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Handyakku richtig laden: Tipps für eine lange Lebensdauer

Lithium-Ionen-Akkus unter der Lupe

Immer wieder heißt es, der Akku eines Handys müsse vorsichtig geladen werden, da er sonst schnell kaputt gehe. Wenn es zu kalt ist, muss das Smartphone am besten auf Körperwärme gebracht werden. Und zu niedrige Akkustände schaden den verbauten Zellen sowieso. Welche Annahmen nicht der Wahrheit entsprechen und was Du vielleicht tatsächlich beachten solltest, klären wir in diesem Artikel auf.

Wenn Du Dein Smartphone im normalen Tagesverlauf nutzt, solltest Du im Idealfall ohne Akkusorgen durch den Tag kommen. Das klappt aber leider nicht immer, unter anderem wegen Abnutzungserscheinungen. Denn: Mit der Zeit verlieren die Lithium-Ionen-Zellen, die unsere Smartphones antreiben, an Leistung. Immerhin handelt es sich um elementare Chemie – und die lässt sich bekanntlich nicht austricksen. Es gibt aber Mittel und Wege, die Laufzeit zu maximieren und den Akku zu schonen.

Ist Schnellladen schädlich für den Handyakku?

Seit kurzer Zeit gehört es bei Smartphone-Herstellern zum guten Ton, Schnelladetechnologien wie Quick Charge, Dash Charge oder Fast Charge in die Geräte zu implementieren. Diese sorgen dafür, dass Dein Smartphone in kürzerer Zeit vollständig geladen wird, als es mit einem normalen USB-Anschluss vom Laptop der Fall wäre. Der USB-Standard erlaubt lediglich fünf Watt, die per Ladekabel in externe Geräte wie Smartphones geladen werden dürfen. Das ist wenig und dauert ewig. Im Regelfall übertragen sich statt fünf eher 15 bis 20 Watt in das Gerät. Dadurch ist der Akku Deines Gerätes meist mindestens doppelt so schnell komplett aufgeladen.

Das passiert beim Ladevorgang

Einen Haken hat die Schnellladetechnologie jedoch: Sie beeinflusst die Lebensdauer der empfindlichen Lithium-Ionen-Akkus. Lange Zeit galt die Regel, dass Li-Ion-Zellen nur mit „0,5 C“ geladen werden dürfen. C beschreibt in diesem Falle die Leistung des Akkus. Hatte dieser eine Leistung von 4.000 Milliamperestunden, durfte er maximal mit 2.000 Milliampere geladen werden. Das hat sich inzwischen dank besserer Zellchemie etwas verbessert und Akkus können sogar mit mehr als 1 C geladen werden, ohne dass es zu Problemen kommt. Damit ist ein Ladevorgang mit zehn Watt absolut kein Problem mehr. Bei höheren Strömen lassen sich moderne Akkus auch nichts anmerken, verlieren aber auf Dauer einen kleinen Teil ihrer Leistungsfähigkeit. Neue Schnelladetechnologien bauen auch eine Temperaturbegrenzung ein: Sollte das Smartphone eine gewisse Temperatur überschreiten, wird weniger Energie in den Akku geladen. Dadurch gibt es keinen größeren Schaden.

Dennoch: Bei dem schnelleren Laden gibt es zwar eine größere Belastung auf die Zellen und das geht auf die Lebensdauer. Moderne Akkus halten aber trotzdem mehr als 500 Zyklen durch, ohne signifikante Verluste in der Leistung hinnehmen zu müssen. Das schnellere Laden ist also in vielen Fällen ein schönes Komfort-Feature, um die Wartezeiten am Kabel so kurz wie möglich zu halten.

Letzten Endes ist es somit fast egal, ob Du den Komfort von Schnelladetechnologien nutzt oder nicht. Die Akkus sind intelligent genug, sich selbst zu regulieren und die Belastung auf die empfindlichen Zellen so minimal wie möglich zu halten.

Wie die verschiedenen Schnelllade-Technologien funktionieren und welches Zubehör mit welchem Smartphone harmoniert, haben Wir Dir in diesem Beitrag zusammengefasst:

Wegen zu kurzer Betriebszeiten von Smartphones setzen viele Hersteller auf Quick Charge-Protokolle. Dadurch sind Handys schnell aufgeladen - im täglichen Gebrauch lohnt sich das. Wie das Schnellladen genau funktioniert, verraten wir Dir hier.

Bis 0% entladen: Ist das schlecht für meinen Handyakku?

Immer wieder heißt es, dass das Smartphone nicht tiefer als 15 bis 25 Prozent entladen werden sollte. Die Elektroden würden bei niedrigen Spannungen stärker belastet sein. Das stimmt tatsächlich: Eine zu niedrige Spannung tut dem Akku nicht gut. Das liegt an der Zellchemie, die im niedrigen Ladebereich einen höheren Innenwiederstand besitzt und dadurch mehr „arbeiten“ muss. Deswegen heißt es grundsätzlich: Ab 20 Prozent besser wieder an die Steckdose.

Trotzdem ist auch hier wieder folgendes der Fall: Die Lebensdauer eines Akkumulators ist so gut, dass gelegentliches Entladen bis auf 0 Prozent kein Problem darstellt. Außerdem besitzt jeder moderne Akku eine eingebaute Elektronik, die die Lithium-Ionen-Zellen vor einer zu extremen Entladung schützt. Sollten die Batterien nämlich unter eine gewisse Spannung sinken, werden sie unbrauchbar. Das ist im Normalfall ab 3 Volt der Fall. Deswegen deckeln die intelligenten Schaltungen meist bei 3,3 bis 3,5 Volt ab und schalten das Smartphone im Extremfall komplett ab.

Diese Elektronik hilft übrigens auch in anderen Situationen. Sollte es zu einem Kurzschluss kommen, aktiviert sich eine interne Sicherung und schützt den Akku vor einer unausweichlichen Explosion. Li-Ion-Batterien können in solchen Situationen sehr schnell zum gefährlichen Gegenstand werden, wie das Samsung Galaxy Note 7-Debakel zeigte. Auch bei Überhitzung, zu niedrigen Temperaturen oder Überladung durch defekte USB-Ladegeräte mischt sich die intelligente Schaltung ein und klemmt den Akku ab.

Kann ich meinen Handyakku auf eine längere Laufzeiten “trainieren“?

Die Antwort bei aktuellen Handyakkus lautet: Nein. Die sogenannte Konditionierung war zwar viele Jahre lang Bestandteil des Alltags, wenn ein neues Gerät mit Akkumulatoren in Betrieb genommen wurde. Dadurch konnte die Laufzeit der mobilen Energiespeicher – meist in Form von Nickel-Cadmium-Akkus – um ein paar Prozent verbessert werden. Bei aktuellen Lithium-Ionen-Akkus ist das aber nicht mehr der Fall. In Labortests lassen sich keinerlei Vorteile der Konditionierung finden. Auch der „Memory-Effekt“ ist bei Lithium-Ionen-Akkus nicht vorhanden. Er beschrieb bei alten Akku-Zusammensetzungen die Erinnerung an einen länger gehaltenen Füllstand. Sollte dieser bei etwa 70 Prozent liegen, konnte für einige Ladezyklen nicht mehr als 70 Prozent der eigentlichen Leistung abverlangt werden.

Sollte ich immer Original-Zubehör nutzen?

Ja, im Idealfall solltest Du ein vom Hersteller zur Verfügung gestelltes USB-Ladegerät nutzen. Das gibt Dir zum einen die Garantie, dass der Hersteller bei Schäden haftet. Außerdem hast Du Zugriff auf proprietäre Ladetechnologien, die nicht von allen Ladesteckern unterstützt werden. Equipment von Dritten sollte im Normalfall nichts zerstören, da der USB-Standard sehr weit verbreitet ist und defekte Netzteile nur noch äußerst selten vorkommen. Beim Kauf von anderen Ladegeräten solltest Du auf Sicherheitsmerkmale wie das CE-Zeichen achten, auf bekannte Firmen setzen und keine extrem billigen Stecker kaufen. Dann ist das Risiko am geringsten.

Samsung SchnellladegerätQuelle: Samsung
Bei einem Ladegerät solltest du immer auf das CE-Zeichen achten, wie hier bei diesem Original Schnellladegerät von Samsung.

Aufpassen beim Kabelkauf

Beim Ladekabel ist es hingegen etwas komplizierter, vor allem bei Apple und auch bei neueren Android-Smartphones, die USB Typ C als Anschluss nutzen. Während Du beim älteren Micro-USB-Anschluss eigentlich jedes Kabel nutzen kannst, ist das bei neueren Technologien etwas komplizierter. Über die Kabel werden nämlich größere Ströme transportiert, die teils von dünnen Kabeln nicht übertragen werden können. Die verbauten Drähte sind einfach zu dünn, um die volle Leistung zur Verfügung stellen zu können. Aber auch hier haben die Hersteller vorgesorgt: Die aktuellen Smartphones haben eine Sicherungsschaltung, damit es nicht zu Kabelbränden kommt.

Apple verbaut in seinem Lightning-Kabel einen kleinen Chip im Stecker, der u.a. die Echtheit des Kabels zertifiziert. Chinesische Kopierer sind inzwischen jedoch findig genug, diese Sicherheitsvorkehrung zu umgehen. Gerade dann kann es zu Problemen kommen: Kabelbrüche sind bei günstigen Lightning-Kabeln vorprogrammiert und enden mit viel Frust. Offizielle oder von Apple zertifizierte Kabel sind hier die bessere Lösung – denn nur diese können den vollen Ladestrom übertragen und besitzen eine längere Lebensdauer. Auch hier gilt oft: Wer günstig kauft, kauft doppelt.

Kaputtes Lightning-LadelkabelQuelle: ©kitthanes - stock.adobe.com
Bei sehr günstigen nachgemachten Kabeln, kann es schnell zu Kabelbrüchen oder ähnlichem kommen.

Sollte ich meinen Akku nach einer bestimmten Zeit austauschen?

Viele Internetseiten empfehlen aufgrund der Abnutzung, nach einer gewissen Zeit einen neuen Akku in Dein Smartphone einzubauen. Sollte Dein Mobiltelefon einen Akku besitzen, den Du ohne Probleme selber wechseln kannst, wirst Du mit Sicherheit beim Onlineshop Deiner Wahl schnell einen Ersatzakku finden. Auch für Smartphone-Modelle, die einen fest verbauten Handyakku besitzen, der vom Nutzer grundsätzlich nicht geöffnet werden sollte, gibt es  Austauschakkus im Internet und viele Handy-Shops bieten einen solchen komplizierten Wechsel des Akkus an.

Oft ist nicht der Akku die Ursache für eine geringe Laufzeit

Ein solcher Akkutausch sollte aber die letzte Wahl sein. Denn oft liegt die kürzere Gerätelaufzeit nicht an einem kaputten Handyakku, sondern vielmehr an zahlreichen Apps, die im Hintergrund aktiviert sind. Je mehr Aufgaben der Prozessor zu erledigen hat, desto mehr Energie benötigt er. Hier empfiehlt es sich, die Anwendungen im Autostart zu überprüfen und gelegentlich ein paar Apps zu löschen, die Du vielleicht gar nicht mehr benutzt. Weitere Tipps zum Akkusparen haben wir für Dich in einem weiteren Artikel zusammengefasst.

Spezielle Akku-Apps können Klarheit bringen

Spezielle Apps können Dir dabei helfen, einen „platten“ Akku zu diagnostizieren. So analysiert beispielsweise die App AccuBattery (erhältlich im Google Play Store) über mehrere Tage den Ladestand Deines verbauten Akkus. Nach ein paar Tagen kannst Du dann feststellen, wie viele Milliamperestunden im Akku verbleiben und genutzt werden können. Abweichungen um fünf bis maximal zehn Prozent von der vom Hersteller angegebenen Kapazität sind normal. Sollte der Wert signifikant unter dem beworbenen liegen, solltest Du tatsächlich über einen Tausch Deines Akkus nachdenken.

Quelle: handy.de
AccuBattery analysiert den Ladestand Deines Akkus über mehrere Tage.

iPhone-Nutzer kommen ähnlich leicht an Informationen zum Batteriestatus heran. Solltest Du ein iPhone beliebiger Generation besitzen, kannst Du die App „Battery Life Doctor“ auf Deinem Smartphone installieren. Diese verrät Dir im Tab “Battery Life“, wie viel Prozent von der ursprünglichen Kapazität erhalten sind. Dieser Wert sollte idealerweise im 90%-Bereich liegen. Auch das Alter des Akkus, die Anzahl der Ladezyklen und die aktuelle Temperatur sind in der Anwendung ablesbar.

Battery LifeQuelle: handy.de

Drahtloses Laden: Wie sicher und schnell ist das?

Bei vielen neuen Smartphones – etwa dem iPhone X oder dem Samsung Galaxy S9 – besteht die Möglichkeit, das Gerät drahtlos aufzuladen. Per Induktion kann Strom durch die Luft von der Ladeschale zum Handy gelangen. Das ist sehr bequem, hat aber zwei nennenswerte Nachteile.

Zum einen ist die Ladegeschwindigkeit bisher nicht besonders hoch. Top-Smartphones schaffen es bisher lediglich, mit acht Watt zu laden. Schnelllade-Technologien sind hier deutlich fixer. Der geringe Speed hängt unter anderem mit der Effizienz zusammen: Nur rund 60 Prozent der benötigten Ladeenergie kommen beim Smartphone an, der Rest geht beim Transfer der Energie in der Luft verloren.

Zum anderen erzeugt die drahtlose Ladetechnik zum Teil hohe Wärme: Sind die zwei Spulen, die zur Übertragung vom Strom benötigt werden, nicht komplett aufeinanderliegend, erhöht sich die Wärmeentwicklung. Das resultiert in fast nicht mehr anfassbaren Smartphones. Zuträglich ist das für die Lebensdauer eines Akkus nicht.

Wie genau diese Technik funktioniert und was Du beim Zubehör-Kauf beachten musst, haben Wir Dir in diesem Artikel zusammengefasst:

Schon seit vielen Jahren gibt es Smartphones, die über spezielle Ladeschalen drahtlos aufgeladen werden können. Mit den neuesten iPhones und Galaxy-Handys ist kabelloses Laden für viele im Alltag angelangt. Wir erklären, wie es funktioniert.

Aufgeblähter Akku: Was soll ich tun?

Wenn sich Dein Handyakku ein wenig aufbläht, ist dies ebenfalls ein konkreter und ernstzunehmender Hinweis auf einen defekten Akku, der ausgetauscht werden sollte. Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass sich ein Akku derartig aufbläht? Ein solches Phänomen passiert, wenn die Batterie durch äußere Einflüsse zu heiß wurde oder eine Überlastung stattfand. Die freigesetzten Gase schädigen die Zelle und sorgen für den Verlust von Leistung. Hier solltest Du am besten schnell handeln, denn mit einem solchen Akku kann es echt gefährlich werden. Setzen sich die Gase frei, kann es zu einer Entzündung kommen. Lithium brennt extrem gut und lässt sich durch normales Wasser nicht löschen.

Aber Achtung beim eigenständigen Kauf von Ersatzakkus: Diese Akkus sind häufig keine Originale. Smartphone-Hersteller vertreiben die Akkus häufig nur im eigenen Store oder setzen sie nur in offiziellen Austauschprogrammen ein. An Originale kommen dritte Händler nur in den seltensten Fällen. Im Regelfall sind die von Fremdherstellern verkauften Akkus nicht so leistungsstark, selbst wenn eine höhere Kapazität angepriesen wird. Darauf solltest Du nicht hereinfallen und ein wenig auf die Bewertungen des Produktes achten. Die Investition von ein paar Euro mehr ist es definitiv wert.

Checkliste zur Akku-Gesundheit

Um die ideale Gesundheit Deines Handyakkus zu erzielen, musst Du natürlich nicht die genauesten Details genau auswendig wissen. Alle oben genannten Themen lassen sich einfach in acht Punkten zusammenfassen. Solange Du diese im Gedächtnis behältst, wird Dein Handyakku deutlich länger überleben:

  • Entlade den Akku möglichst nie ganz, sondern schließe das Stromkabel bei 20-30 Prozent wieder an.
  • Lade den Akku nicht ganz voll, versuche die Prozent-Anzeige zwischen 30 und 80 Prozent zu halten.
  • Behalte dein Handy nicht die ganze Zeit auf einem hohen Ladezustand, sondern lasse es den Akku leeren.
  • Bewahre das Handy nie in zu warmen oder zu kalten Umgebungen auf.
  • Verwende ein gutes Ladekabel, das nicht zu dünn ist
  • Originalzubehör oder hochwertige, kompatible Ladegeräte lassen Dein Smartphone im Idealfall am schnellsten und am schnendsten laden
  • Solltest Du den Akku austauschen: Keinen Billig-Ersatz kaufen, sondern auf Bewertungen und Support achten.
  • Wie immer gilt: Ein gelegentlicher Ausrutscher macht nichts. Im Idealfall solltest Du die Tips so oft wie möglich befolgen, der Akku kommt aber so oft wie nötig auch mit nicht schonenden Szenarien klar.

Fazit

Inzwischen ist der Akku aller Smartphones selbst so intelligent, dass sie in kritischen Situationen automatisch reagiert. Nur äußerst selten hört man von Akkus, die Feuer fangen. Bei mehreren Millionen verbauten Lithium-Ionen-Akkus liegt die Ausfallquote also sehr niedrig. Solange Du ordentlich mit Deinem Smartphone umgehst, es nicht zu oft komplett entlädst und möglichst nur Original-  oder zertifiziertes Zubehör benutzt, sollte Dein Handyakku für mindestens zwei Jahre seine Kapazität beibehalten.

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