Display-Glas tut es dem hinteren Pendant gleich, mündet zusätzlich in eine glänzende Fräskante. Das gebogenen Glas macht das Honor 10 ganz besonders zu einem Handschmeichler. Das Telefon ist aufgrund des 19:9-Formats recht länglich, liegt aber sehr angenehm in der Hand und erinnert ein wenig an das erste Mal mit dem Samsung Galaxy S8, bei dem das Infinity-Display ebenfalls leicht zu den Seiten hin gebogen ist und der Hand sehr schmeichelt.

Das Honor 10 in grün schimmert in drei Farben: Blau, Lila und GrünQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Das Honor 10 ist ein wirklich schönes und hochwertiges Telefon. Die Materialien sind gut verarbeitet und so arrangiert, dass das Handy gut in der Hand liegt. Der Farbverlauf der grünen oder blauen „Phantom“-Varianten schießt hier den Vogel ab und verhilft dem Honor 10 zu einem ganz besonderen Design.

Display: Alles, was das Auge sehen kann

Das LCD-Display des Honor 10 bietet mit seinen 5,84 Zoll eine ausreichende Größe. Es löst in 1.080 x 2.280 Pixeln auf, was Full HD+ entspricht und somit alles bietet, was das menschliche Auge wahrnehmen kann. Ein OLED-Panel samt höherer Auflösung bieten hier zwar andere Hersteller. Das aber zu deutlich teureren Preisen. Für das Honor 10 ist das 5,84-Zoll–Display mehr als ausreichend. Die maximale Displayhelligkeit hatten wir im ersten Eindruck im Rahmen des Hands-Ons zum Honor 10 bereits gelobt. Der Härtetest bei praller Sonne im Herzen Londons bescheinigt dem Honor-Handy eine gute Ablesbarkeit im Freien. Mehr Sonneneinstrahlung ist nicht möglich und dennoch waren die Bildschirminhalte immer noch sehr gut ablesbar.

Am oberen Rand des LCD-Panels befindet sich die Notch, die 2018 bereits bei vielen anderen neuen Smartphones ihren Platz gefunden hat und sich wie bei der Huawei-P20-Reihe über die Anzeige-Einstellungen ein- und ausblenden lässt. Der „Einschnitt“ wird dann softwareseitig durch schwarze Balken ergänzt und verschwindet. Symbole für Benachrichtigungen, Akku, Uhrzeit und Co. befinden sich dann immer noch an Ort und Stelle, liegen aber dauerhaft auf schwarzem Hintergrund. Da ein LCD-Panel schwarze Pixel immer noch beleuchtet, kann man das mit seitlichem Blick auch leicht erkennen.

Die Notch ist dabei sehr schmal und beherbergt die Selfie-Kamera, eine kleinen Lautsprecher zum Telefonieren sowie den Sensor zur automatischen Helligkeitsregulierung des Displays. Einen Sensor für Face Unlock findet sich hier nicht. Die Entsperrmethode mit Gesichtserkennung arbeitet über die Selfie-Kamera und lässt sich mittlerweile nicht mehr beim ersten Versuch durch ein Foto entsperren. Dazu mehr im Abschnitt „Sensoren und Schnittstellen“.

Honor 10 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Langsamer Fingerabdrucksensor unter Glas

Am unteren Bildschirmrand des Honor 10 befindet sich ein scheinbar revolutionierter Fingerabdrucksensor unter Glas, den Honor sich in dieser Form wohl hätte sparen können. Denn der Sensor macht einen Schritt zurück. Bereits bei der ersten Einrichtung des Fingerbadrucksensors fiel auf, dass das Registrieren des Fingers deutlich länger dauert als beispielsweise beim Huawei-Pendant P20 oder vielen anderen gängigen Fingerabdrucksensoren in aktuellen Android-Handys. Der Unterschied zwischen dem Fingerabdrucksensor im Honor 10 und regulären Sensoren ist zudem die Tasache, dass der Honor-10-Sensor unter dem Displayglas sitzt und den Finger mittels Infrarot scannt. Beim Huawei Mate RS Porsche Design funktioniert das gut.

Beim Honor 10 sitzt der Sensor aber nicht unter dem visualisierenden Display, sondern in einem ebenso schwarzen Balken, wie andere Sensoren oder Home Button. Der Schritt zurück ist also nicht ganz nachvollziehbar, mit Blick auf die moderne Honor-Zielgruppe aber doch ein bisschen verständlich. Das Entsperren dauert merklich länger als bei anderen Fingerabdrucksensoren und verlangt dem Nutzer Geduld ab. Der Sensor lässt sich nicht nur zum Entsperren des Handys nutzen, sondern bietet die selben Bediengesten wie die Huawei-P20-Reihe.

Zum Display muss man nicht viel mehr sagen. Das Honor 10 bietet hier ausreichende und moderne Technik. Die Notch lässt sich ein- und ausblenden, Pixel erkennt man mit bloßen Auge natürlich nicht. Den unter Glas liegenden Fingerabdrucksensor hätte man sich allerdings sparen können. Er ist ein Schritt nach hinten und verlangt dem Nutzer Geduld ab. 

Ausstattung und Leistung: Honor setzt natürlich auf KI

Bei der Wahl des Prozessors für das Honor 10 setzt die Huawei-Tochter auf den mittlerweile altbewährten Kirin 970, der auch das hochgelobte Huawei P20 Pro und das P20 antreibt. Wie beim P20 stehen dem Kirin 970 dabei 4 GB (statt 6 GB beim P20 Pro) zur Seite und eine ausgesprochen intelligente NPU. Im effizienten 16-nm-Verfahren gefertigt, beansprucht der Kirin 970 weniger Platz und verfügt gleichzeitig über ein besseres Energiemanagement. Neben den gängigen Begriffen CPU und GPU gesellt sich beim Kirin 970 noch das Kürzel „NPU“ dazu. Die Neural Network Processing Unit ist für die künstliche Intelligenz des Chips zuständig.

Das Honor 10 kommt: Das neue Honor-Flaggschiff hat einen Schritt nach vorn gemacht und setzt vor allem vermehrt auf künstliche Intelligenz. Die größten Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen dem Honor 9 und Honor 10 zeigen wir in diesem Vergleich.

Wie bereits beim Huawei P20 profitieren hier vor allem Hobbyfotografen von den KI-Funktionen des Kirin 970 im Honor 10. Denn der AI-Modus innerhalb der Kamera soll nicht nur Szenerien erkennen und optimale Einstellungen vornehmen, sondern auch das Bild in seine Einzelteile zerlegen können. Das ist sinnvoll um beispielsweise bei jedem Element auf einem Foto die optimale Anpassung vorzunehmen: Ein Baum wird durch die KI-Einheit anders hervorgehoben als der Himmel oder die Person oder das Tier im Vordergrund.

Auch in den Bereichen Energieeffizienz und Spracherkennung ist die NPU im Kirin 970 tätig. Dabei lernt das Honor 10 mit der Zeit dazu – je mehr das Handy für die unterschiedlichsten Aufgaben genutzt wird, umso besser lernt das Handy seinen Besitzer kennen und nimmt im Hintergrund unbemerkt Anpassungen vor. Beispielsweise, um Strom zu sparen. Auch an diesem Punkt ist wieder die Geduld des Nutzers gefragt, denn das Handy wird sich erst nach einigen Tagen auf das Nutzungsverhalten eingestellt haben.

Honor 10 im Benchmarktest: Ein Flaggschiff kommt ins Schwitzen

Das Honor 10 konnte die Vorzüge der NPU im Kirin 970 gut unter Beweis stellen. Streckenweise bei der Fotografie etwas zu auffällig, wie der Kamera-Test des Honor 10 weiter unten zeigt. Der AI-Modus wirkt hier oft etwas zu aggressiv. Ansonsten bekommt man als Nutzer nicht wirklich aktiv etwas von den KI-Prozessen mit – so soll es sein. Insgesamt wirkt das Honor 10 stimmig und sehr leistungsfähig im Alltag. Das bestätigen auch die gängigen Benchmark-Tools, die wir im Handytest über das Honor 10 gejagt haben:

Honor 10 Huawei P20 Sony Xperia XZ2
AnTuTu (7.0.7) 207.943 211.099 263.381
Geekbench Single-Core: 1.880

Multi-Core: 6.624

Single-Core: 1.918

Multi-Core: 6.835

Single-Core: 2.416

Multi-Core: 8.363

3DMark Sling Shot Extreme – OpenGL ES 3.1 2.923 3.003 4.657
3DMark Sling Shot Extreme – Vulkan 3.170 3.380 3.491

Honor 10 wird warm

Im Vergleich zum Pendant der Huawei-Mutter, dem Huawei P20, schneidet das Honor 10 gut ab und kann hier locker mithalten. Im AnTuTu-Benchmarktest erreicht das Honor 10 einen Score von 207.943 (211.099 Huawei P20). An die aktuelle Referenz, das Sony Xperia XZ2, kommt das leuchtende Honor-Flaggschiff nicht heran, wie die Tabelle zeigt. Das ist kein Beinbruch: Das Honor 10 leistet hervorragende Arbeit im Alltag. Im Bereich Gaming zeigt es jedoch seine Schwächen, wie auch die anspruchsvollen Tests von 3DMark zeigen. Hier liegt das Honor 10 weit hinter der aktuellen Referenz. Merklich heiß wird das Handy beim Zocken von grafisch aufwendigen Spielen wie Asphalt 8 oder Super Mario Run. So kam das Honor 10 auch im Rahmen der Benchmark-Tests ziemlich ins Schwitzen. Für kurzweiliges Vergnügen mit rechenarmen Spiele-Apps wie Harry Potter: Hogwarts Mystery und Co. sollte es aber reichen.

Technische Daten im Überblick

Honor 10
Release April 2018, EU: 15. Mai
Maße 149 x 71 x 7,7 mm
Display 5,84 Zoll

Full HD+ (2.280 x 1.080 Pixel)

LCD-Panel im 19:9-Format

Prozessor HiSilicon Kirin 970
4 x 2,4 GHz, 4 x 1,8 GHz
RAM 4 GB
Speicher 64 / 128 GB
Kamera Hauptkamera: 16 + 24 Megapixel AI-Dual-Kamera
Selfie: 24 MP
Android Android 8.1
Custom UI EMUI 8.1
Batterie 3.400 mAh, Super Charge
Farben Blau, Schwarz, Phantom Grün, Phantom Blau
Preis (UVP) 400 Euro (64 GB) / 450 Euro (128 GB)

Honor verbannt den Micro-SD-Kartenslot

Es war damit zu rechnen, dass Honor in diesem Jahr erstmals auf einen Micro-SD-Kartenslot verzichten wird. Während Apple-Fans seit Jahren darauf warten, dass der iPhone-Speicher erweitert werden kann, verzichten immer mehr Hersteller auf diese Möglichkeit. Nun zieht Honor nach und verzichtet beim Honor 10 auf den Micro-SD-Kartenslot. Dafür ist das farbenfrohe Flaggschiff entweder mit 64 GB Speicher oder 128 GB Speicher erhältlich. In Zeiten von Cloud-Diensten und automatisierten Backups durchaus kein Rückschritt, aber mit Sicherheit für den ein oder anderen ein Argument gegen den Kauf des Honor 10.

Leistungstechnisch ist das Honor 10 ein absolutes Preis-Leistungs-Monster. Der Kirin 970 verfügt über künstliche Intelligenz, die sich vor allem bei der Fotografie bemerkbar macht und einige Prozesse verbessert. Der nicht erweiterbare Speicher könnte als Manko angesehen werden. Wer ohnehin schon Cloud-Dienste im Abo nutzt, sollte aber mit den dargebotenen Speichergrößen auskommen.

Telefonie und Internet

Im Rahmen des Akkutests erfolgte ein 30-minütiges Telefonat. Hier gab es keine negativen Auffälligkeiten, wie blecherner Klang oder Unterbrechungen. Beide Gesprächspartner konnten sich gut verstehen, die Unterdrückung von Hintergrundgeräuschen funktionierte gut. Der Lautsprecher könnte etwas mehr hergeben. Das Honor 10 verfügt lediglich über einen Lautsprecher an der Unterseite des Geräts. Die maximale Lautstärke reicht zum Telefonieren in ruhiger Umgebung, jedoch nicht bei einer Autofahrt.

Das Honor 10 ist in Sachen Konnektivität ebenfalls auf einem aktuellen Stand. Zum Surfen im WLAN sind alle Gigabit-Standards an Bord (802.11 a/b/g/n/ac). Zudem zeigt sich der Kirin 970 vorbildlich und bietet neben den gängigen LTE-Frequenzbändern auch LTE Cat.18 mit einer maximalen Datenübertragungsrate von 1,2 Gbit/s, die bislang nur theoretisch erreichbar ist. Wie bereits erwähnt, fehlt es dem Honor 10 an einem Micro-SD-Kartenslot. Dafür fasst der SIM-Karten-Slot zwei Nano-SIM-Karten und macht das Honor 10 somit Dual-Sim-fähig.

Software und Multimedia

Ganz aktuell ist das Honor in Sachen Betriebssystem und Benutzeroberfläche ausgestattet. Die

Huawei-Tochter setzt hier zeitgemäß auf Android 8.1 und EMUI 8.1. In gewohnter Android-Manier erwarten den Nutzer hier zig Einstellungsmöglichkeiten, die zwar in wenigen Menüpunkten untergebracht sind, aber durchaus auch mal unübersichtlich werden können. Hier hilft die gewohnte obere Suchleiste in den Einstellungen oft weiter. Viel muss zu Android und EMUI 8.1 nicht mehr gesagt werden. Viel spannender sind da die unterschiedlichen Designs, die Honor exklusiv anbietet und die ganz klar auf die farbenfrohe Rückseite der beiden Phantom-Modelle eingehen. Die Themes machen das Honor 10 auch frontseitig zu einem echten Hingucker. Alles wirkst sehr farbenfroh, kontrastreich.

Wer ein bisschen weiter stöbert, findet im frisch eingerichteten Honor 10 einen ganzen Haufen lästiger Bloatware. Im Ordner „Top Apps“ liegen beispielsweise die Apps Booking.com, Netflix, Instagram und eBay. In einem Spiele-Ordner findet man sechs Pay-to-Play-Games, die durchaus Spaß machen können, aber vor allem darauf ausgelegt sind, Einnahmen durch In-App-Käufe zu erzielen. Die Apps lassen sich deinstallieren. Schön ist das trotzdem nicht. Da Honor Googles Project Treble unterstützt, dürfen sich Nutzer des Honor 10 außerdem wohl künftig über schnelle aktuelle Android-Updates mit Android 9 P freuen.

Sound: Schlechte Platzierung des Lautsprechers

Bereits beim Telefonieren ist aufgefallen, dass der Lautsprecher nicht besonders guten Sound hervorbringt. Beim Streamen von Videos und Musik hat sich dieser Eindruck noch verstärkt. Der einzige Lautsprecher befindet sich beim Honor 10 unten rechts neben dem USB-Typ-C-Port. Beim Spielen und Halten des Gerätes verdeckt man den Lautsprecher unweigerlich mit der Hand oder einem Finger. Eine sehr unschöne Designlösung bei einem ansonsten perfekt konzipierten Gerät. Anders als das Huawei P20 Pro greift die KI-Funktion hier nämlich nicht zur Verbesserung des Sounds ein. Der große Preisunterscheid muss sich irgendwo bemerkbar machen.

Honor 10 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Sensoren und Schnittstellen

Den wichtigsten Sensor haben wir bereits im Display-Teil ausführlich besprochen. Der Fingerabdrucksensor reagiert eher schleppend und ist ganz klar eine Design-Entscheidung gewesen. Überrascht hat im Test die Gesichtserkennung Face Unlock, mit der wir beim Test des Huawei P20 Pro negative Erfahrungen gemacht haben und die Entsperrmethode bis auf weiteres aufgrund von Sicherheitsmängeln nicht mehr empfohlen haben. Das Honor 10 zeigt hier eine beeindruckende Entwicklung und kompensiert den langsamen Fingerabdrucksensor. Face Unlock im Honor 10 basiert weiterhin auf die Erkennung mittels Foto, nicht Infrarot. Die Selfie-Kamera verrichtet hier aber blitzschnelle Arbeit aus vielen unterschiedlichen Winkeln. Nach der Einrichtung lässt sich das Honor 10 in Sekundenbruchteilen entsperren. Der mehrmalige Versuch, das Handy mit einem Selfie zu entsperren, ist gescheitert. Hier wurde nach unserem Bericht zum unsicheren Face Unlock anscheinend ordentlich nachgebessert.

Face Unlock im Huawei P20 Pro funktioniert angeblich viel besser als Apples Face ID im iPhone X. Dass das Feature selbst in einem teuren Flaggschiff immer noch höchst unsicher angeboten wird, wollen wir nun einmal zur Diskussion stellen.

Der Fingerabdrucksensor ist bei der Nutzung von Face Unlock aber nicht gänzlich arbeitslos, sondern lässt sich für Wischgesten verwenden. Damit können die voreingestellten On-Screen-Tasten ersetzt werden. Die Bedienung über den Sensor muss jedoch nach Einrichtung des Honor 10 in den Einstellungen erst aktiviert werden. Der Menüpunkt „Systemnavigation“ ist hier der Richtige. Zu Beginn funktioniert die Steuerung über den Sensor nicht ideal. Mit ein wenig Übung und Geduld wird jedoch schnell deutlich, wie feste man drücken oder wie langsam man wischen muss, um die Aktionen erfolgsversprechend auszuführen. Man gewöhnt sich schnell daran und will die Funktion nicht mehr missen.

Sensoren des Honor 10 im Überblick

  • Beschleunigungssensor
  • Gyroskop
  • Fingerabdrucksensor
  • Annäherungssensor
  • Helligkeitssensor
  • Kompass

Kamera: Eine ruhige Hand ist gefragt

Künstliche Intelligenz bei Smartphones ist in aller Munde. Dank des in diesem Bereich bereits erfahrenen Mutter-Konzerns Huawei hat Honor die günstige Chance beim Schopfe ergriffen und dem Honor 10 eine rückseitige Dual-AI-Kamera verpasst. Die nackten Daten auf einen Blick:

  • Farbsensor mit 16 Megapixeln
  • Monochrom-Sensor mit 24 Megapixeln
  • Maximale Auflösung: 5.632 x 4.224 Pixel
  • f/1.8 Blende
  • Elektronischer Bildstabilisator
  • Videos: UHD / 4K (3.840 x 2.160 Pixel)
Honor 10 Kamera in Phantom GrünQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Der Kirin 970 bringt dank NPU eine gewaltige Portion AI in die Sache. Denn das Honor 10 verfügt über dieselben klugen Mechanismen wie das Huawei P20. Konkret heißt das: Das Honor 10 kann aus 22 Szenarien über 500 Objekte erkennen und ideale Anpassungen vornehmen. Dazu gehören zum Beispiel Landschaften, Tiere, Personen, Pflanzen und Lebensmittel. Echtzeit-Multi-Szenen- und Objekterkennung nennt Honor das Feature der AI-Kamera. Das funktioniert mit dem Honor 10 genauso gut wie mit dem Huawei 20 Pro, das sich nur durch eine fantastisch große Blende und dem Tele-Objektiv noch weiter abheben kann.

AIn bisschen übertrieben

Die AI-Funktion des Honor 10 ist dabei aber etwas gewöhnungsbedürftig. Was richtig gut funktioniert ist das künstliche Hochrechnen der Helligkeit in dunklerer Umgebung. Auch bei Detailaufnahmen wird das sehr deutlich. Der Salat ist beispielsweise ohne AI-Modus in den Zwischenräumen recht dunkel. Dank AI werden die Stellen aufgehellt und das Bild wirkt stimmiger und farbenfroh. Doch besonders bei Blütenbildern wird deutlich, dass die künstliche Intelligenz im Honor 10 hier zu Übertreibungen neigt: Die tränenden Herzen sind zwar von Natur aus schon sehr pink. Das Honor 10 gibt den Blüten allerdings noch eine Extra-Portion Farbe mit. Das sieht künstlich aus. Zugute halten muss man der AI-Einheit, dass auch der Kontrast der Bilder hochgeschraubt wird, was sich sehr positiv auf das Endergebnis auswirkt.

Honor 10 im Foto-TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Salat ohne AI-Modus fotografiert 

Honor 10 im Foto-TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Salat mit AI-Modus fotografiert

Honor 10 im FototestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Blüten ohne AI-Modus fotografiert 

Honor 10 im Foto-TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Blüten mit AI-Modus fotografiert

Mit ein wenig Übung zum Erfolg

Auch bei Landschaftsaufnahmen wird das deutlich: Der Himmel zeigt einen Farbverlauf, der natürlich unglaublich schön aussieht, so aber eher selten bis gar nicht in der Realität zu sehen ist. Der AI-Modus des Honor 10 verzerrt somit ganz leicht die Realität. Wer das nicht mag, schaltet ihn einfach ab. In den Abendstunden lohnt sich das Einschalten allerdings wieder, wie die Fotos vom „The Shard“ und der St. Pauls Cathedral in London eindrücklich unter Beweis stellen. Hier rauscht es zwar an einigen Stellen, dennoch ist die Szenerie gut beleuchtet. Die besten Ergebnisse erzielt man hier mit einer ruhigen Hand oder einem Stativ.

Honor 10 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de
Die Szenerie wurde durch eine Glasscheibe hindurch fotografiert.

Honor 10 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de
Der Himmel zeigt einen tollen Farbverlauf.

Auch der Bokeh-Effekt der Dual-Kamera kann sich sehen lassen. Das ist in der Smartphone-Szene mittlerweile schon fast zum Standard geworden. Auch bei der Kamera gilt: Mit Geduld und einem guten Händchen entstehen tolle Aufnahmen. Die Dual-Kamera ist anspruchsvoll und der AI-Modus eignet sich nicht für wilde Schnappschüsse, sondern will mit tollen Szenerien gefüttert werden. Hier lernen beide: Der Smartphone-Nutzer und die Kamera des Honor 10.

Frontkamera des Huawei P20 Pro

Die Frontkamera des Honor 10 ist die selbe, wie sie auch m P20 Pro zum Einsatz kommt. Die 24-Megapixel-Kamera mit f/2.0-Blende schießt entweder mit oder ohne Beauty-Modus Selfies. Witzige Spielereien wie Filter und Hasenohren unterstützt sie ebenfalls. Was sehr gut funktioniert und beim iPhone X ein kleines Vermögen kostet, ist die Berechnung von hübschen Porträt-Effekten. Hier spielt die Software mit unterschiedlichen Beleuchtungen und blendet auf Wunsch den Hintergrund komplett aus.

Die Dual-Kamera mit AI-Fähigkeit macht schöne, hochauflösende Fotos, die auch beim Heranzoomen viele Details qualitativ hochwertig preisgeben. Das Fotografieren macht wirklich Spaß und man lernt während einer Foto-Session wirklich viel über die Kamera. Das sieht man auch an den Ergebnissen, die nach einiger Zeit immer besser werden. Der AI-Modus ist gewöhnungsbedürftig und lässt die Bilder leicht künstlich erscheinen. Die Frontkamera fördert tolle Porträts zutage.

Akku

Die ganzen netten Features sind natürlich auf ein gutes Energiemanagement und eine ordentliche Akkukapazität angewiesen. Letzteres erfüllt das Flaggschiff mit seinem 3.400-mAh-Akku, der im standardisierten Akku-Test sein ganzes Können unter Beweis stellen musste. Zunächst wurde das Smartphone voll aufgeladen und dann einem intensiven Nutzungstest unterzogen, der acht Stunden andauert. Folgende Disziplinen durchlief das Honor 10 dabei außerdem zu je 30 Minuten:

  • Fotografieren
  • Im Internet surfen
  • In sozialen Netzwerken surfen und chatten
  • Musik-Streaming
  • HD-Video bei YouTube wiedergeben
  • Telefonieren
  • 3D-Game spielen

Das Honor 10 war dabei per WLAN mit einem Netzwerk verbunden, eine SIM-Karte war eingelegt, mobile Daten, automatische Helligkeit, Bluetooth und Push-Benachrichtigungen eingeschaltet. Nach der achtstündigen Intensiv-Phase folgt im Akkutest des Honor 10 eine 16-stündige Standby-Zeit, um zu überprüfen, wie viel Saft das Handy im Standby verliert.

High-End-Flaggschiffe können hier in der Regel nicht ganz so grandios abliefern wie die Smartphones in der Mittelklasse. In den Tests des Huawei P20 lite und Moto G6 waren die Endergebnisse allesamt sehr zufriedenstellend. Das Huawei P20 Pro hatte nach 24 Stunden noch eine Restladung von 29 Prozent übrig. Das Samsung Galaxy S9+ gilt in diesem Jahr als Akku-Totalausfall. Das Honor 10 schlägt sich hier jedoch gut. Da kein OLED-Panel zum Einsatz kommt, hält es mit seinem 3.400-mAh-Akku ordentlich durch. Hier macht sich auch die KI-Fähigkeit des Kirin 970 stark bemerkbar und appelliert einmal mehr an die Geduld des Nutzers.

AI-Modus der Kamera ist energiehungrig

Während in anderen Tests sehr stark zu beobachten war, dass vor allem Gaming am Akku zerrt, verliert das Honor 10 in dieser Disziplin lediglich sechs Prozent Akkuladung. Jede Disziplin hat im Großen und Ganzen gleich viel Akkuladung verbraucht: Immer zwischen drei und sechs Prozent. Lediglich die halbe Fotografie-Stunde teils mit, teils ohne AI-Modus, hat dem Honor 10 zugesetzt. Satte zehn Prozent ließ das Honor 10 in dieser Disziplin. Bereits nach einer Minute geht die Kamera-Software in den Standby-Modus, wenn nicht fotografiert oder gefilmt wird, um wenigstens etwas Energie zu sparen.

So standen am Ende des Tages nach einem intensiven Akku-Test nach acht Stunden und 20 Minuten noch 55 Prozent am oberen rechten Bildschirmrand. Das ist ein durchaus gutes Ergebnis. Das Display des Honor 10 frisst am meisten Strom. Gleich danach die Kamera-Software, die aufgrund der AI-Funktionen viel Power braucht.

Schnellladen ja, kabellos laden nein

Nach insgesamt 24 Stunden zeigte der Akku des Honor 10 noch 42 Prozent an. Vielnutzer werden sehr wahrscheinlich auf einen schlechteren Wert kommen. Letztendlich muss man ganz klar sagen, dass sich die Akku-Laufzeit von Smartphones bei dünner werdendem Gehäuse und anspruchsvolleren Anwendungen doch deutlich verbessert hat. Kaum ein Android-Flaggschiff muss Abends ans Ladegerät, um über die Nacht zu kommen. Beim Honor 10 ist das nicht anders. Toll ist die Schnellladefunktion des Handys. Per USB-Typ-C kann das Handy sehr schnell mit neuer Energie versorgt werden. Das ist klasse. Wireless Charging vermissen wir im Test allerdings. Hier hat Honor trotz Glasrückseite keine Vorrichtung verbaut.

Der Akku des Honor 10 zeigt sich ausdauernd und unauffällig. Kein Akku-Gate in Sicht. Bei dem vergleichsweise günstigen Preis kann man es eigentlich kaum erwarten, aber wenn schon eine Glasrückseite vorhanden ist, könnte man kabelloses Laden integrieren. Die Schnellladefunktion ist jedoch vorhanden und das ist wohl das Wichtigste in Anbetracht der energiehungrigen AI-Kamera.

Fazit: Ein schönes Geduldsspiel

Das Honor 10 kommt mit einem leistungsstarken Prozessor, einer intelligenten Dual-Kamera und Honor 10 im Test von handy.de: Das Smartphone erreicht 5 Sterneeinem unschlagbar individuellen Design. Der Akku hält ordentlich durch und lässt sich schnell wieder aufladen. Die Gesichtserkennung funktioniert zuverlässig und ist sicherer geworden. Vor allem diese Punkte sind es, die das Honor 10 unglaublich attraktiv machen. Der vergleichsweise günstige Preis lässt kaum noch Spielraum für Kritik. Eine IP-Zertifizierung, ein OLED-Display sowie Wireless Charging sind Merkmale, die das Honor 10 noch von einem nahezu doppelt so teuren Gerät unterscheidet.

Der fehlende Micro-SD-Kartenslot ist nicht unbedingt ein Manko, sondern eine Frage der Nutzung. Grandios ist, dass Honor eine Klinkenbuchse anbietet. Zudem befinden sich im Lieferumfang eine Schutzhülle und der Displayschutz ist bereits angebracht. Das Preis-Leistungsverhältnis ist beim Honor 10 überragend gut und derzeit nicht zu toppen. Deshalb geben wir trotz der oben genannten fehlenden Oberklasse-Komponenten fünf von fünf Sterne für das Honor 10. Wer sich ein wenig in Geduld übt und der künstlichen Intelligenz ein bisschen Zeit lässt, wird mit dem Handy sehr glücklich.

Pro

  • Hübsches und handliches Design
  • Gute Dual-Kamera
  • Viele AI-Funktionen
  • Klinkenbuchse
  • Preis-Leistung

Kontra

  • Lautsprecher
  • Keine IP-Zertifizierung
  • Viel Bloatware

Alternativen

Das Honor 10 steht konkurrenzlos in dieser Preiskategorie in der Oberklasse. Wer mehr will, muss auch gleich deutlich mehr Geld in die Hand nehmen. Wer weniger zahlen will und bereit ist, Abstriche zu machen, muss auf vieles verzichten und landet zudem unweigerlich in der Mittelklasse. Hier empfehlen wir das Moto G6, das ebenfalls durch ein überragendes Preis-Leistungsverhältnis in der Mittelklasse überzeugt hat und eine ordentliche Leistung abliefert. Die UVP hat Lenovo hier mit 250 Euro angesetzt.

Auch das Huawei P20 lite ist empfehlenswert, vor allem aufgrund des Akkus. Es enttäuschte aber in Sachen Kamera. Das Huawei-Smartphone ist ebenfalls in der Mittelklasse angesiedelt und online bereits ab 320 Euro erhältlich.

Preise und Verfügbarkeit

Das Honor 10 ist in insgesamt vier Farben verfügbar:

  • Grün
  • Blau
  • Grau
  • Schwarz

Nicht alle Modelle sind in allen Speichervarianten verfügbar: So kommen alle Modelle mit 4 GB RAM, das Graue jedoch nur mit 64 GB internem Speicher. Das begehrte Grüne ausschließlich mit 128 GB Speicher. Die Farben Schwarz und Blau sind in beiden Speichergrößen verfügbar. Warum Honor sich zu so einem unübersichtlichen Farb-Speicher-Hick-Hack entschieden hat, ist nicht nachvollziehbar. Für das Honor 10 mit 128 GB werden 450 Euro fällig. Das Honor 10 mit 64 GB internem Speicher kostet 400 Euro. Das ist ein unschlagbarer Preis in der Oberklasse.

Für ein Oberklasse-Gerät muss man nicht immer 1.000 Euro ausgeben. Es lohnt sich ein Blick auf ehemalige Flaggschiffe und gehobene Mittelklasse-Modelle. Die derzeit besten Smartphones bis 400 Euro haben wir Dir hier zusammengefasst.