Corona: Diese Auswirkungen hat das Virus auf Produktion von Apple, Samsung und Co. | handy.de
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Corona: Diese Auswirkungen hat das Virus auf Produktion von Apple, Samsung und Co.

Die aktuelle Lage erklärt - ganz ohne Panikmache

Die Corona-Epidemie legt inzwischen nicht mehr nur China lahm, sondern auch zahlreiche andere Staaten. Welche Auswirkungen hat das auf den Handymarkt – gibt es im Sommer vielleicht keine Smartphones mehr? Wir schauen uns die derzeitige Lage genau an. Mehrere Hersteller bezogen bereits offiziell Stellung.

Zuerst einmal das Wichtigste: Die Krankheit kann nicht durch ein neues Handy übertragen werden. Die Viren überleben die in den allermeisten Fällen mehr als zwei Wochen dauernde Passage von Firma über Distributor bis zum Händler und dann Dir nicht. Zusätzlich werden die Smartphones in Reinräumen eingepackt, in denen die dort arbeitenden Menschen eh Handschuhe und Mundschutz tragen – schließlich möchtest du ja auch keine Fingerabdrücke auf Deinem nagelneuen Handy sehen. Doch kommen wir zur eigentlichen Frage: Wie groß ist das Risiko, dass schon bald keine Handys mehr verfügbar sind, weil die Produktion komplett still steht?

Galaxy S20, iPhone 11 etc.: Werden Handys durch Corona knapp?

Die Produktion von Handys kann durch den Coronavirus stark verzögert werden.

Anfang Februar startete in fast ganz Asien das „Chinese New Year“-Fest – vergleichbar zu dem, wenn man in Deutschland Weihnachten, Ostern und Neujahr auf einen Termin legen würde. Alle Menschen reisen nach Hause und lassen die Arbeit für eine Woche liegen. Doch: Durch die Corona-Fälle verlängerte die chinesische Regierung das Fest und wollte damit die Ausbreitung des Virus begrenzen. Deswegen lag die komplette chinesiche Wirtschaft für rund zwei Wochen brach – zum Teil sogar länger.

Inzwischen dürfen Unternehmen nach eigenem Interesse und unter hohen Gesundheitsauflagen weiter arbeiten. Zumindest zum Teil. Große Zulieferer mit vielen Menschen auf engem Raum sind wie gehabt ein großes Infektionsrisiko und müssen deswegen besonders vorsichtig arbeiten.

Zu genau diesen Zulieferern gehört Foxconn. Das Unternehmen produziert unter anderem das iPhone in China. Das Unternehmen musste fast drei Wochen lang die Produktion stoppen, was sich tatsächlich bereits auf das iPhone 11 und die Apple Watch auswirkt. Derzeit scheint Foxconn auf halber Leistung zu produzieren, laut internen Infos soll die Produktion erst Ende März wieder reibungslos laufen.

Einschränkungen in Asien nicht auszuschließen

Problematisch ist aber auch die Beschaffung von Einzelteilen. Schon das Ausbleiben von einem einzigen Widerstand kann die Produktion stark verzögern – und häufig kommen diese Bauteile von externen Unternehmen, die jetzt auch erst wieder ihre Lager füllen müssen. Und auch hier kann Corona zuschlagen. Eine Fabrik von LG wurde geschlossen, weil ein Mitarbeiter infiziert war – seitdem wurden keine Kamerasensoren für iPhones mehr hergestellt.

Auch müssen einige Produkte, sobald sie die Landesgrenzen überqueren, in eine 14-tägige Quarantäne. Erst danach werden sie freigegeben und können zur Fabrik geliefert werden. Diese zusätzliche Verzögerung sorgt für weitere Probleme bei der Produktion.

Im Gegensatz zu Apple ist Samsung derzeit glimpflicher davon gekommen. Die Lieferkette kommt nicht zu einem Großteil aus China; das Unternehmen setzt auch auf Vietnam, Korea und weitere Länder. Der dezentralere Ansatz schützt Samsung aber auch nicht, sollte es jetzt hart auf hart kommen.

Lieferengpässe und verschobene Produktvorstellungen können kommen

Keine Frage: Wenn Apple im Herbst das iPhone 12 vorstellt, möchten wieder Millionen Kunden auf das neueste Modell wechseln. Damit das klappt, wird in der Regel schon ein bis zwei Monate vor offizieller Vorstellung mit der Produktion begonnen – heißt beim iPhone spätestens im Juli. Bis dahin kann die Corona-Infektion schon stark zurückgegangen sein. Trotzdem besteht das Risiko, dass zumindest weniger iPhones hergestellt werden als in den letzten Jahren. Und auch Verschiebungen stehen im Raum. Wegen der Ausbreitung des Virus finden bereits jetzt einige Entwicklerkonferenzen nicht mehr statt, darunter die F8 von Facebook, die Google I/O und auch Apples WWDC-Konferenz. Es soll virtuellen Ersatz an den gleichen Terminen geben, trotzdem könnten Produkte erst später kommen.

Apple prognostiziert bereits, dass die Umsäte des Unternehmens im ersten und zweiten Quartal dieses Jahres niedriger ausfallen werden. Anders wird es bei anderen Produzenten nicht aussehen.

Besonders hart könnte es komplett chinesische Unternehmen treffen. Huawei hat kürzlich die komplette Lieferkette ins Landesinnere geholt und hat dementsprechend keine Möglichkeit, benötigte Teile aus dem nicht infizierten Ausland zu importieren.

Auch wenn Corona langsam zum globalen Problem wird, zeigt sich, wie lokal die Infektionen Auswirkungen haben. Mit bq und Gigaset gibt es auch Handy-Hersteller in der EU. Ohne Nachschub aus China, auf die wirklich jedes Unternehmen im Sektor angewiesen ist, können auch diese Firmen nicht viel ausrichten.

Ein kleines iPhone steht uns bevor - das sagen zumindest einige Analysten übereinstimmend. Das Gerät mit 4,7 Zoll Displaydiagonale soll schon im März erscheinen.