Google Maps verrät: So sehr halten sich die Deutschen an Ausgangssperren
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Google Maps verrät: So sehr halten sich die Deutschen an Ausgangssperren

Big-Data-Analyse ist äußerst aufschlussreich

Mit den Millionen von Bewegungsprofilen, die Google unter anderem mit Google Maps erhebt, lassen sich riesige Analysen anstellen: So kann der Suchriese mit hoher Wahrscheinlichkeit Aussagen darüber treffen, wie sich die gesamtdeutsche Bevölkerung verhält. Google erlaubt aber auch die Analyse von anderen Länderdaten und erlaubt so einen globalen Vergleich der Effektivität der getroffenen Maßnahmen.

Google Maps in Deutschland: 77% weniger Ladenbesuche, fast 70% weniger ÖPNV-Nutzung

Social Distancing, Ausgangssperren, Quarantäne, Vorratskäufe: All diese Maßnahmen lassen sich in ein paar wenigen Graphen, die Google nun für die ganze Welt zur Verfügung stellt, beobachten. Durch die häufig automatisch aktivierte Standortbestimmung von Android-Smartphones hat Google einen Datensatz von mehr als einer Milliarde Handys, die regelmäßig den Standort an die Google-Server übersenden. Mit dieser Datenmenge und regelmäßigen Positions-Updates kann Google anonymisierte Bewegungsprofile erstellen und die Daten anschaulich präsentieren. Doch wollen wir einmal einen Blick in die Ergebnisse werfen (Stand: 03. April).

Einkaufen fällt flach

Seit dem 8. März 2020 sinkt die Anzahl der Menschen, die in Deutschland noch shoppen gehen, rapide. Seit dem 20. März bleibt die Quote relativ konstant, seitdem haben alle Läden Maßnahmen getroffen und das Einkaufen ist gar nicht mehr gestattet.

Supermarkt und Apotheken: Vorher eindecken, jetzt aussitzen

Auch bei Supermärkten und Apotheken ist inzwischen ein Rückgang zu bemerken. Während in den letzten Wochen häufig noch viele größere Einkäufe getätigt wurden, um im Idealfall auch kurze Zeit ohne Versorgung auszukommen, zeigt auch hier seit ungefähr dem 20. März der Graph nach unten. Die Menschen haben sich eingedeckt, Hamsterkäufer haben ihre Vorräte längst verstaut. Unter den erhöhten Vorsichtsmaßnahmen gehen weniger Menschen weiter verteilt über den Tag einkaufen, um die Infektionsgefahr möglichst gering zu halten.

Parks: Sonnige Wochenenden sind verheerend

Kaum ein Graph zeigt so starke Schwankungen wie dieser: Noch am 12. März maßen die Meteorologen eine Maximaltemperatur von 22 Grad Celsius. Kein Wunder, dass sich rund 75% mehr Menschen im Freien aufhielten. Dass das dem Ziel des Social Distancing nur begrenzt hilft, sollte jedem klar sein. Trotzdem ist es hier schwierig, aus den Daten ein Fazit zu ziehen: Der prozentuale Wert der Besuche sagt nichts zu (nicht) eingehaltenen Abständen und lässt sich auch nicht als Indikator nutzen, wie groß die Menschengruppen sind. An sich schadet ein Besuch der Natur nicht, solange Abstände eingehalten werden – ein Spaziergang im Wald ist weiterhin kein Problem.

Personennahverkehr: Bahn hat weniger zu tun

Slow, but steady: Die Bahn, aber auch lokale Verkehrsbetriebe, die für Bus und S-Bahn zuständig sind, haben im Durchschnitt fast 70 Prozent weniger Fahrgäste. Kein Wunder, dass viele Unternehmen Sonder- oder Wochenendfahrpläne etablieren.

Fast 40 Prozent arbeiten von zuhause

Home Office kommt in Zeiten von Corona auch in Deutschland an. Wovor sich lange Zeit Arbeitgeber sträubten, findet nun viele Freunde, aber auch zahlreiche Feinde. Die Decke fällt einem einfach auf den Kopf, wenn man im Eigenheim ohne Vorbereitungen auf einmal Aufgaben aus der Firma erfüllen darf. Trotzdem sprechen die Zahlen ein klares Bild: Rund 40% der Personen fahren nicht mehr täglich ins Büro, so Google.

Jetzt wird so richtig gewohnt!

Menschen bleiben öfter zuhause. Das sagt auch Google: In Deutschland befinden sich im Durchschnitt 11% mehr Menschen im Eigenheim, als zum Job zu gehen oder anderen Aktivitäten nachzugehen. Der Trend ist im prozentualen Vergleich klein, dafür aber sehr stabil.

Härtere Maßnahmen in Bayern machen sich kaum bemerkbar

Klar, die Daten von Google sind nicht unbedingt wissenschaftlich belastbar. Durch die große Menge an Nutzern von Google-Diensten sollten die Zahlen trotzdem aussagekräftig sein. Und besonders spannend ist hier der Blick auf Bayern. Der Freistaat hatte bereits vor der Bundesregierungen Maßnahmen verordnet. Die Ergebnisse sehen so aus:

Was auffällt: Prozentual gesehen gibt es zwischen dem Deutschland-Mittel und den Werten aus Bayern keine großen Unterschiede. Zum Teil lassen sich geringe Ausschläge nach unten wenige Tage vorher als im Bundesmittel feststellen, im Droßen und Ganzen sind die Abweichungen aber sehr gering.

Google Mobility Reports: Eigenen Report anfordern

Google stellt das Tool zur Bewegungsdaten-Auswertung allen Personen zur Verfügung. Wenn auch Du die aktuellen Daten ansehen möchtest, kannst Du das hier im Google-Blog tun – einfach Land oder Bundesland eingeben, auf PDF-Download drücken und Zahlen ansehen. Die Daten von Google haben einen Versatz von 2-3 Tagen, sind also nie tagesaktuell. Um Trends festzustellen, ist das Tool mit den enthaltenen Graphen aber auf jeden Fall aufschlussreich. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein findiger Programmierer eine interaktive Webseite rund um all diese Daten bastelt, um beispielseise ganze Länder miteinander zu vergleichen.

Die Daten für diesen Beitrag stammen aus der Auswertung vom 29.März, abgerufen am 03. April.