Blackberry KEY2 im Test: Mittelklasse zum High-End-Preis | handy.de
Testbericht

Blackberry KEY2 im Test: Mittelklasse zum High-End-Preis

So schlägt sich das kultige Business-Handy im Alltag

TCL hat den Nachfolger des Blackberry KEYone vorgestellt. Das neue Busieness-Handy mit Beere kommt dabei mit verbesserter Tastatur und frischem Android. Die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) ab 649 Euro hat es für ein Mittelklasse-Smartphone in sich. Ob der Preis gerechtfertigt ist und wie sich das Blackberry KEY2 im Alltag schlägt, zeigt der ausführliche Test.

Das Blackberry KEY2 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Blackberry: Eine Marke mit Charakter

Das Blackberry KEY2 ist einfach einzigartig und die silber schimmernde Beere auf der Rückseite dürfte vor allem Kinder der 90er Jahre ein Funkeln in die Augen treiben. Telefone von Blackberry waren in den 2000er Jahren DAS IT-Piece der Paris Hiltons oder Leonardo Di Caprios dieser Welt. Was sehr bald das iPhone wurde war lange Zeit ein Blackberry. Wo heute zahlreiche „Smombies“ Straßenlaternen knutschen, wurde damals ab und zu ein „Crackberry“ gesichtet, der die ganze Zeit seine E-Mails checkt – unterwegs!

Durchaus hat sich die Marke damals durch ganz andere Eigenheiten, als nur Star-Begleitung zu sein, einen seriösen Namen gemacht. Nämlich durch die erhöhte System-Sicherheit und ihre komfortablen Organizer-Anwendungsmöglichkeiten – beides Eigenschaften mit hohem Wiedererkennungswert, die auch beim neuen Blackberry nicht fehlen. Wer das Blackberry KEY2 in die Hand nimmt, erkennt bereits bei der Einrichtung zügig: Das Blackberry KEY2 will immer noch ein Business-Gerät sein und kein Entertainment-Consumer-Smartphone. Da TCL seine Zielgruppe aber keineswegs eingrenzt, und das KEY2 für die breite Masse vermarktet, durchlief das KEY2 unseren gewohnten Test-Marathon in der Klasse „Mittelklasse-Smartphone“, den wir im folgenden detailliert darlegen.

Design und Verarbeitung: Eine Zeitreise

Das Blackberry KEY2 hat TCL in zwei Farben präsentiert: Schwarz und Silber. Nostalgiker dürften bei der silbernen Version des KEY2 wohl direkt an das beliebte Blackberry Passport SE denken, das zwar deutlich breiter, aber insgesamt ganz ähnlich designt ist. Im Vergleich zu seinem Vorgänger ist das KEY2 außerdem etwas filigraner verarbeitet. Der obere Aluminium-Rahmen ist schmaler, da die 8-Megapixel-Frontkamera und der Lautsprecher im Display liegen und nicht mehr auffällig hervorstechen, wie es beim KEYone noch der Fall war. Die Maße des KEY2 haben sich nur minimal im Vergleich zum Vorgänger verändert, dafür ist das neue Blackberry-Smartphone stolze 20 Gramm leichter geworden.

Tatsächlich liegt das Smartphone gut in der Hand- trotz sehr markanter Ecken, die beim ersten Anblick gleich an Vergangenes aus dem Hause Sony erinnern. Allerdings nur kurz, denn ansonsten könnten die Smartphones von Sony und Blackberry (TCL) nicht unterschiedlicher sein. Das KEY2 sammelt im Bereich Design eine ganze Menge Sympathiepunkte. Es ist trotz mechanischer Tastatur sehr schlank und auf den ersten Blick fällt nur sehr marginal auf, dass das Display im sehr ungewöhnlichen 3:2-Format daherkommt. Gleich darunter befindet sich das Alleinstellungsmerkmal des KEY2: Eine QWERTZ-Tastatur mit 35 Tasten, der wir in diesem Test einen seperaten Bereich gewidmet haben. An der Front unseres silbernen Testgeräts fällt ansonsten auf, dass der obere Balken im Vergleich zum KEYone nun ebenfalls schwarz ist und das Display noch mal größer erscheinen lässt. Hier beherbergt das moderne Business-Handy die Selfie-Kamera sowie Sensoren und den Telefonlautsprecher.

Das Blackberry KEY2 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Mehr Eyecatcher geht nicht

Lautstärkewippe, Power-Button sowie Komfort-Taster liegen nun vereint auf der rechten Seite des Geräts im Aluminium-Rahmen. Für Rechts- wie Linkshänder sind diese gut zu erreichen. Generell schmeichelt das Blackberry KEY2 der Hand ungemein. Das liegt zum einen am soften Alu, das sich durch die Lücken und Spalten der gesamten Front zieht. Zum anderen bildet sich in Kombination mit der weichen Kunststoff-Rückseite eine anschmiegsame Symbiose, wie sie sonst bei keinem aktuellen Smartphone zu finden ist. So kommt das Blackberry KEY2 auch ohne zerbrechliches Glas aus und schafft es dennoch, sich edel und hochwertig zu präsentieren. Eyecatcher ist ganz klar die matte Aluminium-Beere auf der Rückseite, die mittig im oberen Bereich des Handy liegt. Ansonsten ist das Backcover schön clean gestaltet und beherbergt die Dual-Kamera samt mehrfarbiger Blitz-LED. Die für Europa vorgeschriebenen CE-Angaben hat TCL übrigens gekonnt versteckt. Es ist beinahe ein Wunder, dass das Unternehmen damit bei Zertifizierungsbehörden durchgekommen ist. Die Informationen sind nur in einem ganz bestimmten Winkel zu erkennen.

Das Blackberry KEY2 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Auf der Oberkante des KEY2 befindet sich noch ein 3,5-mm-Klinkenanschluss zum Einstöpseln eigener Kopfhörer. Unten findet sich der USB-Typ-C-Port zum Aufladen und zur Datenübertragung. Links und rechts daneben liegen zwei Lautsprecher, wobei im Test nur der rechte Ton ausgegeben hat.

Das Design des Blackberry KEY2 ist einzigartig und macht das Handy zu einem absoluten Hingucker. Die Tastatur macht richtig Lust auf Anfassen. Das Aluminium fühlt sich richtig gut an und verwandelt das Gerät in Kombination mit der griffigen Kunststoffrückseite zu einem absoluten Handschmeichler. Die Verarbeitung ist sauber und gelungen. Die Spaltmaße sind akkurat und mit bloßem Auge kaum auszumachen.

Display

Dass ein Tastatur-Smartphone kein riesiges 6-Zoll-Display mit sich bringen, ist klar. Markeninhaber TCL greift beim KEY2 wieder zu einem 4,5 Zoll großen IPS-Panel. Es löst mit seinen 1.080 x 1.620 Pixeln kontrastreich und farbenfroh auf, ohne erdrückend oder künstlich zu wirken. Die maximale Helligkeit hat im Praxistest ebenfalls überzeugt. Auch bei praller Mittagssonne sind die Inhalte gut ablesbar. Zum längeren Konsumieren eines E-Books im Freien wird die maximale Display-Helligkeit von 425 cd/m2 wohl aber nicht reichen. Das Display des Blackberry KEY2 macht ansonsten einen ordentlichen Eindruck, zeigt hier aber erstmals seine Mittelklasse-Zugehörigkeit.

Das Blackberry KEY2 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

So zeigt sich die Blickwinkelstabilität als in Ordnung. Beim seitlichen Blick aufs Display ist ein Blaustich deutlich zu erkennen. Dafür ruckelt beim Wischen und Scrollen nichts. Das IPS-Panel ist durch Cornings Gorilla Glass 3 geschützt. Das Display bietet keine On-Screen-Tasten. Stattdessen befinden sich die drei Android-Navigationsbutton in einem schmalen schwarzen Balken dicht unter dem Display und über der mechanischen Tastatur. Die kapazitiven Button sind nicht dauerhaft sichtbar und werden eingeblendet, wenn der Nutzer sie gebrauchen könnte.

Das Display ist kompakt, aber nicht zu klein. Die Leuchtkraft überzeugt genau wie Farbwiedergabe und Kontrast. Die Inhalte werden hochauflösend visualisiert und beim Scrollen und Surfen ruckelt nichts. Einzig die Blickwinkelstabilität könnte etwas besser sein. Bei einem Mittelklasse-IPS-Display ist aber einfach nicht mehr drin.

Technische Ausstattung

Kommen wir zu den inneren Werten des neuen Tasten-Handys. Im Herzen des KEY2 verrichtet ein typischer Mittelklasse-SoC seine Arbeit auf acht Kernen. Der Snapdragon 660 von Qualcomm kommt beispielsweise bei Mittelklasse-Handys von Nokia und Xiaomi zum Einsatz. In 64-Bit Architektur designt, taktet der Prozessor mit maximal 2,2 GHz. Ihm zur Seite steht die Adreno 512 GPU und ein Arbeitsspeicher von 6 GB – eine Ausnahme im Mittelklasse-Segment.

Der Qualcomm-SoC ist ausreichend für alltägliche Tasks wie E-Mails schreiben, surfen, surfen im Browser oder in Social Media. Auch aufwendigere 3D-Games lassen sich auf dem Blackberry spielen. Hier wird jedoch deutlich, wie praktisch ein Full-Screen-Handy ist. Beispielsweise bei Super Mario Run muss mit dem Finger weit oben auf dem Display herumgetippt werden. Die Tastatur ist hier eher störend. In Sachen Performance liefert das Blackberry KEY2 hier aber mittelklasse-gerecht ab. Das zeigt auch der Benchmark-Test des Blackberry KEY2.

Die technischen Daten im Überblick

Blackberry KEY2
Display 4,5 Zoll, 3:2-Format, IPS
Auflösung 1.080 x 1.620 Pixel (FHD+)
Prozessor Qualcomm Snapdragon 660
RAM 6 GB
Speicher 64 GB / 128 GB, erweiterbar per Micro-SD-Karte um bis 256 GB
Kamera

Frontkamera

Dual-Kamera, 12 MP + 12 MP, f/1.8

8 MP

Akku 3.500 mAh, USB Typ-C
Software Android 8.1 Oreo
IP-Zertifizierung Nein
Entsperrmethoden Fingerabdruck-Scanner (Leertaste), Muster, Passwort, PIN
Maße & Gewicht 151,4 H x 71,8 B x 8,5 T mm – 166 g
Farben Schwarz, Silber
UVP Ab 649 Euro
Marktstart Juli 2018

Blackberry KEY2 im Benchmarktest

Im Benchmarktest von AnTuTu erreicht das Blackberry KEY2 126.010 Punkte. Damit setzt sich das Handy auf eine Stufe mit dem Nokia 7 Plus und überholt das solide Huawei P20 lite, das im Test 87.675 Punkte holen konnte. Auch im relevanten Benchmarktest von Geekbench zeigt sich das Blackberry KEY2 von einer guten Seite: Im Single-Core-Test stehen 1.625 Punkte und im Multi-Core-Bereich sahnt das KEY2 mit satten 5.852 Punkten ab.

Dafür wird das KEY2 wohl aber auch an seine Grenzen getrieben. Beim Benchmarktest und beim Zocken von Asphalt oder anderen aufwendigen Spielen ist eine Hitzeentwicklung auf der Rückseite spürbar. Auch Flaggschiffe wie das Honor 10 weisen bei großer Last gerne mal erhöhte Abwärme auf. Der Snapdragon 660 verrichtet seine Arbeit trotz alledem angemessen. Die 6 GB RAM zeigen sich besonders bei schnellem Multitasking – eine wichtige Eigenschaft für ein Business-Handy.

AnTuTu Geekbench
Blackberry KEY2 126.010  

Single-Core: 1.625

Multi-Core: 5.852

Motorola Moto Z3 Play 112.287  

Single-Core: 1.324

Multi-Core: 4.518

Huawei P20 lite 87.675  

Single-Core: 936

Multi-Core: 3.673

Motorola Moto G6 70.454  

Single-Core: 729

Multi-Core: 3.835

Samsung Galaxy A6 62.915  

Single-Core: 723

Multi-Core: 3.543

Telefonie und Internet

Im Telefon-Test hat das Blackberry KEY2 auf ganzer Linie geglänzt. Die Gesprächsqualität war beiderseits hervorragend, was nicht nur an guter Netzabdeckung liegt. Vielmehr wirkt die Stimme des Gesprächspartners schön komprimiert und sitzt punktuell direkt im Ohr. Rauschen wird ohne merkliche Geräusche herausgefiltert. An dieser Stelle macht auch der Lautsprecher eine gute Figur. Die maximale Lautstärke reicht allerdings nicht aus um ihn im Auto oder in lauterer Umgebung zum Freisprechen zu nutzen. Schade.

Das Blackberry KEY“ ist natürlich in Sachen WLAN auf dem aktuellsten Stand. So kommen alle wichtigen Standards zutragen, auch das schnelle IEEE 802.11ac-Band mit einer maximalen Übertragungsrate von 1.300 MBit/s. Im heimischen oder öffentlichen WLAN surft das Blackberry im 2,4 GHz- oder 5 GHz-Band.  Mobiles Internet funktioniert ebenso standardgemäß mit allen wichtigen Frequenzbändern für Europa, Asien und Co. Im LTE (4G)-Netz kommt das Blackberry KEY2 auf maximale Übertragungsraten von 50 MBit/s im Upload und 300 MBit/s im Download.

Software und Multimedia

Interessant wird das Blackberry KEY2 auch mit Blick auf das vorinstallierte Android 8.1 Oreo. Zunächst wirkt die Oberfläche aufgrund des komprimierten 3:2-Display überladen und etwas gequetscht. Es ist ungewöhnlich, dass die kapazitiven Button so dicht in der Mitte des Handys liegen. Nach einiger Zeit kann man die kürzeren „Touch-Wege“ aber auch als komfortabel empfinden. Als etwas überladen gilt die Oberfläche aber auch aufgrund der zahlreichen Tutorials und Einrichtungen, die vorgenommen werden wollen. Hierbei handelt es sich vorwiegend um

Blackberry-Anwendungen, die teils praktisch und teils unübersichtlich daherkommen. Gut gefallen hat beispielsweise der Blackberry Hub, der unangefochten einer der durchdachtesten Multi-Messenger auf dem Markt ist. Hier können Nutzer all ihre Nachrichten von Mail bis Twitter über Facebook Messenger und Co. gesammelt anzeigen. Aber auch Anrufe werden hier angezeigt. Das ist sehr praktisch. Die Einrichtung funktioniert ebenso schnell, lediglich alle Konten müssen hier eingegeben werden.

Schon immer und zum Glück hat Blackberry eine ganz große Sache aus Sicherheit gemacht. So definiert sich auch das neue KEY2 durch coole und nützliche Sicherheitsfeatures, wie dem Locker oder Privacy Shade. Letzteres Feature erlaubt das Abdunkeln spezieller Bildschirmbereiche, damit diese vor neugierigen Blicken in der Öffentlichkeit, etwa in der Bahn, geschützt sind. Der Locker ist praktisch ein virtueller Safe, in dem Bilder und Dateien abgelegt werden können, die sich nur per PIN oder Fingerabdruck aufrufen lassen. Schön ist auch, dass TCL dieses Feature weitergedacht hat: Bereits beim Erstellen von Fotos kann der Locker aktiviert werden und sichert die Bilder dann direkt geschützt im Blackberry-Safe. Daten innerhalb des Lockers können auch nicht von Drittanbieter-Apps gescannt werden oder in Clouds abgelegt werden. Sie sind für andere Programme schier unsichtbar. Ein tolles und wichtiges Feature für ein Business-Handy.

Auch ohne „Edge“: Ähnlichkeit mit Samsung

Ebenfalls toll aber etwas kompliziert in der Einrichtung sind die sogenannten Registerkarten, die an Samsungs erweitere Android-Oberfläche Experience UI erinnern. Denn am linken oder rechten Bildschirmrand kann beim Blackberry KEY2 mithilfe dieses Features eine kleine Leiste herausgewischt werden, die unterschiedliche Widgets darstellt und so einer erweiterten Benachrichtigungszentrale gleichkommt.

In Sachen Software und Features macht dem Blackberry KEY2 niemand etwas vor. Zunächst wirken die vielen Möglichkeiten viel zu überladen. Alle Features wollen sofort nach der Einrichtung entdeckt und genutzt werden. Das nervt. Mit der Zeit lernt man die ein oder andere Anwendung allerdings sehr zu schätzen. TCL schafft eine nahtlose Integration der spezifischen Blackberry-Anwendungen nicht zu hundert Prozent. Die Übergänge sind nicht immer fließend.

Die Tastatur

Weit aus dem Fenster gelehnt hat sich der Markeninhaber TCL bei der veränderten physischen Tastatur, die seit eh und je den Charakter von Blackberry-Smartphones formt. Zum einen hat TCL hier das Design verändert und mit einer neuen Taste mit Beeren-Logo Shortcuts eingeführt. Zum anderen ist die QWERTZ-Tastatur 20 Prozent größer als die Tastatur im Vorgänger. Dabei blieb das Display des Blackberry KEY2 mit 4,5 Zoll in der Größe unverändert. Die Tastatur verfügt über einen besseren Druckpunkt; insgesamt sind die Tasten flacher als beim Blackberry KEYone, was der Haptik auf jeden Fall zugute kommt. Dennoch ist es eine Umgewöhnung, mit dem Blackberry KEY2 Nachrichten zu verfassen. Tatsächlich muss man die gewünschten Tasten gar nicht so genau treffen, um den Buchstaben zu erwischen. Beim blind Drauflostippen fühlte es sich so an als habe man keine Taste so richtig getroffen, dennoch sind 95 Prozent der Worte korrekt gewesen. Auch das Feature Flicktype hat in unserem Test hervorragend funktioniert.

Flicktype nutzt die kapazitive Tastatur, indem durch schnelles Hochwischen auf den Tasten aus drei Wortvorschlägen ausgewählt werden kann. Flicktype ist reine Übungssache. Es kommt hier stark auf die Art und die Dauer des Wischens an. Wer den Dreh raus hat will die Funktion beim Blackberry KEY2 nicht mehr missen. Faszinierend ist, dass man heutzutage so sehr an das antippen von Bildschirmen gewöhnt ist, dass es beinahe anstrengend wird, Tasten mit Druckpunkt zu bedienen. Aber auch hier gelten beliebte Floskeln wie: „Geduld ist eine Tugend“ oder „Man gewöhnt sich an alles“. Besonders viel Spaß macht Scrollen und Wischen auf der Tastatur übrigens beim Surfen durch soziale Netzwerke oder im Internetbrowser. Hier lässt sich nicht nur vertikal hoch und herunter scrollen, sondern bei geeigneten Inhalten auch horizontal per Wisch nach links und rechts.

Das Blackberry KEY2 im TestQuelle: Julia Froolyks / handy.de

Die Shortcuts

Mit dem Blackberry KEY2 hat TCL eine neue Taste eingeführt, die wirklich praktisch. Das Wort „Shortcuts“ (Tastenkürzel) erhält mit dem mechanischen Keyboard eine seinen Ursprung zurück. Denn die neue Blackberry-Taste unten rechts lässt sich je zweimal mit den anderen Tasten kombinieren. Eine Aktion für längeres Drücken der Kombination und eine Aktion für kurzes Drücken der Kombi. Für die Einrichtung der gewünschten Shortcuts muss die Blackberry-Taste gedrückt werden. Daraufhin öffnet sich das Menü. So viele Möglichkeiten machen die Sache mit den Shortcuts allerdings auch schnell unübersichtlich. Wer sich an simple Kombinationen wie „Blackberry-Taste + K“ für Kamera oder „F“ wie Facebook hält, sollte aber auf jeden Fall von den Shortcuts profitieren.

Die Leertaste als Multitasking-Held

Eine Besonderheit stellt die längliche Leertaste auf dem Keyboard des KEY2 dar. Denn sie dient gleichzeitig schön versteckt als Fingerabdrucksensor. Der funktionierte im Praxistest leider nicht immer zuverlässig, geschweige denn schnell. Hier ist man mittlerweile an die Zuverlässigkeit der Sensoren in anderen Android-Handys oder in Apples iPhone gewöhnt. Die Leertaste verrichtet ihre Dienste aber auch an anderer Stelle. So steht sie innerhalb der Kamera-App als Auslöser bereit, was sich als sehr komfortabel erwiesen hat und sehr an ältere Fotoapparate erinnert, bei denen mit dem Zeigefinder oder Daumen ausgelöst werden musste. Die Leertaste muss zum Aufnehmen eines Fotos nur berührt werden. Ein Druck führt die Aktion aber auch aus. 

Die Lautsprecher

Bei den meisten Handy-Tests ist man bereits auf schlechten Sound gefasst, den so manch Smartphone-Lautsprecher von sich geben. Auch das Blackberry KEY2 zeigt sich hier nicht besonders innovativ und krächzt lediglich aus einem der beiden unter dem Gerät verbauten Speaker. Selbst für die morgendlichen Körperpflege-Routine im Bad taugt das KEY2 nicht als Radio-Ersatz. Dem Lieferumfang liegen dafür In-Ear-Kopfhörer bei, die sogar ganz komfortabel zu tragen sind und dank verbautem Mikro auch als Headset verwendet werden.

Blackberry hat auf der IFA 2018 ein neues Smartphone vorgestellt. Es handelt sich dabei um eine abgespeckte Version des Blackberry KEY2. Die Lite-Version des Tastatur-Smartphones – das Blackberry KEY2 LE – startet in der 64-GB-Version in den Verkauf.

Sensoren und Schnittstellen

Wie bereits erwähnt dient dem Blackberry KEY2 ein USB-Typ-C-Port zum Aufladen und zur Datenübertragung. Das Blackberry KEY2 ist zudem als Single- oder Dual-SIM-Version erhältlich. Der SIM-Schlitten fasst in beiden Fällen eine Micro-SD-Karte. Neben Bluetooth 4.2 und Miracast steht außerdem mit NFC eine weitere wichtige drahtlose Übertragungsmöglichkeit zur Verfügung. Mit GPS, Glonass, Galileo und Beidou sind außerdem alle gängigen Tracking-Schnittstellen an Bord.

Die Kamera

Das Blackberry KEY2 bekommt erstmals eine Dual-Kamera mit Tele-Objektiv, die je mit 12

Megapixeln auflöst und somit Bilder in maximal 4.272 x 2.848 Pixeln festhält. Zum Einsatz kommt ein Sensor von Sony, der IMX 378 mit f/1.8-Blende. Ein elektronischer Bildstabilisator und ein 4-facher Digitalzoom komplettieren das rückseitige Kamera-Setup. In der Praxis beweist sich die Kamera als durchschnittlich. Im Tageslicht kommen gewöhnliche Aufnahmen zustande. Der HDR-Modus sorgt für eine leichte Verbesserung von Kontrast, Belichtung und Farben. Die Dual-Kamera zeigt allerdings sehr schnell ihre Schwächen. Die Blende lässt selbst bei Lichtverhältnissen im Norm-Bereich nicht viel durch und so kommt es schnell zu Rauschen. Schneller als bei anderen kürzlich getesteten Mittelklasse-Geräten, wie dem Huawei P20 lite oder Moto G6. Für ein Business-Handy ist die Kamera allerdings gerade noch in Ordnung.

No selfie, please!

Angesichts der hohen UVP grenzt die Leistung der Kamera allerdings an einer Frechheit. Zumal

das Blackberry als Firmen-Smartphone durchaus auch für Fotos genutzt werden muss – man denke hier an Architektur, Landwirtschaft oder Bau. Immerhin lassen sich die Aufnahmen, die im Tageslicht entstanden sind scharf heranzoomen, um Details zu erkennen. Beim Knipsen ist aber eine ruhige Hand gefragt, damit es soweit erst kommen kann. Der Bokeh-Modus der Kamera erinnert an die Anfänge dieser eigentlich hübschen Spielerei vor gut zwei Jahren. Die offensichtliche Berechnung des Effekts funktionierte im Test leider zu keiner Zeit. Die Selfie-Kamera des Blackberry KEY2 zeigt sich zudem als Totalausfall und schaffte im Test kein einziges scharfes Selbstporträt – egal bei welchen Lichtbedingungen. Das ist mehr als schade. Huawei hat das mit seinem Honor 10 gezeigt und eine der besten Kameras am Markt in einem günstigen Gerät verbaut.

Wer kaum mit dem Smartphone fotografieren will, kann getrost über die unterdurchschnittliche Kamera des Blackberry KEY2 hinwegsehen. Alle anderen dürften sich angesichts des Preises sehr ärgern. Schnappschüsse sind möglich, aber rauschen schnell. Der Porträteffekt zeigt sich fehlerbehaftet und die Selfie-Kamera ist ein Graus für Instagram-Nutzer.

Akku

Der Akku-Test verlief deutlich besser als der obige Kamera-Teil. Hier konnte das Blackberry trotz anfänglicher Startschwierigkeiten punkten. Der Test lief standardisiert ab: Einer achtstündigen Intensivnutzung folgte die 16-stündige Standby-Zeit. Während beider Phasen war das Smartphone komplett eingerichtet, mit einer SIM-Karte ausgestattet und im WLAN eingeloggt. Bluetooth und GPS waren eingeschaltet und der Akku komplett aufgeladen. Die folgenden Disziplinen durchlief das Blackberry KEY2 zu je 30 Minuten innerhalb der ersten Phase:

  • Telefonieren
  • Im Browser surfen
  • In sozialen Netzwerken surfen
  • Fotografieren
  • Musik-Streaming über radio.de
  • HD-Video-Streaming über YouTube
  • Spielen von Super Mario Run

50 Prozent nach 24 Stunden

Überraschenderweise verlor das Gerät in der ersten Phase während des Musik-und HD-Streamings bereits elf Prozent Akkuladung, was erfahrungsgemäß bereits viel ist. Dafür zeigte sich das Mittelklasse-Handy im weiteren Verlauf ausdauernder. Telefonieren und surfen konnten dem KEY2 nicht wirklich viel anhaben. Am Ende der achtstündigen Phase zeigte das Blackberry einen Akkustand von 60 soliden Prozent. Die darauffolgende Standby-Zeit zeigt sich mit verbrauchten zehn Prozent ebenfalls unauffällig. Allerdings war das Gerät hier „nur“ noch mit einem WLAN und nicht mit einem Mobilfunknetz verbunden. Nach 24 Stunden und 17 Minuten noch satte 50 Prozent am oberen rechten Bildschirmrand – ein paar weniger werden es sein, wäre das Handy ebenfalls mit dem Mobilfunknetz im Standby verbunden gewesen. Grundsätzlich ein Wert mit dem man leben kann. Wer wirklich viel Business mit dem Blackberry KEY2 machen will, sollte aber wohl ein USB-Typ-C-Kabel und eine Akku-Bank zu seinem ständigen Begleiter machen. Das gilt aber für alle Smartphones in der Mittelklasse, die viel beansprucht werden.

Fazit

Bricht man das Fazit ehrlich herunter, ist das Blackberry KEY2 ein ziemlich teures Mittelklasse-Das Blackberry KEY2 im TestSmartphone mit mechanischer Tastatur. TCL schafft hier allerdings so viel mehr: Das Design ist durchdacht – Kritik zur Tastatur des KEYone wurde gewissenhaft und mit einem tollen Ergebnis umgesetzt. Das Tippen ist Gewöhnungssache, macht aber Spaß nach einiger Zeit. Die zusätzlichen Sicherheits-Features sind durchdacht, der Blackberry Hub ist nach wie vor eine tolle Sache. Der größte Kritikpunkt zum Blackberry KEY2 geht an das Kamera-Setup bestehend aus der Dual- und Frontkamera. Es ist einfach nicht nachzuvollziehen, warum TCL hier nichts Besseres verbaut hat, zumal es die deutlich günstigere Konkurrenz vorgemacht hat. Alle anderen Testbereiche sind zufriedenstellend ausgefallen. Mit dem fast schon unverschämten Preis von 650 Euro für 64 GB Speicher und 699 Euro für 128 GB Speicher erreicht das Blackberry KEY3 3 von 5 Sternen im Mittelklasse-Segment. Das Handy hat unglaublich viel Potenzial, das an vielen Stellen nicht ausgeschöpft wurde. Dennoch: Das Konzept Tastatur-Handy ist immer noch nicht gestorben.

Das Blackberry KEY2 im Test

Pro

  • Ausgeklügelte touch-sensitive QWERTZ-Tastatur
  • Schönes markantes Design
  • Viele praktische Sicherheitsfeatures

Con

  • Hoher Preis
  • Unterdurchschnittliche Kameras

Alternativen

Es gibt zum Blackberry KEY2 keine Alternative in Sachen Tastatur-Smartphone. Anders sieht es mit Blick auf die Rubrik „Android-Smartphone“ aus. Wir empfehlen hier das deutlich günstiger Honor 10 mit richtig guter Kamera, einem jungen Design und aktuellem Android. Auch das Huawei P20 lite sowie das Moto G6 Plus könnten gute und günstigere Alternativen zum Blackberry KEY2 sein. Alle Handys haben uns im Test gut bis sehr gut gefallen.